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Predigt: „Freuet Euch” auch, wenns gerade nicht danach ausschaut! (Philipper 4,4-7) 4. Advent, 21. Dezember 2014

advent4Paulus verströmt mit seinen Zeilen Hoffnung und Zuversicht, obwohl er gerade selbst in einer sehr bedrängenden Situation steckt. Wie bekommen wir Weihnachtsfreude und die Nachrichten von IS und brennenden Asylunterkünften in Vorra zusammen? Predigt von zwei Welten, die vielleicht deshalb zusammengehören, weil sie scheinbar nichts gemeinsam haben.

 

Freuet euch in dem Herrn allewege,
    und abermals sage ich: Freuet euch!
Eure Güte lasst kund sein allen Menschen!
Der Herr ist nahe!
Sorgt euch um nichts,
    sondern in allen Dingen lasst eure Bitten
    in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft,
    bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Philipper 4,4-7

Liebe Gemeinde,
manche Predigttexte sind so schön, die würden sich sogar als Sinnspruch für eine Weihnachtskarte eignen. Denn hier finde ich Worte und Gedanken, die Mut machen, die auf das Gute hinweisen, die manche dunkle Sorgen-Wolke wegpusten:

Freut euch!
Lasst andere spüren, dass ihr es gut meint.
Sorgt euch um nichts.
Gott ist euch nah!
Friede sei in deinem Herzen.

Obwohl es bis Weihnachten noch ein paar Tage sind, wird einem da ja ganz wohlig, man riecht schon förmlich den Tannenduft und die Plätzchen, atmet Frieden. Und sicherheitshalber machen wir dann lieber die Fensterläden zu und lassen den Fernseher aus – weil wir ja wissen: Ganz so friedlich, gut und fröhlich ist unsere Welt gerade nicht.

Zwei Welten, die so gar nicht zusammenpassen

Im Osten erfahren wir vom Wüten des IS, und anderer islamistischer Gruppierungen die mit großer Grausamkeit Städte erobern und dort eine Terrorherrschaft etablieren, die Christen nur Flucht oder Tod als Wahlmöglichkeit lässt. Wo man sich ihnen entgegenstellt, scheuen sie sich nicht, an hunderten von Schulkindern blutige Rache zu üben. Im gleichen Osten kommt ein waffenstrotzendes Russland wirtschaftlich ins Schlingern. Währenddessen wird im Westen an Freihandelsabkommen gebastelt, bei denen viele die Sorge haben, dass dadurch irgendwann die milliardenschweren Großkonzerne die Politik bestimmen – und nicht umgekehrt.
Im eigenen Land müssen wir erleben, dass in 20 km Entfernung die einen Menschen Kleider für die Asylbewerber in Bad Windsheim sammeln, und 50 km in die andere Richtung zünden Andere solche Gebäude an. Ganz zu schweigen von Pegida, wo man sich schwer tut, das zu beurteilen, weil man da dumpfen Ausländerhass genauso sehen kann, wie die verständlichen Sorgen von Menschen, die sich fragen, was hier momentan in unserer Welt passiert.

Das ist mir alles es bisschen viel – zu komplex, als dass ich mir da einen Reim drauf zu machen könnte – vor allem aber empfinde ich da vieles als bedrohlich – und weiß auch, dass ich da eher hilflos bin.
Das ist das Kontrastprogramm zu „Freut euch und sorgt euch um nichts.”.

Aber was gilt jetzt? Die Worte aus dem Philipperbrief:
Freuet euch in dem Herrn allewege,
Eure Güte lasst kund sein allen Menschen!
Der Herr ist nahe!
Sorgt euch um nichts,

Oder doch die Diagnose:
Unsere Welt ist aus den Fugen.
Eine Katastrophe jagt die nächste.
Egoismus und Wahnsinn macht kaputt, was andere mühsam aufgebaut haben.

Liebe Gemeinde,
wir leben in beiden Welten. Aber so kurz vor Weihnachten ist uns die eine lieber als die andere. Da hören wir lieber die Worte von Paulus über die Freude und die Sorglosigkeit, als die nächsten Hiobsbotschaften in den Nachrichten.
Weil die beiden Welten halt so gar nicht zusammenpassen:
Plätzchenbacken und Ebola.
Stohstern und Flüchtlingscamps.
Da ist es verständlich, wenn man das ganze Elend lieber mal ausblendet für ein paar beschauliche Wochen im Advent und über die Feiertage.

Wenn sich widersprüchliche Welten berühen

Aber passen diese Welten wirklich gar nicht zusammen?
Oder gehören sie vielleicht genau deshalb zusammen, weil sie so gegensätzlich sind?
Wie eben zwei Puzzleteile, die nur dann zusammenpassen, wenn beim einen genau die Wölbung fehlt, die das andere Puzzleteil hat.

