Predigt: In einem großen Netz (zum Bild „Netzwerk des Geistes“ von Christel Holl; 1. Korinther 12, 4-11) Pfingstsonntag, 20. Mai 2018

Predigt zum Bild „Netzwerk des Geistes” von Christel Holl. Sie finden das Bild auf der Seite des  Beuroner Kunstverlages Dort kann es auch bestellt werden. An diesem Sonntag werden die vorläufigen Kandidierendenlisten zur Kirchenvorstandswahl bekanntgegeben – darum nimmt die Predigt Bezug auf die Rolle der Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher.

 

Liebe Gemeinde

Ein Pfingst-Bild haben Sie da in Ihren Händen. Sofort ist zu erkennen, dass es um die Pfingstgeschichte geht: Oben sehe ich die Taube herabkommen, vom Himmel schweben kleine rote Flammen auf die Menschen herab, und am Boden stehen die Jünger, die so langsam vom Geist Gottes erfasst werden und in Bewegung geraten.

mehr als nur 12 gleiche Jünger
Soweit scheint auf den ersten Blick alles klar zu sein. Aber Moment … die 12 Jünger sind da irgendwie anscheinend mehr als nur ein Dutzend. Also ich zähle mindestens 17, und in den nur angedeuteten Silhouetten erkenne ich, dass da noch viel viel mehr sein müssen.
Natürlich! Pfingsten war ja auch mehr als nur ein Erlebnis für die 12 Jünger Jesu. Schon in der Pfingsterzählung wird berichtet, dass innerhalb von wenigen Tagen 3000 Menschen sich taufen ließen. Dreitausend Menschen, die auch Jünger dieses auferstandenen Jesus wurden. Eine Bewegung von faszinierendem Ausmaß. Und was manche Kritiker damals als kurzfristigen Hype abgetan haben, hat sich zu einer weltumspannenden Bewegung entwickelt, die auch nach 2000 Jahren Menschen berührt.

So gehören wohl auch wir zu diesen schwarz skizzierten Menschen. Und wenn ich sie mir genauer betrachte, entdecke ich da ganz unterschiedliche Haltungen und Bewegungen.
Rechts oben im Hintergrund, da ist wohl jemand Feuer und Flamme: Beide Arme reckt er in die Höhe, richtet sich zum Himmel aus.
Ganz anders links unten, am Rande des blauen Flecks: Da blicken sich zwei an. Man spürt ein bisschen die Spannung – sie scheinen sich gegenseitig zu halten – vielleicht fragen sie sich: Was geschieht hier? Was soll das, und was wird das werden?
Drei Köpfe weiter rechts hockt jemand. Ist er überfordert von dem, was gerade beginnt? Weiß er nicht so recht, ob er sich dieser Bewegung anschließen soll? Vielleicht duckt er sich auch ein bisschen weg … weil ihm alles zu schnell geht.
Und überall Menschen, die offensichtlich gerade dabei sind, in Bewegung zu geraten.

Der Geist Gottes, der da an Pfingsten kommt, ist über allen der gleiche, aber das heißt nicht, dass alle dadurch gleich werden. Der selbe Geist in unterschiedlichen Menschen bringt Unterschiedliches hervor. Er trifft auf ganz individuelle Charaktere, verschiedene Temperamente und Talente.
Es werden daraus keine Norm-Jünger.
Der Apostel Paulus hat seiner Gemeinde in Korinth das einmal geschrieben:

(1. Korinther 12, 4-11)
Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist.
5 Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr.
6 Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allen.
7 Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller.
8 Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben; dem andern ein Wort der Erkenntnis durch denselben Geist;
9 einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist;
10 einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen.
11 Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist, der einem jeden das Seine zuteilt, wie er will.

Liebe Gemeinde,
schon Paulus musste darum kämpfen, dass seine Gemeinde anerkennt, wie unterschiedlich wir Menschen sind und wie unterschiedlich sie dann auch als Christen sind. Mit Begabungen, mit Stärken und mit Schwächen – und alles das bringen wir mit ein, in dieses Miteinander der Gemeinschaft.

Das Netzwerk

Schauen wir nun aber auf die Besonderheit dieses Bildes schauen: Feine rötliche und graue Linien durchziehen diese Szene.
Es wirkt wie ein Netz, das da über allem aufgespannt ist. Ein Netzwerk der Glaubenden. Man ist füreinander da, unterstützt sich, man fühlt sich zusammengehörig, trotz aller Unterschiedlichkeiten und mancher Differenzen, die man möglicherweise hat.

