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Predigt zur Silbernen Konfirmation: Auch ein sinkender Petrus geht nicht unter (Matthäus 12, 22-33) 9. September 2001

Unser Predigttext ist der, über den Pfarrer Bartels vor 26 Jahren gepredigt hat: Er steht im Matthäus-Evangelium im 12. Kapitel:  Jesus und der sinkende Petrus auf dem See

22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe.
23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein.
24 Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen.
25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See.
26 Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht.
27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht!
28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.
29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.
30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir!
31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
32 Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich.
33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

Liebe silbernen Konfirmanden, Liebe Gemeinde.
Ich möchte für unsere Jubilare diese biblische Geschichte noch einmal anders erzählen:

eine Zeit lang waren sie regelmäßig zusammen gewesen, hatten Geschichten erzählt bekommen. Da war einer, der hat ihnen von Gott erzählt ; vom Vertrauen auf diesem himmlischen Vater. Und dann kam der Zeitpunkt, an denen sie losgeschickt wurden. Losgelassen in einem kleinen Boot, hinaus in die unbekannte Weite. Ohne denjenigen, der ihnen soviel beigebracht hatte.
Ja, das gehört zum selbstständig werden
Manchen von ihnen wurde schon nach kurzer Zeit flau im Magen. Das Boot schwankte so seltsam, und der Wind hatte auch etwas aufgefrischt. Die Robusteren unter ihnen spotteten noch und machten sich über diese Weicheier lustig. Aber es dauerte nicht lang, da waren dann auch sie blass im Gesicht: ein handfester Sturm hatte sich zusammen gebraut – die ersten Wellen schwappten schon in das Boot. Sie waren in ernsten Schwierigkeiten, ruderten hin und her, versuchten Wasser herauszuschöpfen. “ Wären wir los niemals losgefahren, wer weiß, was noch aus uns wird“ schimpften einige. Sie bekamen es mit der Angst zu tun.
„Schaut mal dort!“ rief ein anderer und zeigte zum Horizont. „Genau da!“
Die kleine Schar hörte auf zu rudern und zu schöpfen und schaute in die angezeigte Richtung. Eine Gestalt war da zu erkennen. Irgendwie kam sie ihnen bekannt vor. … da war doch was gewesen … ob der da uns helfen kann?
JESUS WIEDERERKENNEN

Liebe silberne  Konfirmanden,
ich möchte mal behaupten: Der Vorstellungs-Gottesdienst, vor etwa 25 Jahren, in dem sie verschiedene Psalmen, Lieder und Katechismustexte aufsagen mussten, das war die leichtere der beiden Konfirmandenprüfungen. Die schwierigere dauert jetzt schon ein Vierteljahrhundert. Denn im eigentlichen Leben muss sich zeigen, ob der Konfirmandenunterricht etwas gebracht hat
Und für mich ist eine der großen Fragen: Werden die Konfirmanden in den Stürmen ihres Lebens Jesus am Horizont als denjenigen erkennen, der ihnen helfen kann. -oder werden sie erschrecken und sagen “ es ist nur ein Gespenst, das kenn ich aus der Konfirmandenzeit“

JESU SCHÜTZENDE GEGENWART

Man kann sich ja durchaus Jesus als einen beeindruckenden Mann der Antike vorstellen. Einer mit schlauen Sätzen, tollen Tricks mit Broten und Fischen. Als einen, der ein perfektes Vorbild war, aber dummerweise ums Jahr 30 gekreuzigt wurde. Ich denke, so ein Jesus wird  kaum für viel mehr reichen als für eine Gespenster-Begegnung.

Aber man kann es auch anders sehen und sich daran erinnern, dass dieser Jesus nach seiner Auferstehung gesagt hat: “ Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ – Wenn ich diesen Jesus in Erinnerung habe, dann ist er mehr als nur ein Geist. Dann kann er einer sein, der auf Sichtweite und Rufweite in meiner Nähe ist. Der, der sagt “ seid getrost, ich bins, fürchtet euch nicht“.

