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Gottesdienst am Pfingstmontag 2007: “Hopp etz…” 28. Mai 2007

Die Texte dieses Gottesdienstes wurden  von Pfr. Helmut Spaeth und Pfr. Alexander Seidel entworfen.Pfingsten07c

Szene: Der Couch-Potatoe
(Darsteller: A: Der Faulenzer im Jogginganzug; B: der normal gekleidete Fragesteller)

Sprecher:Jesu Himmelfahrt, haben wir eben gehört. Eigentlich ein sinnvoller Schluss des Weges Jesu mit seinen Jüngern. Jesus ist auferstanden, die Jünger sind frohund zufrieden … und Jesus kehrt zurück zu seinen himmlischen Vater.
Alles in Ordnung … die J ünger sind von da an auf sich gestellt und bewältigen die Arbeit allein.
Wozu da noch Pfingsten? Da kommt doch eigentlich nix anderes mehr nach – oder?
Naja, tatsächlich könnte man manchmal den Eindruck haben, es hätte Pfingsten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Ohne einen bleibenden Eindruck bei den Menschen zu hinterlassen. 

Hat das Pfingstfest mehr gebracht als einen zusätzlichen Feiertag und 2 Wochen Schulferien? Wir haben mal zur Feder gegriffen und uns so einen Menschen ausgedacht … für den Pfingsten nie stattgefunden hat.

A:
Was für ein Unglück! Es regnet. Na da werden sich die Gottesdienstler in Lipprichhausen freuen.
Ich wusste ja schon von Anfang an, dass es sich nicht lohnen wird überhaupt aufzustehen.
Und dann soll ich auch noch aufraffen, um nach Lipprichhausen zu gehen. Zu einem Open-Air Gottesdienst am Pfingstmontag! Meine Frau ist ja gegangen. Das hat sie jetzt davon.
So ein Schwachsinn. So etwas hat es früher auch nicht gegeben.

Na, aber jetzt regnet es. Da muss ich gar nicht hin. Und helfen kann ich schon gar nicht.
Überhaupt. Wo kämen wir da hin, wenn jeder macht, was er will.
Ach, ich mache es mir erst mal gemütlich.
(er greift sich die Fernbedienung)
So Pfingsten07aauch mal Bayerischen Rundfunk. Abendschau.
Ach. Sogar den Bischof Huber verregnet es. Da siehst du mal. Ich brauche gar nicht erst losfahren, oder mich in Bewegung setzen für die Kirche. Auf dem Hesselberg regnet es genauso wie hier. Hehe denen verregnet es jetzt alle ihre Aktionen. Ich hab´s ja gleich gesagt: Immer diese neuen Ideen. Am Besten man macht gar nichts.

Ich sag immer: Wer nichts macht, macht auch keine Fehler. Und: Was ich am wenigsten brauchen kann sind Fehler.
Was sagen die Leute, wenn ich mich irgendwo hinstellen würde und mich für den Glauben einsetzen würde.
Oder gar als Lektor mich der Kritik Anderer stelle.
Ne. Da bin ich hier sicherer. In jeder Gemeinde gibt es bestimmt irgendwelche, die kritisieren. Naja und die Lektoren: die reden ja doch zu leise, und stellen sich dann auch noch vorne hin. Müssen wohl immer im Vordergrund stehen, he?

B: Kommt dazu
Hallo, Couchi.
Na du fauler Sack, Was machst du denn hier? Darf ich? (Zeigt auf den freien Platz auf der Couch)
Hey, du lümmelst da rumm, während anderswo sich viele Leute aufgemacht haben, um einen Gottesdienst zu besuchen.
Und. Schaust du wenigstens den Fernseh – Gottesdienst an?

A:
Nee. Das lohnt doch nicht. Schau mal her: Selbst beim Bischof am Hesselberg regnet es.
Na ich wäre doch blöd, wenn ich mich von meiner geliebten Couch weg bewegen würde.

