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Predigt: Die Botschaft der Gollhöfer Hostiendose von 1661 (Römer 3, 25) 10. April 2009, Karfreitag

Die Hostiendose aus dem Jahr 1661 wurde im Jahr 2005 karfr1restauriert. Sie wird wie alle historischen Abendmahlsgeräte Gollhofens in einem Bankschließfach aufbewahrt. Eine unangemeldete Besichtigung ist darum nicht möglich.

Liebe Gemeinde,

wenn wir in unserer Kirche das Heilige Abendmahl feiern, steht neben den üblichen Abendmahlsgeräten auch etwas auf dem Altar, was wir eigentlich gar nicht benutzen, aber irgendwie dazugehört: Diese kleine Hostiendose.
Sie dient eigentlich der Aufbewahrung der Abendmahlshostien; aber für die Anzahl, die wir benötigen, ist sie zu klein, und darum nutzen wir die blütenförmige Schale, die viel mehr Platz hat. Aber diese Hostiendose steht dennoch auf dem Altar. Nicht nur, weil sie ein außergewöhnliches Kunstwerk ist, sondern weil sie selbst durch ihre Gestaltung eine eigene Predigt ist. ich will weiterlesen

Fest des Fisches?

„Wenn die Leute zu Ostern oder Weihnachten Fische oder Gänse vorbestellen, dann besorge ich mir immer einige auf Reserve. Denn manche Leute vergessen es, ihre Fisch vorzubestellen, und wenns dann am Karfreitag keinen gibt, ist die Katastrophe groß.“

Erzählt mir die Inhaberin meines Lieblingsgetränkeladens mit angeschlossenem Geflügel- und Fischverkauf. Es gibt sie also, die Menschen, für die Ostern das Fest des Karpfens, und Weihnachten das Fest der Gans ist. – Mich wundert da bald nichts mehr.

„Ist mit doch wurst, ob Jesus auferstanden ist, Hauptsache der Karpfen bleibt tot im Backofen liegen!“

Da brauch ich ja nur drauf zu warten, dass mir mal ein Konfirmand erklärt, weshalb der Fisch das Zeichen der ersten Christen war: „Wegen dem Karfreitagskarpfen!“ – Der geneigte Leser darf sich bei Bedarf auch „Osterkarpfen“ denken und den genitivtötenden Dativ mit der grammatikalisch korrekten Form ersetzen.

Nichtsdestotrotz werde auch ich am Karfreitag einen typisch fränkischen Karpfen genießen.

karpfen.jpgGuten Appetit: http://www.chefkoch.de/forum/2,19,305338/Karpfen-am-Karfreitag.html

Predigt: Die zweite Wirklichkeit sehen (Johannes 19, 16-30) 18. April 2003 , Karfreitag 2003

Liebe Gemeinde,

Die Kreuzigung Jesu – eine Erzählung, die uns sehr bekannt erscheint. An Karfreitag wird traditionell darüber gepredigt. Man könnte meinen: Alle Jahre müsste die gleiche Predigt kommen. Aber sie wissen als Gottesdienstbesucher aus jahrelanger Erfahrung: Es gibt immer etwas Neues zu entdecken.

Den Bericht des Johannesevangeliums haben sie eben bereits in der Lesung gehört. Der Evangelist Johannes hat diese Kreuzigung in vielen kleinen Szenen dargestellt:  Zunächst die Kreuzigung selbst, dann der Streit über die Inschrift „König der Juden“, die Soldaten, die um Jesu Gewand würfeln, das Gespräch des Gekreuzigten mit Maria und am Schluß Jesu Tod.

Ich möchte mit ihnen diese fünf Szenen mit offenen Augen entlanggehen, und schauen was wir da entdecken können. ich will weiterlesen

Predigt zum Karfreitag 2002: Schwäche ist eine Stärke höherer Ordnung (Jesaja 52, 1-12) 29. März 2002

Liebe Gemeinde,

Wie wird es wohl den Jüngern Jesu ergangen sein – nachdem ihr Herr gekreuzigt worden war? Ich stelle mir da zum Beispiel Matthäus vor. Er war Zolleinnehmer gewesen bis er Jesus begegnet ist. Diese Begegnung hat sein Leben völlig verändert: Er hat seinen sehr lukrativen aber auch anrüchigen Job aufgegeben und ist mit Jesus durch das Land Israel gezogen.
Er hat erlebt, wie Jesus handelte, wie er Kranke heilte, wie er anders mit den Menschen umging als die Schriftgelehrten, und wie überzeugend er seine Botschaft vom kommenden Reich Gottes verkündigte. In Matthäus reifte die Erkenntnis: Jesus muss der Messias sein.

Und er hat mitbekommen, wie sich eine Gegnerschaft gegen Jesus bildete, wie immer deutlicher wurde, dass diese Botschaft manche begeisterte und andere ihr ganz ablehnend gegenüberstanden.
Dann die Woche vor der Kreuzigung. Alles war sehr schnell gegangen… Jesus scheint es gespürt zu haben, was da auf ihm zukam, denn er redete immer wieder von seinem kommenden Leiden. Dann das letzte Mahl am Donnerstag, gleich darauf die Festnahme und am Morgen danach die Kreuzigung.
ich will weiterlesen

Predigt: Die Spötter haben etwas übersehen (Matthäus 27, 33-57) 13. April 2001, Karfreitag

Liebe Gemeinde,

wir Menschen sind von Natur aus neugierig. Und: wir sind Augen-Tiere. Wir wollen was sehen, was anschauen, was erleben. Und manchmal ist es uns ziemlich egal, was wir anschauen, Hauptsache, wie haben was anzugucken.
Das wissen wir nicht erst seit der Erfindung der Fernbedienung am Fernseher ; denn da können wir beliebige Tasten drücken es gibt immer etwas anzuschauen… und darum auch eigentlich keinen Grund auszuschalten.
Heute schauen wir uns Big Brother an, vor einigen Jahren ist man als Gaffer zu Verkehrsunfällen gepilgert, und unsere Vorfahren sind scharenweise zusammengelaufen, wenn eine Hinrichtung anstand. Da musste man hin, da gab’s was zu erleben, das dürfte man einfach nicht verpassen.
Wir finden so etwas heute (wo es keiner öffentlichen Hinrichtungen, aber fünf TV-Leichen pro Abend, gibt) ganz abscheulich, wenn man damals seine Nachbarn und seine Kinder mit auf die Hinrichtungsstelle geschleppt hat.
Der Mensch der da zu Tode gebracht werden soll, wird zum Anschauungsobjekt. Der eigene Tod, er gehört ja zu dem, was mich ganz persönlich -und meine engsten Angehörigen – betrifft, der wird mir entrissen, enteignet, wenn er öffentlich passiert. ich will weiterlesen