Vielleicht hat der eine oder die andere unter ihnen schon einmal diese Erfahrung gemacht. Dass das eigene Lebensboot mächtig durchgeschüttelt wurde, und dass es gut war, im Glauben, in Jesus Christus Halt zu finden.
Oder ein anderer hat das Gefühl, dass da einer war, der ihnen vor den gröbsten Stürmen bewahrt hat, eine schützende Hand über ihn gehalten hat. Oder sogar in einer brenzligen Situation vor schlimmen Schaden bewahrt hat.
Die Feier der silbernen Konfirmation ist auch ein Moment, in dem man dankbar sein kann für das Gute, dass man erfahren hat. In dem man zurück blicken kann auf die überstandenen Stürme des Lebens. Wo man auch wir bedenken kann, wo man Schiffbruch erlitten hat, Verletzungen davongetragen hat, und wie man dadurch geprägt wurde.
VERTRAUEN BIS INS UNMÖGLICHE

Aber blicken wir doch nicht nur nach hinten: schauen wir in  unsere Geschichte.
Petrus war einer der ersten, die entdeckt hatten, wer da am Horizont aufgetaucht war. Und während seine Kollegen noch am schöpfen und rudern und schwitzen sind, versucht er etwas ganz verrücktes: er will hin zu diesem Jesus, zu Fuß mitten übers Wasser. Und er bittet Jesus darum, dass er ihn dazu auffordern soll: “ Herr, befiehl mir zu dir zu kommen auf dem Wasser“.

„Was soll der Quatsch?“ könnten seine Kollegen fragen.
“ Bitte lass diese unsinnigen Versuche“ könnten wissenschaftlich gebildete Menschen sagen.
“ Komm her zu mir“ sagt aber Jesus.
 
Was Petrus da wagt, ist der Quantensprung heraus aus der Bredouille. Er sucht seine Rettung nicht im Wasserschöpfen, sondern flieht gradewegs in Jesu Arme. Dieser Jünger lässt sich nicht von der Wirklichkeit um ihn herum, von bedrohlichen Wasserwellen ausbremsen. Er versucht es einfach im Vertrauen auf diesen Jesus.
Ich weiß nicht, ob wir heute unbedingt übers Wasser laufen müssen. Es gibt genügend andere Verrücktheilten, die ich eigentlich mir nur mit Jesu Hilfe vorstellen kann.

Da gehört das Familie-Gründen dazu. Wenn einer sagt: „Wie kann man denn heute noch Kinder in die Welt setzen, das ist doch unverantwortlich“. Dann könnte ich ihm mit Blick in die Zeitung schon recht geben. Aber wenn ich daran denke, dass es heißt “ seid fruchtbar und mehret euch“  und wenn ich darauf vertraue, dass unsere Welt in Gottes Hand ist, dann ist das für mich Grund genug es zu versuchen.

Und wenn jemand mit Mitte 30 in die Landwirtschaft investiert, könnte man auch vermuten, dass er es dem Petrus nachmacht, der unbedingt übers Wasser laufen will. Aber bevor man darüber den Kopf schüttelt, empfehle ich die Schöpfungsgeschichte zu lesen. Dort wird mir gesagt, was der Auftrag des Menschen ist: die Erde soll er bebauen und bewahren. Vielleicht sehen Sie auch darin den Ruf Gottes: komm zu mir übers Wasser, Bauer Petrus.
DER MENSCHLICHE  PETRUS

Im Vertrauen auf Jesus Christus setzt Petrus seinen Fuß aufs Wasser, dann den anderen… geht die ersten Schritte auf Jesus zu. Das Vertrauen hält ihn über Wasser. Die Sensation schlechthin.
Wir wissen natürlich, wie es weiterging: Petrus sieht die Wellen und bekommt Angst vor der eigenen Courage – Mist, ich habe mich zu weit vorgewagt. Und genau so wie sein Vertrauen schwindet sinkt er ins Wasser.
Auch ein Petrus ist nicht perfekt, auch der Glaube des wichtigsten Jüngers ist löchrig wie ein Schweizer Käse.

Liebe Gollhöfer,
ich weiß nicht was sie erwarten, was sich über so einem Petrus sagen werde. Über einem Mann, der in seiner Unzulänglichkeit so menschlich ist. – ich sag da gar nichts dazu – sondern lese gleich die nächste Zeile: „Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn“. Das ist mir wichtig: Jesus läßt denjenigen, der im Vertrauen auf ihn losmarschiert ist; nicht absaufen. Ohne zu zögern langt er hin und zieht ihn zu sich hoch.

Der eigene Glaube hat nicht weit gelangt. Gott sei Dank kommt es aber nicht auf die menschliche Zähigkeit an, sondern auf den, der uns mit ruhiger Hand festhält.

Den Menschen, die meine Bibel gedruckt haben, haben als Überschrift für diese Geschichte ausgesucht  „Jesus und der sinkende Petrus“. Ich möchte der Geschichte eine andere Überschrift geben, die ich auch ihrem Leben wünsche: „Von einem der im Vertrauen auf Jesus übers Wasser ging, und vor dem Untergehen bewahrt wurde.“
Amen

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