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Radioandachten auf Charivari 98,6 im Oktober 2013

Die Themen:
Montag: Gegenwart als Geschenk
Dienstag: Die Spinne
Mittwoch: CSI-Syndrom
Donnerstag: Tag der deutschen Einheit
Freitag: Erntedank
Samstag: Die Zehn Gebote mit Charlton  Heston

Die Gegenwart als Geschenk

Meine Tochter kommt gut gelaut aus der Schule heim: Papa, hast du gewusst, dass im Englischen manchmal für total total unterschiedliche Dinge das gleiche Wort gibt? Sie schaut mich an, ich weiß noch nicht genau, worauf sie hinauswill. „Present” zu Beispiel – platzt es aus ihr heraus – das bedeutet Gegenwart und Geschenk. Also zwei ganz unterschiedliche Sachen.
Moment sage ich: So unterschiedlich ist das gar nicht. Ich finde, das ist sogar ziemlich ähnlich! Denn eigentlich ist unsere Gegenwart auch ein Geschenk.
Jeder Moment, den man erlebt,
jedes gute Gespräch, das man führt
jeder Sonnenstrahl ist ein Geschenk.
Unsere Gegenwart, dass es gerade ist, wie es ist, ist irgendwie wie in Geschenk.

Meine Tochter runzelt de Stirn: Aber ein Geschenk, ist ja eingepackt, da ist man gespannt, was drin versteckt ist, und  schließlich muss man es auspacken.
Und mit der Gegenwart ist es nicht anders, antworte ich. Auch die musst du auspacken! Die Augen öffnen, für alles, was um dich herum passiert; wahrnehmen, was es alles zu erleben und zu entdecken gibt.  – Sonst hast du nichts davon.
Papa, heute ist das Wetter warm und windig, da müsstest du doch die geschenkte Gegenwart nutzen, und mit uns Drachen steigen lassen.
Ja, da hatte sie recht – aber mein Terminplan hat mich gezwungen, diesen geschenkten Moment unausgepackt verstreichen zu lassen. Schade drum. Vielleicht passen beim nächsten mal Theorie und Praxis besser zusammen.

Spinne im Urlaub

Guten Morgen,
eigentlich kann ich Spinnen überhaupt nicht leiden. Schon als Kind hat mir davor gegraut. Und wenn ich irgendwo im Haus eine Spinne entdecke, wird sie rücksichtslos entsorgt.
Aber dann war da dieser Abend im Urlaub. Ich war entspannt auf der Veranda der Ferienwohnung gesessen, da fiel mein Blick auf ein riesiges Spinnennetz direkt neben der Türe. Locker einen halben Qudratmeter groß. Silbern hat es im Schein einer Laterne geglänzt. Und eine dicke fette Spinne war fleißig dabei das Netz fertigzuweben. Aber ich war einfach zu faul, aufzustehn und das Vieh mitsamt Netz abzuservieren.
Und so schaute ich ihr beim Weben zu, zunächst mit Interesse, aber immer mehr wuchs in mir der Respekt vor der Leistung dieser Spinne, die da in stundenlanger Arbeit mit viel Präzision und Sorgfalt ihr Netz baute, und jetzt fast fertig war.
Da hab ich es nicht mehr übers Herz gebracht, das alles zu zerstören, zu sehr habe ich mich in dieses Krabeltier verguckt. So konnte sie über Nacht in ihrem Netz auf der Lauer liegen. Am nächstsen Morgen war sie dann verschwunden.

Ich bin noch immer kein Freund von Spinnen – aber seit diesem Abend habe ich etwas mehr Respekt gegeüber diesen kleinen 8-beinigen Mit-Geschöpfen.
Einen guten Tag wünsche ich ihnen.

Das CSI-Syndrom

Guten Morgen,
leiden Sie auch am CSI-Syndrom? Ich habe auch erst kürzlich davon gehört:
Das CSI-Syndrom hat man, wenn man durch häufigen Genuss diverser Krimi-Serien – wie zum Beispiel CSI… – zur Überzeugung kommt, dass letztlich jedes Verbrechen allein durch die passende kriminaltechnische Methode gelöst werden kann.
Oft genug macht mir das Fernsehen ja weiß, dass durch DNA-Analyse, Funkzellenortung und geniale Computerprogramme jeder Täter irgendwann gefunden wird und die Wahrheit an Licht kommt.

Aber das echte Leben ist anders, als der Film am Abend.
Da ist nicht alles so einfach, und schon gar nicht innerhalb von 90 Minuten geklärt. Oft genug gibt es da Unfälle oder Verbrechen, bei denen Fragen offen bleiben. Wo die Frage nach dem „wer”, „wie” und „warum” letztlich nicht beantwortet werden kann.
Und das tut gerade den Angehörigen weh,  wenn man gerne mehr über den Tod dieses Menschen wüsste, den man lieb gehabt hat.

