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Predigt: Versäume keinen fröhlichen Tag (Sirach 14, 14) 19. Oktober 2003

Liebe Taufgemeinde,

Im Kindergottesdienst ging es um Elias und die Propheten Baals.
Der Pfarrer erklärte, dass Elia einen Altar baute, Holzscheite darauf legte, den Opferstier zerteilte und die Stücke auf das Holz legte. Dann liess er die Leute vier Eimer mit Wasser füllen und das Wasser über das Opfer giessen. „Was meint ihr wohl, weshalb er das tat?“ fragte der Vikar.
Ein Mädchen meldete sich und antwortete: „Damit es eine gute Bratensoße gibt.“

Dieser kleine Witz verbindet drei Dinge, die man bei uns in der Kirche oft nicht so gut zusammenbringt: Glaube, Lachen und Genuß. Aber eigentlich können die drei ganz gut miteinander: Das entdeckt man auch immer wieder in unserer Bibel:

Wo Jesus Wasser zu erstklassigem Wein verwandelt. Witzigerweise erst dann, als die meisten Leute so betrunken sind, dass sie das Wunder  gar nicht richtig mitbekommen und genießen können.
Oder wo Jesus die Pharisäer mit ihrer Spitzfindigkeit mal wieder auflaufen lässt, indem er ihnen mit einem Rätselwort über das Kaiserbild auf einer Geldmünze so zu tüfteln gibt. Sie grübeln – und er macht sich inzwischen davon, weil er wichtigeres zu tun hat.

Einen ganz unmittelbaren Zugang zum Schönen und Leichten im Leben hat auch der Taufspruch von N.N. :
„Versäume keinen fröhlichen Tag und lass  dir die Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind.“

Er steht im Buch Sirach, 14,14 – einem biblischen Buch, das in unserer evangelischen Kirche wenig bekannt ist. – Es zählt zu den Apokryphen  und ist in den meisten Lutherbibeln nicht zu finden.

„Versäume keinen fröhlichen Tag und lass dir die Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind.“

Liebe Eltern,
der Spruch passt wunderbar auf Ihre Lebenssituation.
Es ist die Freude über das neue kleine Leben, das ihnen geschenkt worden ist.
Und diese Freude ist heftig am sprudeln bei Ihnen im neuen Haus in der Siedlung.
Die Freude am reinen Dasein, die glücklichen Tage, das Lächeln, das Sie in Ihrer Tochter wiederfinden, die Lust am Leben.

Diese Freude soll auch in unserer Kirche Platz haben!
Der Glaube an unseren Gott  ist kein trübsinniges Geschehen.
Das Wunder der Schöpfung, das Wunder der Geburt und die Freude mit dem kleinen, neuen Erdenbürger sagt da schon alles.

Heute bei der Taufe wird das nochmal für alle sichtbar.
Aber wir feiern ja auch  mehr als ein Familienfest. Heute bekommt das Leben ihrer N.N. eine neue Qualität:
In der Taufe vertrauen wir sie Gott an. Wir sagen zu ihr: Du gehörst zu Gott, er liebt dich, er wird dich in deinem Leben begleiten und segnen.
Und Sie als Eltern und Paten versprechen, dass Sie dieses kleine Mädchen in den kommenden Jahren auf ihrem Lebensweg begleiten und ihr die Möglichkeit geben, ihr Verhältnis zu unserem Gott aufzubauen, aufrecht zu halten und zu pflegen.

Bei aller Freude: Wir wissen, dass wir erst am vielversprechenen Anfang eines Lebens stehen.
Aber wir wissen nicht, was kommen wird. – Die Wechselfälle des Lebens, die Bedingungen am Arbeitsmarkt, die Sorgen um unsere Umwelt. Das Leben ist eben kein Zuckerschlecken.
Wird sie gesund bleiben, wird sie behütet aufwachsen können, wie wird sich für sie Schule und später Berufsleben gestalten? Wird sie ein erfülltes Privatleben führen können? Diese Fragen gehören immer dazu, wenn man die Freude des Lebens betont. -Und diese Fragen, liebe Taufeltern werden Sie nicht loslassen,

Wir wären blauäugig, wenn wir ihrer N.N. sagen würden:
„Lebe glücklich, lebe froh – für den Rest sorgt Gott dann sowieso!“
Wir wissen: Nicht alles wird leicht sein, nicht alles wird nach den Wünschen verlaufen, die wir für Ihre Tochter haben.

Aber ich glaube, dass unser Taufspruch immer noch gelten kann:
„Versäume keinen fröhlichen Tag und lass  dir die Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind.“

Zum einen: Gerade angesichts der schweren Zeiten  ist es wichtig, die guten Momente dankbar aus Gottes Hand zu nehmen und zu feiern.

Und der zweite Punkt: Durch die Taufe hat Ihre N.N. einen himmlischen Vater, dem sie sich anvertrauen kann. Und aus dieser Perspektive als Gotteskind, sieht man viele Dinge noch einmal in einem neuen Licht.

Als Kind Gottes weiß ich, dass Gott auf meiner Seite ist, dass er Gutes mit mir vorhat – auch dann, wenn die Dinge im Leben anders laufen, als ich es mir vorgestellt habe.
Es gibt Wünsche, die erfüllen sich nicht. Und manches, was man gerne festgehalten hätte, zerfällt. Manchmal zerbröselt sogar das, woran man sich im Leben eigentlich gerne festgehalten hätte.
Wie gut, wenn da einer ist, von dem ich mich festhalten lassen kann. Der mich bei meiner Hand nimmt und sagt: Mein liebes Menschenkind, in unserer Welt musst du manches loslassen, und maches Neue auch ergreifen. Tue das auch.
Hab den Mut, Illusionen loszulassen, die nicht mehr erreichbar sind.
Hab den Mut, Neues anzupacken, auch wenn dir Manches noch unbekannt erschient.
Weil ich, dein Gott, dich festhalte, brauchst du niemals Angst haben, ins Bodenlose zu fallen.
Darum sorge dich nicht, sondern: „Versäume keinen fröhlichen Tag und lass dir die Freuden nicht entgehen, die dir beschieden sind.“

Liebe Eltern,

es ist die Kraft des Glaubens, die um das Woher und Wohin unseres Lebens weiß, die einen Menschen zu solch einer Lebenshaltung verhelfen kann.

Wenn Sie Ihre Tochter im Glauben erziehen, dann eröffnen Sie Ihr die Chance, das Leben in dieser Art und Weise zu gestalten; angstfrei die guten Tage zu genießen.
Darum ermuntere ich Sie: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran: Reden Sie über den Glauben, beten Sie mit Ihrer Tochter. Damit sie es erleben kann, wie es ist, einen Vater im Himmel zu haben.
Den ersten Schritt dazu tun Sie heute, indem Sie Ihr Kind zu Taufe tragen. Sie geben damit Ihre Tochter auch in die Obhut eines Größeren –  und vertrauen darauf, dass Sie in Ihrer Verantwortung diesem kleinen, neuen Menschen gegenüber unterstützt und ebenfalls getragen werden.
Amen.

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