Andachten auf Charivari 98,6 im Juni 2011

Montag: Wir können nicht leise
Dienstag: Als wärs der einzige Tag
Mittwoch: Ruhebank im Brennesselfeld
Donnerstag: Das Kreuz wird entsorgt
Freitag: Der Balken im Auge
Samstag: Trausprüche für die Zukunft

Wir können nicht leise

Sonntagnachmittag – Unsere drei Töchter trampeln kreischend durch die Wohnung. Manchmal sind sie schon echt nervig. Meine Frau ermahnt: Mädels, seid mal bitte ein bisschen leiser! Prompt kommt die Antwort unserer Jüngsten im Brustton tiefter Überzeugung : „Mama, wir können aber nicht leise!”
Ja, sie können halt nicht leise, wenn sie leben, wenn sie spielen, dann wird geredet, gesungen, geschkreischt – ohne bösen Willen – für Kinder gehört das irgendwie zum leben dazu. Vielleicht ist tatsächlich der Kinderlärm die schönste Musik unserer Gesellschaft, weil sie zeigt, dass wir Kinder und eine Zukunft haben und dass wir diesen Kinder Freiraum lassen, sich zu entfalten.
Glauben sie nicht, das wäre so eine neumodischer Pädagogik-Firlefanz! Schon Jesus hat einmal das Geschrei der Kinder verteidigt – sogar im Tempel waren die damals zu laut. Er sagte: Gott lässt sich durch das Geschrei und den Jubel der Kinder und Babys loben. Darum verbietet es ihnen nicht! Ehrlich gesagt: Manchmal, sind sie mir wirklich zu laut mit ihrem „Gewärch” – und ich bitte dann dich um etwas leiseren Krawall – Aber der Trubel unserer Töchter ist mir viel lieber als die Totenstille eines verlassenen Hauses.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

 

Als wärs der einzige Tag

Ich will Sie nicht neidisch machen: Aber ich habe eine echt schöne Urlaubswoche hinter mir, meine Familie und ich, wir sind diesmal rundum zufrieden zurückgekommen. Und das ganze hat einen Grund: Schon am Tag vor dem Urlaub hat der Wetterbericht fürs Allgäu Regen angekündigt. Wir fahren runter: Die Sonne scheint. Sofort machen wir uns dort auf die Socken, wandern ins Gebirge, genießen den Tag. Morgen solls ja regnen. Am Tag drauf: Wetterbericht prophezeit Regen, aber die Sonne lacht.  Wir freuen uns, nutzen und genießen den Tag in vollen Zügen – morgen solls ja richtig schlecht werden. Und so gings fast die ganze Woche. Das Ende vom Lied: Wir haben uns über jeden Sonnenschein gefreut, als wärs ein Geschenk für uns – denn schließlich wars ja anders vorhergesagt. Und wir haben jeden Tag wirklich das gemacht, was uns am lohnendsten erschien – und es genossen als wärs der letzte Sonnentag. Ich frage mich: Warum machen wir das eigentlich nicht öfter so? Sich über jeden Tag freuen, der halbwegs vernünftig gelaufen ist.
Und sich zu überlegen, was man heute tun könnte, wofürs morgen vielleicht zu spät ist.
Ich hoffe, ihnen fällt da für heute etwas ein.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen!

 

Ruhebank im Brennesselfeld

„Ruhe- und Aussichtsbank, genießen sie das Panorama” – so stand es auf dem Schild an der alten Holzbank im Gebirge – da wo ich  gewandert bin. Das klingt toll, gell? Vergessen Siés das Ding war komplett von Brennnesseln umrahmt – und zwischen den Ritzen der Bretter wuchsen sie durch. Wer sich da draufsetzt, wirn ab Po, Wade und Rücken lange seine Freude haben.  „Ruhe- und Aussichtsbank, genießen sie das Panorama” der ganze freundlich-einladende Spruch war nichts wert, weil in Wahrheit die Brennesseln einen wieder ausgeladen haben. Wenn freundliches Wortgeklingel, Bussi-Bussi und lächelnde Gesichter es nur zum Schein gut mit mir meinen, aber hinter meinen Rücken die Menschen ganz andere Pläne geschmiedet werden. Leider sieht man bei manchen Menschen nicht, was sie im Schilde führen, wenn sie so betont freundlich daherkommen. Aber ein bisschen Vorsicht ist da wahrscheinlich kein Fehler.
Passen Sie gut auf sich auf!
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

 

