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Predigt zur Kirchweih: „Bassd scho“ (7. Oktober 2017) Römer 3, 23

Vor Beginn dieses Kirchweih-Gottesdienstes erwarten die Kerwa-Burschen und Kerwa-Madli die Gottesdienstbesucher und nehmen Maß: Die Körpergröße jedes Einzelnen wird gemessen, dann wird festgestellt, ob er zu den Top3 der größen oder kleinsten gehört. So entsteht am Kirchenportal eine Liste der Größen und Kleinsten, die heute in den Gottesdienst gekommen sind. An dieser Erfahrung des Gemessen-Werdens knüpft dann die Predigt an und schlägt den Bogen zur Rechtfertigung vor Gott.

Liebe Gemeinde,

so, nun wissen wir, wer die längsten und kürzesten Gottesdienstbesucher sind. Auf den Zentimeter genau haben wir das jetzt einmal gemessen.
Ein bisschen hat mich das an meine Kindheit erinnert. Da wurden die Kinder auch immer wieder mal gemessen: Dazu standen wir im Türstock und auf dem Kopf wurde waagerecht ein Stift hingehalten, mit dem dann ein Strich an den Türstock gemalt wurde. Schließlich wurde mit dem Zollstock nachgemessen, und so war klar, wie groß, bzw. wie klein man war.
Diese Striche hat keiner mehr wegradiert, so blieb an der Türe sichtbar der Strichcode vom Wachstum der Kinder.

Nun ja: Das kann ja auch etwas sein, was einen mit Stolz erfüllt, wenn man tatsächlich schöne Wachstums-Fortschritte macht.
Nicht so lustig ist es, wenn da nichts so richtig weitergeht. Wenn in der achten Klasse der Sportlehrer jedes Mal die Schüler anweist, sich der Größe nach aufzustellen – und man immer zu der Handvoll gehört, die sich am kleinen Ende hinstellen muss. ich will weiterlesen

Predigt: Durch die Jahrhunderte: Sünder und Gerechtfertigte (Römer 3,23 f) 31. Oktober 2010

In diesem Jahr fallen Reformationstag und Gollhöfer Kirchweih zusammen. So gehts zur Kirchweih um eine biblische Kernstelle reformatorischer Theologie.

Szene 1494 – Angst und Ablass

Sommer 1494, erst vor wenigen Monaten war die neue Gollhöfer Kirche eingeweiht worden. Über einige Jahre hinweg hatte man daran gebaut, alle haben mitgeholfen. Besser gesagt: hatben mithelfen müssen, denn die strenge Obrigkeit, der Erbschenk aus Einersheim achtete darauf, dass jeder seine Pflicht an Frondiensten ableistete. Sonntags sitzen sie dicht gedrängt auf den rohen Holzbänken. Es ist kalt, vorn im weiten Altarraum steht ein einfacher Tisch mit einem Kreuz. Für mehr hatten die Spenden und Gaben der Gläubigen und des Fürsten nicht gereicht.
Ehrfürchtig folgen sie dem Gottesdienst, auf Latein wird er gehalten. Die meisten verstehen kein Wort, und doch vertrauen sie: Das, was da geschieht, soll sie retten vor dem Zorn Gottes, der mit scharfen Augen jede Schandtat, jede böse Begierde, jeden ungehörigen Gedanken erkennt und bestraft. Hier in der Kirche gibt es Hoffnung, dass Gott nicht ganz so unnachsichtig die Sünden bestraft, dass das Fegefeuer nicht ganz so lange dauern wird, wie es der Priester ihnen androht. Dass man vielleicht doch in den Himmel eingelassen wird. ich will weiterlesen