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Predigt zum Erntedankfest: Die Kraft der Sonne, 1. Oktober 2006 (Predigt am Solartag in Gollhofen, dem Sieger der Solarbundesliga 2006) 1. Oktober 2006

Erntedankfest: In diesem Sommer hat Gollhofen in der   Solarbundesliga 2006 den ersten Platz errungen. Darum blicken wir hier auf die Sonne als besonderes Geschenk Gottes an uns.

Liebe Gemeinde,

über die Sonne möchte ich heute ein bisschen nachdenken. Sie ist so alltäglich, dass man fast nicht drüber spricht, dass sie da ist.
Außer man hat zu viel von ihr – so wie im Juli dieses Jahres, als sie unser Wetter, unsere Äcker und unsere Häuser aufheizte. Oder man sieht sie gar nicht mehr, weil es dauernd regnet – dann vermisst man sie dann doch irgendwie…

Die Sonne als Teil der Schöpfung

Die Sonne kann ich demnach eigentlich als Teil unserer Schöpfung bezeichnen; genauso wie die Kartoffel oder den Kürbis, die ja auch mal größer oder mal kleiner ausfallen.
Die Sonne ist ein Teil von Gottes Schöpfung – das zu behaupten ist nicht ganz selbstverständlich. Denn es gab immer Kulturen, die die Sonne nicht als Teil ihrer Natur, sondern als Gottheit angesehen haben.

Die Ägypter kannten den Sonnengott Ra, die Griechen Helios, auch für die Azteken war Tonatiuh der angebetete Sonnengott. In Babylon, wo das Volk Israel im Exil saß und die Priester das erste Kapitel der Bibel, nämlich die Schöpfungsgeschichte, zu Papier brachten, da trug der Sonnegott den Namen Schamasch.

Und wir wissen, was man im Volk Israel davon hielt. So können wir in der biblischen Schöpfungserzählung lesen, dass Gott am vierten Tag die Sonne schuf. Ja, da steht: “Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.” Ja: Gott schraubt 2 Lampen hin, damit́s halt hell ist.
So eine Frechheit! Das ist Gotteslästerung in den Augen der Babylonier, der Griechen und Azteken: “Da degradiert das Volk Israel unseren Sonnengott doch glatt einfach zur Glühbirne”.

Und das gehört auch heute noch zu unserem christlichen Grundbestand. Da haben wir das gleiche Spiel mit den Römern getrieben. Da gab es zur Zeit der ersten Christen den Sonnengott Sol, und weil der unbesiegbar war, nannte man ihn auch sol invictus. Und einmal im Jahr feierte man dessen Sonnenfest.
Bis sich der Kaiser Konstantin so um 320 zum Christentum bekehrte. Von da an war der Sonnengott für ihn und später im gesamten Römischen Reich erledigt. Und was wurde aus dem Fest des Sonnegottes Sol?
Da fiel den Christen ein, dass man da etwas anderes feiern könnte …. zum Beispiel die Geburt Jesu! Da wusste ja sowieso keiner, an welchen Tag er geboren war. So legte man das Weihnachtsfest auf dem 25. Dezember. Und da haben wir es heute noch.

Die Sonne als Gott ist heute kaum mehr Thema. Nicht einmal für die so genannten Sonnenanbeter an den Urlaubsstränden. Die glauben da eigentlich auch an nichts. Weder an einen Sonnegott, noch daran, dass sie sich durch ihre letztlich ihre Haut zugrunde richten.

Die Sonne ist Teil unserer Schöpfung, so könnte man fast in Versuchung kommen, sie vom Himmel zu pflücken und neben den Kürbis zu legen.

Die Sonne ist mehr…

Aber die Sonne ist mehr als nur ein Teil unserer Schöpfung. Sie ist ein Dreh- und Angelpunkt innerhalb dessen, was Gott uns geschenkt hat.
Auf einen Kürbis kann ich verzichten, ohne Mohrrüben komme ich notfalls auch aus, und wenn gar nicht anders geht, könnten wir auch ohne Honig überleben.
Aber ohne Sonne? …. Ohne sie ist auf unserem Planeten kein Leben möglich. Sie nimmt darum eine ganz besondere Stellung ein.

Sie ist auch der Schlüssel zu den meisten Dingen, die wir hier am Taufstein liegen haben:
Erst die Wärmestrahlung der Sonne bewirkt die Wäre des Sommers, die es möglich macht, auf unserer Erde – in unseren Breitengraden – erfolgreich Ackerbau zu betreiben.
Die Lichtstrahlung der Sonne bewirkt, dass die Pflanzen Photosynthese betreiben können und ermöglicht so deren Stoffwechsel und ihr Wachstum.
Durch ihre Strahlung auf die kugelförmige Erdoberfläche entstehen Klimazonen, haben wir das, was wir als Wetter bezeichnen, freuen uns über den Wechsel von Regen und Sonnenschein, der Grundlage fürs Wachstum auf den Feldern.
Aber wir verdanken der Sonne nicht nur, dass wir etwas zu beißen haben. Ich denke: Auch unsere Seele braucht manchmal diese Sonne. Die Helligkeit und Wärme, die sie spendet. Das wunderbare Gefühl, wenn im Frühling oder Spätherbst die Sonne noch einmal strahlt und man draußen die Wärme im Gesicht spüren kann.

