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Predigt: Unter dem Regenbogen Gottes (Symbolpredigt mit dem Regenschirm zur Konfirmation 2003) 13. April 2003

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern und Paten, liebe Festgemeinde.

Die zweijährige Vorbereitungszeit für die Konfirmation geht heute für euch zu Ende. Nachher werdet ihr euer Konfirmationsversprechen ablegen und den Segen zur Konfirmation empfangen. In diesem Segen heißt es „Gott Vater, Sohn und heiliger Geist, gebe dir seine Gnade.
Schutz und Schirm vor allem Bösen Stärke und Hilfe zu allem Guten“.

Wenn es da “ Schutz und Schirm“ heißt, was liegt da näher, als euch einmal einen Schirm mitzubringen. (Schirm holen und geschlossen zeigen) NOAHS BUND

Ein Regenschirm – er schützt vor Regen, und wenn ihr ihn beim Sonnenschein verwendet sogar vor einem Sonnenbrand. Dieser Schirm hat noch eine Besonderheit: Er trägt die Farben des Regenbogens. Und vom Regenbogen haben wir eben in der Lesung gehört.
Als Noah die Sintflut überstanden hatte, machte Gott einen neuen Bund mit ihm, den Menschen und allen Tieren auf der Welt.
Gott hat dem Noah nämlich versprochen: Ich werde die Erde nicht mehr zerstören. Solange es die Erde gibt wird es immer Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht geben.

Und als Zeichen für diesen Bund setzt Gott den Regenbogen in den Himmel. Daran sollen wir Menschen erkennen, dass dieser Bund Gottes mit uns Menschen immer noch Gültigkeit hat.

Eigentlich ist das ein ganz ungewönlicher Bund, mit dem hätte Noah eigentlich gar nicht rechnen können. Es war noch keine zwei Monate her, dass die Sintflut fast die gesamte Menschheit umgebracht hatte. Der Grund: die Menschen waren durch und durch böse in ihrem Herzen gewesen. Sie hatten nicht nach Gott gefragt und sich gegenseitig immer neue Gemeinheiten ausgedacht.
Daraufhin hat Gott beschlossen: Schwamm drüber – ich will noch einmal neu anfangen. Und die einzigen gerechten Menschen, der Noah mit seiner Familie und die Tiere sollen überleben. Mit ihnen will ich einen neuen Anfang wagen.

Wisst ihr, was ich als Gott für einen Bund mit den Menschen gemacht hätte? Ich hätte gesagt: Noah, fangen noch einmal neu an, und wenn es gut geht und ihr nicht wieder die gleichen Fehler macht wie früher, dann werde ich euch meinen Segen geben. – Wenn ihr aber wieder anfangt euch gegenseitig weh zu tun und umzubringen, dann werde ich euch auslöschen, dann habt ihr es nicht verdient, auf dem von mir geschaffenen Planeten zu leben!!

Gott macht es aber anders: Er verspricht, die Erde nicht wieder zu überfluten, obwohl er genau weiß, dass die Menschen wieder Fehler machen werden, nicht auf ihn hören werden.

GOTT IN DER VORLEISTUNG

Das alleine ist schon ein starkes Stück. Gott geht so zusagen in die Vorleistung: Er macht in diesen Bund den Menschen ein großartiges Versprechen, ohne das er davon ausgehen kann, dass seine Vertragspartner ihr Wort halten.
Das heißt: Gottes Liebe ist anscheinend erst einmal unabhängig von meiner menschlichen Antwort auf seine Liebe.

Als ihr hier getauft worden seid war das ganz ähnlich. Da hat Gott zu euch „Ja“ zu euch gesagt, ihr habt bestenfalls ein bisschen schreien oder „gaga“ sagen können. Eure Eltern und Paten haben damals stellvertretend für euch „Ja“ gesagt.
Erst heute ist es so weit, des ihr ganz offiziell dieses “ ja“ selber sagt. Was wir da nachher machen werden, das ist nicht irgendein Spaß, sondern das ist euer offizielles „Ja“ zu Gott, zu einem Leben als Christen.

Und obwohl Gott jetzt solange auf eure Antwort warten musste, konntet ihr euch auf seine Fürsorge verlassen. Habt vom steten Wechsel von Saat und Ernte, von Sommer und Winter profitiert.

Jetzt sagt ihr endlich selber „Ja“ zu diesem Gott, der seinen Regenbogen über euch aufspannt. Der euch mit seiner Fürsorge und Liebe beschenkt.

(Schirm aufspannen).

