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Radioandachten auf Charivari98,6 im Januar 2016 (Reihe: Aus meinem Badezimmer)

Andachtenreihe über Gegenstände aus meinem Badezimmer

Montag: Die Dusche

Guten Morgen,
in dieser Woche gehts es in meinen Radioandachten täglich um ein Teil aus meinem Badezimmer. Mit der Duschekabine soll es losgehen. Denn unter der Dusche kommen mir oft die besten Ideen! Die kreativsten Einfälle und manche wichtige Erkenntnis entstehen bei mir unter der Brause. Weil da nichts stört. Das Radio ist ist mal aus. Mich quatscht keiner an. Nichts lenkt mich ab. Ich bin mit mir allein – und ich bin buchstäblich so, wie Gott mich geschaffen hat – und dann bahnt sich mancher gute Gedanke seinen Weg in mein Bewusstsein.
Offenbar lauert auch so mache kritische Frage lange Zeit in meinem Hinterkopf. Aber sie kommt nie zum Vorschein, weil ich ja laufend beschäftigt bin, etwas höre, oder sage oder schreibe. Meine Aufmerksamkeit ist überall …. Nur nicht bei mir selbst. Unter der Dusche ist das anders. Da hat dieser wichtige Gedanke dann seine Gelegenheit und meldet sich in meinem Bewusstsein. Da bin ich manchmal selbst überrascht, was da in mir an Ideen und Fragen aufploppt.
Alles, was es dazu braucht, ist mal etwas Ruhe mit einem selbst. Und … der Mut, sich den Fragen zu stellen, die man vielleicht schon viel zu lange erfolgreich verdrängt hat.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Dienstag: Wattestäbchen für die Ohren

Guten Morgen,
bei uns im Badezimmer steht so eine Dose mit Wattestäbchen. Und mit denen bohre ich liebend gerne in meinen Ohren. Da bin ich wahrscheinlich nicht der Einzige.
Dummerweise habe ich dabei immer ein schlechtes Gewissen. Denn man liest ja überall: Das Ohr wird von ganz alleine sauber. Dafür sorgen die kleinen Flimmerhärchen im Gehörgang. Aber wenn du mit dem Wattestäbchen kommst, dann brechen die Häärchen ab, und Schluss ist mit der Selbstreinigung!
Inzwischen habe ich gelernt: Die Flimmerhärchen können sich von meinem Gehörgang-Masssaker auch wieder erholen. Da wächst was nach. Da ist also nicht alles für alle Zeiten ruiniert. Als ich das gelesen habe, fand dich das ziemlich beruhigend.
Ich mach ja öfter mal etwas falsch. Das sind Wattestäbchen ja das kleinere Problem. Als Mensch bin ich nicht perfekt und habe Bereiche, wo es regelmäßig ein bisschen hakt. Da ärgere ich mich über mich selber, habe aber erlebt, dass davon die Welt nicht untergeht.
Die Häarchen im Ohr wachsen nach.
Menschen verzeihen mir meine Fehler.
Falsche Entscheidungen lassen sich revidieren
Und ich habe einen Gott, der mir vergibt.
Da bin ich gescheit froh drüber.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Mittwoch: Haarbürste

Guten Morgen,
auch heute kommt meine Andacht aus dem Badezimmer – in Form meiner Haarbürste. Die ist seit ein paar Jahren bei mir auf dem Kopf ein bisschen unterfordert. Immer weniger Haare sind es, die in Form gebracht werden müssen.
Als Teenager hatte ich eine dicke Wolle auf dem Kopf. Das fand ich peinlich, fühlte mich wie ein Mädchen, und jetzt schau ich neidisch zu den Männern, die das auf dem Kopf haben, was ich vor 30 Jahren hatte, aber nie wollte.
Da wundere ich mich manchmal über mich selber. Aber oft genug ticken wir ja so: Das was man nicht hat, ist das, was interessant ist – Die Früchte in Nachbars Garten, das tolle Auto in seiner Garage, die attraktive Freundin auf seinem Sofa. Wir wissen alle: Diser neidische Blick auf das, was man nicht hat; auf das, was der Andere hat, das ist die Lizenz zum Unglücklichsein!
Also schau ich in meinem Spiegel, atme tief durch, fahre mit meiner unterbeschäftigten Bürste durch meine Häärchen und freue mich, dass der Friseurbesuch heutzutage bei mir viel schneller rum ist, als vor 30 Jahren.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Donnerstag: Die Zahnbürste