B:
Na aber Couchi, du weißt ja gar nicht, was du alles verpasst.
Du hängst hier faul rum und das Leben geht an dir vorbei.
Wann hast du denn das letzte Mal etwas getan?
Oder etwas geplant?

A:
Ach, was solls. Ich habe hier doch alles.
Ich brauche gar nichts zu tun. Mein Fernseher schafft mir alles heran.
Und außerdem: es langt ja doch, dass ich meine Arbeit habe.
Ich gehe jeden Werktag zu meiner Arbeit. Das langt mir.
Ich habe genug Geld, ich kann mir was leisten, aber ich will hier sitzen und fernsehen.

B:Pfingsten07b
Na, wenn jeder so denken würde, dann sähe unsere Welt richtig öde aus.

A:
Wieso?
Jeder würde seine Arbeit tun und dann wäre Ruhe.
Kein Freizeitstress, weil niemand zum Beispiel Fußball spielen würde.
Und außerdem: Die Stadien wären leer, dafür die Wohnzimmer voll.
Das gäbe noch nicht einmal Ärger, oder.

B:
Nein. Da hast du Recht. Es gäbe sogar nicht mal den Fußball.

A:
Wieso das denn?

B:
Na überleg doch mal:
Wenn niemand sich erhoben hätte und nach Berlin gefahren wäre, warum hätte dann der Club dort überhaupt spielen sollen?
Es hätte doch ein Video-Spiel auch getan.
Oder. Wenn keiner in ein Konzert gehen würde, gäbe es auch keine. Wenn keiner in ein Schwimmbad gehen würde, dann gäbe es die auch nicht.

Ich stelle mir diese Welt einmal vor: Oh man. Langweilig und Öde.
Mit deiner Einstellung, ne, da würde ich gar nicht leben wollen.
So ein gesittetes Frühableben, das wäre doch was für dich, oder?

A:
Also jetzt hör aber auf. Ich lebe doch. Und ich lebe gern.
Ich mag auch Fußball und es wäre schade, wenn es gar keine Kultur mehr gäbe.

B:
Siehst du. Und genauso verhält es sich mit allen Dingen auf der Welt.
Übrigens auch mit der Religion.

A:
Na also die machen ja nun wirklich nur die Pfarrer. Oder.
Und taugt der Pfarrer nichts, ist auch der Glaube schlecht. Oder?

B:
Quatsch. Oder bist du nur Club Fan, wenn die Fußballer gewinnen?
Bist du nur auf einem Konzert, wenn die Gruppe gerade auf der Nummer eins der Hitliste steht?
Oder interessiert dich nicht eher der Sport, die Musik, das Schöne am Leben?
Eben weil es schön ist, und nicht, weil eine einzelne Person dir eine perfekte Show bietet?
Nein. Ich glaube, weil es mir etwas bringt.
Und wenn mein Pfarrer gut ist, dann sage ich ihm das offen ins Gesicht. Genauso wie ich ihn kritisiere, wenn etwas daneben geht.

Und weißt du was? Seit ich das kapiert habe ist mein Pfarrer gar nicht mehr so schlecht. Er ist halt ein Mensch. Genau wie wir.

Also komm. Los jetzt. Die Lipprichhäuser haben den ganzen Gottesdienst aufgebaut.
Ab mit dir du Couch – potato, helfe wenigstens beim Abbau mit. Dann tust du heute mal was Sinnvolles.

Dialogpredigt
(Darsteller: R: Schauspiel-Regisseur mit Sakko und Klemmbrett; D: Co-Autor)

 

R:
Durch Pfingsten hat sich die Situation der Jünger geändert, der Geist Gottes hat sie ergriffen, alles kam in Bewegung. Das müssten wir bei den Mann auf dem Sofa ja jetzt sichtbar machen.  Ich denke, ich muss seine Rolle entsprechend umschreiben.

