Predigt: Weißt du, was das gekostet hat? (1. Petrus 1, 18-21) 4. März 2018

Wenn wir den Preis für Errungenschaften und Dinge nicht selbst gezahlt haben, fehlt uns oft ein Blick für ihren Wert. Die Mahnung des Petrus erinnert an Jesu Sterben für uns. Die Predigt lässt den Blick schweifen – dorthin, wo wir oft nicht fragen, was es wem gekostet hat.

Hast du eine Ahnung, was mir das gekostet hat?

Mutter steht neben dem Küchentisch, die eine Hand hat sie zur Faust geballt in die Hüfte gestemmt, mit der anderen gestikuliert sie wütend:
„Hättest du nicht besser aufpassen können? Gerade mal 2 Wochen hast du das neue Handy, und schon hast du´s ruiniert. Aus der Hosentasche gerutscht … na toll! Ja, mit den Schultern zucken, das kannst du. Hallo, junger Mann, weißt du, was das gekostet hat? Hast du eine Ahnung wie viele Stunden ich im Laden hinter der Theke stehen muss, bis das Geld verdient ist, das du hier schnell mal verschrottest?
Bloß, weil es so cool ist das Ding aus der Hosentasche herausschauen zu lassen? Ich arbeite mich hier krumm und buckelig, und der gnädige Herr schmeißt mit Smartphones um sich. So schnell kriegst du kein neues Handy mehr – das kannste vergessen.”

Liebe Gemeinde,
da liegt schon Sprengstoff drin, wenn so etwas passiert. Es ist ja nicht allein das kaputte Handy. Im Grunde ist die Mutter so sauer, weil ja jemand den Wert der Dinge nicht schätzt, weil er sie ja nicht selber bezahlt hat. Dem Sohn ist dass sündhaft teure Gerät ja sozusagen an Weihnachten ohne Mühe in den Schoß gefallen. Da hat er gar kein Gespür dafür, welcher Wert dahinter steckt; welche Arbeit und welche Entbehrungen seine Mutter auf sich genommen hat, um ihn dieses Handy schenken zu können.

1. Petrus 1, 18-21
Im heutigen Predigttext kommt mir Petrus ein bisschen so vor, wie diese Mutter. Denn er erinnert uns daran, was Jesus einst für uns getan hat.
Ich lese aus dem 1. Kapitel im 1. Petrusbrief:

Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, 19 sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.
20 Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt war, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, 21 die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.

Die Worte vom teuren Blut

Nun sitze ich in der Rolle des Sohnes auf der Küchenbank. Petrus steht da, redet vom teuren Blut, das Jesus Christus für mich vergossen hat. Von seinem Leiden, von dem Opfer, das er gebracht hat. Aber so genau will ich das gar nicht hören. Ich weiß doch, was damals passiert ist – mit Kreuz und Auferstehung. Da muss man sich doch nicht extra reinlegen in diese alten Geschichten. Es ist ja schon passiert, es ist ja schon bezahlt.
Ich weiß schon, warum ich mir diesen Passionsfilm von Mel Gibson damals im Kino nicht angeschaut habe. Da ist einfach zu viel Blut, zu viel Folter, zu viel Dornenkrone, zu viel offene Wunden und Schmerzensschreie. Das geht unter die Haut. Das ist zu brutal – das ist zu realistisch – das ist zu echt!
Viel zu Echt!

Ja, manchmal habe ich nicht den Mut, das so ganz nahe am mich heranzulassen. Wie ein kleiner Junge, der einfach nicht in der Lage ist, zu verstehen, was da jemand für ihn auf sich genommen hat.

Aber ich bin kein kleiner Junge mehr. Ich kann mich eigentlich nicht herausreden. Auch jenseits von Glaubensfragen möchte ich oft lieber gar nicht so genau wissen möchte, was hinter dem steckt, was mir mit allzu unkomplizierter Leichtigkeit in den Schoß fällt.
Ich frage lieber nicht nach, wie die Pute gelebt hat, die jetzt als Schnitzel in der Pfanne schmurgelt. Wie alt die Kinder in Bangladesh waren, die mein Hemd zusammengenäht haben. Und wie viel Blut von verunglückten Minenarbeitern an den Rohstoffen klebt, die in meinem Smartphone stecken.
Alles hat seine Herkunft und seine Geschichte. Oft eine Geschichte die man nicht so leicht ändern kann. Aber die Augen zu schließen ist auch nicht der richtige Weg.

