Radioandachten auf Charivari 98,6 im November 2013

Die Themen:
Montag: Die besten Beerdigungen der Welt
Dienstag: Goldfisch zum Geburtstag
Mittwoch: Hocker für den Herrn
Donnerstag: Reformationstag
Freitag: Schwer zu sagen?
Samstag: Meineid – dein Eid?

Montag: Die besten Beerdigungen der Welt

Guten Morgen,
„Die besten Beerdigungen der Welt”, so heißt ein Kinderbuch, das es inzwischen auch als Film gibt. Drei Geschwister im Grundschulalter finden eine tote Hummel und entschließen sich, sie ordentlich zu beerdigen. Und über ihr Ergebnis sind sie so zufrieden, dann sie dann ein Beerdigungsinstitut gründen, Überfahrene Tiere, ein toter Hamster und der Hering aus Mamas Kühlschrank werden formvollendet zu Grabe tragen. Das ganze mit viel Gefühl, liebevoll bemalten Grabsteinen und selbstverfassten Gedichten.

Die Kinder in diesem Buch sind einfach wunderbar: Denn sie haben erkannt, wie wichtig es ist, „dass” und „wie” wir Abschied nehmen von jemanden, der gestorben ist.
Im Gegensatz zu manchen Erwachsenen spüren diese drei:
Für diesem einmaligen Abschied braucht man kein großes Spektakel, kein „time to say goodbye” oder weiße Tauben. Denn das alles lenkt ab, von dem, was eine Beerdigung ausmacht:
Die Ruhe und Stille, die wir brauchen, um sich an das zu erinnern, was uns verbindet. Und den Blick in den Himmel, weil wir hoffen können, dass Gott auch nach unserem Tod noch etwas mit uns vor hat.

Wenn Sie einmal eine Beerdigung planen müssen denken sie dran „besten Beerdigungen der Welt”, brauchen nicht „Viel” sondern nur ganz „Wenig”.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Dienstag: Goldfisch zum Geburtstag

Guten Morgen,
Basti hat seiner Oma zum 80. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Es ist nicht schön eingepackt, hat keine Schleifchen sondern schwimmt in einer durchsichtigen Plastiktüte: Drei Goldfische für Omas Aquarium.
Er kanns kaum erwarten, dass die Fischchen in ihr neues Heim in Omas Esszimmer einziehen. Und ich glaube, die Oma insgeheim auch nicht. So lässt sie ihre Gästeschar im Wohnzimmer zurück, und setzt mit Basti die Goldfische ins Aquarium ein. Oma und Enkel schauen zu, wie die drei ihre ersten Runden drehen, sie reicht ihm die Dose mit dem Fischfutter, und Basti streut einige Flocken ins Becken.
Ich glaube: Das war an diesem Tag das großartigste Geschenk für Bastis Oma. Da kann der Fresskorb genauso wenig konkurrieren, wie so manches andere wertvolle Geschenk.
Die kleinen Geschenke, die genau das treffen, was dem Anderen wichtig ist; die sagen: Ich habe an dich gedacht, mir ist wichtig, dass dein Herz sich freut – und da ist es mir auch gleich, ob es nach etwas aussieht, oder nicht.
Die zu finden ist oft ungeheuer schwer.
Aber die Geschichte mit Basti und seiner Oma – die macht mir Mut, es mal wieder zu versuchen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Mittwoch: Hocker für den Herrn

Guten Morgen,
sie haben gesägt, gebohrt, gehobelt geklebt, sich am Sandpapier die Finger wundgescheuert – aber jetzt waren sie mit ihrem Werk fertig: Meine ehemaligen Konfirmanden Tim und Chris. Die beiden hatten bei ihrer Konfirmation beschlossen, statt der üblichen Konfirmandenspende in Geld, lieber einen Satz Meditationshocker für die neuen Konfis zu spenden – und zwar selbstgemachte!
Und nun sind sie nach einigen Wochenenden im Bastelkeller damit fertiggeworden. Schweres Eichenholz haben sie genommen, ein Pate hat geholfen. Diese Meditationshocker schauen total edel aus.
Die beiden Jungs waren nicht immer ganz einfach in Konfikurs, liebenswerte Lausbuben halt. Aber mit dieser Aktion haben sich mich total überrascht. Denn es ist schon ein Unterschied, ob ich 50 Euro als Spende in einen Umschlag stecke, oder ein paar Tage im Keller dafür rackere.
Jetzt stehen die Hocker in meinem Arbeitszimmer. Die Oberfläche ist frisch geölt und verbreitet einen schweren, würzigen Duft im Raum.
In der Bibel gibt es viele Stellen, sie davon sprechen, dass Gott sich am Geruch einer Opfergabe im Gotteshaus erfreut. Und dann schaue ich mir diese Hocker an, und denke: Ja, auch das ist eine Gabe, über die Gott sich freut, und sogar ich freue mich, wenn sie mir in die Nase steigt.
Einen guten Tag wünsche ich ihnen.

