Andachten auf Charivari 98,6 im September 2009

Montag: Koalitionsfähigkeit
Dienstag: Marienkäfer
Mittwoch: Drachen brauchen eine Leine
Donnerstag: Radarfalle
Freitag: Barfuß im Schuhgeschäft
Samstag: Erntedank

Koalitionsfragen
Endlich ist die Wahl vorbei. Aber so richtig glücklich zurücklehnen kann sich keiner, weils jetzt drum geht, Koalitionspartner zu finden. Eine Partei mit der man zusammen 4 Jahre lang regieren kann.
Man sucht nach den Gemeinsamkeiten und muss auch so manche Kröte schlucken. Das ist der Moment der geschickten Verhandlungsgenies, die sturen kompromisslosen Hardliner schickt man derweil in einen Kurzurlaub.
Da ist Politik wie das richtige Leben.
Bei so ekelhaften Nachbarschaftstreitigkeiten, wo sich die Kampfhähne rettungslos ineinander verkeilt haben. Da gibt’s in den Familien auch meistens ein paar kompromissfähige Menschen, die eigentlich Frieden und Versöhnung wollen.
Wenn die sich mal zusammentun – die Streithähne rauslassen – und miteinander einen Weg finden sich zu vertragen. Das ist eine unglaubliche Chance. Und dann werden sie zankenden Gockel mit den vollendeten Tatsachen konfrontiert: Wir versuchen es nochmal miteinander, weil die ewige Streiterei uns alle kaputtmacht. Basta.
Ja, man muss nicht nur über Politik, schimpfen – man kann ja auch was davon lernen.
Ich wünsche ihnen heute eine große Portion Koalitionsfähigkeit.

Marienkäfer
Ohh, ein Marienkäfer, schau, wie süß! Und schon kniet sich unsere kleine Tochter ins Gras und lässt den Marienkäfer über ihren Finger krabbeln.
Ich stehe daneben und wundere mich: Wir waren an der Nordsee, und da gabs eine Marienkäferschwemme. Auf dem Rasenstück um uns herum krabbelten gerade tausend Marienkäfer.
Aber unsere Maria hatte nur Augen für diesem einen Käfer … naja , und dann noch einen und noch einen. Jeder wurde bestaunt, als wäre er der einzige und schönste Marienkäfer auf der ganzen Welt.
Manche fragen sich: Wie kann Gott jeden der 6 Milliarden Menschen kennen und lieben? Das geht doch gar nicht!
Ich muss mir da auch immer vor Augen halten, dass Gott eben anders ist, und unsere Vorstellungskraft übersteigt.
Aber seit der Sache mit dem Marienkäfer habe ich so ein inneres Bild:
Dass Gott Sie und mich anschaut – so unsere Marie den Käfer: Schau, du bist aber interessant, dich mag ich, um dich will ich mich ganz besonders kümmern – so als wenns die anderen 6 Milliarden gar nicht gäbe.
Guten Morgen, du bist ein ganz besonders geschätztes Modell.
Nehmen Sie diese Liebeserklärung heute mit in den Tag. Ich wünsche Ihnen dabei alles Gute

Drachen brauchen eine Leine
Wir lassen als Familie furchtbar gerne Drachen steigen. Und einmal ist die Super-Panne tatsächlich passiert: Da rutscht meiner Tochter die Schnur aus der Hand und der Drachen fliegt davon – ich renne hinterher – aber keine Chance! Er ist einfach zu schnell.
Nach einem halben Kilometer lag er dann auf dem Acker. Einfach so
Eigentlich liegt es auf der Hand: Wenn der Drache keinen Zug mehr an der Leine hat, verliert er den Auftrieb und stürzt ab. Er braucht einen, der ihn festhält, obwohl er ja zugleich immer wie verrückt an der Leine reißt und zerrt, als will er weg. Wer da nachgibt und loslässt kann zusehen, wie er bald auf seiner Drachennase landet.
Manchmal bin ich auch wie so ein Drachen. Eigentlich fühle ich mich von Gott gehalten, und bin froh drüber. Aber manchmal passiert etwas, das lässt mich an Gottes Liebe zweifeln, dann zerre ich hin und her, stehe innerlich mit meinem Gott auch im Streit, weil ich ihn nicht verstehe.
Aber die Schnur, den Draht zu Gott durchzutrennen -. nein, das mach´ich dann doch nicht. Weil ich spüre, auch wenns manchmal anstrengend ist:
Der Flug des Lebens gelingt dann, wenn es einen festen Punkt gibt, an dem ich mich festhalten kann, und wenn da einer da ist, der mich festhält.
Ich wünsche Ihnen heute einen guten Flug.

