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Predigt: Willkommen im Haus mit dem besonderen Fundament (Epheser 2, 12-22) 13. Juni 2010

Soepheser2_b seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.

Zutritt verboten

“Zutritt verboten.  Nur für Befugte.” Solche Schilder kennen wir aus unserem Alltag. Sie sperren uns aus; sagen: Dieser Bereich hier ist nichts für dich; vielleicht weil er jemand anderem gehört, oder weil dort Gefahren lauern. Wenn ich so ein Schild lese, freue ich mich nicht besonders, weil ich es nicht mag, wenn man mich aussperrt, ich nicht zu denen gehöre, die dorthin dürfen.
Wenn ich vor 2000 Jahren leben würde, und in Jerusalem den Tempel besuchen wollte, dann würde ich da auch so ein Schild entdecken: In Stein gemeißelt, eingelassen in ein Mäuerchen, das den gesamten Tempelbezirk umgab: „Achtung: Kein Fremder darf den Bereich innerhalb der Brüstung um den Tempel betreten. Wer erfasst wird, ist für seinen Tod selbst verantwortlich.”

Ja, das war die Grenze für uns Germanen oder sonstige Nicht-Juden. Bei Androhung der Todesstrafe war es verboten, den engeren Tempelbezirk zu betreten. Das Volk Israel machte es für alle deutlich: Das ist unser Gott, er hat unseren Urvater Abraham berufen, er hat unsere Vorfahren aus Ägypten befreit, er hat uns dieses Land gegeben. Er hat uns begleitet, beschützt, ermahnt, bestraft, vergeben und geholfen. Wir sind das erwählte Volk Israel – ihr seid Heiden, ihr dürft von außen zuschauen – aber wir stehen in der ersten Reihe.

Liebe Gemeinde,
wir machen uns das oft nicht bewusst: Diese wunderbaren Verheißungen des Alten Testaments, die wichtigen Worte der  Psalmen, die Mahnungen der Propheten sind nicht unser Eigentum. Das ist die Botschaft Gottes an sein Volk – an Israel. Das sollten wir nicht so einfach ignorieren. Dass auch andere Völker etwas von Gottes Zuwendung abbekommen sollten, war einst eher eine Vorstellung am Rande.

Wir dürfen Gottes Hausgenossen sein

Bis mit dem Sohn Gottes die Wende kam – mit seinem Leben, seinen Worten. Mit seinem Tod und Auferstehung öffnete er die Tür für alle Menschen dieser Erde. Nicht umsonst ist am Karfreitag der Vorhang des Tempels zerrissen.

Der Jude Paulus teilt uns im Predigttext mit, dass sich für uns damit alles geändert hat: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Wir, die wir nicht aus dem Volk Israel entstammen, geh ören dazu – zu den Kindern Gottes. Für die Zeitgenossen des Paulus hat das schon ein bisschen gedauert, bis diese Erkenntnis sich durchgesetzt hat – dass Gottes Liebe und Erlösung nicht nur für Israel gilt, sondern auch den Römern und Griechen, Ägyptern und ganz unbekannten Völkern, wie uns hier.
Das Schild „nur für Befugte” braucht uns nicht schrecken, wir gehören dazu; wir haben durch Jesus Zugang zu Gott. Und das unabhängig davon, ob wir uns in besonderer Weise dafür qualifizieren. So, wie wir sind, ungewaschen und mit Schuld belastet können wir kommen. Er will nicht die perfekten Menschen, sondern solche, die ihm vertrauen. Das ist das Zentrum.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.

Wider den „Irgendwie” – auf Verlässliches verlassen

Liebe Gemeinde,
Paulus schreibt uns Erfreuliches, aber zugleich ist er sehr präzise. Er scheibt von einem Grund, einem Fundament und einem Eckstein. Das sind bautechnisch Elemente, die wichtig sind und auf die es ankommt. Die müssen 100%ig passen, sonst gerät der Bau in eine Schieflage. Paulus mag es häufig 100%ig. Erstaunlicherweise lieben wir da oft lieber ein etwas lockereres Verhältnis. Das drückt sich mit einen scheinbar ganz harmlosen Wort aus: nämlich „irgendwie”.
– Irgendwie haben wir alle den gleichen Gott.
– Gott vergibt uns schon irgendwie.
– Und irgendwie ist mir mein Glaube schon auch wichtig.
Wir scheinen das „irgendwie” gerne zu verwenden, weil es so viel offen lässt und uns nicht so festlegt. Das ist schon nachvollziehbar, weil im Glauben manches tatsächlich offen bleibt und wir bestimmte Dinge auch nicht naturwissenschaftlich wasserdicht erklären können. Aber dennoch ist das Wörtchen „irgendwie” an bestimmten Punkten einfach am falschen Ort. – Stellen Sie sich vor: Bei der Trauung frage ich den Bräutigam, ob er mit dieser Frau sein Leben führen will, sie lieben und ihr treu sein … und er antwortet: „Irgendwie schon”.

