Predigt: Das Osterei: Gekocht, roh – oder ganz lebendig (2. Timotheus 1, 7-11) Ostersonntag, 1. April 2018

Eine Symbolpredigt zum Osterei. Dabei hilft 2. Tim 1, 7-11 um den Blick auf das Eigentliche zu fokussieren, was durch die Auferstehung offenbar geworden ist.

Predigttext: 2. Tim 1, 7-11
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes.
9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt,
10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium,
11 für das ich eingesetzt bin als Prediger und Apostel und Lehrer.

Verborgenes wird sichtbar

Liebe Gemeinde,
Ostern ist das Fest, an dem lange Verborgenes aufgedeckt wird. Und damit meine ich nicht die sorgfältig versteckten Osternester und Ostergeschenke. Es geht um das, was Jesus Christus, was Gott selbst am Ostermorgen aufdeckt: Nämlich, was es auf sich hat, mit diesem Jesus von Nazareth, der so lange durch Galiläa und Judäa gezogen ist, gepredigt hat, und schließlich hingerichtet wurde. Und auch die Frage, ob das, was er gesagt und verkündet hat, wirklich stimmt – oder ob das nur nette Sprüche sind, die mit Gott eigentlich nichts zu tun haben.
Da fehlte ja eigentlich eine Antwort! „Bist du Gottes Sohn?” haben sie Jesus nach seiner Verhaftung gefragt. Aber das kann ja eigentlich jeder von sich behaupten – was fehlt, ist die Bestätigung, die nur Gott geben kann.

Die Auferstehung Jesu bringt da Klarheit. Sie ist die Bestätigung dessen, was Jesus gesagt und getan hat. Sie ist quasi die Unterschrift Gottes unter Jesu Worte – auch unter seine Ankündigung des kommenden Reiches Gottes.
So haben seine Jünger die Botschaft von der Auferstehung Jesu verstanden. Durch sie wurde die Liebe Gottes, seine Vergebungsbereitschaft und sein Sieg über den Tod ans Licht gebracht.

Endlich ist alles klar.
Endlich hat der Zweifel, ob man dem Richtigen nachfolgt, ein Ende.
Die Botschaft der Liebe Gottes krabbelt zusammen mit dem Auferstandenen aus dem Felsengrab.
Drei Tage haben sie warten müssen – hatten keine Ahnung von dem, was da hinter dieser Steinplatte eigentlich Neues entsteht.
Erst als diese Platte sich einen Spalt breit auftut und Jesus das Grab verlässt, ist für die Jünger Jesus zu erkennen: Ab jetzt ist alles anders!

Das Ei: Leben aus der leblosen Höhle

Liebe Gemeinde,
für diesen Prozess rund um Ostern ist ja eigentlich das Osterei kein schlechtes Symbol. So ein Ei im Hühnerstall liegt da im Nest, gewärmt von der Henne. Die harte Schale trennt das Innenleben von unserer Welt. Wir wissen nicht, das in diesem Ei geschieht. Entsteht da etwas Neues, wird irgendwann neues Leben aus dem Ei schlüpfen – oder war es nichts? Ich sehe es von außen nicht. Ich muss abwarten – um zu erkennen, ob das Ei Leben in sich birgt.

Aber irgendwann bekommt die Schale einen Riss! Aus dem Ei, das bis jetzt leblos schien – ohne den Hauch einer Bewegung – man könnte es auch für einen toten Stein halten – aus diesem Ei bahnt sich ein kleines gelbes Küken seinen Weg.
Neues Leben ist da, jeder kann es erkennen – dieses Leben, das irgendwie immer ein Wunder Gottes ist.

Das Ei und das Grab Jesu – da gibt es zweifellos interessante Parallelen.
Ist vielleicht darum das Ei schon recht früh ein Symbol für Ostern geworden?

Eier-Geschichten

Eigentlich hat es die Bibel ja nicht so mit den Eiern. Das Ei als Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit suchen wir da vergeblich. Der Grund wird wohl darin liegen, dass viele Religionen des Orients schon zu Zeit der Propheten Fruchtbarkeitsrituale hatten und in mythischen Erzählungen Eier eine Rolle gespielt haben. Und für die Kinder Israels war klar: Mit deren Vorstellungen haben wir nichts zu tun. Wir vertrauen unserem Gott – nicht irgendwelchen Fruchtbarkeitsgottheiten. Leben kommt von Gott – nicht aus dem Ei.