Man spürt, wie gut das dem ganzen Menschen tut, wie man selber die Sonne braucht. Nicht umsonst drückt uns der düstere Herbst aufs Gemüt. Nicht ohne Grund spricht man von Frühjahrsmüdigkeit. Die dunkle Jahreszeit, die uns bevorsteht setzt uns sonnentechnisch auf Diät – und da entsteht wahrscheinlich schon so etwas, wie Sonnenhunger.
Kurz bevor wir nach Gollhofen gekommen sind, haben wir es uns mal gegönnt und sind zusammen mit einer anderen Familie im November für eine Woche in den Herbstferien auf die Kanarischen Inseln geflogen. Und das war wirklich eine besondere Erfahrung. Bis zu diesem Herbsturlaub konnte ich mir unter dem Begriff  “Sonne tanken” nichts vorstellen … danach war für mich klar, dass die Sonne tatsächlich ein ganz besonderer Stoff ist.

Die Sonne ist unser Energiespender. Unser Gemüt kann sie aufhellen, unsere Pflanzen wachsen lassen, ja und inzwischen zapfen wir sie auf unseren Dächern an. Lassen uns von ihr das Badewasser anwärmen oder verwandeln ihre Strahlung in elektrischen Strom.
Zur Ernte auf den Feldern kommt für viele Gollhöfer auch die Stromernte auf dem Scheunendach. Wir haben gelernt, mit der Sonne umzugehen und ihre verschwenderischen Reichtum an Energie für uns nutzbar zu machen. Und ist schon klar, dass die Sonne auch endlich ist. Wissenschaftler haben berechnet, dass in etwa 9 Milliarden Jahren das Helium der Sonne zur Neige gehen wird, und sie dann “alle” ist. Aber für die Zeiträume, in denen wir Menschen leben und denken, ist sie einfach unerschöpflich.

Schöpfer und Geschöpf im Missverständnis?

Jetzt habe ich selber ein Loblied auf die Sonne gesungen. Über das, was sie uns schenkt und was wir von ihr haben. Uns so langsam dämmert mir, weshalb sie einst von Menschen wie ein Gott verehrt worden ist.
Ihre Größe, die Unerschöpflichkeit ihrer Energie, die Tatsache, dass ohne sie nichts geht. In ihr scheint sich vieles zu spiegeln, was wir auch von Gott sagen und denken. In ihr sehen wir, wie sich Gott um uns sorgt.
Als aufgeklärte Menschen kämen wir natürlich nie darauf, die Sonne wie einen Gott zu verehren. Das wäre genauso absurd, wie ein Baby, das seine Milchflasche anhimmelt, weil es glaubt, diese Plastikflasche wäre der Urheber des eigenen Daseins und Glücks – und nicht die Mama.

Moment! Wenn ich aber an unsere Töchter und ihr Geschrei denke, bis die als Babies ihre Flasche hatten, dann drängt sich doch das Gefühl auf, dass wir Menschen es nicht immer so genau auseinander halten können ..
… die Flasche und die Mama die sie und gemacht hat.
… die Schöpfung und ihren Schöpfer.

Und da kann das Erntedankfest uns sicher immer wieder eine gute Hilfe sein:

Dass wir uns zum Ersten bewusst machen, wie sehr wir abhängig sind, von dem, was unsere Schöpfung uns liefert. Wie sehr wir darauf angewiesen sind, dass sie nicht von uns Menschen zerstört wird. Wo unsere Verantwortung liegt, sinnvoll, nachhaltig und gerecht mit ihr umzugehen. Und wenn wir die Energie der Sonne mit neuen Technologien anzapfen, ist das sicher ein guter Weg.

Und zum Zweiten: Dass wir den nicht vergessen, sondern vielmehr den loben, der dahintersteckt. Die Mutter, von der die Milchflasche kommt. Den Gott, der uns diese Schöpfung – die Sonne, die Erde und alles, was darauf gedeiht –  geschenkt hat und immer wieder neu schenkt.

Und das Dritte: Unser Bewusstsein, dass ich nicht allein beschenkt bin. Dass es neben mir Menschen gibt, mit denen ich gemeinsam die Gaben der Natur teile. Wobei Teilen auch heißen kann, dass ich etwas abgebe. Auf jeden Fall kann ich mit meinen menschlichen Mitgeschöpfen gemeinsam an einem Tag wie heute hier Gott loben und danken.
Amen

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