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Radioandachten auf Charivari 98,6 im März 2014

Thema: Die Faschingswoche
Montag: Olle Kamellen
Dienstag: Masken tragen
Mittwoch: Am Aschermittwoch ist gar nichts vorbei
Donnerstag: Schrei im richtigen Moment
Freitag: Essensregeln
Samstag: Einrittskarte für die Kirche

Montag: Olle Kamellen

Guten Morgen,
Kamelle! Das ist das Wort des Tages – zumindest, wenn man die Rosenmontagszüge im Köln und Mainz anschaut. Kamelle! Kiloweise fliegen Süßigkeiten und kleine Spielzeuge von den Motivwagen in die Zuschauermenge.
Hier in Nürnberg hatten wir das alles ja schon gestern.
Unsere Kinder finden das toll, wenn die „Kamelle” auf sie niederprasseln und sie am Ende ein ganze Einkaufstüte voller Schätze haben.
Und die haben sie jetzt nach einem Jahr immer noch. Das Zeug nascht ja kaum keiner. So liegt bei uns immer noch die Tüte mit den ollen Kamellen vom letzten Jahr.
„Olle Kamellen” – die gibts ja auch im übertragenen Sinn.
Die Geschichte von der alten Feindschaft mit der Nachbarin Sophie.
Das unmögliche Verhalten von Onkel Robert bei Julias Konfirmation.
Die Pelzjacke, die sich die Schwester aus dem Schrank der verstorbenen Oma geholt hat, ohne die anderen Verwandten zu informieren.
Das sind oft so olle Kamellen. Immer wieder mal werden sie rausgeholt: „wisst ihr noch, wie des war?” – Jeder hört es sich an, aber keinen interessieren diese ollen Kammellen.
Die liegen da rum, belasten das Miteinander – keiner hat was davon.
Die muss man halt man entsorgen, verzeihen, neu anfangen.
Olle Kamellen, die man ewig gehütet hat, wegzuschmeißen, fällt nicht leicht – aber wenn man´s geschafft hat – dann ist das ein tolles Gefühl.
Einen guten Rosenmontag wünsche ich Ihnen.

Dienstag: Masken tragen

Guten Morgen
zum Kinderfasching war ich eigentlich immer ein Indianer. Nicht, weil mir das so besonders gefallen hätte, sondern weil meine Mutter dieses Kostüm irgendwo günstig bekommen hatte.
So war ich ein Indianer – und wäre viel lieber ein Cowboy gewesen.
Hätte wild rumgeballert und einen coolen Hut aufgehabt. Vielleicht hätte ich neben dem Colt sogar ein Gewehr gehabt – hätte ne richtig coole Show abgezogen.
Aber so war ich ein friedlicher Indianer mit Federschmuck. Eigentlich war ich im Fasching das, was ich immer war: Friedlich, gewaltfrei, ausgleichend und unscheinbar.
Die Hoffnung, an Fasching mal ein ganz anderer zu sein – das ist bei mir ins Wasser gefallen.
Allerdings: Bei den Cowboys wars auch nicht anders: Diejenigen, die mit ihren Spielzeugpistolen den Mädchen in die Ohren schossen, das waren ja die, die in der Woche vorher in der alten Fabrik die Fensterscheiben eingeworfen haben.
An Fasching sind wir gar nicht so anders.
Versteckt in ein Kostüm sind wir die Gleichen, aber trauen wir uns vielleicht manches, wozu wir sonst nicht den Mut hätten.
Aber: Warum brauche ich dazu ein Kostüm? Was hindert mich daran, auch ohne Maskerade..
… so zu sein, wie ich bin?
… das zu sagen, was ich meine?
… Schwierigkeiten anzusprechen, wo sie sind?
… Sympathie auszudrücken, wo ich sie empfinde?
Kostüme … eigentlich brauchen wir sie nicht … weil es besser ist, wenn wir uns nicht verstecken.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Mittwoch: Am Aschermitwoch ist nichts vorbei

Guten Morgen!
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei!” Das alte Karnevalslied kennen wohl auch die größten Faschingsmuffel.
Am Aschermittwoch ist alles vorbei! Das klingt ja fast nach Weltuntergang. Wie gut, wenn man am Faschingsdienstag noch mal gescheit das Leben genossen hat.
Eigentlich stimmt das ja gar nicht. Am Aschermittwoch gehts eigentlich richtig los! Nämlich die 7 Wochen vor Ostern fangen da an. Ich will gar nicht „Fastenzeit” sagen, denn das klingt schon wieder so nach Abschied.
Im Grund ist das Thema diser 7 Wochen der Anfang – der Blick nach vorne: Die Überlegung, wie mein Leben aussehen soll.
Welche Schwerpunkte will ich setzen?
Welche Ziele will ich erreichen?
Was ist mir wichtig – und was ist für mich gar nicht mehr von Bedeutung?
7 Wochen für ein paar klärende Gedanken und Entscheidungen.
Das Vorbild für unsere kirchliche Fastenzeit waren die 40 Tage, in denen Jesus allein in der Wüste war, und sich auf seine Zeit als Prediger und Heiler vorbereitet hat .
In Ruhe nachdenken, was mir wichtig ist – um dann entschlossen seinen Weg zu gehen.
Darum gehts in diesen Tagen – Deshalb ist am Aschermittwoch nichts vorbei; es geht gerade erst los.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Donnerstag: Schrei im richtigen Moment