Mit eurer Konfirmation beginnt der Lebensabschnitt, in dem ihr selbstständig euren Weg unter diesen Regenbogen Gottes gehen sollt.
Eigentlich ist der Regenbogen der gleiche vorher, wie auch nachher. Was sich durch die Konfirmation verändert, ist eure Haltung zu diesen Regenbogen.
Ihr selbst müsst entscheiden, ob ihr euch unter diesen Regenbogen stellen wollt, oder ob ihr sagt: Der ist mir wurst.

DER SCHIRM – WORUM GEHTS?

Schauen wir uns diesen Schirm – den Regenbogen Gottes – einfach einmal an. Zunächst einmal sehe ich: Er wird prächtig bunt.
Das ist für euch vielleicht keine große Überraschung. Aber ich finde, es muss einmal gesagt werden: Christsein ist eine bunte Angelegenheit!
Da muss im Leben eines Christen nicht alles grau in grau sein. Christsein darf Spaß machen. Da muss auch Platz sein für bunte, für schräge Typen. Für aufmüpfige Dauer-Quassler, tiefstapelnde Denkertypen, für die leisen und uanauffälligen im Lande. Und auch Daniel Küblböck ist unter diesem Regenbogen Gottes willkommen.

Über diesem bunten Völkchen von Christen spannt sich das farbige Spektrum des Regenbogens.

Ganz verschiedene Farben schillern in einem Regenbogen. Er kommt so ziemlich alles vor, was es an Farbtönen gibt – so, wie es im Leben auch alle Farbtöne geben kann. Die hellen und die dunklen, die fröhlichen und die trüben.

Ich möchte fünf dieser Farben einmal als Beispiel in eurem Leben herausgreifen.

ROT

Ich fange mit der Farbe rot an. Die Farbe der Liebe und der Freude.
Diese Farbe ist heiß begehrt, mit der möchte mancher am liebsten sein ganzes Leben vollmalen. Nur Liebe, nur Freude. Ich kann das ganz gut verstehen. Und Gott gönnt uns auch die Liebe, Freundschaften und Freude.
Aber wahrscheinlich habt ihr auch schon erfahren, dass man sich Freunde nicht kaufen und auch nicht basteln kann. Freundschaften, auch die Liebe, das ist ein Geschenk.
Ich bin froh, dass ich einen Gott habe,der uns Menschen auch die Liebe schenkt.
Das rot im Regenbogen steht für mich dafür, dass ich immer wieder froh sein kann glückliche Momente meinem Leben zu haben – und die verstehe ich dann schon als Geschenk Gottes.

GELB

Gelb, das ist eigentlich eine komische Farbe. Die Warnschilder auf radioaktiv  belasteten Tonnen sind gelb; früher haben Schiffe, auf denen die Pest ausgebrochen war eine gelbe Fahne gehisst.
Gelb ist auch die Farbe der Eifersucht, des Neides und des Hasses.
Auf diese Farbe würde ich gerne in meinem Leben verzichten. Aber sie ist dann mal auch in unsern Regenbogen drinnen und wird irgendwann einmal in unserem Leben aufzutauchen. Vielleicht sind wir diejenigen, die auf jemanden neidisch sind, sich zu kurz gekommen fühlen. Vielleicht geht es uns sogut, dass andere uns neidisch und hasserfüllt anschauen – und sie lassen es uns spüren.

Wo Hass im Spiel ist, wird es für uns Menschen gefährlich. Weil wir uns oft selber nicht so ganz unter Kontrolle haben. Ich bin froh, dass ich solchen Situationen einen Gott habe, der mich da bremst. “ Liebe deinen Nächsten, und liebe deinen Feind“ -wenn ich als Christ die Gebote Gottes im Herzen stehen habe, bin ich manchmal auch davor bewahrt auszurasten und Dinge zu tun, die mir und andern nachher Leid tun.

BLAU

Die Farbe blau ist genau das Gegenteil von gelb. Blau steht für Beständigkeit und Würde. Blau ist auch eine alte Farbe des Adels.
Als Kinder Gottes sind wir sozusagen auch Adlige. Weil Gott uns geschaffen hat haben wir unsere eigene Würde, die kann uns auch keiner nehmen.
Da kann es auch egal sein, und ich von der Schule gute oder schlechte Noten mit nach Hause bringe. Da ist es auch egal, wenn ich bei der Auswahl der Fußballmannschaften als letzter übrig bleibe, weil keiner mir zutraut den Ball zu treffen. Da ist es auch völlig belanglos, ob ich so aussehe, dass alle auf mich fliegen.
Ist völlig egal!
Gott liebt dich – egal, was andere über dich denken. Und das ist viel wert: Denn die Meinung der anderen verändert nicht oft schneller als das Wetter. Da tut die Beständigkeit der Liebe Gottes Gottes richtig gut.