D:
Nein, das glaube ich nicht. Der sitzt hier doch ganz gut. Auch mit Heiligem Geist. Weshalb soll er da jetzt aufspringen und nach draußen rennen, um die frohe Botschaft zu verkündigen oder Biertischgarnituren umzuräumen? Außerdem regnet es draußen gerade.

R
Aber seit Pfingsten haben wir  doch die begeisterten Jünger, die Apostel! Da muss es doch abgehen! Damals und heute!

D
Moment, kannst du mir irgend einen sachlichen Grund nennen, weshalb gerade dieses Exemplar einen Sofa-Christen da, ab sofort herumhampeln sollte … sich zum Affen machen? Ich glaube, der momentane Zustand gefällt dem  ganz gut.

R
Moment mal, Herr Pfarrer, ich möchte nur kurz an ein paar grundlegende theologische Tatsachen erinnern.  Schließlich ist Jesus an Ostern von den Toten auferstanden – für uns und für den da! Also: Wenn Jesus schon aufersteht, wird dieser Couchi ja auch mal aufstehen können. Denke an das, was Paulus gesagt hat: Wenn Jesus nicht auferstanden wäre, …

D
… dann könnte der da auch sitzenbleiben.

R
Genau. Aber für immer! Der könnte sich mit seinem Sofa begraben lassen, weil sein ganzer Glaube nichts helfen würde. Paulus sagt: „Wenn Jesus nicht auferstanden wäre, so wäre unsre Predigt vergeblich, so wäre auch unser Glaube vergeblich. Dann wären wir die elendsten unter allen Menschen”

D Pfingsten07d
Naja, wenn man das so sieht .. . dann schreiben wir seine Rolle entsprechend um: „Couchi springt begeistert auf, und ….”

R
Halt, langsam,…. das darf man nicht überstürzen. Denn mit dem einfachen Aufstehen ist es ja nicht getan. Dann muss sich ja tatsächlich etwas in Bewegung setzen. Wer weiß, wo der Geist ihn dann hinweht. Vielleicht wird alles ganz anders kommen, und mache Glaubens-Routine könnte plötzlich in Frage gestellt werden für diesen armen Kerl.

D
das ist mir schon klar. Da können Abschiede dazu gehören, oder Neuanfänge. Vielleicht sieht man bestimmte Dinge in einem neuen Licht. Man muss sich selber hinterfragen, bereit sein, sein eigenes Leben zu verändern. Es ist nicht immer bequem ein Jünger Jesu zu sein. Ich kann da nur warnen davor!

R
Wie bitte? Warnen? Eben hast du jenen da in seiner Rolle noch hochscheuchen wollen … und jetzt warnst du davor. Wie soll ich das jetzt verstehen?

D
Unser Couchi soll ja nicht aufstehen, weil das halt so schön ins Konzept unseres Gottesdienstes passt und ein klasse Happy End geben würde. Er soll aufstehen, weil der Geist Gottes ihn antreibt und er sich endlich auch von ihm antreiben lässt. Das geht nicht von jetzt auf gleich.  Ein bisschen Mut und Durchhaltevermögen braucht man da schon, sonst wird das nichts!

R
Aber das wird dann mit dem apathischen Pantoffelhelden nie etwas. Dem müsste man das Pfingstfeuer untern Hintern halten, damit der sich mal bewegt.

D
Lass ihm Zeit, der Geist weht, wo er will.  Vielleicht braucht er einfach noch ein bisschen. Aber ich denke, er hat heute verstanden, dass zum Glauben eine ganz besondere Bewegung dazugehört: Die Bereitschaft sich von Gott bewegen zu lassen.

 Ablauf des Gottesdienstes

Ablauf:

– Musik
– Begrüßung
– Mensch vor Gott
– Lied
– Lesung Apg 1, 9-14
– Gedankensplitter
– Szene: Die Couch-Potatoe-Gemeinde
– Lied
– Lesung Apg 2, 1-8, 12-18
– Glaubensbekenntnis
– Lied
– Dialogpredigt
– Lied
– Abendmahl
– Fürbitten
– Segen
– Lied

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