Andachten auf Charivari 98,6 im Februar 2010

Montag: Kirche leuchtet wie eine Laterne
Dienstag: Lichtmess – Das Jesuskind wegräumen?
Mittwoch: Fragen ohne Antwort
Donnerstag: Mikado
Freitag: Tiefenangst
Samstag: Bauchnabel

Kirche leuchtet wie eine Laterne

Guten Morgen, ich hätte heute einen Veranstaltungstipp, den müssen Sie sich aber selber basteln.  Sie brauchen dazu eine Kirche, so eine mit großen und bunten Fenstern. Und sie müsste frei stehen, irgendwo am Ortsrand, so dass man um sie rumlaufen kann. Wenn sie so eine entdeckt haben, dann finden Sie heraus, wann da abends nach Einbruch der Dunkelheit eine Veranstaltung ist. Ein Gottesdienst oder ein Konzert. Da gehen sie dann hin – und gehen sie nicht hinein, sondern außenrum!
Dann werden Sie es sehen: Wenn im Dunkeln diese kunstvoll-bunten Kirchenfenster leuchten, so, wie eine Kinderlaterne beim Martinsumzug. Nur eben viel riesiger und eindrucksvoller – Das kann man kaum beschreiben, das muss man mal gesehen haben.
Aber genau so soll Kirche sein:
Leuchten im Dunkeln.
Von innen heraus strahlen.
Farbe ins Leben bringen.
Attraktiv sein, so dass man näher hin gehen möchte, um sich das alles genauer anzusehen.
Jaja, ich weiß: Kirche erscheint  nicht immer so. Aber manchmal, und dann ist es großartig.
Ich wünsche ihnen einen guten Tag.

 

Christkind wegräumen

Guten Morgen! Den 2. Februar haben wir – Maria Lichtmess. Spätestens jetzt räumen die Letzten ihre Weihnachtsdekorationen auf und räumen sie auf den Dachboden oder sonstwo hin.
Glaskugeln, Strohsterne, Lichterbögen, Rauschgoldengel, Krippe, Jesuskind… alles rein in die Schachtel und „auf wiedersehn bis nächsten Dezember“.
Ist dann alles weggeräumt … wirklich alles, was mit Weihnachten zu tun hat?
Auch die Nachricht, dass Jesus zu uns in unsere Welt gekommen ist?
Auch weg?
Manche Menschen schaffen das – des ganze Jahr über ist Jesus dann fort. Sogar an Ostern. Seine Kreuzigung und Auferstehung sind egal, wir haben ja den Osterhasen. Jesus bleibt aufgeräumt in seiner Schachtel auf den Dachboden.Da kann er bleiben, bis zum nächsten Winter.
Nein – kann er nicht, ich möchte auf Jesus nicht verzichten.  Manchmal habe ich das Gefühl, er ist mir ganz nahe.Wenn ich mal etwas plane, was nicht so ganz in Ordnung ist, dann hab ich manchmal schon gepürt, wie er sagt: He, so geht’s fei net. Oder wenn ich schlecht drauf war,  und da kam irgendwo her wieder neue Kraft. Mensch, was bin ich froh, dass ich Jesus nicht auf dem Dachboden weg gesperrt habe.
Ich wünsche ihnen einen guten Tag.

 

Fragen ohne Antwort

Guten Morgen! – Endlich habe ich ihn fertig gelesen, diesen dämlichen 300-Seiten-Krimi. So ein blödes Buch, da ist ein junger Firmenerbe verschwunden, und alle gehen davon aus, dass er tot ist und ermitteln wie wild drauf los und suchen den Mörder. Ich fand das furchtbar, das widerstrebt mir total, ich will klare Verhältnisse: Sollen die Ermittler erst mal rausfinden, ob derjenige Tot ist, und dann den Mörder finden.
Ich habe diesen furchtbar langweiligen Krimi eigentlich nur weitergelesen, weil ich Klarheit wollte: Ist er tot oder nicht. Naja, 10 Siten vorm Schluss wurde dann tatsächlich seine Leiche gefunden.
Im Leben hat man ja auch manchmal so offene Fragen, auf die man so schnell keine Antwort bekommt. Warum ist dies oder jenes passiert? Wozu soll irgend ein Ereignis gut sein?
Viele Menschen geben da das Fragen nach kurzer Zeit auf – weil sie keine Antwort finden.
Vielleicht ist das Leben wirklich so, wie ein schlechter Krimi: Dass du dich von Seite zu Seite durchquälst, und die Antwort auf deine Fragen kommt furchtbar spät, und unerwartet – aber sie kommt.
Schade, wenn man da zu früh mit seinen Fragen aufhört. Einen guten Tag wünsche Ich ihnen