Wenns um eine feste Grundlage geht, hilft kein irgendwie, sondern man ist gefordert, Farbe zu bekennen – 100%ig. Man muss sich selbst bewusst zu machen, worauf man sein Leben und seinen Glauben stützt. Je nebulöser meine Vorstellung von Gott ist, umso schwieriger ist es ja auch, darauf zu vertrauen. Ist er so, oder doch anders? Heute finde ich die christliche Perspektive nett, nächste Woche gefällt mir etwas asiatisches besser. – Wie soll ich mich auf einen Gott verlassen, von dem ich nicht mal eine klare Vorstellung und Erwartung habe?
Auch wenn mein Gott sich dann anders zeigt, als ich es erhofft habe, wenn ich ihn fragen will: Warum hast du das zugelassen – dann kann ich das ja nur, wenn ich weiß, wer mein Gegenüber ist. Dann kann ich mit ihm im Streit liegen, ihn bitten, ihn fragen und irgendwann wohl auch eine Antwort finden – und meinen Frieden mit ihm schließen.

Nach dem Fundament suchen

Als unsere Gollhöfer Vorfahren im 18. Jahrhundert diese Kanzel anfertigen ließen, war ihnen wichtig, diese feste Grundlegung des Glaubens auch daran sichtbar werden zu lassen. So steht der entsprechende Abschnitt tatsächlich hier an der Oberkante der Kanzel als Inschrift:
Wir sind erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist.

In Gold bekommt es sozusagen auch der Pfarrer gesagt: Nichts ist es mit „irgendwie”, sondern schaue darauf, was dir Grundlage des Glaubens und deiner Predigt sein soll: Die Worte der Propheten und der Apostel, der Jünger Jesu, die uns weitergegeben haben, was sie von Gott erfahren und mit Gott erlebt haben. Und der Dreh- und Angelpunkt – der Eckstein, an dem sich alles ausrichten muss – ist Jesus Christus. Nicht die persönliche Lieblingsmeinung der Pfarrers oder die Themen, die die Gemeinde besonders gerne hört.

Ich denke: Es ist gerade angesichts einer immer pluraler werdenden Welt wichtig, sich seiner Fundamente bewusst zu werden. Wir müssen keine Angst davor haben, dass auch in Deutschland immer mehr fremde Religionen und Weltanschauungen Fuß fassen. Aber wir müssen wissen wo wir hingehören. Wer weiß, wo er daheim ist, der findet auch wieder zurück, wenn er sich in der Nachbarschaft umgesehen hat.

Die innere Kraft, die der Glaube einem Menschen geben kann, kommt sicher nicht aus einem Sammelsurium von unterschiedlichsten spirituellen Versatzstücken. Sondern aus dem Festhalten einen dem einen Grund des Glaubens.  In unserem Anspruch an unser Fundament dürfen wir gerne mal 100%ig sein.

Variationen auf dem einen Fundament

Liebe Gemeinde,
wenn ein böswilliger Mensch heute hier sitzen würde könnte er aus manchen Sätzen meiner Predigt konstruieren: „Achtung, in Gollhofen ist ein fundamentalistischer Hassprediger am Werk” – Er fordert 100%igen Glaubenseifer und lehnt alle Pluralität ab.

Nein – ganz sicher nicht: Wir reden hier nicht vom Haus, sondern vom Fundament. Auch auf einem felsenfesten Fundament mit einen präzise gesetzten Eckstein kann man ein buntes Haus, mit offenen Fenstern, verspielten Erkern und weit geschwungenem Dach errichten.

Nur weil wir alle das Fundament des Glaubens teilen, müssen wir längst nicht alle der gleichen Meinung sein und die selbe Frömmigkeit besitzen. Gerade weil wir auf dem Grund des Evangeliums stehen, können wir eine große Freiheit entfalten: Andere anzunehmen, Feinde zu lieben, anderen zu vergeben und Vergebung für eigene Fehler zu erbitten. Auf dem Fundament des Glaubens werden keine uniformen Betonklötze errichtet, sondern ein lebendiger Bau der christlichen Gemeinde.

Haben sie sich die Schrift einmal genauer angesehen? Da ist dem Maler eine furchtbare Panne passiert. Ihm ist der Platz für den Satz ausgegangen!epheser2_a

Wir sind erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, das hat er noch prima hinbekommen. Aber dann ist ihm der Platz ausgegangen: „da Jesus Christus der Eckstein ist.” dafür hats nicht mehr so richtig gereicht. Also wurden die Buchstaben immer schmaler, einige wurden weggelassen, dass es halbwegs hinpasst. Eigentlich kann man das nicht so lassen. Man m üsste das reklamieren und verlangen, dass es neu gemacht wird. – 100%ig eben.
Aber nein: Weil wir ja genau wissen, worum es geht – was unser Fundament ist –  und dar über kein Zweifel herrscht, darum können wir über solche praktischen Unzulänglichkeiten hinwegsehen. Das nennt man Konzentration auf das Wesentliche!

Amen

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