Symbolpredigt: Meine inneren Akkus – 18. Februar 2018

Nicht nur das Smartphone hat einen Akku. Auch wir Menschen haben innere Energiereserven, die gepflegt und aufgeladen werde wollen. Die Predigt schaut darauf, wie Jesu mit seinen  Akkus umgegangen ist, betrachtet Lade-Stationen und den Memory-Effekt.

 

Liebe Gemeinde,

überall haben wir sie: Akkus! Wiederaufladbare Batterien. Im Smartphone, unter der Motorhaube, im elektrischen Rasierapparat. Viele Menschen bestücken auch ihre Elektrogeräte oder Spielzeuge mit aufladbaren Batterien: Von der Taschenlampe bis zur Fernsteuerung – auch mein Funkmikrofon hier hat zwei Akkus drin. Heute werden die hoffentlich noch durchhalten, dann nehme ich sie mit nach Hause und lege sie ins Ladegerät. Nach ein paar Stunden sind sie dann wieder voll und einsatzbereit.

Akkus sind wunderbare Energiequellen. Der Strom ist da, wenn ich ihn brauche. Allerdings nicht unendlich – irgendwann wird der Akku langsam leer, und ich muss sehen, dass ich ihn wieder auflade.

In Sachen Energie ist das also ein auf und ab. Ein Wechsel zwischen 100%-Leistung und ziemlich ausgelutscht.
Eigentlich geht es uns Menschen oft auch nicht anders. Unsere inneren Energie-Pegel ist ja auch nicht immer gleich, Wir verausgaben uns, tanken innerlich auf, sind manchmal unter Hochspannung und ein andermal ziemlich ausgepowert.

Jesu Akku-Stände

Wenn ich an die Erzählung von Jesu Versuchung denke, sehe ich einen Jesus, der 40 Tage in der Wüste gefastet hatte. Ich überlege, ob da vielleicht die inneren Akkus von Jesus auch ziemlich am Ende waren, und darum der Versucher sich an ihn herangewagt hat. Aber Jesus hat es bewältigt und dem Versucher widerstanden. Immerhin: Wenn da steht „Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da traten Engel herzu und dienten ihm”(Mt 4,11), dann klingt das schon an, dass Jesus da wirklich am Ende seiner Kräfte war.

Liebe Gemeinde,
das Bild vom ausgepowerten Jesus blenden wir ganz gerne aus. Dabei haben wir an einigen Stellen Hinweise darauf, das Jesus auch seine inneren Akkus aufladen musste. Johannes schreibt zum Beispiel davon, dass er sich nach der Speisung der 5000 ganz schnell davon machte: „Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein” (Joh 6,15). Ähnlich war es in Garten Gethsemane kurz vor seiner Verhaftung. Als zitterndes Häufchen Elend sucht er die Stille und Einsamkeit, betet zu Gott. Und er kommt zurück mit Mut und einem klaren Weg: „Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe.” (Mk 14,42)

Jesus braucht Pausen – sucht die Einsamkeit zum inneren Auftanken. Damit er dann seinen Weg weitergehen kann.
Wenn wir das bei Jesus beobachten können, dann sollten wir uns nicht wundern, dass es bei uns nicht anders ist. Auf und ab: Mal könnte ich platzen vor innerem Antrieb und ein andermal quäle ich mich morgens nur mühsam aus dem Bett und frage mich: Was ist da nur kaputt?
Da ist aber nichts kaputt: Ich bin ein Mensch – einer mit wechselnden Akku-Ständen.

Akku-Pflege

Wenn ich sehe, wie fürsorglich die meisten mit ihren Smartphone-Akkus umgehen, da könnte man fast neidisch werden. Über Nacht wird es geladen. Wenn der Akkustand tagsüber unter 20% sinkt, wird man schon nervös; man schaltet am Handy den Energiesparmodus an und schaut, ob man irgendwo ein passendes Netzteil oder eine Powerbank auftreiben kann. Keiner will es sich vorstellen, dass irgendwann das Akku auf Null geht und das Handy ausfällt. Das wäre ja eine Katastrophe.
Komisch: Unsere inneren Akkus werden selten so verhätschelt. Da tun wir ja manchmal so, als wären wir so ein Durazell-Hase. Einer, der scheinbar endlos über Energie verfügt. Während die anderen längst die Flügel hängen lassen … heißt es: „Ach das krieg ich schon noch irgendwie auch noch hin …. irgendwie muss es ja gehen. Pause machen? Einmal in aller Ruhe innerlich auftanken? Dafür hab ich keine Zeit!”

Wen wundert es da, wenn man irgendwann tiefentladen in der Ecke sitzt:
Ausgepowert, gereizt, überfordert und ohne inneren Antrieb … und keiner weiß genau, was da in einem gerade los ist.
Es gibt ja auch keine prozentgenaue Anzeige, wieviel inneren Akku wir Menschen gerade noch haben. Man kann versuchen, in sich selber hinein zu spüren und zu erahnen, die es um meine inneren Reserven steht. Aber das ist wirklich nicht einfach, weil wir Menschen ja sehr komplexe und vielschichtige Geschöpfe sind – und da ist auch jeder von seinem Herrgott mit unterschiedlicher Lade-Kapazität und Leistungsfähigkeit ausgestattet. Da gibt es keinen Standard und keine Norm, wie viel einer schaffen kann oder muss.
Aber allen gleich ist: Wir müssen irgendwann auftanken und unseren inneren Akku aufladen.

