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Predigt: Werkzeuge fürs Leben (Symbolpredigt mit einem Werkzeugkasten) 20. Januar 2013

werkzeugPredigt mit etwas ganz Alltäglichem: Dem Inhalt meiner Werzeugkiste: Aus dem Alltag, für den Alltag. Mit Hammer, Spannungsprüfer, Kombizange, Dübel und Kleber.

Liebe Gemeinde,

„Glaube und Alltag” – dass das irgendwie zusammengehört, das betonen wir Christen ja immer wieder. Predigt soll für den Alltag sein – uns etwas mit dem Alltag zu tun haben.  Darum habe ich heute etwas sehr alltägliches für meine Predigt mitgebracht: Meinen Werkzeugkasten. Da habe ich alles drin, was ich für den Hausgebrauch zu benötige, um daheim um die Runden zu kommen. Heute möchte ich mit Ihnen da mal reinschauen, und entdecken, wie sehr alltägliches Werkzeug und alltäglicher Glaube zusammengehören.

Der Hammer

Mein erster Griff geht natürlich zum Hammer. Er ist ja das Werkzeug schlechthin! Fragen Sie mal kleine Kinder, was so alles in der Werkzeugkiste ist: Als erstes nennen die meistens den Hammer. Denn mit dem kann man überall herumklopfen, da gibts schon für Kleinkinder so Spielsachen mit Hammer und Holzstäbchen, die man dann irgendwo durchhämmert,  … das ist einfach toll.

Aber ehrlich gesagt: Ich brauche den Hammer fast nie! Höchstens mal den kleinen für einen Nagel in der Wand. Den großen habe ich schon ewig nicht mehr gebraucht. Wozu denn auch? Die kleinen Werkzeuge sind wichtig:
Der kleine Schraubenzieher fürs Batteriefach am Spielzeug. Die Pinzette zum Geradebiegen von einem Draht am Ohrring der Tochter. „Viel hilft viel” – das stimmt halt oft nicht.

Und im menschlichen Miteinander ist das auch nicht anders: Es gibt Menschen, die packen bei Konflikten immer gleich den Vorschlaghammer aus, um ihre Meinung und Interessen deutlich zu machen. Die werden laut, schimpfen, blasen sich auf … und machen damit oft viel kaputt. Die kleinen freundlichen Hinweise. Das geduldige Erinnern an ein Versprechen. Eine kurze klare Ansage, dass Sie bei dieser dumme Idee nicht mitspielen.
Das sind die wirksamen kleinen Werkzeuge – die halten das Miteinander am Laufen, die machen so schnell nichts kaputt, und meistens funktionieren sie besser als die brachiale Methode.

Der Spannungsprüfer

Da passt ja der hier gut dazu: Das ist ein Spannungsprüfer. Wenn ich den in die Steckdose stecke oder an ein Kabel halte, zeigt er mir an, ob da noch elektrische Spannung drauf ist. Wenn das Lämpchen rot leuchtet, dann heißt es: Finger weg, sonst kriegst du schneller eine gewischt als du denkst .Ein eigentlich fast schon über-lebensnotwendiges Teil.

Leider funktioniert das Ding nur bei elektrischen Spannungen. Bei zwischenmenschlichen Spannungen zeigt dieser Spannungsprüfer nichts an . Denn die gibts ja auch! Wenn im Büro oder in der Familie mal wieder jemand richtig geladen ist, es ist irgendetwas passiert, es herrscht explosive Stimmung. Wenn die Luft schon förmlich knistert. Dann ist da ja auch ganz schön gefährlich. Da kann ein falsches Wort schon zu viel sein, und es knallt.

Weil es keinen Spannungsprüfer für zwischenmenschliche Spannungen gibt, müssen wir eben selber herausfinden, was gerade los ist. Das heißt, wir müssen vorsichtig aufeinander zu gehen. Auf den anderen achten, hinhören, hin-spüren, wie es den anderen Menschen geht. Auf seine innere Spannung achten. Den Anderen mindestens genauso wichtig nehmen, wie mich selbst. Dann erledigt sich auch die Hammer -Methode im Umgang miteinander. Da merke ich: Mit seinem Gebot „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst” hat Jesus uns ein Gebot gegeben, dass genau darauf verweist, und eigentlich unbedingt in unseren alltäglichen Lebens-Werkzeugkasten gehört.

Die Kombizange

Ich komme zum nächten Werkzeug: Diese Kombizange. Mit der kann man wirklich alles machen! Einen Draht abzwicken, ein verbogenes Blech am Hasenstall zurechtbiegen, Vierkant und Sechskant-Schrauben und Muttern anziehen. Ein echtes Multitalent!  Ich habe schon in der Grundschule gelernt: Eine Kombizange braucht man egentlich nicht, denn es gibts für jede dieser Aufgaben eigene, und viel viel bessere Spezialwerkzeuge. Trotzdem: Mit dem Kombizange kriege ich das alles doch auch ganz ordentlich hin.

Überhaupt macht mich dieser Spezialisierungs-Wahn schon sehr nachdenklich: Wir haben immer mehr Spezialisten. Da ist der Finanzspezialist, der ist in seinem Breich klasse; aber er kann nicht mal ne Nudelsuppe kochen! Der Computer-Profi, der kriegt jedes PC -Problem geregelt, aber hat keine Ahnung, wie man eine Frau liebevoll in den Arm nimmt. Der Andere nimmt seine Welt nur noch über einen Bildschirm wahr: Seine Beziehungen existieren nur noch virtuell. Er hat 600 Freunde bei Facebook aber ist nicht in der Lage, auf der Straße jemanden zu grüßen und ein harmloses Gespräch zu führen.

