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Predigt: Ein Herz und eine Seele (Epheser 4, 1-4: ) 14. September 2008

Der Predigttext steht im Epheserbrief im 4. Kapitel._herz
So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, daß ihr  der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, 2 in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe, 3  und seid darauf bedacht, zu wahren die  Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: 4  EIN Leib und EIN Geist, wie ihr auch berufen seid zu EINER Hoffnung eurer Berufung; 5  EIN Herr, EIN Glaube, EINE Taufe;
6 EIN Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Das Ehepaar

Ein Herz und eine Seele, wirklich! – so sprechen die Leute über Hans und Erika. Seit über 30 Jahren sind sie verheiratet und gelten in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis als Traumpaar. Bei den beiden scheint einfach alles zu passen. Auch Freunde die  mit ihnen zusammen in den Urlaub fahren, erleben sie als harmonisches Pärchen – ohne den Zoff, kein Streit.

Manche sind ein bisschen neidisch auf die zwei, weil sie gar so gut zusammenhalten. Andere ergehen sich lieber in Vermutungen: Des kann gar nicht sein, dass es da gar nichts gibt zwischen den beiden. Des ist bestimmt alles nur gespielt, und in Wirklichkeit ..

Zwei, die so buchstäblich ein Herz und eine Seele sind, das ist verdächtig, fast unglaublich, eine fast schon beängstigende Idylle.

EIN Leib und EIN Geist, wie ihr auch berufen seid zu EINER Hoffnung eurer Berufung;  EIN Herr, EIN Glaube, EINE Taufe; EIN Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.
Einheit der Christen

Von der Einheit der Christen ist hier die Rede. Eine Einheit, die wahrscheinlich genauso schwer herzstellen, wie die Einigkeit in der Familie – nein wahrscheinlich ist es mit den Christen noch viel viel schwerer, denn die sind zum Teil ja schon längst geschiedene Leute: Im Jahr 1054 hat sich die Christenheit in orthodoxe und römisch-katholische gespalten. In der Reformationszeit haben wir Protestanten uns von der römischen Kirche losgesagt.

Ein halbes Trennungsjahrhundert haben wir schon hinter uns. Kirche als ein Herz und eine Seele erscheint uns als Illusion. Und zugleich versuchen wir auf der Ebene unserer Dörfer und Städte diese Einheit irgendwie doch hinzubekommen: Wir pflegen in der Ökumene gute Nachbarschaft mit den katholischen Christen.

Aber da gibt es noch weitere Baustellen: In den letzten Jahrhunderten haben sich von manchem unbemerkt auch immer wieder kleine und größere Gruppen von den großen Kirchen abgesetzt. Gerne hat man sie als Sekten abgewertet, aber viele dieser Gemeinschaften versuchen den Glauben genauso ernsthaft wie wir zu leben, aber haben innerhalb der großen Kirchen nicht den Platz dafür gefunden.

So leben neben uns  Methodisten, Adventisten, Neuapostolische und Freie Christengemeinden, die sich genauso wie wir auf die Bibel berufen – aber in bestimmten Fragen eben unterscheiden.

Als Paulus diese Zeilen des Predigttextes an die Gemeinde in Ephesus schrieb, war die Einheit der Christen dort vor allem durch Streitereien und Konflikte auf persönlicher Ebene geprägt. Im Jahr 2008 ist das christliche Tischtuch schon in viele kleine Stücke zerschnitten

EIN Leib und EIN Geist, wie ihr auch berufen seid zu EINER Hoffnung eurer Berufung; EIN Herr, EIN Glaube, EINE Taufe; EIN Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen

 

Ein Herz, eine Seele und ein Haufen Beziehungsarbeit

Hans und Erika – ein Herz und eine Seele; das Idealbild einer gelungenen Ehe. Wer die beiden nach ihren Eherezept fragt, wird enttäuscht:
Du kannst dir gar nicht vorstellen, sagt Erika, wie wir uns manchmal fetzen. Wenn wir uns in die Haare kriegen, dann geht es rund. Da wird oft ewig diskutiert und gestritten, weil jeder meint, Recht zu haben. Manchmal tuts auch richtig weh ihm Herzen, wenn man spürt, dass der Partner einen nicht verstehen kann – wenn er weiter auf seiner anderen Ansicht der Dinge beharrt.

