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Predigt: Trost, der das Leiden mitträgt (2. Korinther 1, 3-7) 6. März 2016

Dieter Schütz  / pixelio.de

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Der Predigttext 2. Kor 1, 3-7 ist in der aktuellen Lutherübersetzung recht mühsam zu hören. So habe ich hier die Neue Genfer Übersetzung verwendet. Die Schwerpunkte dieser Predigt liegen beim Ernstnehmen des Leidens und beim Blick auf die Vorstellung, im eigenen Leiden mit Christi Leiden verbunden zu sein.

Liebe Gemeinde,
der Predigttext für den heutigen Sonntag beschäftigt sich mit dem Ineinander von Leiden, von Freude und vom Getröstetwerden. Paulus schreibt angesichts der großen Sorgen und Probleme der Menschen im 2. Brief an die Gemeinde in Korinth:

3 Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Denn er ist ein Vater, der sich erbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt.
4 In allen unseren Nöten kommt er uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe, und deshalb können wir dann auch anderen Mut machen, die sich ebenfalls in irgendeiner Not befinden: Wir geben ihnen den Trost und die Ermutigung weiter, die wir selbst von Gott bekommen.
5 Genauso nämlich, wie wir in ganz besonderem Maß an den Leiden von Christus teilhaben, erleben wir durch Christus auch Trost und Ermutigung in ganz besonderem Maß.
6 Wenn wir also Nöte durchmachen, geschieht das, damit ihr die mutmachende und rettende Kraft Gottes erlebt. Und wenn wir getröstet und ermutigt werden, bedeutet das auch für euch Trost und Ermutigung; es hilft euch, standhaft die gleichen Leiden zu ertragen wie wir.
7 Deshalb sind wir voll Hoffnung und Zuversicht, wenn wir an euch denken, denn wir wissen: Genauso, wie ihr an den Nöten teilhabt, habt ihr auch an dem Trost und der Ermutigung teil.
(Text: Neue Genfer Übersetzung)

Liebe Gemeinde,
ein Predigttext, wie ein Marmorkuchen. Egal, von welcher Seite ich ihn ansehe, in ihm sind Hell und Dunkel sind vermischt und verrührt – aber nicht so dass es einen braungrauen Misch-Ton ergibt, sondern beides ist zu erkennen: Das Leiden und der Trost –  mit je seiner Eigenart – aber eben auch untrennbar miteinander verschmolzen.
Leben und Leiden

Dass beides zusammengehört, Leben und Leiden, liebe Gemeinde, das ist nichts Neues. Ein Leben, in dem nicht gelitten wird, ist kaum vorstellbar. Und die Gründe sind vielfältig: Angst, Schmerzen, Abschied von einem Menschen, Einsamkeit, Verfolgung.
So sehr und so oft ist Leben mit Leiden verbunden, dass der Buddhismus sagen kann: Leben ist Leiden. Aber mir als Christen istdas zu einseitig, denn es gibt viel mehr als nur Leiden. Leiden gehört dazu, ist aber nicht alles!
Unser Kirchenjahr drückt das ja wunderbar aus: Wir haben die Passionszeit, aber auch viele Festzeiten.

Alles hat seine Zeit, auch Leiden hat seine Zeit.
Und wenn das Leiden seine Zeit hat, dann sollten wir ihm auch zugestehen, dass es da ist; Leiden erstnehmen; auch wenn es kein angenehmes Gefühl ist.
Mancher hat erlebt, wie es ist, wenn man leidet wie ein Hund, am Ende ist mit seiner Kraft; wenn das, was einen niederdrückt so übermächtig ist … wie schlimm das sein kann, wenn jemand da versucht, dieses Leid kleinzureden und zu verharmlosen.
Ist doch nicht so schlimm.
Das wird schon.
Das hat die Frau Sowieso auch schon überstanden…
Das sind Hinweise auf eine Leides-Abwehr-Strategie von uns als denjenigen, die helfen und trösten wollen. Es ist gut gemeint, aber es macht es meistens nicht leichter.
Viel ehrlicher ist es da manchmal, sich einzugstehen: Das, was ich da erlebe oder sehe ist wirklich schlimm.
So, wie mir die Bilder aus dem Krieg in Syrien, aus den Zonen des Elends in Afrika oder das Leiden eines Freundes manchmal zu viel wird – allein vom Zuschauen! Das ist wenigstens ehrlich! Sich einzugestehen, dass Leiden uns belastet, bedrückt, die Luft zum Atmen nimmt, uns einfach überfordert.  Manchmal ist allein schon das Mit-Fühlen ungeheuer schwer.

