Andachten auf Charivari 98,6 im Juni 2010

Andachtenreihe um Schuhe:
Montag: Jesus-Latschen
Dienstag: Kinderschuhe
Mittwoch: Fußballschuhe
Donnerstag: Bremsschuhe
Freitag: Laufschuhe
Samstag: Lackschuhe

Lackschuhe

Unsere kleinen Töchter finden Lackschuhe totaaaal cool. Zumindest wenn sie wissen, dass es auf ein Fest geht –  eine Hochzeit oder so. Mit Kleidchen, Feinstrumpfhose und Lackschühschen sehen sie todschick aus, und sind auch stolz ohne Ende. Zumindest die ersten paar Stunden während des Festes.  Spätestens beim Kaffetrinken entdecken die dann den Spielplatz hinter der Gastwirtschaft, und dann kommt die Frage: Können wir die Lackschuhe ausziehen, wir wollen im Sand spielen. Also raus aus Feinstrumpfhose und Lackschuh und rein in den Sandkasten – recht haben sie.Die Edelschuhe stören da bloß.
Kinder dürfen das. Bei so heißen Tagen ist es ja auch eine Qual, bei so einem Familienfest im dunklen Anzug, mit Hemd und Krawatte herumzustehen. Eigentlich müssten wirs genauso machen. Krawatte weg, Sacko über die Stuhllehne, Hemd aufknöpfen. Und mit zu den Kindern auf den Spielplatz. Ja, warum nicht. Ich glaube ein Familienfest lebt nicht von korrekt angezogenen Gästen, sondern der Freude derer die da sind und mitfeiern.
Und jede Wette: Wenn Onkel Alexander, barfuß und mit hochgekrempelter Anzughose, beide Blumenkinder an der Hand  durch den Bach steigt – das sind Hochzeitsfotos, die wirklich unvergesslich sind. also,liebe Hörer, wenn jetzt wieder kräftig Hochzeiten gefeiert werden: Haben sie den Mut, auch mal ein paar Kleiderregeln zu vergessen. Ihre Kinder werden es Ihnen danken.

Kinderschuhe

Die zweite Andacht zum Thema „Schuhe“ – Heute mit den Kinderschuhen. Und zwar im übertragenen Sinn: Wenn eine neue Technologie entwickelt wird, dann sagen die Experten: Die steckt noch in den Kinderschuhen.  Die Grundlagen sind zwar da, vieles klappt bereits; aber an vielen Stellen gibt’s noch Anlaufschwierigkeiten; Probleme, Fehler, Ausfälle – so ist das halt, wenn ein Projekt noch in den Kinderschuhen steckt.  Da muss man eben Geduld haben, darf seine Ansprüche nicht zu hoch schrauben und muss sich mit den wenigen guten Ansätzen zufriedengeben. Das charmante an der ganzen Angelegenheit: Wenn man weiß, dass das Ding noch in den Kinderschuhen steckt, dann geht man mit seinem Urteil auch viel gnädiger um; weil man eben nichts perfektes erwartet.

Ich selber stecke auch nach 40 Jahren als Mensch auch irgendwie immer noch in den Kinderschuhen. Da funktioniert auch nicht alles wie am Schnürchen. Ich weiß noch nicht alles, kann nicht alles, und mache immer wieder die gleichen Fehler.  Ja, so ganz werde ich aus den Kinderschuhen wohl nie herauswachsen. Ich hoffe halt, dass meine Mitmenschen mich auch so akzeptieren – als Mensch in den Kinderschuhen.  Vielleicht ist dann ihr Urteil auch nicht ganz so hart und sie gehen mit meinen Unzulänglichkeiten und Fehlern gnädiger um.  Weil wir wissen: Ja, wir sind ja alle noch am lernen – und werden unsere Kinderschuhe wohl nie ganz los. Einen guten Tag wünsche ich ihnen.

Der Bremsschuh

Kennen sie Bremsschuhe? Die gibts in keinem Schuhladen – die verwenden die Eisenbahner am Rangierbahnhof zum Abbremsen der Güterzüge. Das ist so ein Metallteil, das legt man vor die Zugräder. Aber es gibt Menschen, die haben auch Bremsschuhe an. Nicht so sehr an den Füßen … eher im Kopf. Die haben immer die Bremse angezogen, die blockieren voll.

Da will ein Elternbeirat für den Kindergarten ein neues Spielgerät anschaffen, Geld sammeln, man hat den Eindruck, es geht gleich los. Und dann kommen die mit den Bremsschuhen aus der Deckung: Ach, brauchen wir sowas wirklich? Gibt’s das nicht billiger? Ich glaube nicht, dass wir das Geld dafür zusammenbekommen. Ich möchte aber, dass das Holz aus biodynamischen Anbau kommt und bei Vollmond geschlagen ist, sonst darf da mein Kind nicht drauf… Bremsschuhe ohne  Ende.