Aber wir haben uns versprochen, nicht auseinanderzugehen, bevor wir uns irgendwie verständigt haben. Auch wenn es manchmal nur für den kleinsten gemeinsamen Nenner reicht.

Hans nickt zustimmend: Das klingt so einfach, aber das artet manchmal richtig in Arbeit aus: Den Punkt zu finden, bei dem man sich einig ist und dann sich langsam voranzutasten. Aber es lohnt sich, die Basis des gemeinsamen Lebens immer wieder miteinander auszuhandeln. Auch wenn dabei jeder etwas zurückstecken muss.

Da muss Erika schmunzeln: Das heißt halt auch, dass man bereit ist, mit bestimmten Macken des Anderen zu leben. Aber gerade wenn man weiß, was das verbindende, das einende Band ist: Die Liebe zueinander, das Versprechen, das wir uns vor dreißig Jahren gegeben haben, der Wert, den wir im Anderen sehen.

Das alles, das Verbindende und auch die Tatsache, dass wir beim Streiten das Einende und nicht das Trennende suchen, das führt dazu, dass wir vielen wie ein Herz und eine Seele vorkommen.

 

So ermahne ich euch nun, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe,  und seid darauf bedacht, zu wahren die  Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.

 

Christen, die sich zusammenreißen und zusammenfinden

Liebe Gemeinde,

Einheit – Einigkeit – Gemeinschaft. Wenn wie die suchen, ist es oft ein mühsamer und langwieriger Prozess. Ob es das Miteinander in der Ehe und Familie betrifft, das Nebeneinander der christlichen Konfessionen oder den Zusammenhalt im Dorf. Paulus gibt seiner Gemeinde in Ephesus dazu ein paar Ratschläge:

Zum einen verweist er auf das Gemeinsame:

EIN Leib und EIN Geist, wie ihr auch berufen seid zu EINER Hoffnung eurer Berufung;  EIN Herr, EIN Glaube, EINE Taufe; EIN Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Das ist das Verbindende; wenn ihr euch darauf besinnt, dann fällt es euch leichter, einen gemeinsamen Weg zu finden. So abgenutzt der Spruch innerhalb der Ökumene auch klingen mag: “Wir haben doch alle den selben Gott” – er bringt das Wichtigste im Gespräch der Kirchen Miteinander auf den Punkt.

Wenns im Miteinander der Menschen im Dorf knirscht, muss ich mir den Spruch vielleicht ein wenig umformulieren: “Wir sind doch alle vom selben Gott geschaffen”. Er hat den andern mit genausoviel Liebe wie dich selber beschenkt, nur hat er deinem Nachbarn andere Macken in die Wiege gelegt als dir.Das ist das, was uns eint – trotz aller Unterschiede und Verschiedenheiten.

Paulus ist aber Realist. Er weiß, dass der Verweis aus die Gemeinsamkeiten allein noch keine Wunder bewirkt: Einigkeit ist auch das Ergebnis von Bemühen. Wie bei Erika und Hans, die zwar ein Herz und eine Seele zu sein scheinen, aber wissen, das diese Verbundenheit auch manchmal hart erkämpft ist. So wird Paulus auch zum Mahner. “Reißt euch zusammen” schreibt er zwar nicht, aber er formuliert es ganz ähnlich:

So ermahne ich euch nun, daß ihr  der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe,  und seid darauf bedacht, zu wahren die  Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens:

Ertragt einer den andern in Liebe  – das ist viel verlangt. Aushalten, dass der Andere anders ist und anders denkt, als ich es gern hätte. Und doch ist das, das was wir brauchen – die Fähigkeit auch Zugeständnisse zu machen, die Bereitschaft Geduld zu haben und sich selbst nicht zum alleinigen Maßstab zu machen.

Ein Herz und eine Seele zu sein – in der Christenheit, in der Gemeinde oder in der Familie – das ist zu einen Teil sicher das Ergebnis geduldigen, toleranten Umgangs miteinander.

Aber sicher dürfen wir nicht übersehen, dass es auch ein Geschenk Gottes ist, wenn es einmal klappt.

 

Amen

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