Schon das ist ein Punkt, am dem Trösten geschehen kann:
Wenn wir einander im Leiden beistehen und es ernstnehmen und ertragen. Mit-Leiden, Mit-Aushalten, Mit-Weinen, Mit-Schweigen. Auf diese Weise bin ich jemand, der die Last eines Menschen eine Zeit lang mit-trägt. Trägt; und nicht kleinredet!

So beschreibt es auch Paulus und spricht davon dass gerade die gut trösten können, die selber wissen, wie es ist, Schweres zu ertragen; oder sogar gerade selbst an etwas Leiden:
In allen unseren Nöten kommt Gott uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe, und deshalb können wir dann auch anderen Mut machen, die sich ebenfalls in irgendeiner Not befinden: Wir geben ihnen den Trost und die Ermutigung weiter, die wir selbst von Gott bekommen

Wege des Trostes

Liebe Gemeinde,
wie schade, dass es nicht möglich ist, bei Paulus direkt nachzufragen. Gerne wüsste ich, wie denn das mit dem Trost ist, den man von Gott bekommt. Er schreibt das ja sehr allgemein.
Ganz am Anfang unseres Predigttextabschnittes spricht er davon dass Gott ein Vater ist, der sich erbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt.
Und so gerne würde ich dem Paulus eine Liste abluchsen, auf der er notiert hat, welche wunderbare Weisen es sind, auf welchen Gott tröstet.

Aber diese Liste gibt es nicht.
Vielleicht kann es die auch gar nicht geben!
Weil es wohl endlos viele Wege gibt, auf denen Gott Menschen im Leiden beisteht und ihnen neue Kraft und Trost schenkt.

Ich denke daran, wie es bei mir selbst war: Wie hat Gott mir in schweren Zeiten beigestanden? Wie habe ich das bei anderen Menschen erlebt oder erzählt bekommen?  Daraus kann man gar keine Liste machen! Weil das jedes Mal etwas sehr Individuelles war, so persönlich, manchmal auch eher unsagbar-geheimnisvoll. So, dass man es eben nicht logisch schlüssig erklären kann. Sondern es ist geschehen – oft als langer Weg des Getröstetwerdens und langsam wieder auf die Beine Kommens. Und mitunter auch eher mit viel Kraft und Macht, die einen Menschen berührt und neue Kraft verliehen hat.

Dieses geheimnisvolle Geschehen des getröstet werdens fasst Paulus in ein sehr anrührendes Bild:
Wie haben mit unserem Leiden auch am Leiden Jesu teil, und mit ihm, der auferstanden ist, auch an seiner Kraft und seinem Überwinden des Leidens.
Mit meinem Leiden mit ich mit Jesus verbunden. Er ist der Gott, der die finstere Innenseite des Leidens aus eigener Erfahrung kennt. Darin ist er mir ein Genosse im Leiden, Mit-Leidender. Der, den ich bitten kann, meinen Schmerz und Kummer mitzutragen. Und zugleich ist er auf meinem Leidensweg der Weggefährte, der mich auf dem Weg mitnimmt, der aus dem Leiden herausführt.

Diese mystische Verbindung mit Jesus beginnt schon mit der Taufe. Die mich mitnimmt in den Tod und die Auferstehung Jesu. Nicht ohne Grund hat man einst in der Taufe den zu Taufenden ganz im Wasser untergetaucht … in den Tod Jesu hinein. Und dann wieder heraufgeholt in Jesu Auferstehung. Schon im meiner Taufe bin ich mit hineingenommen in diese Bewegung vom Tod zur Auferstehung.
Das ist mein Bild, um ein bisschen zu verstehen, was da geschieht, wenn Menschen erleben, wie ihre Verbindung zu Jesus Christus sie im Leiden trägt:
Mit ihm verbunden erlebe ich an mir selbst Passion, Kreuz und den Ostermorgen.

Liebe Gemeinde,
bevor ich mich ins Schwärmen hineinrede, muss ich mich aber bremsen. Angesichts des Leidens, das oft sinnlos, hoffnungslos und unerträglich erscheint, mag ich dem Leiden keinen Heiligenschein hinmalen und es pauschal zur Gotteserfahrung erklären. Denn, dann würde ich ja wieder beginnen, all das Schwere und Schlimme für harmlos zu erklären.

Schlimmes ist schlimm.
Aber doch will ich mit Paulus nicht die Hoffnung aufgeben, dass man inmitten des Leidens auch einmal die Nähe, die Hilfe und dem Trost Gottes erlebt.
So wie er am Ende unseres Abschnittes schreibt:
Deshalb sind wir voll Hoffnung und Zuversicht, wenn wir an euch denken, denn wir wissen: Genauso, wie ihr an den Nöten teilhabt, habt ihr auch an dem Trost und der Ermutigung teil.

Amen

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