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Predigt: Willkommen auf dem unwahrscheinlichen Planeten Erde (1. Mose 1) 29. April 2007

Liebe Gemeinde,
für die Hobby-Astronomen ist die Meldung der letzten Woche eine Sensation: Sie haben erstmals einen Planeten entdeckt, der unserer Erde ähnlich ist. Die europäische Sternwarte in Garching hat es in der vergangenen Woche bekannt gegeben. Auf diesem fernen Planeten, der 20 Lichtjahre entfernt und etwas größer als unsere Erde ist, herrschen Temperaturen zwischen Null und 40 Grad. Theoretisch, so sagen sie, wäre dort also Leben möglich, das mit dem auf unserer Erde vergleichbar wäre.

Als Aufsehen erregende Information wird uns das von der Presse verkauft. Obwohl wir nicht mal wissen, ob dort überhaupt Wasser, die unabdingbare Lebensgrundlage existiert. Und der Temperaturbereich 0-40 Grad ist schon sehr vage … wenn ich daran denke, dass wir wegen einer Erderwärmung um 2 bis 3 Grad bereits das ganze Leben auf unserem Planeten gefährdet sehen.

Einen Besuch könnten wir uns sowieso schenken: Mit den schnellsten Raumsonden, die wir kennen, würde die Fahrt dorthin 863.000 Jahre dauern.
Kurzum: Die eigentliche Sensation besteht darin, dass unter den Hunderttausenden bekannten Himmelskörpern einer entdeckt wurde, der annähernd eine Ähnlichkeit mit unserer Erde hat. Von dem, was darauf lebt oder nicht lebt, braucht man gar nicht zu reden.

Weshalb erzähle ich Ihnen davon? Weil mir das wieder zeigt, wie außergewöhnlich unsere Erde ist, so einmalig, dass man Tausende von Jahren durch den Weltraum rasen muss, um etwas halbwegs vergleichbares zu finden. Mit anderen Worten: Dass es uns überhaupt gibt, ist ein einziges Wunder.
Und warum sind wir überhaupt da? Dieser kleine Krümel im Universum?

Diese uralte Frage haben sich Menschen und Völker immer wieder gestellt und ihre Antworten entwickelt. So entstanden in der Antike immer wieder abenteuerliche, schaurige oder faszinierende Schöpfungsmythen. Vor zweieinhalb tausend Jahren kannten die Menschen im Volk Israel manche dieser Mythen – und haben dann doch aufgeschrieben, was ihr eigener Glaube hinsichtlich dem Ursprung der Welt sagt.

Ich lese einige Ausschnitte dieser Schöpfungserzählung aus dem ersten Buch Mose:

Predigttext: 1. Mose 01

1,1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.   Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. 1,3 Und Gott  sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
1,4 Und Gott sah, daß das Licht gut war.
1,26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.
1,27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und  schuf sie als Mann und Weib.
1,28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.
1,29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.
1,30 Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben.  Und es geschah so. 
1,31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe,  es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.
2,1 So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.
2,2 Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und  ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.
2,3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.
2,4 So sind Himmel und Erde geworden, als sie geschaffen wurden.

In dieser Schöpfungserzählung fassen vermutlich Priester in der Zeit der Gefangenschaft in Babylon 550 vor Christus  zusammen, was ihnen zur Frage der Entstehung der Welt wichtig erscheint.
Man kann darüber streiten, ob das, was wir da lesen, eine naturwissenschaftliche Beschreibung der Weltentstehung ist oder eher eine Erzählung, die nicht über das wie, sondern über das wozu dieser Erde Auskunft geben will. – Und darüber wird auch gestritten.
Heutzutage diskutiert man bei uns schon in der 5. Schulklasse darüber, ob die Welt in 7 Tagen entstanden ist, oder ob sie Jahrmillionen gebraucht hat.

In Europa hat sich auch in der Theologie die Evolutionstheorie ihren Platz erkämpft, und so ringen wir darum, wie wir diese beiden Sichtweisen der Weltentstehung zusammen bekommen können.

In den USA scheint die Lage anders zu sein, dort gibt es Bundesstaaten, wo in den Schulen seit einiger Zeit wieder dieser biblische Bericht als zu lernender Stoff in Sachen Weltentstehung vorgeschrieben ist. Diese neuen Strömung, die Kreationismus genannt wird, ist bestrebt, die Evolutionstheorie zugunsten der biblischen Berichte zurückzudrängen.
Oft ist es eine verbissene Schlacht mit Argumenten, bei der es keinem gelingt, den anderen auch nur ansatzweise zu überzeugen.

Liebe Gemeinde,
ich weiß nicht, ob wir etwas gewinnen, wenn wir so einen Streit führen. Aber ich merke, die gängigen Theorien zur Entstehung der Welt und der menschlichen Spezies hinterlassen beim Laien – und zu denen gehöre ich auch – den Eindruck, dass sich alles ja zwangsläufig so entwickelt hat, vom Urknall über die Einzeller, Wassertiere, Primaten und bis zu uns jetzt, wie wir so dastehen. Es musste ja so kommen, denn durch die natürliche Selektion hat sich das so ergeben.

