Radioandachten auf Charivari 98,6 im Dezember 2015

Montag: Meine kleinen Sorgen

Guten Morgen,
heute vor einer Woche, das war der Hammer. Es war ja eh alles chaotisch … Wegen der Baustelle von dem Haus kam man kaum rein und raus. Dann geh in unseren Kindergarten, um das neue Telefon anzuschließen (was man als Pfarrer so alles machen muss) – aber das wollte einfach nicht gelingen, es war zum Haare raufen. Dann gehe ich heim, um nach ein paar Kabeln zu suchen, da geht daheim, auch kein Telefon!
Die Leute von der Baustelle haben unser Telefonkabel erwischt. Super!
Also mit dem Handy versucht, die Probleme bei unserem Telefonanbieter zu melden – aber mach das mal mit vier unterschiedlichen Verträgen als Kirche, Kindergarten, Diakonie und Privatperson! Und keine Abteilung weiß die andere tut. Was man da erlebt … das glaubt einen kein Mensch.

 Obwohl, ich glaube, es gäbe viele Millionen Menschen, die hätten gerne meine Probleme – weil das ein Witz ist, im Vergleich zu  den Sorgen und Schwierigkeiten die sie haben.
Da geht es wirklich um was. Sie leiden an schweren Krankheiten, stehen in kaum lösbaren Konflikten, kämpfen ums nackte Überleben.
Und ich jammere da rum weil das Telefon nicht geht. Nein eigentlich müsste ich dankbar sein, weil ich keine größeren Probleme habe. Dankbar sein, für meine kleinen Problemchen – und auch ein bisschen demütig: Denn dass da nichts Schlimmeres über mich hereingebrochen ist – denn es ist ja nicht meine Leistung, das ist einfach ein Geschenk.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

 Dienstag: Vollgestopftes Leben

 Guten Morgen,
Messies – das sind sie Leute, die daheim in einem unglaublichen Chaos leben. Sie schaffen es nicht, sich von Überflüssigem zu trennen – und so stapeln sich Bücher neben Versandhauskartons, alte Zeitungen bilden eine wackelige Pyramide –  es ist ein Elend, und als Besucher dreht man instinktiv gleich wieder um:
Denn da findet man auf Anhieb keinen Weg durch dieses Wirrwarr, und es ist auch nirgends Platz, wo ich man sich hinsetzen könnte – es ist ja alles so voll!
Im Advent sagen wir so gerne: Wir warten auf des Jesuskind. Hoffen, dass es seinen Weg zu uns findet, und sein Licht in unser Leben scheint. Ob dieser Jesus manchmal auch lieber umdreht? Weil mein Leben so vollgestopft ist, wie die Wohnung eines Messies: Alles ist wichtig, ein Termin jagt den Anderen, an so vieles muss ich gleichzeitig denken …. wo soll im Advent dieser Jesus in meinem Leben noch Platz nehmen können? Welches Eckchen, welche Nische könnte ich ihm freiräumen?
Wie ein Messie muss ich mich da wohl überwinden, und einfach mal ausmisten. Abstriche machen. Loslassen. Wichtiges und Unwichtiges trennen.
Damit wieder Platz wird in meinem Leben – Platz für mich selber, und Platz für diesen weihnachtlichen Gast, dem Kind in der Krippe, das auch einst mit ganz wenig ausgekommen ist.

Mittwoch: Treuepunkte

Guten Morgen!
Sammeln Sie Treuepunkte? – Diese Frage hört man ja inzwischen an jeder zweiten Kasse.
Treuepunkte, für die ich dann irgendwann ein Messerset fünf Euro günstiger kriege. Eigentlich gehts da ja gar nicht um Treue, sondern um den Umsatz.

Aber wie wäre es, wenn ich wirklich Treuepunkte sammeln würde? Wenn ich meinem Freund beistehe, wenns ihm grade nicht so gut geht. Wenn ich nicht mitmache, wenn andere hinter dem Rücken eines Kollegen über diesen herziehen. Wenn ich zu meiner Tochter halte, obwohl mich ihre Mathenoten zur Zeit echt in die Verzweiflung treiben
Das sind Punkte, an denen meine Treue gefragt ist.
Wo ich zu Menschen stehe – zu meinem Überzeugungen – oder auch zu meinem Glauben.
Ob ich die auch mal gegen irgendetwas eintauschen kann? Ein Messerset wird es ja nicht sein.
Und es kann mir keiner garantieren, dass die Anderen mir die Treue halten, bloß weil ich so eine treue Seele bin. Aber muss man für alles immer etwas zurückbekommen?
Ich finde: Manchmal reicht aus, das Richtige zu tun, einfach, weil es richtig ist!
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

 Donnerstag: Recht auf einen schlechten Tag

Guten Morgen
manchmal gibts Verkäufer … das kann man sich nicht vorstellen. Ich denke da grad an einen vor ein paar Tagen, der war so schlecht drauf. Einmal im Leben brauche ich echt mal eine gescheite Beratung, und dann gerate ich an so einen. Ehrlich, des war fei gar nichts.