Lade-Stationen

Ob unser Schöpfer vielleicht deshalb nach der Erschaffung des Menschen auch gleich die Ladestation gebaut hat? Erst der Mensch, dann der Feiertag als Ruhetag! Das kann doch kein Zufall sein!

Ruhe scheint wohl eine der wichtigsten Lade-Stationen für unseren inneren Akku zu sein. Der Sonntag als Tag, der nicht vollgestopft werden muss mit Dingen, die zu erledigen sind – sondern der dadurch uns innerlich auflädt, dass wir nichts tun müssen. Nichts erledigen.

Oder etwas tun, was anderen völlig unnütz und sinnfrei erscheint: In einen Gottesdienst zu gehen – beispielsweise.
Ehrlich: Er ist schon eine komische Veranstaltung. Da gehst du in die Kirche, siehst meistens die gleichen Gesichter. Bei den Liedern kennst du die meisten, einige davon singst du ganz gerne, andere sind nicht so dein Fall. Die biblischen Texte sind altbekannt. Und was der da vorne auf der Kanzel sagt … mit ein oder zwei Gedanken kannst du vielleicht tatsächlich etwas anfangen, aber so insgesamt ist nicht so viel faszinierendes dabei. Alles irgendwie schon mal gehört. Beten, ja, das hätte ich daheim auch können …

Und doch ist für nicht wenige Menschen diese Veranstaltung wichtig. Eine Ladestation für den inneren Akku. Energie für die Woche.
Bei Gott angestöpselt – durch unserem Glauben.

Der Memory-Effekt

Liebe Gemeinde,
ich möchte noch auf etwas anderes schauen:
Kennen Sie auch noch die Faustregel für Akkus, dass man sie regelmäßig ganz entladen soll, damit sie ihre volle Leistungsfähigkeit erhalten?
Tatsächlich war es bei Nickel-Cadmium Akkus so: Wenn man die immer gleich nach einer kurzen Benutzung wieder aufgeladen hat, haben die sich sozusagen gemerkt, dass man nur ganz wenig Energie von ihnen verlangt. Und so haben sie immer mehr von ihrer ursprünglichen Leistungsfähigkeit eingebüßt.
Das heißt, eine Batterie, die eigentlich locker 3 Stunden die Taschenlampe am Leuchten hält, gewöhnt sich dran, dass sie immer schon nach einem halbstündigen Spaziergang geladen wird. So wird sie irgendwann schon nach 30 Minuten schlapp machen.
Memory-Effekt nennt man das. Moderne Akkus haben das nicht mehr – aber ich überlege mir, ob es diesen Memory-Effekt in Glaubensfragen bei uns gibt.

Da ist nämlich die Frage, wieviel Energie meines Lebens zapfe ich aus meinem Glauben? Was erwarte ich mir von meinem Gott?
Ist er der innerliche Pannenhelfer, der schnell mal zu Stelle sein soll, wenn ich für 5 Minuten die Krise habe? „Lieber Gott mach, dass ich den blöden Schlüssel wiederfinde”.
Schön, wenn ich in solchen Situationen auch an Gott denke. Vor allem dann, wenn ich den Schlüssel finde und ihm dann danke sagen kann.
Aber Sie merken, das ist ein kleines Projekt. Die 30 Minuten Taschenlampe.

Aber wenn mal eine große Krise kommt, weil es um viel mehr als um einen Schlüssel geht, und die Sache auch nicht schnell mal ausgestanden ist?
Da ist es ganz gut, wenn man schon vorher die Erfahrung gemacht hat, ich kann mit Gott reden – auch über tiefgehende Fragen meines Lebens und über Entscheidungen, die ich treffe. Wenn ich schon öfter mal in Krisen Gott nicht außen vor gelassen habe. Wenn ich schon einmal den Mut gehabt habe, Gott um eigentlich Unmögliches zu bitten – immer wieder – so lange bis sich Wunderbares ereignet, oder ich auch erleben muss, dass meine Gebete nicht erhört wurden.

Memory-Effekt – das meint ja im positiven Sinn: Unser Glaube und unser Gottvertrauen sind auch eine Frage der Erfahrung. Und da ist es gut, Vertrauen und Hoffnung zu üben – mit unseren kleinen und auch den großen Erwartungen, die wir vor Gott haben. Damit wir das Potential unseres Glaubens auch ausschöpfen können. Da steckt so viel drin, da wäre es doch schade, wenn wir da nur bei den Kleinigkeiten hängen blieben.

Liebe Gemeinde, so weit meine Gedanken zu unseren inneren Akkus. So wünsche ich Ihnen eine Passionszeit mit genügend Zeit und Ruhe zum inneren Aufladen, gerade angesichts dessen, dass der Sonntag da eine ganz gute Ladestation ist.
Und auch den Mut, sich von Ihrem Gott im Alltag etwas zu erwarten, mit ihm durch den Tag zu gehen – damit der Memory-Effekt seine guten Seiten entwickeln kann.
Amen

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