Und jetzt denke ich an den Planeten da draußen, 20 Lichtjahre, also knapp 200 Billionen Kilometer entfernt … und ich habe das Gefühl, es ist eine ungeheure Sensation, dass es unsere überhaupt Erde gibt, und dass Sie und ich darauf leben.
Die Ungeheuerlichkeit, dass ein einziger Planet in dieser Weite des Universums solche Voraussetzungen bietet und das, was darauf lebt, in solcher Harmonie eingerichtet ist, dass so ein vielfältiges Leben möglich ist.

Es ist so unwahrscheinlich, dass es uns gibt, dass es – so glaube ich – mehr geben muss als nur einen simplen Zufall. Und da kommt, Evolution hin oder Urknall her, ein Schöpfer ins Spiel, der sich bei seiner Arbeit sehr sehr viel Gedanken gemacht hat.

Und so komme ich der ersten Hauptaussage dieser alten Schöpfungserzählung: Es gibt einen Schöpfer, der diese Welt ins Dasein gerufen hat. Und der ist nicht irgendwer, sondern der Gott, auf den wir vertrauen.

Es ist nicht der Gott der Babylonier sagen die Verfasser den Menschen vom Volk Israel.
Und es ist auch kein blinder Zufall; das sage ich mir selber.

Diese Zeilen aus dem ersten Buch Mose lassen meines Erachtens viel Spielraum für die Frage, wie genau diese Erde entstanden ist. Der verstorbene Papst ging sogar so weit, dass er sagte: Die Bibel steht nicht in direktem Widerspruch zur Theorie von Urknall und Evolution. Ja, die Bibel beschreibt die Weltentstehung sehr schlicht und offen. Aber in einer Frage ist sie eindeutig: Hinter alledem steckt Gott, der Schöpfer – und kein Zufall

Ein zweiter Punkt, der mich als Mensch betrifft: Da heißt es, dass ich Gottes Ebenbild bin. Sein Stellvertreter auf Erden. Das heißt, in seinem Auftrag stehe ich als Mensch und habe zwei Gegenüber:
– Gott als Auftraggeber der in mir einen Ansprechpartner sieht, dem er sich zuwendet.
– Und als zweites die Tier- und Pflanzenwelt, die ich mir Untertan machen soll, bebauen und bewahren. Und dabei höre ich als moderner Mensch sofort auch die Verantwortung gegenüber der Schöpfung …. wobei ich aufpassen muss: auch ich bin ein Teil der Schöpfung. Ein recht spät geschaffenes Element mit besonderer Würde als Ebenbild Gottes; mit Geist und enormen Fähigkeiten ausgestattet, mit dem Geschenk, sich durch Sprache mitteilen zu können. Wirklich privilegiert, aber dennoch bin ich ein Teil dieser Schöpfung.
Verwoben in die Ordnung, die das Leben auf diesem Planeten zusammenhält. Und darum ist jeder Schaden, den wir unserer Schöpfung zufügen auch unser eigner Schaden. Manche erkennen das nach der Lektüre des UN-Klimaschutzberichts, anderen reichen die 34 Verse des Schöpfungserzählung

Zu guter Letzt ein dritter Punkt: Am letzten, den siebten Tag ruht Gott von seinem Tun, betrachtet das Geschaffene und kommt zu seinem Urteil: “Und siehe, es war sehr gut”.

Das schrieben damals Männer auf, die ihre Heimat verloren hatten. Die miterlebt hatten, wie das Heer Nebukadnezzars weite Teile der Stadt Jerusalems, den Tempel eingeschlossen, dem Erdboden gleichgemacht hatte. Sie lebten im Exil als Gefangene der Siegermacht … und doch betrachten sie die Schöpfung Gottes und stimmen ihm zu: Siehe es ist sehr gut. –

Der Blick auf die Schöpfung als das umfassende … eine Perspektive, die manchmal auch helfen dann, Abstand von eigenen schweren Schicksal zu bekommen … auch wenn es nur ein paar Stunden sind.
Da ist ein Sonntagsspaziergang in die Natur hinaus vielleicht gar nicht so weit weg von dem, was Gott uns an den 7 Schöpfungstagen vorgemacht hat.
Gott hat geruht, und wir sollen es auch tun.
Am Ende der Woche innezuhalten, diese Welt zu betrachten … das Wunder wahrzunehmen, dass man überhaupt existiert, auf diesen kleinen unscheinbaren Planeten …  und Gott für das danken, was er uns alles an Gutem trotz mancher großer Last geschenkt hat.

So wünsche ich ihnen heute einen gesegneten Sonntag.

Amen

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