Guten Morgen,
zwei mal täglich ziehe ich bei uns im Badezimmer in den Kampf. Mit Zahnpasta und Bürste rücke ich den Kariesbakterien und Belägen auf die Pelle. Schon als Kind habe ich gelernt, dass Karies und Baktus der Feind meiner Beißerchen sind. Aber so gut und sorgfältig ich auch putze: Ein endgültiger Sieg über den Feind ist nicht in Sicht. Ich werde wohl mein Leben lang putzen müssen. Immer wieder, Tag für Tag.
Ein Kampf, bei dem es einfach keine Chance auf den Sieg gibt. Da könnte ich auch sagen: Wenn ich nicht gewinnen kann, dann spare ich mir die tägliche Mühe. Zahnärzte wissen ein Lied davon zu singen, wie das im Mund aussieht, wenn jemand den Kampf, den man nie gewinnen kann, gar nicht erst führt
Im Leben hat man öfter solche Kämpfe, von denen man ahnt: Bei diesem Konflikt oder Problem wirst du dich ewig abrackern, Zeit und Energie aufwenden ohne Aussicht, das mal als erledigt abhaken zu können.
Eine problematische Beziehung zu den eigenen Eltern oder Kindern.
Der Kampf mit der überwundenen Alkoholabhängigkeit
oder eine schlimmes Erfahrung, die mich immer wieder einholt.
Manches bleibt im Leben … mit Siegen … mit Niederlagen .. ohne Aussicht auf ein Ende. Aber den Kampf aufgeben – nichts tun – sich geschlagen geben: Das ist, wie beim Zähneputzen, wirklich keine Alternative.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Freitag: Der Fön

Guten Morgen,
es ist Freitag, und auch heute habe ich für die Andacht einen Gegenstand aus meinem Badezimmer gekramt. Es ist der Haartrockner, also der “Fön”.
Der produziert ja vor allem eines: Jede Menge heiße Luft!
Na gut: Das können manche Leute auch ohne Fön. Dampfplauderer, die auch viel heiße Luft produzieren. Große Worte, aber nichts dahinter.
Das Ergebnis solcher Leute erinnert mich an die Fönfrisuren der 80er Jahre: Was abends noch beeindruckend aussah, war nach einer Nacht nur noch zusammengedatscht und enttäuschend platt.
Jesus kannte keinen Fön – aber die Dampfplauderer gabs schon damals.
Darum sagte er: Wenn du etwas versprichst, mache nicht die großen Worte oder feierlichen Schwüre – sage einfach “Ja” oder “nein”-   jedes weitere Wort ist überflüssig.
Ehrlich gesagt, muss ich mir diesen Rat von Jesus immer wieder selber sagen. Wenn ich mich um Entscheidungen drücke und mich nicht festlegen will und rumeiere: Sage einfach “Ja” oder “nein”-   jedes weitere Wort, die ganze heiße Luft, die bringt dich nämlich nicht weiter.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Samstag: Alles duftet

Guten Morgen,
eine ganze Woche lang habe ich mit Gegenständen aus meinem Badezimmer die Andachten bestritten – zum Abschluss könnte ich heute eine ganze Kiste voller Deos, Duftwässerchen und Parfums anschleppen. Unglaublich, wie viele Dinge im Bad mit Duft und Wohlgeruch zu tun haben.
Wir lieben es anscheinend, gut zu riechen und haben Angst davor, unangenehm zu müffeln. Wer angenehm duftet, der hat größere Chancen, gemocht zu werden.
Vor langer Zeit haben Menschen einmal gedacht, man kann Gott auf die gleiche Weise beeindrucken: In festlichen Gottesdiensten verbrannten sie wohlriechende Kräuter und legten lecker duftende Schlachtopfer auf den Altar. Ein Fest für die Sinne.
Durch den Propheten Amos hat ihnen Gott jedoch die Meinung gegeigt: “Ich kann eure duftenden Feste nicht mehr riechen”. Mir hängen sie vom Hals raus. Denn ihr feiert zwar im Tempel sehr schön, aber das, was ihr sonst so im Leben anstellt, stinkt zum Himmel.
Gut zu riechen, schön auszusehen – das ist an sich etwas Schönes. Aber wenn meine Worte oder meine Taten Gott oder den Menschen die Nase hochgehen, dann ist die ganze Kosmetik auch umsonst.
Einen guten Tag wünsche ich ihnen

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