 

Mikado: Lernen, ein Auge zuzudrücken

Seit langem habe ich mal wieder Mikado gespielt.  Das ist schon eine Herausforderung, die kreuz-und quer liegenden Stäbchen wegzunehmen, ohne dass da was wackelt.  Theoretisch ist das ganz einfach, die Praxis sieht da ganz anders aus: Relativ bald kommt man da an den Punkt, wo man strenggenommen nichts mehr wegnehmen kann, ohne dass nicht irgendwas irgendwie doch wackelt. Uns wenn im kaum wahrnehmbaren Mikrometerbereich ist. Wenn du das mit einem pingeligen Oberstudienrat spielen willst, da kannst du das vergessen:“Ha, ich habs gesehen, das hat sich bewegt!“
Ich denke das Spiel macht nur dann Spaß, wenn man bereit ist, mal ein Auge zuzudrücken, nicht gnadenlos jeden kleinen Fehler des andern anprangert und ausnutzt. Vielleicht haben die alten Chinesen das Spiel erfunden, damit man was fürs Leben lernt:
Es gibt Situationen, da kann man tun was man will: In jeden Fall macht man etwas falsch, tut jemanden weh – und man kann sich vor der Entscheidung nicht drücken. Gut hat es da derjenige, der er erlebt, dass die anderen auch mal bereit sind, eine Auge zudrücken, und dem andern seine Fehler zu vergeben.
Einen guten Tag wünsche Ich ihnen

 

Tiefenangst

Etwa 5 Prozent der Deutschen leiden unter Höhenangst.
Aber ein viel höherer Prozentsatz ist von der Tiefenangst betroffen: Tiefenangsr – So nenne ich die Angst davor, dass ein Gespräch am Kaffeetisch oder am Gartenzaun zu tief geht.  Über den Nachbarn oder die Politiker kann ich immer und zu jeder Zeit ein angeregtes Schwätzchen führen. Aber manchmal gibts den Punkt, wo so ein Gespräch anfängt Tiefe zu gewinnen. Da gehts dann um Themen, die mich persönlich tief berühren: Tod und Leben, Angst und Hoffnung, Glaube und Liebe.
Die meisten Menschen spüren sehr genau, wo der Punkt ist, an dem eine nette oberflächliche Unterhaltung anfängt, an Tiefe zu gewinnen. Und da rührt sie sich dann – die Tiefenangst. Die Furcht vor den persönlichen Themen und den echten Fragen des Lebens.
Mit dem Blick auf die Uhr rettet man sich mit zwei Sätzen
„Achja, ich muss ja weiter,“ – dieser Satz ist oft genug geschwindelt
Und: „Ich hab ja schon viel zulange gequatscht.“ – dieser Satz dagegen ist leider meistens wahr. – Denn das Leben ist eigentlich zu kurz, um nur oberflächlich zu quatschen.
Ich wünsche Ihnen einen Tag mit guten Gesprächen.

 

Der Bauchnabel

Wissen Sie, woher die Menschen den Bauchnabel haben?
Es ist ganz einfach: Bevor die Menschen auf die Erde geschickt werden, um geboren zu werden, werden sie im Himmel geschaffen.  Weil es so viele sind, stehen sie auf einem Fließband.  Am Ende des Fließbandes steht Gott und schaut sich jeden seiner Menschen noch einmal ganz genau an.   Und wenn er ein Exemplar entdeckt, auf das er – der Schöpfer – ganz besonders stolz ist, passiert Folgendes: Mit seinen Zeigefingers stuppst er den neuen Menschen am Bauch an und sagt: Mensch – du bist je wirklich ganz außerordentlich gelungen – dich habe ich ganz besonders lieb! Und weil die Menschen noch ganz frisch und weich sind, bleibt der Abdruck des Zeigefingers Gottes am Bauch dieser Menschen sichtbar.
Geben sie zu: Das haben sie noch nicht gewusst! Sehn sie, jetzt wissen sie Bescheid.
Schauen sie heute Abend beim ins-Bett-gehen doch mal nach! Vielleicht entdecken sie auch diesen Fingerabdruck Gottes bei sich. – Und dann wissen sie, dass sie in den Augen Gottes ein ganz besonderes Exemplar sind!
Einen schönen Tag wünsche ich ihnen

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