Da wird ein junges Mädchen, das von ihren Eltern schon fest einem Mann versprochen war, kurz vor der Hochzeit schwanger – aber dummerweise nicht von ihrem Zukünftigen. Das ist ein menschliches Drama, heutzutage ein passendes Szenario für die Boulevardpresse, – und vor 2000 Jahren wird so eine Situation für die Betroffene nicht weniger dramatisch gewesen sein. Und doch: Als Maria das widerfährt (im Evangelium haben wird das gehört), finden wir nach dem anfänglichen Entsetzen, einige Tage später in unserer Bibel  einen großartigen Lobgesang, in dem Maria Gott lobt, für alles, was er tut.
Unsere Bibel verschweigt ja nicht, dass Josef auch zunächst geschockt war, aber er, wie auch Maria haben entdeckt, dass diese schwierige Situation eben Teil eines größeren Ganzen ist, an dem sie Anteil haben.

Und unser heutiger Predigttext, der ja so harmonisch klingt, der so viel Positives ausstrahlt, so ein Grundvertrauen, dass alles gut wird – den hat Paulus im Gefängnis verfasst. In einer Situation, in der er damit rechnen musste, in den kommenden Wochen verurteilt und hingerichtet zu werden. Da wäre Grund genug zum Zetern und Jammern und Klagen. Aber Paulus spricht von Freude, Gottvertrauen, Friede und Zuversicht.

Immer wieder erleben wir eine Welt, die in zwei Hälften auseinanderfällt, die dem Anschein nach nicht zusammenpassen. Weil sie sich manchmal derart widersprechen dass es beim Zusammendenken schon weh tut.

Das ist, liebe Gemeinde, manchmal ja auch bei Menschen so. Dass man an ein-und-denselben Menschen Seiten entdeckt, die man beim besten Willen nicht zusammendenken kann. Da gibts den kaltblütigen Manager, der ohne Skrupel Firmenanteile ohne Rücksicht auf die Zukunft der Angestellten verschachert, aber zusammen mit seiner Tochter weint, weil der Hamster gestorben ist.

Vieles bekommen wir nicht zusammen – und wir müssen es wohl auch nicht zusammen-denken können. Es reicht schon wenn wir es nebeneinander stehen lassen und uns überlegen, wie wir mit diesen unterschiedlichen Welt-Hälften umgehen.

Vielleicht wie Paulus, von dem unser Predigttext ja stammt. Er weiß darum, dass seine Situation brandgefährlich ist, da redet er auch nichts schön Aber er rückt das in den Vordergrund, was für ihn das größere Gewicht hat: Die Hoffnung auf Gott, sein Glaube, dass er in Gottes Hand ist. Und wenn man will, kann man an einigen Stellen erkennen, wie seine Worte des Vertrauens natürlich auch ihr Licht auf diese andere Welt werfen.

Das möchte ich einmal versuchen. Die vertrauensvollen Worte des Paulus Ihnen noch einmal vorzulesen, und dann ein bisschen zwischen den Zeilen zu lesen – entdecken, wie dieser Text, der eigentlich in der harmonischen Welt der Liebe und des Glaubens daheim ist, sehr genau diese chaotische Welt im blick hat:

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!
Ihr wisst doch: Wir machen ja nichts dadurch besser, dass wir uns stets vom Negativen beeindrucken lassen. Gott liebt euch und lässt euch auch in Schwierigkeiten nicht allein. Darum habt ihr zuallerst Grund, froh zu sein.

Eure Güte lasst kund sein allen Menschen!
Auch wenn ihr Ablehnung und Lieblosigkeit erlebt: Wenn ihr Böses mit Bösem vergeltet, werdet ihr absolut nichts zum Besseren wenden. Lernt von Jesus, der mit Liebe die Herzen der Menschen gewonnen hat.

Der Herr ist nahe!
Ich seid nicht allein. Und auch diese Welt ist in seiner Hand. Auch wenn du nicht verstehst, was geschieht – denke daran, dass kein Spatz vom Dach fällt, ohne dass Gott davon weiß.

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!
Nutzt das Gebet. Ihr könnt Gott danken. In Gebet könnt ihr eure Sorgen loswerden. Und im Gebet könnt ihr erbitten, was euch wichtig ist. Hört nicht auf zu beten, auch wenn es oft vergeblich scheint.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
All unsere Logik und unser Verstehen hat seine Grenzen. Gott ist größer.
Aber wir wollen uns an Jesus festhalten, und darin Frieden finden, auch mit Situationen, die wir gerne anders hätten, aber für deren Veränderungen unsere Kraft nicht reicht.

Amen.

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Ein Kommentar

  1. Ich höre, lese bspw. keinen Autor Paulus, weil keinerlei Urtext desselben vorliegt. Anonyme Autoren (Ghostwriter, Pseudographen) sind anderes.

    Deutscher Presserat zu Ziffer 2
    Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen
    Juristen orientieren sich daran.

    Absurdes Zeug ist Kanzelpredern behalten

    Meinungsfreiheit beinhaltet verfassungsrechtlich in vollem Umfang überprüfbare Aussage und Handlung.
    (vgl. BVerfGE 43, 130 [136f.] = NJW 1977, 799; BVerfGE 54, 208 [215] = NJW 1980, 2072; BVerfGE 82,

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