Aber zur Zeit der ersten Christen war das kein Streitpunkt mehr. Von daher konnte man sich der Symbolik des Eis unbefangen nähern. Schon der Kirchenvater Augustin hat vom Ei als Symbol der Auferstehung Jesu gesprochen. Im 12. Jahrhundert gab es schon eine gottesdienstliche Eiersegnung, die unsere katholischen Geschwister bis heute kennen. Das beinhaltet dann eben auch, dass ich das Osterei bewusst als Erinnerung an die Auferstehung Jesu esse.

Zugleich müssen wir damit leben, dass das Osterei nicht unser ur-christliches
Eigentum ist. Wir glauben an Jesus! Nicht an bunte Eier oder den Osterhasen. Darum hat das Ei natürlich weiterhin auch eine Symbolik, die nichts mit Ostern zu tun hat. Als Symbol des Lebens und des Neuanfangs passt es natürlich ideal zum beginnenden Frühling.

Das ist natürlich auch eine Schattenseite des Erfolgs des Ostereis und des Osterhasen: Die funktionieren auch ohne Christentum. So können auch Buddhisten, Muslime und Atheisten problemlos Ostern feiern und Eier verstecken – ohne sich mit unserem christlichen Glauben auseinanderzusetzen.
Aber da teilen sich Ostern und Weihnachten das gleiche Schicksal: Weihnachtsbaum und Geschenke gibts auch bei den Menschen, die nicht mal wissen, wo ihre Kirche steht.

Was steckt in deinem Ei?

Liebe Ostergemeinde, ich habe noch einen letzten Gedanken. Eine Verwandte von uns hat vor ein paar Tagen zum Frühstück ein Ei essen wollen. Holt sich das Ei aus dem Fach im Kühlschrank, wo normalerweise die Hartgekochten liegen. Tock tock schlägt sie es am Tellerrand auf … sie schreit … und sprintet in die Küche, um einen Lappen zu holen. Tja, das Ei war dummerweise noch roh gewesen.

So ist es halt, da steckt man nicht drin – auf Anhieb sieht man es dem Ei nicht an, ob es roh ist, hartgekocht, weichgekocht, oder ob in Kürze ein Küken draus schlüpft. Nach außen sehen sie alle gleich aus!
Um die Unterschiede herauszufinden, kann man da allerlei Tricks anwenden, aber einfach durch das Aschauen aus der Entfernung habe ich keine Chance!

Ich überlege, ob unser Oster-Glaube auch in verschiedenen Zuständen existiert. Ohne dass man das von außen beurteilen kann.

Ist bei mir die Osterfreude kurz vor dem Ausschlüpfen? Weil ich spüre, wie wichtig mir das ist: Jesus ist auferstanden! Er hat den Tod überwunden! Und er ist auch für mich auferstanden – hat meine Schuld getragen und eröffnet mir den Weg zum ewigen Leben. Das muss gefeiert werden, und vor allem müssen andere Menschen auch davon erfahren.
Sie merken: Da kratzt die Glaubensfreude wie ein Küken von innen und will raus!

Aber vielleicht ist es auch eher ein rohes Oster-Ei? Ich spüre, dass mein Glaube auch schon zerbrechlich ist. Weil ich nicht auf alles eine Antwort finde. Auch das mit der Auferstehung Jesu will ich für mich annehmen, weiß aber auch, dass mir ein bisschen die Vorstellung fehlt, wie das zugegangen sein soll. Ich nehme meinen Glauben ernst, gehe auch nicht fahrlässig mit ihm um. Weil ich weiß: Er ist mir wichtig. Er soll keinen Schaden nehmen.

Oder habe ich den Eindruck: In mir ruht ein solide gekochtes Oster-Glaubens-Ei. Robust, lange haltbar, vielleicht auch schön eingefärbt. Mit der Zeit ist es auch mal irgendwo angestoßen, aber insgesamt doch noch in Ordnung. Na gut – ein bisschen hart und trocken fühlt es sich manchmal an – so richtig lebendig sprühend ist es auch nicht immer.

Ich weiß nicht, wo Sie sich da wiederfinden.
Und vielleicht geht es Ihnen so, dass Ihnen alle drei Zustände bekannt vorkommen. Denn unser Glaube ist ein lebendiges Geschehen in uns selbst, das sich verändert. Mal von roh zu gekocht – oder von hartgekocht zu „ich bin ganz aus dem Häuschen”.

Wichtig ist, dass Sie Ihren Glauben hüten – aber nicht verstecken. Auch wenns Ostern ist: Eier können wir verstecken – unser Glauben lieber nicht. So, wie es Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus geschrieben hat:
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn. Er hat uns selig gemacht nach der Gnade, die uns durch Christus erschienen ist, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat.
Amen

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