VIOLETT

Die Farbe Violett, die haben wir in der Kirche immer während der Passionszeit aufgehängt. Sie steht für Nachdenklichkeit, Ruhe aber auch für Traurigkeit.

Meine Lieben, diese Farbe gibt auch unter dem Regenbogen Gottes. Auch wenn ich euch nachher zusprechen werde „Gott gebe euch Schutz und Schirm vor allem Argen“; also vor allem Schlimmen: Traurigkeit und Enttäuschungen werden euch im Leben nicht erspart bleiben. Es gibt kleine Unglücke und die großen Katastrophen. Was jeden einzelnen von euch trifft kann noch niemand wissen. Die Farbe Violett gehört zum Leben dazu.
Unter den Regenschirm Gottes finde ich dann aber auch Zuflucht, da kann ich mich ausheulen und Gott auch fragen was das überhaupt soll. Vielleicht könnt ihr euch das gerade mich so wirklich vorstellen. Aber es gibt Menschen, die sagen mir: Gerade jetzt, wo ich völlig verzweifelt und mutlos bin, habe ich aus dem Glauben heraus von Gott wieder neue Kraft bekommen.
Ich kann euch das nicht erklären, wie das funktioniert. Aber ich kann euch sagen, dass es schon viele Menschen so erlebt haben!
Der Regenschirm Gottes, auch in den traurigen Tagen kann er mir helfen.

GRÜN

Der letzte Farbe: Grün. Die Farbe der Hoffnung, des aufkeimenden Lebens. Es ist auch eure Farbe, denn ihr seid eigentlich die „grünen Konfirmanden“. Im Gegensatz zu den goldenen silbernen. Drum habt ihr auch so grüne Sträußchen am Revers.

Wo es grün wird, da wächst was, da geht etwas vorwärts. Jetzt, im Frühling merkt man´s  ganz deutlich.

Glaube und Hoffnung gehören für mich ganz eng zusammen.
Wenn ich weiß, dass es Gott gut mit mir meint – schließlich hat er ja damals für uns Menschen diesen Bund mit Noah geschlossen – dann habe ich auch keine Sorgen damit, dass in meinem Leben Gutes auf mich zukommt.
Nicht, weil ich so toll bin.
Nicht, weil meine Eltern mir soviel vererbt haben.
Sondern, weil ich mich auf Gottes Liebe verlassen kann.
Dann sehe ich die Zukunft nicht den Rosa, sondern in Grün.

MAN MUSS IHN NUR BENUTZEN

Liebe Konfirmanden,
das ist dieser Regenbogen-Regenschirm Gottes, der sich über euer Leben spannen kann. Es ist ein tolles Ding.

Es gibt da aber ein Problem!
Ich habe daheim 6 Regenschirme stehen. Aber wenn ich einen brauche weil´s regnet, dann habe ich keinen dabei, und werde nass. – Echt blöd!
Da habe ich das Zeug eigentlich und stehe dann doch dumm da, weil ich den Schirm nicht einsetzen kann, weil er daheim rumliegt und verstaubt.

Den Schirm Gottes kann man nicht daheim liegelassen.
Aber man kann ihn vergessen.
Man kann vergessen, wie das ist, wenn man sich über das Gute was einem geschenkt wird, dabkbar freut.
Man kann vergessen, dass Jesus uns gewarnt hat, dem Hass nachzugeben.
Ganz leicht übersieht man, dass das eigene Selbstwertgefühl nicht von dem abhängt, was man besitzt oder darstellt.
Mancher hat schmerzvoll erlebt, wie es ist, wenn man nicht mehr weiß, an wen man sich in seiner Traurigkeit wenden kann.
Und dunkel wirds, wenn man nicht meht weiß, dass man auf Gottes Reich hoffen darf.

Also: Klappt ihn öfters auf – den Schirm des Glaubens – damit er nicht einrostet!
Amen

 

Pratische Hinweise:

Für den Predigenden ist natürlich ein repräsentativer Schirm mützlich. Zum Beispiel dieser hier.
Als Giveaway für die Gottesdienstbesucher gibts auch kleine Regenbogen-Schirmchen, wie man sie von der Eisdiele her kennt: BEISPIEL

 

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