Donnerstag: Reformationstag

Guten Morgen,
das Bild kennt jeder: Martin Luther, wie er mit wuchtigen Schlägen seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelt. Tock-Tock Tock. Davon ist zwar die Wittenberger Kirche nicht eingestürzt – aber in der gesamten kirchlichen Welt ist in mancher Hinsicht kein Stein auf dem anderen geblieben.
Eine gewaltige Veränderung der Welt – durch so einen kleinen Mönch mit 95 Thesen auf lapprigen Papier.
Vor ihm haben das andere auch schon versucht und sind gescheitert. Obwohl sie teilweise die gleichen Ideen vertreten haben!
Wahrscheinlich ist alles eine Frage der richtigen Zeitpunkts.
Da hängt ein Mann im richtigen Moment, am richtigen Ort die richtigen Sätze an die Kirchentüre, und es verändert sich wirklich alles.
Die richtige Idee zum optimalem Zeitpunkt zu haben – das ist bis heute eine Kunst.
In richtigen Moment einem guten Freund mal eine unangenehme Wahrheit zu sagen – das ist unheimlich schwer.
Rechtzeitig einem Kollegen Hilfe anzubieten, bevor er aus Unwissen und Verzweiflung einen Fehler begeht – wer weiß schon wann es „zu früh“ und wann es „zu spät“ ist.
Ob ich im richtigen Moment am richtigen Ort das Richtige mache? Das weiß ich oft erst nachher.
Aber eines weiß ich schon vorher: Nichts zu tun, wo handeln nötig ist – das ist auf jenen Fall verkehrt.

Eine guten Tag wünsche ich ihnen

 

Freitag: Schwer zu sagen?

Guten Morgen,
ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, dass es mit Gott oft so …
naja, wie soll ichs ausdrücken … also dass man denkt, er wäre …
ähm ja …. das ist aber auch schwer in Worte zu fassen.
Das hab́ ich mich ja jetzt auf was eingelassen … und das in aller Frühe …

Ich versuch es noch mal so: Bei der Frage nach Gott liegt es ja auf der Hand, dass er …. zumindest für viele Menschen … aber für andere ist es ja doch nicht … hach, so gehts auch nicht.

Komm, das lass ich jetzt! Ich denke, dass es gar nicht geht, allgemein und für jeden einsichtig von Gott zu reden. Ein Philosoph hat gesagt: Wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.
(Stille)
Nee! Das geht jetzt aber auch nicht. Weil ich oft genug erlebe, wie es ist, mit einem Gott zu leben. Wie viel Hoffnung und Orientierung das gibt. Und da sind manchmal Momente … die lassen sich wirklich nur schwer in Worte fassen – aber da erlebe ich, dass es diesen Gott gibt und er in meinem kleinen Leben Dinge verändert. Da steht mir dem Mund offen, und ich sage: Boa, Gott, du bist der Hammer.
Und weil ich das in meinem Leben erfahre, muss ich über diesen Gott reden, auch wenn mir manchmal die richtigen Worte fehlen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Samstag: Meineid – dein Eid?

Guten Morgen,
wenn sie am morgigen Sonntag in eine evanelische Kirche gehen, werde sie wahrscheinlich eine Predigt darüber hören, dass Jesus seinen Jüngern verboten hat zu schwören.
Und er begründet es auch: Egal ob du bei Gott oder bei deinem Kopf schwörst, wird das, was du sagst nicht automatisch wahrer. Denn wenn es nicht stimmt, wenn du einem Meineind schwörst, wird kein Blitz vom Himmel fahren, und deine Haare werden auch nicht plötzlich weiß.
Deshalb ist ein Schwur sinnlos und Augenwischerei.

Jesus sagt auch, was er für richtig hält: Sage eindeutig „ja” oder eindeutig „nein”. Alles andere ist Rumlaviererei und hilft nicht weiter.
Wenn man sich auf dein Wort 100%ig verlassen kann.
Wenn man weiß, dass du auch bei der Wahrheit bleibst, wenn du damit in Schwierigkeiten kommst.
Und wenn du dich genauso auf das verlassen kannst, was Andere dir sagen.
Dann ist dir und den Anderen mehr geholfen als mit allen Eiden auf dieser Welt.. Dann gewinnen alle – denn angelogen werden will ja eigentlich niemand.
Man muss halt selber damit anfangen – mit der Wahrheit.

Einen guten Tag wünsche ich ihnen.

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