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Predigt zur Konfirmation: Ihr seid das Salz der Erde (Matthäus 5, 13) 9. April 2006

Predigttext:konfirm06 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als daß man es wegschüttet und läßt es von den Leuten zertreten. (Matthäus 5,13)

Liebe Konfirmanden,

“Ihr seid das Salz der Erde” sagt Jesus in der Bergpredigt zu seinen Zuhörern.  Ihr, die ihr an mich glaubt, seid Salz!  Naja, ich habe schon mal schmeichelhaftere Komplimente gehört: Du bist ein Goldschatz, eine Superfrau, ein wilder Feger, ein prima Kumpel. – Wer das hört, freut sich und fühlt sich geehrt … aber “du bist ein Salz!”. Was hat sich Jesus nur dabei gedacht?

Salz ist wichtig

Salz als Kompliment? Na gut, wenn ich nochmal nachdenke, ist das Salz ziemlich wichtig:

Zum Beispiel heute beim gemeinsamen Frühstück:

~ Wenn in der Wurst vom Metzger Wagner das Salz gefehlt hätte; ich denke ihr hättet die gleich wieder zurückgelegt und wärt zur Marmelade übergegangen.

~ Oder beim Frühstücksei wird alle Nase lang gefragt: Kannste mir mal das Salz rübergeben?

~ Ich möchte gar nicht wissen, was heute mittag los wäre, wenn in der Suppe beim Konfirmationsessen der Koch das Salz vergessen hätte!

~ Und viele wissen: Wenn in den Getränken heute nicht diese entscheidenden Milligramm Mineralsalze wären, könntet ihr euch heute nacht ins Krankenhaus legen.

Also: Salz ist unglaublich wichtig. Und: Es wird völlig unterschätzt! Salz gehört zu den Grundlagen des Lebens auf unserem Planeten.

Jetzt kann ich es ja nochmal sagen: “Ihr seid das Salz der Erde” – Wer an Jesus glaubt gehört zum Salz in der Suppe dieser Welt. Ohne Leute wie euch könnten wir einpacken.

Das klingt jetzt schon ganz anders: Aber stimmt es auch?  Ich meine: Christ sein, an Jesus glauben, in die Kirche gehen, das alles hat ja so eher ein Langeweiler-Image.

Stellt euch vor, ihr geht in 15 Tagen nach den Osterferien in die Schule und es spielt sich folgendes ab:

“Hey, stell dir vor: Ich bin konfirmiert. Hab offiziell ja zum Glauben gesagt!”  

Na, was hast du so gekriegt, was ist denn rausgesprungen?”

“Der Segen zum Beispiel..”

“Red keinen Quatsch, wie viel Euro hast du eingesackt?”

“Ist doch egal! Weißt du, ich bin jetzt Salz der Erde”

“Na toll, dann kanste ja demnächst beim Winterdienst mitmachen – kannst die Wege damit streuen”

Liebe Konfirmanden,

ihr seht, die Sache mit dem Salz der Erde – so wichtig sie ist – wird heute oft nicht ernst genommen und damit maßlos unterschätzt . Zur Beruhigung möchte ich aber auch sagen. Dem Salz war das aber auch schon immer egal. Es weiß ja, wie wertvoll es ist – egal ob es die Leute entsprechend anerkennen oder nicht.

 

Salz ist eindeutig im Geschmack

Nachdem wir die Frage mit der Bedeutung abgehakt haben, möchte ich als zweites danach fragen, was denn das Salz zum Salz macht? – Beim echten Salz ist es ganz klar (ich hole einen kleinen Salzstreuer, bestreue meinen Finger damit und schlecke ihn ab): Es schmeckt nach Salz! … Und daran erkenne ich es sofort und kann es problemlos von Zucker, Backpulver, Mehl sonstigen Pulvern unterscheiden.  Salz hat einen klar definierten Geschmack – und so schmeckt es immer. Egal ob in Gollhofen, Moskau oder Los Angeles.

Brausepulver, Gummibärchen oder Schokolade gibts in Tausend Geschmacksrichtungen – aber Salz schmeckt immer ganz eindeutig nach Salz.

Wenn wir Christen Salz der Erde sind, dann haben wir auch eine ganz klare Geschmacksrichtung: Ich nenn ihn mal dem Jesus-Geschmack – und der gehört dazu.

