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Predigt: Der Mensch erntet, was er sät … oder? (Themenpredigt zu einem biblischen Sprichwort) 2. September 2007

Liebeerntenwasmansaet Gemeinde,
man erntet, was man sät. Dieser uralte Zusammenhang von Ursache und Wirkung hat auch in der Bibel seine Spuren hinterlassen. Dort nennen ihn die Fachleute den „Tun-Ergehens-Zusammenhang“. Der Name ist dabei Programm: entsprechend meinem Tun wird es mir auch einmal ergehen. Wer Böse handelt, dem wird Böses widerfahren. Der Gerechte wird für sein Handeln belohnt.

Im Alten Testament gibt es viele Stellen, die von unserer menschlichen Saat und ihrer Ernte sprechen. Der Prophet Hosea beklagt die Ungerechtigkeit im Volk Israel und sagt „Sie säen Wind und werden Sturm ernten. Ihre Saat soll nicht aufgehen, was dennoch aufgeht bringt kein Mehl und wenn es etwas bringen würde, sollen Fremde es verschlingen.“ (Hosea 8, 7)
Zugleich ermahnt er seine Landsleute: Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maß der Liebe. Sät ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen.

Auch im Neuen Testament greift Paulus den Gedanken auf und spricht warnend davon, dass der Mensch ernten wird, was der sät: „Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch säet, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten, wer auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden, denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten wenn wir nicht nachlassen.”

Alles klar? Scheinbar ist der Tun-Ergehenszusammenhang so tief in unserem Denken und unserer Bibel verankert, dass er so einer Art geistige Sedimentschicht bildet. Das geht sogar so weit, dass zu alttestamentlicher Zeit ein Mensch dann als Weise galt, wenn er diese Zusammenhänge verstand. Die Kunst des rechten Säens, also des rechten Tuns wurde in der damaligen Weisheitsliteratur vermittelt. Die Bücher der Sprüche Salomo und der Weisheit finden wir wir auch in unserer Bibel.
Entsprechend entdecken wir dort Sätze wie „wer Unrecht sät, der wird Unglück ernten, und die Rute seines Übermuts wird ein Ende haben.”

Das Buch der Sprüche lehrt uns auch, dass das alles kein Naturgesetz ist, sondern dass Gott selbst derjenige sei, der dafür einstehe, dass gute Saat auch gute Ernte, also gutes Handeln auch zu Erfolg und Glück führen würde.

Es steht außer Frage: Das Motto „der Mensch erntet, was er sät” ist gesellschaftlich akzeptiert, weil es ein gutes, ein gewünschtes, Handeln fördert und davor bewahren soll, dass Menschen aus Eigennutz böse, also unsolidarisch, eigennützig oder gar bösartig handeln. Also ein pädagogisch wertvolles Motto.
Man müsste glauben: Wenn jeder Mensch dieses Naturgesetz versteht, kann es überhaupt keine Ungerechtigkeit auf unserem Planeten mehr geben. Denn das böse Handeln bringt ja keinen Vorteil sondern nur Nachteile mit sich.

Aber in der Bibel finden wir auch ganz andere Erfahrungen. Der berühmteste Protagonist ist Hiob. Ein klassischer Gutes-Säer. Er hatte in seinem Leben alles richtig gemacht, war gottesfürchtig und gerecht. Und doch erntet er eines Tages eine Katastrophe nach der anderen. Er verliert seine Besitztümer durch feindliche Räuber, seine Kinder sterben durch Unglücke, und er selbst wird von einer schweren Krankheit heimgesucht. Das gesamte Buch dreht sich um die Frage: Wie kann es geschehen, dass ein solch gerechter Mensch so viel Unrecht erleiden muss?
In der alttestamentlichen Wissenschaft geht man davon aus, dass das Hiob-Buch eine Wende in Denken des Volkes Israel markierte. Nämlich die so genannte „Krise der Weisheit”. Man hat sich damit auseinander gesetzt das der über Jahrhunderte fest behauptete Zusammenhang von gutem Tun und gutem Ergehen nicht immer so einfach herzustellen ist.
Hiob steht da f ür viele andere Menschen, die ebenfalls nicht verstehen deshalb ihnen ein schweres Schicksal begegnet ist. „Warum lässt Gott das zu?” ist die moderne Frage, die auch Hiob quälte.

