Andachten auf Charivari 98,6 im Dezember 2009

Andachten zum Jahresende
Montag: Jesus zum Umtauschen
Dienstag: Böller statt Brot
Mittwoch: Universalgenie
Donnerstag: Silvester
Freitag: Neujahrsgottesdienste
Samstag: Anrufe

Geschenke umtauschen

Endlich sind sie rum, die Feiertage. Die Geschäfte machen wieder auf, und etliche Leute marschieren in die Läden um ihre Weihnachtsgeschenke umzutauschen. Ist der Pulli zu klein, hat man das Buch schon doppelt, ist die Krawatte zu schrill: Gutschreiben und umtauschen – das ist die Lösung.
Ich stelle mir vor: Da ist einer unterwegs, mitten ins Nürnberg, er hat das Jesuskind dabei und drückt es dem Pfarrer der Lorenzkirche in die Hand: „Ich weiß schon: Gott schenkt uns seinen Sohn. War ja gut gemeint, aber irgendwie kann ich den nicht gebrauchen. Ich hätte doch lieber was praktischeres“.
Tja, zu Weihnachten wird er gern genommen, der holde Junge in der Krippe. Schließlich gehört er da irgendwie dazu.
Aber: Der wird ja auch mal groß! So mancher, der ihn lieber nur als Baby hätte, ahnt schon:
Das ist doch der, der so viel über Nächstenliebe und Gerechtigkeit erzählt hat.
Der uns bis heute auch manches Unbequeme zu sagen hat, aber mit seinem Worten auch viele neue Ideen ins Leben bringen kann. Wäre schade, wenn wir ihn schon nach 5 Tagen umtauschen würden.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Silvester (31. Dezember)

Silvester – der heutige Tag hat seinen Namen von einem Bischof – Dem heiligen Silvester, der am 31. Dezember 335 gestorben ist. Er lebte in Rom zu der Zeit, als das Christentum erstmalig vom Kaiser akzeptiert wurde. Ein paar Jahre später wurde Silvester heilig gesprochen. Übrigens: Er war der erste Heilige, der kein Märtyrer war, also nicht wegen seines Glaubens umgebracht worden ist. Vor ihm haben zehntausende von Christen ihren Glauben mit dem Leben bezahlt. – Und eigentlich ist es in den späteren Jahrhunderten nicht unbedingt besser geworden.
Märtyrer gibt es bis heute. Da wird in Südamerika ein Pfarrer erschossen, weil seine Predigt den mächtigen Großgrundbesitzern zu gefährlich wurde. Oder Frau Müller – Seit letzten Herbst wird sie in ihrer Abteilung gemobbt, weil sich nicht mitgemacht hat, bei den kleinen Schummeleien hinter dem Rücken des Chefs. Ehrlichkeit ist ihr wichtiger, hat sie gesagt, aber die Kolleginnen haben schon länger den Eindruck, dass sie mit ihren Gerede von Jesus gar nicht so richtig ins Team passt. Jetzt haben sie es geschafft: Zum 31. Dezember hat sie gekündigt.
Irgendwie Passend zum Todestag des Bischofs Silvester – nur heilig gesprochen wird sie wohl nicht. Aber vielleicht braucht sie das auch nicht -denn sie hat ja das, was wir alle gut gebrauchen können: Rückgrat!
Kommen sie gut ins neue Jahr!

Universalgenies

Wissen Sie eigentlich, wem wir die Christbaumkugel verdanken? Sie werden es nicht glauben: Dem Erfinder von Maggi! Justus Liebig, so hieß er, hat seinerzeit nicht nur die künstliche Fleischwürze erfunden, sondern auch eine Methode, die eigentlich durchsichtigen Glaskugeln von innen zu verspiegeln. Ach ja, der Kunstdünger für Blumentopf und Garten kommt auch aus seiner Werkstatt.
Ein echtes Universalgenie – der ist für alle Bereiche gut – so was gibt’s heutzutage gar nicht mehr …
Obwohl: Gerade an Weihnachten, da bewundere ich meine Frau: Die organisiert schon im November die Weihnachtsgeschenke für Kinder und Verwandte, kriegt das größte Chaos im Vorweihnachts-Pfarrhaus geregelt, schmückt die Wohnung, dass ich nur staunen kann, und irgendwie sorgt sie dafür, dass bei uns keiner verhungert, und sie hat ein offenes Ohr wenn ich jammere, dass mir die ganze Arbeit auf den Nerv geht.
Tausend Sachen auf einmal – das sind Universalgenies, die gibt’s auch noch heute. – Bloß hören sie es viel zu selten, dass wir sie lieben und bewundern.
Jetzt, wo der Weihnachtsstress rum ist, und keiner mehr mit Geschenken rechnet, bringen´s doch mal nen Blumenstrauß mit heim. – Einfach so, weil sie ihrer Frau sagen wollen, wie toll sie ist.
Ich wünsche ihnen, dass sie es bis heute Abend nicht vergessen, einem Universalgenie der Familie „danke“ zu sagen.