Wenn ich als Christ nach Kreditkartenbetrüger schmecke, oder nach Drogendealer, nach notorischer Lügner oder Schläger – dann passt etwas nicht mehr! Zum Salz der Erde gehört eine klare Geschmacksrichtung. – Und mache Dinge gehen dann mit mir – oder eben nicht.

Wenn Leute auf ihren Handys Videos von Gewalttaten tauschen, da frag ich mich, ob ich da wirklich mitmachen muss. Ob ich mir, meiner Seele, meinen nächtlichen Träumen so etwas antun muss. Oder ob ich sage: So was anzusehen, so etwas cool zu finden, passt nicht zu mir und meinem Glauben. Ist nicht nach meinem “Geschmack” als Salz der Erde.

Das klingt so ein bisschen nach einem Verbot. Ist es aber nicht. Der Apostel Paulus hat gesagt: Als Christ darf ich grundsätzlich alles, … aber es verträgt sich eben nicht alles mit meinem Geschmack als Salz der Erde.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es manchmal lohnend ist, nicht jeden Blödsinn mitzumachen, und dass man langfristig eher geschätzt als ausgelacht wird, wenn man seinen eigenen Standpunkt hat und vertritt.

 

Salz sein für die Gemeinschaft

“Ihr seid das Salz der Erde” – das heißt auch ich seid Salz für die Erde. Denn das Salz ist naturgemäß zum salzen da. Es soll eine Suppe aufpeppen, ein Brot lecker machen, den Mineralhaushalt eines Sportlers wieder in Schwung bringen.  Salz ist nicht nur für sich selbst, sondern für andere da.

Ihr wart in den letzten 2 Jahren engagierte Salzstreuer in unserer Kirchengemeinde. Ihr habt Klingelbeutel getragen, Gemeindebriefe und Dekanatsbriefe ausgeteilt. Durch das Geld eurer Haussammlungen konnte behinderten Kindern in Rummelsberg geholfen werden, konnten Gemeinden in Mecklenburg ihre Gebäude erhalten, wurden Beratungsstellen für Menschen in Notsituationen finanziert. Da war euer Weg jeden Monat von Haus zu Haus eine ordentliche Hilfe. Im Kindergarten beim Kindergartenfest haben einige geholfen und als Bläser im Posaunenchor haben etliche von euch ja auch schon einen guten Eindruck – einen guten Salzgeschmack – hinterlassen.

Es wäre schön, wenn unsere auch weiterhin Gemeinde so manchen Salzkrümel von euch erhalten könnte; als Bläser, als Mitarbeiter im Kindergottesdienst oder in der Landjugend. Da ist vieles möglich.

Die Nachfüll-Packung

Das klingt jetzt nach Arbeit und nach einem hohen Anspruch. “Der Pfarrer tut so, als wären wir schon komplette Salzsilos, dabei stehen wir in vielen, auch im Glauben eher am Anfang – haben selber unsere offene Fragen und Zweifel.”

Da kann ich euch trösten, mir geht es da auch nicht viel anders. Es geht hier nicht um große Helden, um große Vorräte an Glauben und Bibelwissen. Ich glaube, es geht darum, dass ihr grundsätzlich bereit seid, Salz – und Salzstreuer – zu sein. Nach “Salz” zu schmecken.

Als Mensch bin ich sie so ein Salzstreuer: Der hat da eine Öffnung, wo der Hausherr immer wieder nachfüllen kann (ich hole ein Salzsäckchen und fülle ein wenig nach).

Das gehört für mich zum Glauben dazu: Ich muss nicht alles selber aus eigener Kraft schaffen. Gott ist für mich die Kraft- und Salzquelle.

Bei ihm tanke ich immer wieder auf und lasse mich mit dem versorgen, was ich brauche, um selber wieder Salz der Erde zu sein.

Liebe Konfirmanden,

ich wünsche euch, dass ihr so wie dieser Salzstreuer leben könnt.

Dass ihr euch auf der eine Seite Salz verbreitet, den Glauben lebt und man das hie und da auch spüren kann.

Und dass ihr auf der anderen Seite offen seid für Gott, damit er euch seine Kraft gibt und ihr spürt, dass ihr von ihm mehr geschenkt bekommt, als ihr überhaupt weitergeben könnt.

Amen

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