Und wir sollten bedenken, dass sich die Frage vor allem dann stellt, wenn wir vorher behauptet haben, dass es einen Zusammenhang zwischen meinem Tun und meinen Ergehen geben müsse.

Mit anderen Worten und zugespitzt formuliert: Wenn ich Gott als Garanten für die Belohnung meines guten Handelns verstehe, befinde ich mich zwar auf alttestamentlich gut begründeten Boden ; zugleich komme ich damit ganz schnell in gedankliche und auch glaubensmäßigen Schwierigkeiten, wenn es mir auch nur annähernd so wie Hiob ergeht.

So muss Hiob auch nach langem hin und her einsehen, dass es ein Fehler war, dass eigene Wohlergehen von Gott zu fordern, weil man eben ein gerechter Mensch ist. Gott staucht Hiob ganz gewaltig zusammen und weist ihn zurecht: Als sterblicher Mensch hat er weder das Recht noch die Fähigkeit Gott auf die Anklagebank zu zitieren.
Auch wenn wie Hiobs-Geschichte am Ende gut ausgeht –  die Folgen dieses geistlichen Erdbebens bleiben. Wir müssen lernen, dass nicht immer auf gute Saat eine gute Ernte folgt oder auf eine schlechte Saat eine schlechte Ernte folgen müsste. Denn andersrum tut sich auch so manche Lücke auf und wir müssen erleben, das Manche mit Lug und Trug weiterkommen als mancher, der es mit Wahrhaftigkeit versucht.

Damit geht mir bedauerlicherweise der ganze pädagogische Aspekt baden. Auch wenn nach wie vor ein Zusammenhang bestehen bleibt, kann ich weder fordern oder noch fest behaupten, dass wir immer genau das Ernten, was wir gesät haben.

 

Aber vielleicht ist es auch gar nicht so schlimm?
Ich wage einen kurzen Blick in den Hinduismus. Dort gehört das Karma, das Gesetz der Wiedervergeltung zu einem der Grundgedanken der Religion. Jede falsche Handlung wirkt sich auf mein Leben aus; auch wenn es letztlich erst bei meiner Wiedergeburt in einer höheren oder niedrigeren Daseinsform seine Folgen zeigen wird. So wagt der arme Bauer nicht, seine Kuh zum Schlachten -es könnte ja die Wiedergeburt seiner Urgroßmutter sein, und die Folge für diesen Frevel müsste er dann ohne jede Rücksicht büßen.  Oder der rechtlose Hilfsarbeiter fürchtet sich davor, nach einem besseren Beruf zu streben, denn er ist sicherlich auf Grund früherer Vergehen im so einer schlechten persönlichen Situation. Also ist es ganz gerecht, dass er der Fußabtreter der Wohlhabenden ist.
Ist ihnen das zu abenteuerlich? Ich kenne selbst eine fränkische Familie, der wurde aus ihrem frommen Freundeskreis vorgeworfen, dass die Hauterkrankung ihres Kleinkindes ihrem Grund in persönlicher Sünde der Eltern hätte. Da finden wir ihn wieder, dem unerschütterlichen Glauben in einen gnadenlosen Tun-Ergehens -Zusammenhang. Das erinnert mich an die Freunde des Hiob. Auch da kam Elifas und versuchte dem zutiefst verzweifelten Hiob klarzumachen, dass Hiob bestimmt irgend etwas verbrochen haben müsse… denn sonst hätte Gott das doch niemals zugelassen!

So langsam spüre ich, dass unser Slogan von Saat und Ernte auch ganz schnell einen bösen Beigeschmack bekommen kann.
– Dass da plötzlich viel Selbstgerechtigkeit mitschwingt.
– Dass man Opfer zu Tätern umetikettiert.
– Und dass man Gott zu einer Rechenmaschine macht, die auf 2 Stellen nach dem Komma genau, mir die Ergebnisse dessen vor die Füße knallt, was ich selbst verschuldet habe.