Wirklich schade – wenn wir uns von solchen Bremschuhen den Schwung nehmen lassen würden! Natürlich kann man alles, was man vorhat kritisch betrachten und Bedenken haben. Aber wenn wir nur mit Angst und Skepsis in die Zukunft schauen, geht gar nichts vorwärts. Hoffnung und Gottvertrauen – das sind zwei wirksame Gegenmittel, wenn wir uns mal wieder nicht so recht trauen, Schritte nach vorn zu gehen. Mit Hoffnung und Vertrauen auf Gottes Hilfe, haben viele Menschen schon unglaubliches erreicht. Man muss es nur wagen. Einen guten Tag wünsche ich ihnen.

Jesuslatschen

Wenn ich in dieser Woche jeden Morgen eine Andacht zu unterschiedlichen Schuhen mache, dann dürfen die sogenannten „Jesuslatschen“ nicht fehlen. So nennen manche Leute so Sandalen mit Lederriemen – denn solche Dinger hat Jesus damals getragen, sieht man ja immer in den Jesus-Filmen im Fernsehen. Aber … das ist ja bloß im Film so.  Eigentlich wissen wir nicht, und, und welche Schuhe Jesus getragen hat,  genausowenig ist es überliefert, ob er einen Bart getragen hatte, ob er vielleicht blond war oder dick.
Und eigentlich ist es auch egal. Wir haben schon genug damit zu tun, den Fußstapfen hinterherzugehen, die er hinterlassen hat. Die sind schon beeindruckend genug. Von ihm geht das Gebot aus, seinen Nächsten genauso zu lieben wie sich selbst. Er hat es vorgelebt, was es heißt, auch mit seinen Feinden freundlich umzugehen und nicht jede Gemeinheit mit gleicher Münde heimzuzahlen.
Ob mit altertümlichen Jesuslatschen oder modernen Wanderschuhen: Das ist kein einfacher Weg. Aber es lohnt sich ihn zu gehen – Schritt für Schritt in Jesu Fußstapfen.

Fußballschuhe

Guten Morgen – in meiner Andachtenreihe rund um die Schuhe ist heute natürlich der Fußballschuh dran.  Heute Abend, wenn unsere Mannschaft gegen Ghana spielt, dann gibt’s ja Leute, die ziehen sogar ihre Fußballschuhe an, wenn sie auf dem Sofa sitzen und sich das Spiel anschaun. Bier, Chips, Fanschal, Vuvusela, Nationalmannschaftstrikot, Deutschlandfahne und Fußballschuhe – alles muss dabei sein, damit man standesgemäß dem Fußball huldigen kann.  Und da will sich jemand beschweren, dass bei der Kirche – im Gottesdienst – lauter so seltsame, alte, unverständliche Rituale zelebriert werden? – Die Fußballer machens ja auch nicht anders. Ich denke: Besondere Ereignisse brauchen besondere Rituale.  So eine WM hat seine eigenen, und die christliche Kirche auch.

Ich gebe zu: Ich verstehe nicht so ganz, weshalb man vorm Fernseher oder fürs Public-Viewing Fußballschule anzieht; aber vielleicht muss ich das einfach mal probieren, um zu merken, das das was ganz besonderes ist.Und umgekehrt wird mancher den Gottesdienst erst schätzen lernen, wenn er es ein paar mal ausprobiert hat. Diese ungewöhnlichen Gesänge und Worte in der Kirche. Schließlich ist jeder Sonntagsgottesdienst auch eine Welt-Meister-Schaft: Denn wir treffen den Meister, der die Welt geschaffen hat. – Also Gott.

Letztlich sind sich die Fußballfans und Kirchenleute im Grunde einig: Besondere Begegnungen brauchen besondere Orte:  Heute Abend vielleicht beim Gemeinsamen Jubeln im Biergarten. Und am Sonntag zum miteinander Singen in ihrer Kirche.

Laufschuhe

In meiner Schuhandacht-Reihe will ich Ihnen meine wertvollsten Schuhe vorstellen: Meine Joggingschuhe. Teuer sind sie nicht, aber wertvoll – auch die möchte ich nicht verzichten. Gerade wenn die Arbeit stressig ist, wenn ich genervt bin, überlastet und am liebsten explodieren möchte, dann brauche ich diese Schuhe. Rein in die Laufschuhe und ab durch die Mitte: 10 km über die Felder bei meinem Dorf. Zuerst bin ich viel zu schnell unterwegs, vielelicht ist das so ne Art Fluchtreflex vor dem Streß, aber  dann geht’s entspannt durch die Landschaft:

Grüne Wiesen, Weizenfelder, ein Hase verschwindet im Gebüsch, am Horizont drehen die Flügel der Windräder langsam ihre Kreise. Eine Lärche singt weit oben unsichtbar ihr Lied. Mein Gott, denke ich, du hast diese Welt so wunderbar gemacht,  alles scheint perfekt aufeinander abgestimmt, harmonisch, eine Einheit. Warum sollte ich mit deiner Hilfe nicht auch meinen Job daheim hinbekommen. 10 km auf meinen Laufschuhen – und die Welt hat sich für mich verändert.
Mit dreckigen Schuhen an den Füßen fliehe ich aus meiner Bude, und mit der Gewissheit, dass Gott mir hilft im Kopf komme ich zurück.  Darum sind meine Joggingschuhe so unbezahlbar wertvoll. Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

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