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Predigt zum Silvestertag: Die Botschaft in den Farben der Silvesterraketen, 31.12.2001

Liebe Gemeinde,
in ein paar Stunden ist es so weit, dann werden sie in den Himmel starten: die Silvesterraketen! Zum Silvesterfeuerwerk kann man ja ganz unterschiedlich stehen. Man kann es ablehnen und stattdessen „Brot statt Böller“ fördern. Mancher möchte nicht verzichten und kombiniert es zu “ Brot mit Böller“ oder verteilt die finanziellen Lasten mit “ erst Böller und dann irgendwann Brot“.
Ohne Zweifel werden auch heute Nacht Hunderttausende von Raketen in den Himmel gejagt und dann farbenprächtig explodieren.

Man kann aber auch anderes, als nur Raketen in den Himmel schicken! Silvester bietet sich ja auch an, um seine Wünsche für das kommende Jahr in den Himmel, an die Adresse Gottes zu senden.
Ich möchte heute Abend beides einmal verbinden. Das Farbenspiel der Raketen und unsere Wünsche an den Vater im Himmel. Die Farben, die die Raketen in den Himmel malen, sollen uns dabei eine Hilfe sein.

(Die Farbe Weiß)
Eine scheinbar ganz unspektakuläre Farbe ist das „weiß“. Viele Raketen und manche Leuchtkugel leuchtet einfach nur weiß. Das Magnesium, das da an Himmel abbrennt macht für einige Sekunden ein Dorf wie Gollhofen fast taghell.
„Weiß“ – das ist die Farbe von Schnee, der noch nicht schmutzig ist, von Milch und Wolken. Weiß steht für Reinheit, Unschuld, für den Neubeginn.Das passt auch irgendwie ganz gut zu den neuen Jahr: noch ist es ein unbeschriebenes, weißes Blatt. Und wir werden darauf schreiben dürfen, das Jahr, seine 365 Tage gestalten.
Weiß – das neue Jahr ist ja auch immer wieder der Anlass, dass man sich bestimmte Dinge vornimmt. Die einen möchten zu rauchen aufhören, die anderen irgend etwas Anderes besser machen als vorher.
Wir wissen  aber auch, dass diese guten Vorsätze fürs neue Jahr oft nicht lange vorhalten. Denn so blütenweiß das neue Jahr auch ist: Wir sind immer noch die alten, mit den alten Schwächen und Fehlern. Daran scheitert so manche Zigaretten-Entziehungskur.

Aber ein Neuanfang ist nichts, worüber man sich nur lustig machen sollte. Sondern es ist etwas sehr positives, wenn wir an verschiedenen Punkten in unserem Leben wieder einmal neu anfangen, falsche Wege beenden und umdenken.
In der ersten seiner 95 Thesen hat Luther gesagt, dass unser Leben eine beständige Umkehr sein soll. Und wir Christen haben es da – so denke ich – besonders leicht, weil wir wissen, dass Gott uns vergebt und sich über uns freut, wenn wir einen neuen, richtigen Weg einschlagen.

(Die Farbe Rot)
Die Farbe rot“ erzeugt bei vielen Beobachtern des Feuerwerks ein „aaah“. Diese warme Farbe lässt uns nicht kalt. Es ist die Farbe des Feuers, der Leidenschaft, des Bluts. Aber auch die Farbe von Aktivität, Geist und Freude. Bei uns in der Kirche ist rot auch noch die Farbe des Heiligen Geistes. Diese Farbe strahlt viel Energie aus.Wenn eine Rakete den Himmel rot färbt, dann drücken sich Pärchen aneinander und wünschen sich, dass auch im neuen Jahr ihre Beziehung gut geht. Der verliebte Junge hofft, dass seine Herzdame ihn erhört.
Bei der energiereichen Farbe rot denke ich aber auch daran, dass viele Menschen Pläne für das neue Jahr haben. Beruflich will man bestimmte  Ziele erreichen. Der eine baut ein Haus, der andere will in seinen Betrieb investieren. Da hofft man, dass es gut geht, dass die Kraft und das Geld reicht. Und vielleicht hat der eine oder andere auch ein unangenehmes Gefühl im Bauch, weil er sich seiner Sache nicht so ganz sicher ist.