Eine Hoffnung bleibt mir: In der Bibel wird davon erzählt, dass einmal, am Ende unserer Welt – am Ende unseres Lebens-  alle ungelösten Rätsel aufgedeckt sein werden. Jesus hat seinen Jüngern gesagt „An jenem Tag werdet ihr keine Fragen mehr haben”.

Auch wenn ich dadurch jetzt noch nicht schlauer bin: Es macht mich froh, zu wissen, dass die Wahrheit doch irgendwann ans Licht kommt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen,
Ihr Alexander Seidel
Tag der deutschen Einheit

Guten Morgen, heute am Tag der deutschen Einheit.
Das Wichtigste am heutigen Feiertag ist, dass wir frei haben!
So sehen das zumindest unsere Kinder. Und wenn ich ihnen erkläre, was wir da eigentlich feiern, dann kommt es mir vor, als würde ich eine uralte Geschichte aus dem Mittelalter erzählen. Wenn du 14 Jahre alt bist, ist der Mauerfall irgendwie unendlich weit her. Die können sich nicht vorstellen, dass es da einen Zaun gab, an dem es nicht mehr weiterging. Dass man über Jahrzehnte die Menschen voneinander getrennt hat.
Als ich 14 Jahre alt war, habe ich jeden Tag diesen Zaun gesehen. Die Wachtürme, die Hunde, die Seile der Selbstschussanlagen. Und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn einen nachts die Explosion einer Mine im Todesstreifen aus dem Schlaf reißt – und du überlegst, ob da jetzt ein Reh oder ein Mensch zerrissen worden ist … mitten in Deutschland.

Ich bin froh, dass das für meine Kinder Vergangenheit ist.
Froh und dankbar – weil es Geschenk ist, dass dieser Abschnitt der deutschen Geschichte vor 24 Jahren ein Ende gefunden hat.
Und da denke ich an Helmut Kohl zurück, der damals über die Wiedervereinigung gesagt hat: „Ohne die Hilfe Gottes hätten wir es nicht geschafft”

Einen guten Tag der deutschen Einheit wünsche ich Ihnen

Erntedank

Am Wochenende feiern wir Erntedankfest. In unseren Kirchen werden dann von den Gemeindemitgliederen verschiedene Erntedankgaben gebracht und am Altar aufgebaut. Kartoffeln, Zucchini, Tomaten, und Zuckerrüben … das volle Programm:
Gerade die Zuckerrüben habens mir angetan:
Die essen wir ja eigentlich nicht. Ich denke die Zuckerrübe kommt von einem Bauerssohn, dessen Vater hauptsächlich mit dem Anbau von Zuckerrüben sein Geld verdient.

Ja, der eigene Job, oder der Beruf der Eltern und die Zeugnisnote vom Juli haben auch was mit Erntedank zu tun:
Sich zu erinnern, was wir alles geschenkt bekommen.
Natürlich säen und ernten wir nach wie vor auf Äckern und in Gärten.
Aber wir säen auch ganz andere Dinge:
Wir investieren Liebe und Zeit in unsere Familien.
Wenden Energie für unseren Beruf auf.
Engagieren uns in Vereinen und Gemeinden.
Nehmen Umstände in Kauf, um Freundschaften zu pflegen.
Und wenn dabei etwas ordentliches rauskommt, ist das für mich ein Thema für Erntedank
Ich wünsche ihnen ein schönes Erntedankwochenende.

 

Die 10 Gebote

Guten Morgen,
heute vor 57 Jahren wurde in Amerika der Kinofilm „Die Zehn Gebote” zum ersten Mal aufgeführt. Mit Charlton Heston und Yul Brynner. Er gehört wie Ben Hur oder Quo Vadis zu den großen Monumental-Filmen Hollywoods, die für damalige Verhältnisse astronomische Summen kosteten.
Der Film erzählt die Geschichte von Mose und dem Auszug der Israeliten aus Ägypten. Aufwändig inszeniert ist der Streifen, mit Tausenden von Statisten, üppigen Kostümen und Kulissen, dramatische Musik – dazu eine  Liebesgeschichte – Hollywood eben.

Und doch kann man dahinter deutlich die alte Erzählung aus der Bibel entdecken: Wie Gott sich einen Menschen, eben Mose, aussucht, um etwas in der Welt zu verändern. Mose, der zuvor keine besonderen Fähigkeiten hatte, macht sich auf den Weg. Er vertraut darauf, dass Gott ihm hilft. Er wächst mit seinen  Aufgaben, macht Fehler, übersteht Krisen und kommt schließlich an das sein Ziel. Ob der Erfolg Moses Leistung war, oder letztlich Gott alles so eingefädelt hat? Der Film ist da ganz fromm und sieht alles als Gottes Wunder – und doch: Er hat Mose gebraucht, um das alles zustande zu bringen.

Naja, das hat sich bis heute nicht geändert: Auch wenn wir wie Mose auf Gottes Hilfe im Leben hoffen: Auf den Weg müssen wir uns immer noch  selber machen.

Einen guten Tag wünsche ich ihnen.

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