Radarfalle für die anderen
Ha, jetzt bauen sie an der Grundschule da vorne wieder eine Radarfalle auf. Ja, denke ich, recht haben sie, schließlich ist da eine Tempo-30-Zone, da sollen sie diesen Rasern mal gescheit auf die Pfoten klopfen.
Und freche grinse ich dem aufgemotzen BMW an, der mir entgegenkommt – „ja… bretter nur so weiter .. in 300 Metern kriegst du die Quittung!
Ne Stunde später bin ich da auf dem Rückweg wieder vorbeigekommen. Ich erinnere mich an die Radarfalle und tuckere brav mit Tempo 30 an der Schule vorbei … und ich merke: So lamgsam war ich hier noch nie unterwegs – ich bin auch einer von denen, die da normalerweise mit mindestens 50 vorbeidüsen.
Ich hab mich über mich selber geärgert, und in bisschen geschämt: Seidel, du selbstgerechter Schnösel, motzt über die anderen Autofahrer, aber fährst doch letztlich genauso wie die!
Lange bevor es Autos und Radarfallen gab, hat Jesus Leute wie mich gewarnt: Urteile nicht über andere, denn mit dem Maß, mit dem du andere beurteilst, wirst auch du beurteilt werden.
Ich verspreche es ihnen: Bei nächsten mal werde ich vorsichtiger Sein beim Autofahren und beim Urteilen über andere.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag..
Barfuß im Schuhgeschäft
Bei meinem letzten Schuhkauf – da habe ich vielleicht du geguckt: Der Verkäufer war da nämlich barfuß im Geschäft unterwegs. Kein Witz!
Der läuft da immer so herum.
Ein Schuhverkäufer, der barfuß durch den Laden rennt …
das ist ja, wie ein Fußballprofi, der als Lieblingssportart Schwimmen angibt.
Oder ein vegetarischer Bratwurstverkäufer, oder ein Pilot mit Flugangst,
oder ein Christ, der um jede Kirche einen Bogen macht.
Moment, die gibt’s natürlich schon öfter mal. Sind getauft, gehören zur Gemeinde, aber in der Kirche sehe ich sie nie. Die sagen mir: Es ist schon wichtig, dass er Kirche gibt, aber ich komme schon ohne sie zurecht!
Genau das gleiche auch mein barfüßiger Schuhverkäufer gemeint: Hier im Laden brauche ich doch keine Schuhe, das ist doch viel einfacher ohne.
Und dann hat er was gesagt, da musste ich automatsich an den Glauben
Sie wissen doch, dass das Leben da draußen kein Perserteppich ist – ohne Schuhe kommen sie da nicht weit.
So ein Schuh, der gibt ihrem Fuß ganz viel Halt,
er schützt ihn vor Verletzungen
und da, wo sie ein bisschen am Knöchel einknicken, da bügelt der Schuh das wieder aus.
Tja, als ich wieder raus bin, hatte ich paar Schuhe gekauft – und zugleich eine kleine Predigt gehört.
Kommen Sie heute gut durch den Tag!

Erntedank
Morgen feiern wir Erntedankfest.
Bei uns in der Kirche haben die Konfirmanden verschiedene Erntedankgaben am Altar aufgebaut. Kartoffeln, Zucchini, Tomaten, und Zuckerrüben … das volle Programm:
Gerade die Zuckerrüben habens mir angetan:
Die essen wir ja eigentlich nicht. Ich denke die Zuckerrübe kommt von einem Bauerssohn, dessen Vater hauptsächlich mit dem Anbau von Zuckerrüben sein Geld verdient.
Vielleicht ist das ein Dankeschön an Gott, dass der Vater seinen Beruf noch ausüben kann und seine Familie noch mit dem Ertrag der Landwirtschaft auskommt.
Ja, der eigene Job, oder der Beruf der Eltern und die Zeugnisnote vom Juli haben auch was mit Erntedank zu tun:
Sich zu erinnern, was wir alles geschenkt bekommen.
Natürlich säen und ernten wir nach wie vor auf Äckern und in Gärten.
Aber wir säen auch ganz andere Dinge:
Wir investieren Liebe und Zeit in unsere Familien.
Wenden Energie für unseren Beruf auf.
Engagieren uns in Vereinen und Gemeinden.
Nehmen Umstände in Kauf, um Freundschaften zu pflegen.
Und wenn dabei etwas ordentliches rauskommt, ist das für mich ein Thema für Erntedank
Ich wünsche ihnen ein schönes Erntedankwochenende.

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