Das Kreuz wird entsorgt

Es war auf dem Weiherkopf, in den Allgäuer Alpen – ich wollte mich nach einer Brotzeit mal kurz ins Gebüsch verdrücken, da lag es im Dickicht: Das alte Gipfelkreuz. Morsch, geknickt, die metallenen Beschläge völlig verrostet. Offenbar hatte man vor einigen Jahren ein neues Gipfelkreuz aufgestellt und das alte hier schnell mal entsorgt. So gammelt es auf 1600 Metern zwischen den Latschenkiefern vor sich hin.
Ein Bild des Elends, aber da kann man wohl nichts machen. Wissen Sie, das gibts auch im übertragenen Sinn. Ich kenne viele Menschen, die haben auch das Kreuz, den Glauben irgendwann in ihrem Leben entsorgt, dann liegt das Thema „Glaube” irgendwo in einer Ecke und gammelt vor sich hin. Wird morsch, rostig und bedeutungslos. Schade eigentlich.  Die Leute vom Alpenverein haben das alte Kreuz weg, weil sie ein neues, stabiles am Gipfel aufgerichtet haben. Dann ist es auch nicht schlimm, wenn das alte auf die Seite gelegt wird – weil des Neue genauso gut und stabil ist.
Auch das kanns im Leben geben: Ein Neuanfang mit dem alten Thema. Der Kinderglaube verändert sich, man fängt an, als Erwachsener über Gott nachzudenken und mit neuen Worten und Bildern seinen Glauben zu füllen.
Einen guten Tag wünsche ich ihnen.

Der Balken im eigenen Auge

Sie kennen bestimmt diesen Satz von Jesus mit dem Balken im Auge. Er meinte: Gerne schauen wir auf die Anderen und stellen fest, was bei denen nicht passt, und dann sagen wir „mein lieber Freund, ich sehe bei dir einen kleinen Holzsplitter im Auge, da muss man was verändern!” Was wir aber gerne übersehen: Selber haben wir einen ganzen Balken im Auge, viel größere Schwächen und Fehler, aber die sind uns komischerweise nicht so wichtig, da soll keiner dran herumkritisieren.
Vor 2000 Jahren hat Jesus das mit dem Balken im Auge erklärt und gefordert: Zieh erst deinen eignen Balken aus dem Auge, bevor du bei den anderen an ihren Fehlern herummäkelst! Ich denke: Mittlerweile kennt jeder das Problem. Ich muss zugeben: Er hat recht, und sein Tipp, zuerst die eigenen Fehler zu beseitigen, ich irgendwie sinnvoll. Ich muss auch feststellen: Eigentlich ist es auch nicht unmöglich, diesen Ratschlag zu befolgen. Aber können sie mir sagen, warum sich doch kein Mensch dran hält? Ich weiß es nicht.  Vielleicht schaffen wir es ja heute mal, nicht über andere herzuziehen, obwohl wir selber auch unsere Schwächen haben. Einen Versuch wärs ja wert. Einen guten Tag wünsche ich ihnen.

 

Trausprüche für die Zukunft

Guten Morgen,  wir haben Samstag, heute werden wieder in vielen Kirchen Brautpaare ihr „ja” zueinander sagen. Ganz romantisch, verliebt, und bei hoffentlich gutem Wetter. In den letzten Jahren ist mir als Pfarrer eine Tendenz aufgefallen: Immer öfter wünschen sich die Paare Trausprüche, die nicht nur von Liebe und Glück reden. Ganz spannende Sprüche und Themen tauchen da auf:
Sich beistehen in schweren Zeiten. Den Anderen in seiner Verschiedenheit akzeptieren. Sich lieben, auch wenn der andere eine Phase hat, in der er ungenießbar ist, weil er die Krise hat.
Ich finde das eine schöne Entwicklung. Da kommen Menschen zur Trauung in die Kirche, nicht nur um ein hübsches Fest zu haben, sondern die wollen auch ein paar gute und hilfreiche Worte, weil, sie wissen: Nach dem rauschenden Hochzeitsfest beginnt der Ehealltag, der nicht immer nur golden ist. Mit denen macht mir so ein Traugottesdienst wirklich Spaß: Denn ich weiß: Die sind Realisten, und wünschen sich für die kommende Zeit wirklich Gottes Nähe und Hilfe – in guten und in schlechten Zeiten.
Allen Brautpaaren, die heute feiern, und Ihnen, liebe Hörer wünsche ich einen schönen Tag

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