Böller statt Brot (29. Dezember)
Ab heute kann man wieder Silvesterraketen kaufen. Die Feuerwerkshersteller rechnen mit einem Umsatz von über 100 Millionen Euro. Wenn ichs mir so überlege: 100 Millionen Euro innerhalb von einer Stunde abzubrennen, das ist ist ne Leistung. Das trauen wir normalerweise nur den Investmentbankern zu. Bei den Bankern schimpfe ich gescheit über die Kapitalvernichtung. Wenns bei mir für 10 Minuten glitzert, funkelt, knallt und raucht – dann ist das irgendwie nicht so schlimm. Es sind ja nur 30 Euro, die ich für das Pyramiden-Brilliant-Systemfeuerwerk ausgegeben habe. Na gut, bei 80 Millionen Deutschen läppert sich das schon.
Da merke ich, wie die Aktion „Brot statt Böller“ in Vergessenheit geraten ist. Fast dreißig Jahre ist sie alt. Aber es gibt sie noch: Leute, die daran erinnern: Die 30 Euro für die Raketen sind in 10 Minuten verpufft.
Dreißig Euro in einem AIDS-Waisenhaus in Simbabwe macht einen kleinen Jungen einen ganzen Monat satt.
Was soll ich machen? Feuerwerk find ich schön.
Aber so einem kleinen Kerl in Ostafrika zu helfen – ist auch nicht schlecht.
Naja, es sind ja noch 3 Tage bis Silvester – da kann ich ja noch ein bisschen grübeln. Hat ja beides was für sich.
Ich wünsche ihnen einen schönen Tag, vielleicht finden sie ja heute ne Lösung, wie sie die 30 Euro anlegen würden.

Neujahr (1. Jan 10)

Guten Morgen! Sind Sie schon wieder wach, oder noch wach? Gerade in der Neujahrsnacht ist ja beides gut möglich. Sind sie grade dabei und fahren als einziger Nüchterner ihre besoffenen Kumpels heim? – Sie Armer? Oder sie kommen grad aus dem Krankenhaus heim, heute nacht Papa geworden, vielleicht das erste Kind Deutschlands im Neuen Jahr 2010? – Glückwunsch. Oder hocken sie schlapp über ihrer Tasse Kaffee und müssen gleich los ins Altenheim zur Arbeit, denn da ist es egal, ob Feiertag oder nicht, die Leute müssen versorgt werden.
Es ist verrückt, wie unterschiedlich so ein Jahr beginnen kann. Und genauso individuell und unvorhersehbar wird es auch 2010 weitergehen. So in drei, vier Stunden werden überall Neujahrs-Gottesdienste gefeiert. Leute gehen da hin, weil sie sich bewusst sind: Ich weiß nicht, was das neue Jahr bringt, aber ich will von Anfang an Gott um seine Hilfe bitten.
Da hat so so ein Neujahrsgottesdienst seinen besonderen Charme: Ich bin gespannt, wieviele Leute sich in meinem Dorf aufraffen, um am Neujahrsmorgen in die Kirche zu kommen. Vielleicht sie Sie ja dabei – nicht direkt bei mir, aber bei einem meiner vielen Kolleginnen und Kollegen. Ein gesegnetes Neues Jahr wünsche ich Ihnen.

Anrufe über Anrufe (2. Januar 2010)

Ich rufe täglich ein dutzend Leute an. Beruflich und privat; manche sogar mehrfach täglich. Und es gibt Menschen, die habe ich schon seit über einem Jahr nicht mehr angerufen. Das sind eigentlich gute Freunde von früher, aber dann ist der Kontakt ein bisschen eingeschlafen. Und jetzt komme ich mir komisch vor, da wieder anzurufen … wo wir uns jetzt schon so lange nicht mehr gerührt haben. Vermutlich ist da auch ein bischen schlechtes Gewissen dabei.
Und ich habe gemerkt: Je länger diese Zeit ist, in der man keinen Kontakt hatte, umso höher wird die innere Hürde, sich mal wieder zu rühren.
Meine Frau hat sich jetzt ein Herz genommen, und so eine alte Bekannte angerufen. Einfach so. – Über eine Stunde haben die miteinander telefoniert … Der Freundin gehts grade nicht so gut – und da kam dieser Anruf meiner Frau wie eine Befreiung. Die beiden haben gleich ausgemacht, dass wir sie jetzt am Wochenende besuchen.
Mensch, denk ich mir da. Hinz und Kunz rufst du an wegen irgendwelcher Lappalien. Und vor lauter Geschäftigkeit vernachlässigst du die Kontakte, die wirklich wichtig sind. Meine Frau hats jetzt ja geschafft. Jetzt bin dran, mal wieder einen alten Freund anzurufen. Da gäbs ja einige.
Vielleicht fällt Ihnen ja auch jemand ein. Schaun sie, es ist Samstag, heute nachmittag wär doch ne prima Gelegenheit.
Ich wünsche Ihnen gute Gespräche.

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