Wir sollen uns immer mehr spezialisieren, sollen am besten nur für unseren Beruf da sein – oder für diese oder jene Aufgabe. Und dabei verarmen wir mit unseren menschlichen Fähigkeiten. Und dabei hat uns Gott doch als Multitalente geschaffen. Wie so eine Kombizange! Natürlich können wir nicht alles perfekt. Wir werden in vielen Bereichen Dilettanten bleiben … aber was solĺs?
Schon die ersten Seiten unserer Bibel zeugen davon, dass es zum Menschsein dazu gehört, nicht perfekt zu sein. Aber diese Bibel schreibt auch davon, dass Gott uns in einen großen Garten hineingesetzt hat. Wir sollen die Breite des Lebens kennen und können … und genießen.
Haben sie Mut, ein bisschen wie eine Kombizange zu sein. Nicht zu speziell, sondern für das ganze Leben offen.

Der Zwei-Komponentenkleber

Schauen Sie sich das mal an: Zwei kleine Tuben, etwa zur Hälfte sind sie ausgedrückt: Da ist ein Zwei-Komponenten-Kleber drin.
Das ist ein Zeug: Da vermischt du diese zwei unterschiedlichen Pasten und hast einen Kleber, der hält alles! Zum Beispiel das abgebrochene Bein meines Bürostuhls: Wie geschweißt – das hält seit drei Jahren.  Da müssen nur die zwei richtigen Komponenten zusammenkommen, und was dabei herauskommt ist unschlagbar!

„Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei” hat Gott gesagt.  Ich glaube, wir sind so geschaffen, dass wir so eine zweite Hälfte brauchen. Die anders ist als wir selbst, aber mit der zusammen Wunderbares entstehen kann. Manchmal gibts ja Ehepaare, die sind so eine Kombination genau der richtigen, sie sind als Paar der Hit! Die haben Ausstrahlung, knüpfen Freundschaften, sind für andere da und bilden eine scheinbar unauflösliche Einheit.

Ich muss aber auch zugeben: So perfekt, wie beim meinem Zwei-Komponenten-Kleber, funktionieren menschliche Partnerschaften eher selten. Oft genug erlebe ich, dass es Spannungen gibt, man sich auseinander lebt und wieder zusammenrauft. Oder dass zwei Menschen sagen: Bei unserer Liebe ist da etwas kaputt gegangen.
Gestern stand in unserer Zeitung eine halbseitige Anzeige: „Liebe Ehefrau, Entschuldigung, es tut mir leid. Ich würde es rückgängig machen, wenn es gehen würde. Dein Ehemann.” In kann wie Sie auch nur spekulieren, was da passiert ist. Aber neben dem Bewusstsein, wie zerbrechlich Partnerschaften sein können, sehe ich hier noch etwas anderes. Den festen Willen, etwas wieder reparieren zu wollen.

Da schaue ich wieder meine zwei Kleber-Tuben an: Es ist ja ein Kleber – um Dinge heil zu machen, die zerbrochen und kaputt erscheinen. Das macht mir Mut, weil wir gerade als Christen wissen, welchen Wert „Vergebung” haben kann. So bleibt mir nur zu hoffen, dass es die beiden unterschiedlichen Komponenten es doch noch einmal miteinander probieren.

Der Dübel

So, zuletzt habe ich noch eine Kleinigkeit : Es ist ein ganz normaler Dübel. Ob der für eine Predigt taugt? Immerhin: So ein Dübel ja der Inbegriff für Solidität und Verlässlichkeit. Wenn ich überlege, dass wir mit ein paar Dübeln unsere schweren Küchenschränke an der Wand befestigt haben. Da wackelt nichts. Der Dübel ruht in sich selber, den bringt nichts aus der Ruhe. Du kannst da ziehen oder rütteln – der sitzt bombenfest; und mit ihm der ganze Küchenschrank.

Ein bisschen beneide ich da so einen Dübel um seine Ruhe und Festigkeit. Wie der buchstäbliche Fels in der Brandung. Ich erlebe mich selbst da viel unbeständiger, oft hin- und hergerissen. Natürlich habe ich auch meine Standpunkte, aber unterm Strich bin ich da nie so unerschütterlich.

Wie gerne hätte ich etwas von dieser Ruhe des Dübels. Da fällt mir ein: Ein Dübel kann immer nur so fest sitzen, wie die Wand es hergibt. Je stabiler das Mauerwerk, umso fester der Dübel. Ist die Wand löchrig, wie ein Schweizer Käse, dann wird auch der beste Dübel keinen vernünftigen Halt finden.

Da merke ich, wie wichtig es ist, dass ich mir gut überlege, worin ich mein Leben verankere. Was ist meine Grundlage – was ist mein Glaube ? Und wenn ich da eine gute Grundlage habe, kann gewinne ich Stabilität.

Der ursprüngliche hebräische Wort für Glaube, Emuna,  bedeutet: Sich in etwas fest gründen, sich verankern.- Glauben als „sich bei Gott festdübeln” und damit einen festen Stand fürs Leben finden. Ein Stand, der zwar nicht vor Sorgen und Problemen schützt, der aber einen oft spüren lässt, dass man sich – wie ein Dübel – krampfhaft an Gott festhalten muss, sondern spürt, dass Gott einen festhält.

 

So packe ich meinen Werkzeugkasten wieder ein:

Zum Dübel, lege ich den Kleber, der daran erinnert, dass es sich lohnt maches zu reparieren, statt es wegzuwerfen. Dazu die Kombizange wie mit zeigt, wie vielfältig man sein Leben gestalten kann. Zum Schluss den Spannungsprüfer, der mich zum achtsamen Miteinander mahnt, und den Hammer, der hoffentlich weiterhin auch nicht zum Einsatz kommen muss.

Amen

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