Oder ist das, was ich da sehe ein Koordinaten-Netz, wie es auf einem Globus oder einer Weltkarte aufgedruckt ist? Würde ja auch passen! Zu unserer weltweiten christlichen Gemeinschaft. Glaube an Jesus Christus, der in Mittelfranken sicher anders gelebt, gefeiert und ausgedrückt wird, als auf Papua-Neuguinea. Und trotz dieser gewaltigen kulturellen Unterschiede fühlen wir uns mit den Christen auf der anderen Hälfte der Weltkugel geschwisterlich verbunden. Halten hier im Dekanat Neustadt Kontakt mit der Evangelistenschule Amron.
Auch im Weltgebetstag drückt sich diese Verbundenheit immer wieder aus, wenn wir uns über ein Land wie Surinam informieren und hier einen Gottesdienst feiern, den die Frauen dort entworfen haben. Das ist weltweite Ökumene.

Ökumene

Dieser Geist Gottes schert sich wohl auch nicht über katholisch und evangelisch. Wir sind im gleichen Netz. Am Freitag wurde ich gebeten, die Trauerfeier für unseren katholischen Mitbürger Armin W. zu übernehmen. Da hat mir der Messner in Niederndorf dann den Weihwasserkessel angeboten – und da musste ich überlegen … was machst du jetzt? Es hat ein bisschen länger gedauert, bis ich für mich Klarheit hatte: Dieses Wasser erinnert an unsere Taufe. Und was will ich mehr, als uns in diesem Moment daran zu erinnern: Als Christ bin ich den Tod und die Auferstehung Jesu hinein getauft. Das ist doch ein zentraler Punkt unserer Glaubenshoffnung! Zwei Stunden später, als wir in Brunn Theresia T. ganz evangelisch beerdigt haben, da war es ja ganz logisch, dass wir das Foto der Verstorbenen neben dem Taufstein platzieren. Da gehört es hin. Aus dem gleichen Grund, wie ich das Weihwasser in Niederndorf genutzt habe: Weil wir als Lebende und Gestorbene durch die Taufe zu Jesus Christus gehören.
Egal, zu welcher christlichen Konfession wir uns zählen.

Etwas ist mir noch eingefallen: Ein bisschen erinnern mich diese Linien an ein großes Gewächshaus. Wie ein große Käseglocke – abgeschottet mit einem eigenen Klima
Naja … ein bisschen sind wir als Kirche schon eine eigene Welt. Ein besonderer Kosmos, wo Menschen manchmal etwas anders ticken, als außerhalb. Mit eigenen Werten und Vorstellungen von dem, was im Leben zählt. Und man sieht auch, was da an Gutem wachsen und gedeihen kann, in der Gewächshaus-Atmosphäre unseres Glaubens. Manchmal bilden wir ein Gegenmodell zur übrigen Welt. Was dann durchaus Konflikte hervorrufen kann, weil wir aus dem Glauben heraus Dinge anders sehen. Und dann ist es wieder gut, wenn ich das Netz erkenne – dass ich mit meinen Glaubensüberzeugungen nicht alleine dastehe, sondern Teil einer Gemeinschaft bin.

Kirchenvorsteher

Liebe Gemeinde,
heute werden in den Abkündigungen die Namen derer genannt, die zur Kirchenvorstandswahl im Oktober antreten. Die Listen sind noch offen, es können noch Kandidaten dazukommen.
Unsere Kirchenvorsteher sind ein wichtiger Teil unseres Netzes. Denn sie haben die Aufgabe, unser Miteinander in diesem Netz mitzugestalten. Sie stehen vor der Herausforderung immer wieder zu überlegen, was für das Netz in unseren Dörfern wichtig ist. Wie wir als Kirchengemeinde unsern Glauben leben und bezeugen können.

Sie sollen als gewählte Vertreter Verantwortung übernehmen, beraten und manche Entscheidungen treffen.
Paulus hat geschrieben Jeder hat andere Gaben; und unsere Kirchenvorsteher werden versuchen, ihre Stärken uns Talente an dieser Stelle einzubringen.

Aber das Netz selbst, das bilden wir alle. Jeder von uns ist ein Teil dieses Netzes, das der heilige Geist zwischen uns knüpft. Und vielleicht haben Sie sich schon im Bild entdeckt: Als einer von den Jüngerinnen und Jüngern, die da versammelt sind … ja vielleicht da ganz rechts unten: Da kann man es sogar in großen Buchstaben lesen, dass Sie das sind: Da steht nämlich; „ich”.

Amen

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