Auch was Jesus für uns errungen hat, hat seine Geschichte. Diese lange Geschichte der Liebe Gottes zu uns Menschen, die allzuoft nichts von ihm wissen wollten. Die zieht sich durch die Jahrtausende – bis sie mit Jesus eine neue Richtung nimmt. Er ist der Dreh- und Angelpunkt von dem, was uns als Liebe Gottes geschenkweise in den Schoß fällt.

Wir sagen: „Gott liebt uns, egal, wie wir sind.” Ja, schön! Aber wir sollten nicht vergessen warum! Weil dieser Jesus Christus für uns diesen Weg gegangen ist. Den Weg eines Gottes, der es auf sich nimmt, das Leben von uns Menschen zu teilen. Mit allen Freuden, und allen Widerständen. Mit Wein und mit Weinen. Mit Lachen und mit verlacht werden. Missverstanden, verraten, verkauft, verleugnet, verurteilt. Bis zum äußersten – dem Kreuz.
Das möchte ich nicht vergessen, wenn wir davon reden, dass „Gott mir sowieso vergibt”

Schluss mit dem alten Wandel

„Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise”.
Wir sind erlöst – sagt Petrus. Erlöst von alter Schuld … und vom „nichtigen Wandel” unserer Vorfahren. Das heißt: Befreit, es anders zu machen! Neue Wege zu gehen.
Erlösung ist mehr, als dass Gott mein Schuldenkonto auf Null stellt.
Gott macht den Weg frei, es besser zu machen, als zuvor.
Es muss nicht alles laufen wir bisher.
Ich muss nicht immer die alten Fehler wiederholen.
Ich darf auch mal neue Werte entdecken, die lange verschüttet waren.
Das, was ist, kritisch sehen – prüfen, ob das dem entspricht, was wir als den Willen Gottes ansehen: Mein Reden, mein Handeln, mein Leben und mein Lieben.

Und da würde mich manchmal ganz gerne hinstellen, und andere auf die Küchenbank platzieren und ihnen die Meinung geigen. All denen die den Frieden auf diesem Planeten zum Spielball ihrer Interessen machen. All den Herrschern, die ihre nationalen Interessen herauskramen, die ihr Land autokratisch beherrschen und das Ausland oder die Kritiker zu Feinden erklären. Die, die Hass auf Minderheiten schüren, oft nur, um von ihren eigenen Mauscheleien und Interessen abzulenken.
Sagt mal, würde ich da schreien wollen: Habt ihr vergessen, welchen Preis eure Großväter und Urgroßväter auf den Schlachtfeldern gezahlt haben? Was eure Omas und Oromas durchgemacht haben – weil dumpfer Nationalismus und Militarismus so viele Länder im Griff hatte? Meiner Generation ist der Frieden Europas in den Schoß gefallen, ohne dass wir einen Handschlag dafür getan hätten. Und wie ein verwöhnter Teenager gehen wir damit um, als wäre dieser Zustand ein unveränderliches Naturgesetz.

Spielen und Hausaufgaben machen

Ach … da könnte ich mich ganz in Rage reden. Klar: Es ist ja schön, andere zu belehren und ihnen zu zeigen, wo ihr „alter, nichtiger, vergänglicher Wandel” ist. Da kann man sich selber wunderbar ausklammern – und übersehen, dass ja man selber der Adressat unseres Predigttextes ist.

Mir gilt das ja!
„Für mich” – so klingt es ja auch in dem Worten beim Abendmahl an: „Christi Leib für dich gegeben, Christi Blut für dich vergossen”. Daran werde ich regelmäßig erinnert. Es ist für mich geschehen. Auch, weil ich es selber nicht hätte leisten können.
Und da bin ich dann doch der kleine Junge auf der Küchenbank. Der gar nicht anders kann, als sich das schenken zu lassen, was er braucht.
Und als kleiner Junge darf er sich freuen, dass er so reich beschenkt wurde. Dass da einer alles gegeben hat für ihn.

Da steckt auch viel Leichtigkeit drin. Spiel mit dem Leben. Geh raus, versuche dein Leben zu gestalten – mit allem, was dir geschenkt wurde. Du ziehst draußen deine Kreise, spielst, und verspielst vielleicht auch manches. Und wo etwas misslingt, da weißt du ja auch, dass Gottes Vergebung über allem steht.

Du spielst, du darfst spielen. Aber mittendrin wird dich auch mal dieser Vers des Petrusbriefes treffen. Die Worte vom Ernst des Lebens. Die Stimme der Mutter, die dich wieder ins Haus ruft – damit du deine Hausaufgaben machst.

Amen

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