Guten Morgen,
immer wieder die gleiche Szene im Fernseh-Krimi: Da kommt die Putzfrau nichtsahnend ins Haus der wohlhabenden Familie, durchquert die Wohnung und entdeckt dessen blutüberströmte Leiche. Dann sehe ich das entsetzte Gesicht der Putzfrau und es folgt ein markerschütternder gellender Schrei.
Das ist anscheinend Pflicht im Fernsehen: Beim Anblick eines Opfers muss man schreien!
Eigentlich ist es ja absolut nutzlos. Der Tote wird davon nicht lebendig, es ist keiner da, der es hören könnte – und wirklich glücklich macht die Brüllerei auch nicht.
Komisch, dass wir dann schreien, wenn es eh nichts bringt – aber dann, wenn es nötig wäre, einmal laut zu schreien, dann kriegen wir den Mund nicht auf!
Gegen manche himmelschreiende Ungerechtigkeit in unserer Welt müsste man den ganzen Tag brüllen.
Und da, wo man sieht, was bei Freunden oder Nachbarn schief läuft … da wäre es auch nicht verkehrt, mal etwas zu sagen. Aber da bleiben wir leider immer wieder ganz ganz leise.
Sogar in der eigenen Familie wird so manches Problem totgeschwiegen, weil man sich nicht herantraut an das, was da gerade im Argen ist.
Wir schweigen, da, wo man mal reden müsste. Und da, wo wir sowieso nichts ändern können, da erheben wir unsere Stimme.
Wir müssten´s genau umgekehrt machen – aber dafür brauchen wir Mut und wohl auch das Vertrauen, dass Gott uns dabei hilft.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Freitag: Essensregeln

Guten Morgen,
wir haben den ersten Freitag in der Fastenzeit. Darf ich mal fragen, was Sie heute Mittag und heute Abend essen?
Traditionell wäre ja am Freitag Fisch angesagt.
Überhaupt: In früheren Jahrhunderten kam in den ganzen 7 Wochen der Fastenzeit gar kein Fleisch auf den Teller.
Sagen sie jetzt bitte nicht, das wäre alles längst passé! Die kirchlichen Regeln sind oft vergessen. Aber wir haben ja jede Menge neuer Essens-Gebote:
Wir unterscheiden zwischen guten und bösen Fetten.
Bei Manchen kommt nur „Bio” auf den Tisch.
Andere haben entschieden, dass es besser sei, keine Tiere zu essen, und schauen herunter auf diejenigen, die ein Schnitzel lieben.
Oder Sie gehören zu Fraktion derer, die Fertigprodukte meiden, wie der Teufel das Weihwasser.
Es gibt sie auch heute. Essensregeln, mit denen wir uns definieren – und im Idealfall zeigen: Wir essen besser! – Ob wir dann auch bessere Menschen sind? Bei manchen Zeitgenossen könnte man den Eindruck haben.
Allen Besser-Essern hat Jesus gesagt: Nicht das, was du in deinen Mund hineinschiebst, macht dich zu einem guten oder schlechten Menschen. Sondern das, was aus deinem Mund herauskommt! Denn in dem, was du sagst, zeigst du, wie es in deinem Herzen aussieht. Und das offenbart, wie du wirklich bist.
Also: Essen sie, was sie wollen! Aber achten sie gut auf ihre Worte!
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Samstag: Eintrittskarte für die Kirche

Guten Morgen,
wenn man in unserer Kirchengemeinde in den Gottesdienst will, muss man sich vorher im Pfarramt eine Einrittskarte kaufen.
Die gibts im Pfarramt, das hat eine Stunde vor Gottesdienstbeginn geöffnet, und die Sekretärin, die die Karten verkauft, kontrolliert auch, ob man angemessen angezogen ist. Wenns nicht passt, gibts keine Einrittskarte.
Finden Sie die Idee gut?
Vor über 100 Jahren hat es das in der oberfränkischen Gemeinde Schönwald mal gegeben – zwar nur bei Traugottesdiensten – aber immerhin.
Gottesdienst als Hochglanz- Show mit handverlesenen Publikum, das dafür Einritt zahlt.
– Das wäre mein Alptraum –
Ich liebe unsere Gottesdienste, wie sie sind:
– Kostenlos, weil ich weiß, dass ich Gottes Liebe sowieso nicht bezahlen kann
– Offen für Frau Meier, die mit ungewaschenen Haaren kommt, weil sie die eh nur alle 14 Tage wäscht.
– Mit etlichen falschen Tönen von der Orgel, weil das Kind der Organistin die letzte Nacht durchgebrüllt hat.
– mit einem Pfarrer der gegen Ende der Predigt merkt, dass die letzte Seite seiner Predigt wohl noch im Drucker liegt – kurz stutzt und dann die Brille abnimmt, und gradewegs zusammenfasst , was ihm an dieser Bibelstelle berührt hat.
Wo es das gibt? In unseren Kirchen, morgen am Sonntag – ohne Eintritt – aber ganz menschlich.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

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