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Radioandachten auf Charivari im 98,6 im September 2013

Montag: Es geht auch ohne mich
Dienstag: Ingress: Was ist wirklich
Mittwoch: Problem inklusive
Donnerstag: Himmelschreiende Ungerechtigkeit
Freitag: Abfraßtag
Samstag: Kerwa oder Kirchweih

Montag: Es geht auch ohne mich

Guten Morgen,
als ich heute vor genau 7 Wochen früh aufgewacht bin, hatte ich schlimme Bauchschmerzen. Es war der Blinddarm, Am gleichen Tag war die Operation, nach 2 Wochen war das meiste ausgestanden. Wovon ich auch gleich mit kuriert worden bin, war eine tief in meinem Hirn festgewachsene Fehleinschätzung: Die Einbildung, dass es ohne mich nicht geht.
Doch, es geht! Ach wenn ich ausfalle, dreht sich die Welt weiter – die Menschen um mich herum sind ja auch nicht dumm.
So ist auch ohne meine “ach so wichtige Anwesenheit”  der kleine Jonas getauft und ein Verstorbener beerdigt worden. Meine Konfirmanden sind nicht vom Glauben abgefallen – und jemand aus dem Kirchenvorstand hat einen schönen Sonntagsgottesdienst auf die Beine gestellt.

Natürlich: wer viel Verantwortung in einer Firma, einem Verein, einem Elternbeirat oder in einer Kirchengemeinde übernimmt, wer eine Position hat, bei viele Fäden und Informationen zusammenlaufen, der ist wichtig – und so mancher liebt auch dieses Gefühl, … aber allzuschnell hält man sich für unersetzlich. Nur weil du an deiner Position richtig, gut und wichtig bist, heißt das nicht, dass es ohne dich nicht gehen wird.

Mein Blinddarm hat mich daran erinnert. Und irgendwie war es auch eine große Entlastung: Zu wissen: Es geht auch ohne mich ganz gut.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Dienstag: Ingress: Was ist wirklich?

Guten Morgen,
seit Monaten ist der Großraum um Nürnberg hart umkämpft. Eine Gruppe von Erleuchteten versucht, weite Teile Nürnbergs unter ihre Kontrolle zu bekommen. Auf der Gegenseite, der fränkische  Widerstand, der sich daran macht, die Gebiete wieder zurückzuerobern. Die Gefechte an Schlüsselstellen, wie dem Hauptmarkt, ziehen sich oft bis tief in die Nacht.
Sie haben davon noch nichts mitbekommen? Kein Wunder! Denn diese Schlacht wird im Internet geführt. “Ingress” heißt das Spiel. Auf elektronischen Landkarten kann man sehen, welche Gruppe gerade welches Stadtgebiet erobert hat. Es ist ein virtuelles Spiel … aber doch geschieht das alles irgendwie auch in der Realität: Denn um ein Viertel für sich zu gewinnen, müssen die Spieler tatsächlich vor Ort sein und mit ihren Smartphones übers Internet agieren.
Da stehen dann 6 Leute am schönen Brunnen und tippen auf ihre Bildschirme – was ich nicht sehe: Hier wird darum gekämpft, ob die Altstadt von den außerirdischen Erleuchteten oder vom Widerstand beherrscht wird. Erst mit dem Blick auf ihre Bildschirme erkenn ich, wo die Säulen ihrer Macht sind und wo die Orte sind, die mit der meisten Energie aufgeladen sind.

Ist das, was da passiert “Wirklichkeit” oder “Hirngespinnst”?
Früher haben fortschrittliche Leute gemeint: “Es gibt ist nur das, was ich auch sehen kann. Darum ist Gott auch reine menschliche Einbildung.”
Wenn ich die Ingress-Spieler anschaue, wie sie sich organisieren, miteinander Schlachten schlagen und Siege feiern, merke ich: Die Frage nach dem, was “wirklich” ist, ist viel viel komplizierter.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Mittwoch: Problem inklusive

Guten Morgen
Da will ich mir von einer App ein Update herunterladen und lese mir durch, was an tollen Neuerungen so alles geboten ist: Und da steht “Probleme beim Hochladen von Bildern”.
Das nenne ich doch mal ehrlich. Da wird gleich gesagt, was nicht funktioniert!

Wahrscheinlich war eigentlich gemeint, dass die Probleme mit dem Update behoben sind.  Aber mir hat der Gedanke gefallen: Offen mit den Schwierigkeiten umzugehen, die man so hat.

Es wird ja so oft getan, als wäre alles in bester Ordnung, als gäbe es nie irgendwo Probleme, als würde es niemals irgendwo haken oder knirschen.
Beste Autos.
Harmonischste Beziehungen
Ideale Kinder
… das gibt es doch alles nicht. Da brauchen wir uns doch nichts vormachen. Wir sind nicht perfekt – und wir müssen es auch nicht sein.

Martin Luther hat darum gekämpft, dass wir erkennen: Wir brauchen uns weder vor Gott noch vor den Menschen als fehlerlose Exemplare präsentieren. Wo wir einander Fehler vergeben und selber Vergebung erfahren, da wächst Offenheit und Ehrlichkeit.
Ja, dann könnte man auch bei seiner Handy-App bekennen: Ja, alles echt toll, aber der Bilder-Upload, der klappt noch nicht so perfekt.