Sicherlich deckt sich das dann nicht mehr mit dem Gott, den wir als den Vater von Jesus Christus kennen gelernt haben.

Den gerade an dessen Kreuz zerbricht die ganze Aufrechnerei von guten und schlechten Säen in unserem Leben.
Da stirbt Jesus Christus für mich, damit ich als Sünder Leben ernten kann.
Unter den Augen Gottes wird meine Schuld durch sein Leiden untergepflügt.
Als Christen ernten wir etwas, was wir niemals selbst gesät haben.  Schon allein deshalb nicht gesät, weil wir als Sünder dazu niemals in der Lage gewesen wären.

Liebe Gemeinde,
wieder einmal müssen wir erkennen, das einfache Schlagworte eben nur einfache Schlagworte sind und auch einer theologischen Wirklichkeit nicht gerecht werden. Natürlich werden wir weiterhin oft genau das ernten, was wir säen. Und darüber ist nicht nur der Pädagoge in mir froh.
Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit.

Auf der andern Seite müssen wir damit leben, dass wir manchmal im Leben trotz guter Saat keine glückliche Ernte einbringen können. Vielleicht können wir das ein wenig leichter tragen, wenn wir wissen, dass wir daran nicht unbedingt die Schuld tragen.

Zum andern dürfen wir damit leben, dass wir nicht für jeden Fehler von Gott zur Rechenschaft gezogen werden und die Rechnung präsentiert bekommen. Denn als Christen dürfen wir aus der Vergebung leben, die jegliche Saat-und Ernte-Rechnerei aus reiner Liebe zu uns über den Haufen wirft.

Amen

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4 Kommentare

  1. Langsam habe ich keine Lust mehr gut zu sein da ich nur negatives ernte, und außerdem seit wann erntet man eine Enthauptung nach Gründung von einer Hilfsorganisation.Diese Bibelweisheiten lügen doch nur. Das ist alles nur Phantasie aber keine Realität

    • Liebe Frau Köber,
      ich kann ihre Frustration über dem Mord an Peter Kassig sehr gut nachvollziehen. Genau diese Erfahrung ist es ja, die uns oft mürbe macht und in die Verzweiflung treibt: Wir tun Gutes, und ernten im Gegenzug statt Wertschätzung nur Ablehnung.
      Genau diese Erfahrung habe ich in der Predigt aufgenommen: Der Bibelvers „was der Mensch sät, das wird er ernten“ ist ja nur EINE Aussage, die wir eben nicht vorschnell verallgemeinern dürfen. In der Bibel finden wir oft genug genau die entgegengesetzte Erfahrung – und unsere Herausforderung ist es, damit umzugehen.
      Die einfache Weisheit „wer gutes tut, dem wird es gut ergehen“, hat die Bibel selbst immer wieder in Zweifel gezogen – von daher ist sie näher an unserer Realität, als manche glauben mögen.

  2. Hierzu möchte ich sagen, dass „Wir ernten was wir säen“ die absolute Wahrheit ist. Aber eben anders interpretiert: Das Säen bezieht sich auf die eigenen Gedanken, die ich denke, das Selbstbild, dass ich mir selbst durch Suggestionen und Visualisierungen eingebe. Also die mentalen Bilder mit denen ich mein Unterbewusstsein beschrifte, werden zu meiner erlebbaren Realität(Die Saat). Sehe ich mich als glücklich, reich und erfolgreich im Inneren, bin ich es auch im Äußeren. So sprach eben Jesus auch „Nach eurem Glauben wird euch geschehen“ Damit hat er die Wahrheit ausgedrückt. Also kann ich nur den Rat geben: Egal welches Ziel man erreichen will, betet man dafür intensiv, bedankt sich im Voraus bei Jesus dafür und visualisiert es regelmäßig als erreicht, wird es wahr werden. Jedes Ziel.

  3. Korrektur: erlebbare Realität= Die Ernte meinte ich natürlich

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