Umgekehrt ist es mir auch schon passiert. Da gings am Telefon um eine Taufe und ich weiß gar nicht mehr, was mich da geritten hat. Jedenfalls war ich da sehr verplant und abweisend – jedenfalls nicht so, wie ich eigentlich sein will. Das war total bescheuert – und später hab ich noch mal zurückgerufen und versucht, die Situation zu retten. Das war einfach nicht mein Tag.

Wissen Sie: Ich finde, jeder muss einmal einen schlechten Tag haben dürfen. Gott hat uns nicht als perfekte Maschinen gemacht. Darum gehören Fehler und gegenseitige Verletzungen einfach zu unserem Leben dazu.
Jesus hat uns aber auch einen Rat gegeben, wie wir damit umgehen sollen: Vergebt einander! Bittet um Verzeihung. Und lasst euch vergeben! Dann ist das auch nicht mehr so schlimm, wenn das heute nicht dein Tag war.
Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Freitag: Schatz im Acker

 Guten Morgen
ich habe mal von einem Mann gehört , der hat Tag für Tag, Jahr für Jahr seinen Job gemacht.  Immer in solider Gleichmäßigkeit, manchmal gelangweilt … manchmal mit einen bisschen mehr Spaß. Na gut, sein Beruf war ja auch nicht besonders prickelnd: Als Bauer war er halt kein James Bond.
Und dann kam der Tag, als er beim Pflügen an einer Kiste im Boden hängen blieb: Er sah nach und entdeckte einen sagenhaften Schatz.
Damit hat sich von jetzt auf gleich sein Leben verändert: Er hatte sein Glück gefunden. Er hatte es gar nicht erwartet – aber als es da war, hat er beherzt zugegriffen.
Diese Geschichte hat Jesus einmal erzählt.

Und ich glaube, bei uns Menschen ist es heute noch so. Wir ziehen unsere Ackerfurchen durch unseren Alltag. Auf der Arbeit, in der Schule, daheim im Haus – und rechnen gar nicht damit, dass da wir genau in diesem öden Alltag unser Glück finden könnten. Aber genau da wartet es auf uns.
Dem einen läuft der ideale Partner fürs Leben über den Weg oder entdeckt eine große berufliche Chance. Der andere spürt, dass Gott mehr ist als eine fromme Phantasie.
Das Kunststück des Lebens ist es nicht, den Schatz zu finden – sondern im richtigen Moment nicht vor lauter Schreck zu vergessen, etwas draus zu machen.

Samstag: Nikolaus

 Guten Morgen,
am Sonntag ist Nikolaustag! Wenn sie da Sankt  Nikolaus spielen wollen, dann sollten sie sich jetzt sputen, morgen haben die Läden zu – da kann man nichts mehr einkaufen.
Und übrigens, wenn sie dann schon einen auf Nikolaus machen, dann lassen sie es bitte auch entsprechend krachen. Denn der heilige Nikolaus war alles andere als geizig! Der hat, so wird erzählt, auch schon mal pures Gold verschenkt!
Aber nicht an die Kinder der Eltern, die sowieso schon alles hatten – sondern zum Beispiel an zwei junge Mädchen, die ihr Vater an Menschenhändler verkaufen wollte, weil er sie nicht mehr ernähren  konnte.

Gott sei Dank gibt es das ja bei uns nicht mehr … aber leider gibt es immer noch  Regionen der Erde, wo Eltern nicht wissen, wie sie ihre Kinder versorgen sollen. Die bräuchten so einen Sankt Nikolaus. Einen der die  Eltern unterstützt, damit sie von ihrer Hände Arbeit leben können. Der Bildungsangebote bereitstellt, damit die Kinder eine Perspektive haben,  ihre Rechte kennen, und eine Zukunft haben.
Ja, der Job des Sankt Nikolaus wird immer noch gebraucht! Leute die den Mut haben, für notwendige Projekte gutes Geld in die Hand zu nehmen.
Das kann nicht jeder  – denn das Geld muss man erst mal haben.
Und den Mut hat nicht jeder – weil wir halt unser gutes Geld so lieb haben.
Und genau darum ist Sankt Nikolaus so ein seltenes Exemplar von Mensch geblieben.

Einen guten Tag wünsche ich ihnen.

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