Einen Tag mit offenen uns ehrlichen Menschen wünsche ich Ihnen

Donnerstag: Himmelschreiende Ungerechtigkeit

Guten Morgen,
ich muss ihnen gestehen, manchmal kriege ich so richtiggehend die Krise angesichts der vielen Ungerechtigkeiten in der Welt. Manches passiert direkt vor der eigenen Haustüre, von anderen Dingen lese ich in der Zeitung oder höre im Radio davon. Himmelschreiende Ungerechtigkeiten, die einem sofort ins Auge springen. Aber keiner macht etwas dagegen – ja oft genug sind wir alle da machtlos, sogar unsere mächtige Staatengemeinschaft muss bei vielem tatenlos zusehen.
Es ist zum wahnsinnig werden – weil ich in mir selber so ein großes Bedürfnis nach Gerechtigkeit habe. Mir wünsche, dass Unrecht beendet wird, im Kleinen, wie im Großen. Aber es scheint oft aussichtslos.

In der Bibel finde ich immer wieder Aussagen, die mir da Hoffnung machen. Sie reden davon, dass es es einen Zeitpunkt geben wird, an dem alle Ungerechtigkeit beseitigt ist.
Da werden Tränen abgewischt sein.
Der Mund, der klagte, wird jubeln.
Das Geschrei über Ungerechtigkeit wird verstummen.

Diese Bilder machen mir Mut. Ich habe keine Ahnung, wann und wie das einmal geschehen soll. Aber es gehört ja zum Glauben auch dazu, dass man mit dem rechnet, womit keiner gerechnet hat – sonst wäre Gott ja auch überflüssig.

Ich bin jedenfalls froh, diese Hoffnung auf Gerechtigkeit zu haben.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Freitag: Abfraßtag

Guten Morgen,
heute ist der Abfraßtag! Klingt lecker – gell?
Ja, es geht um das Gedenken an den Heiligen Magnus, den Nothelfer gegen Mäuse, Ratten, Würmer, und gegen sonstige Schädlinge, die uns das Essen wegfressen.
Vielleicht lehnen Sie sich jetzt wieder entspannt zurück, weil Ihnen daheim eher selten eine Maus ihren Käse stibitzt. Aber das Problem mit den Schädlingen ist ja wirklich ein ernstes! Über 40 Millionen Liter Insektizite werden in Deutschland jährlich auf unseren Äckern versprüht, um schädliche Insekten zu bekämpfen. Und durch hochmoderne Insekten-Meldesysteme kann man heutzutage sehr frühzeitig und zielgerichtet Schädlinge loswerden

In Entwicklungsländern sieht das viel dramatischer aus.: In manchen Regionen kann man sich die Mittel nicht leisten und muss miterleben, wie irgendwelche Käfer die Hälfte der Ernte abfressen. In anderen Gegenden wird das Insektengift massiv eingesetzt und dabei die Gesundheit der Menschen in Gefahr gebracht. Es ist ein Elend.

Der Abfraßtag des Heiligen Magnus mit Kerzen anzünden und einer Prozession da auch kein Allheilmittel. Schließlich ist dieser Tag weitestgehend in Vergessenheit geraten. – Und genau deshalb habe ich  heute mal daran erinnert:
Dass wir nicht vergessen, wie dankbar wir sein können, dass uns keine Schädlingsinvasionen heimsuchen. Und dass wir die Menschen nicht vergessen, deren Überleben genau durch solche Probleme auf dem Spiel steht.
Alles Gute wünsche ich Ihnen.

Samstag: Kerwa oder Kirchweih

Guten Morgen,
im Herbst beginnt in Franken wieder die Kirchweih-Saison. Wir Franken, vor allem draußen auf dem Land, lieben das Wort „Kerwa”. – Von „Kirchweih” spricht eher selten jemand. Mit diesem Wörtchen Kerwa machen wir die Kirche, um die es eigentlich geht, nahezu unsichtbar.
Welcher Fremde käme schon auf die Idee, dass Kerwa etwas mit der Weihe der Kirche zu tun haben könnte? Im Wort Kerwa haben wir Franken die Kirche elegant versteckt, so dass sogar solche Dörfer Kerwa feiern können, die gar keine eigene Kirche haben.
Wer weiß, vielleicht fällt es uns mit dem kirchenfreien Begriff auch leichter, etwas über die Stränge zu schlagen? Kaum jemand wird sagen: „Anlässlich der Weihe unserer Kirche werde ich mich ordentlich betrinken” – da geht es schon flüssiger über die Lippen „zur Kerwa sauf́mer uns zamm!”

Ich bin der Meinung: Wir sollten unsere Kirche nicht verstecken! Weder im Begriff Kerwa, noch sonst in unserem Leben. Das heißt: Beim Kerwa feiern gehört der Festgottesdienst in der Kirche und danach der Frühschoppen im Festzelt einfach zusammen.
Man muss sich seines Christseins nicht schämen, sondern darf es offen zeigen: Kirche und Glaube gehören zu meinem Leben dazu.

Einen guten Tag wünsche ich ihnen

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