Rot … Im Buch der Sprüche Salomos steht: des Menschen Herz er denkt sich seinen Weg, aber der Herr allein gibt, dass er fortgehe.
Vereinfacht gesagt: der Mensch denkt, Gott lenkt!
Liebe Gemeinde, auch wenn wir mitten noch so viel Herzblut, Liebe und Leidenschaft eine Sache vorantreiben ; der Erfolg ist uns niemals sicher. So erinnert mich die Farbe rot auch daran, dass mein Wollen und Vollbringen in Gottes Hand ist.

(Die Farbe Gelb)
Die Farbe gelb ist nicht ganz so hell wie weiß und erscheint uns auch viel wärmer. Aber die Farbe gelb hat ganz unterschiedliche und in sich widersprüchliche Bedeutungen.
Ich denke an die Sonne, an reife Getreideähren und an Gold – so scheint gelb eine gute Farbe zu sein.
Aber gelb sind auch die Wüste und der Schwefel. In der Wüste ist der Teufel Jesus begegnet und der Schwefel hat irgendwas mit der Hölle zu tun. Vielleicht ist darum für viele gelb auch die Farbe des Bösen: Eifersucht, Geiz, Neid und Lüge.Wenn eine Rakete mit gelben Leuchten über mir abbrennt, dann hoffe ich, dass nur das gelb der Sonne mich trifft und nicht das gelb der Schwefels. Dann wünsche ich mir, dass sich verschont bleibe von den Abgründen die sich auftun, wenn Eifersucht, Geiz, Neid und Lüge das Miteinander der Menschen zur Hölle machen. Da möchte ich weder Opfer noch Täter sein.
Ich finde es immer tragisch, wenn Menschen, die es eigentlich gut haben könnten, ihren Angehörigen oder Nachbarn das miteinander vermiesen. Denn da hat keine Seite etwas davon. Die Hölle auf Erden machen wir Menschen uns sehr sehr oft selber.

Und etwas wehmütig denke ich dann an diese wenigen, einfachen Gebote, die Gott uns gegeben hat. Sollst Vater und Mutter ehren, nicht falsch Zeugnis reden wieder deinem Nächsten. Du sollst nicht begehren deines nächsten Haus, Weib, …. noch alles was sein ist. Und: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Eigentlich sind sie ganz einfach, diese Leitlinien, die uns bewahren können, an den Anderen und an Gott schuldig zu werden.

(Die Farbe Grün)
Die Farbe grün gefällt mir beim Feuerwerk besonders gut. Die Farbe von Wiese und Wald, von Wachstum. Es ist die Farbe des wachsenden Getreidekorns. Das frische Grün zeigt an, dass die etwas am Werden ist, das da etwas zu erhoffen ist. – Grün ist darum für viele die Farbe der Hoffnung.
Und erhoffen tun sich in der Silvesternacht Viele Vieles.
Da ist natürlich das Wachstum auf den Feldern und im Stall. Vielleicht auch das Wachstum auf den Sparbuch.
Su mancher Zeitgenosse erhofft sich aber nicht nur dort ein Wachstum. Es gibt ja auch ein geistiges und geistliches Wachstum. Und wie man heute das Wachstum auf dem Feld ganz geschickt zu fördern weiß, so sollten wir auch darauf achten, dass wir dem Wachstum unserer Seele auch etwas Gutes tun.
Wenn wir öfter mal zur Ruhe kommen, unser Leben überdenken. Einmal aussteigen aus dem “ Hamster-Rad“, in dem wir von Früh bis Abend rotieren. Der Sonntag als Tag, an dem wir ausspannen, in dem Gottesdienst gehen – das ist ein guter Dünger für die Seele.Unter der Farbe Grün erhofft man sich, dass es im Jahre 2002 „gut geht“.
Grün ist im übrigen auch die Farbe, die am häufigsten in der Kirche an Kanzel und Altar hängt. Es ist dort die Farbe des wachsenden und herannahenden Reichs Gottes. Das heißt: in der Kirche hoffen wir nicht nur auf ein gutes neues Jahr. Wir warten zugleich auf Gottes kommende Welt – Gottes Reich.
Das heißt: Wir gehen Gottes Reich entgegen. Wir hoffen, das Gottes guter Wille für unser Leben im nächsten Jahr zu spüren sein wird. In Kleinigkeiten und auch im Großen.

Und das ist eigentlich der Silvester-Wunsch, den ich Ihnen mitgeben möchte, und der eigentlich alle Farben, die wir betrachtet haben, umfasst:
Ich wünsche Ihnen, dass sie in ihrem Leben das Wachsen des Reichs Gottes erleben.

Amen

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