Radioandachten auf Charivari 98,6 im Dezember 2013

Themen im Advent
Montag: Noch alle Tassen im Schrank?
Dienstag: Der Bratwurststand am Christkindlesmarkt
Mittwoch: Barbaratag
Donnerstag: Alles bestellen?
Freitag: Holländischer Nikolaus
Samstag: Wenn der Prädikant predigt

Montag: Noch alle Tassen im Schrank?

Guten Morgen!
Haben sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank?
Keine Sorge, ich wollte nur mal fragen. Denn es ist ja nie ein Fehler da einmal nachzuschauen, ob noch alles da ist, in ihrer Einbauküche – im Schrank, bei den Tassen. Da geht ja mal was kaputt, man verleiht etwas und kriegts nicht zurück, oder der Opa hat sie Tasse halbvoll im Bastelkeller stehen lassen, und da schimmelt sie nun vergessen vor sich hin.
Da ist es schon gut, wenn man hie und da mal nachschaut, ob noch alle Tassen im Schrank sind – ob́s noch alles passt.
Wenn sie schon am nachsehen sind: Dann könnte man ja auch nachschauen, ob noch alles richtig sortiert ist in Schrank, in der Küche… und im Leben.

Da wird im eigenen Leben ja auch so oft was verändert, Ziele kommen einem abhanden, Hoffnungen zerbrechen, Beziehungen kriegen einen Knacks. Dann muss man plötzlich umdisponieren, weil alles ganz anders kommt, als gedacht.
Und dann sieht nach einiger Zeit der Tassenschrank meines Lebens ganz anders aus – ich weiß gar nicht, ob das noch meiner ist.
Advent soll ja so eine Zeit der Ruhe und Nachdenklichkeit sein.
Vielleicht auch eine Zeit, in der sie mal nachsehen, ob sie noch alle Tassen im Schrank – und an der richtigen Stelle haben. Oder ob sie vielleicht endlich mal etwas ändern wollen.
Eine guten Tag wünsche ich Ihnen.

Dienstag: Der Christkindlesmarkt am Bratwurststand

Guten Morgen,
wenns klappt geh ich am Wochenende endlich mal wieder auf den Christkindlesmarkt.  Am meisten freue ich mich auf die Bratwurststemmel. Fei echt! Das ist kein Quatsch.
Die gehört für mich dazu. Und da hab0 ich auch was handfestes – um wahrsten Sinn des Wortes.
Die Stimmung, die Buden, die Musik, die ist schon wichtig, aber das hängt ja auch von den Leuten ab, die grade dort sind. Und das Wetter spielt auch eine Rolle. Und die große Krippe mit den Kindern anschauen – klar, aber es kann ja sein dass alles gerammelt voll ist, und wir kommen nicht hin!
Bratwürste, die gehen immer!

Vielleicht finden sie das jetzt ein bisschen komisch: Dass ich das Eigentliche am Christkindlesmarkt mit dem Nebensächlichen verwechsle. Denn die Buden gibts nur dort, Bratwürste gibts überall.
Ja, es stimmt: Ich bringe da etwas durcheinander. Ich vergesse das Eigentliche, und rücke das drumherum in den Mittelpunkt. So, wie wir es auch gerne mit Weihnachten machen: Geschenke, Plätzchen, Kerzen, Baum, schöne Musik …. das ist ja eigentlich auch nur Nebensache – es geht um dieses Jesuskind – das ist das eigentliche.
Ich saǵs ihnen: So lange ich den Eindruck habe, dass der Jesus bei uns zu Weihnachten nicht die Hauptrolle spielt – so lange es ich auf dem Christkindlesmarkt meine Bratwürste!

Mittwoch: Barbaratag

Guten Morgen,
heute ist der Barbaratag. Traditionell schneidet man heute einige Äste von den Apfel- oder Kirschbäumen ab, und stellt sie in eine Vase in die Wohnung.
Wenn alles klappt, dann haben sie an Weihnachten einen wunderbar weißblühenden Ast da stehen.
Es wird erzählt, dass Barbara eine junge Frau war, die entschieden hatte, Christ zu werden und sich taufen zu lassen. Ihre einflussreiche Familie kämpfte gegen diese Entscheidung Barbaras, schließlich wurde sie sogar ins Gefängnis gesteckt zum Tod verurteilt.  Die Legende berichtet davon, dass bei ihrer Verhaftung der tote Ast eines Baums an ihrem Gewand hängen geblieben war, den hat Barbara dann in ihrer Zelle in eine Vase gestellt – und genau am Tag ihrer Verurteilung hat dieser Ast begonnen zu blühen. Ein schönes Symbol. Der tote Zweig, der wieder erblüht.
Die junge Frau, die keine Angst vor dem Tod hat, weil sie sich sicher ist: Da kommt noch etwas nach, da wird mein Leben neu erblühen. Ich finde es schön, wenn Leute, die um einen lieben Menschen trauern, am Barbaratag sich so einen Zweig ins Wohnzimmer holen. Die Trauer ist da, gerade, wenn es ohne einen engen Verwandten auf Weihnachten zu geht, und er fehlt. Aber dann kommen irgendwann die weißen Blüten – und sie sagen dir, hab keine Angst, unsere Toten sind bei Gott gut aufgehoben.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Donnerstag: Alles bestellen?

Guten Morgen,
noch 3 Wochen bis Weihnachten – so langsam wirds Zeit, dass ich mir mal die geplanten Geschenke besorge. Geht ja heutzutage alles schön schnell übers Internet. Preise vergleichen, nicht vergessen, wie teuer bei wem der Versand ist, Geschenk anklicken, rein in den Warenkorb, Kreditkartendaten eintippen – alles erledigt, und der Postbote bringt́s vielleicht schon am Samstag.
Ich mach das schon gerne online – weils halt so einfach ist, und güsnstig.
Aber dann überlege ich:
Wer kümmert sich in der Stadt um ein bisschen adventliches Flair in den Straßen und Schaufenstern?
Wer sponsert für unseren Kindergarten tolle Preise für die Tombola?
Wer lädt am Nikolaustag abends in seinen Laden ein, verteilt Mandarinen und hat jemanden organisiert, der Weihnachts-Erzählungen vorliest.
Unsere kleinen Läden vor Ort – die lassen es bei uns in der Stadt und auf den Dörfern Advent werden.  Die klemmen sich dahinter, investieren Zeit und Geld dafür.
Der Onlineshop – dem ist das egal.
Und genau darum habe ich am Wochenende in Erlangen für die Geschenke unserer Kinder ganz gerne ein paar Euro mehr bezahlt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Freitag: Holländischer Nikolaus

Guten Morgen,
sie haben es vielleicht auch gelesen oder gehört: Da hat ein Holländer über 2 Millionen Euro im Lotto gewinnen, und spielt jetzt Nikolaus. Er beschenkt die Kinder von fast 500 bedürftigen Familien mit richtig wertvollen Geschenken: Laptops für die Großen, die Kleinen bekommen auch wertvolle Gaben in ihr Nikolaus-Säckchen.
Das finde ich stark. Nicht die elfte Schokoladentafel für die, die sowieso schon mehr als genug haben. Die bekommen etwas, die es wirklich nötig haben. Vielleicht ist so ein Laptop für sie endlich die Möglichkeit, in der Schule genauso gut Referate vorzubereiten, wie die Kinder aus den anderen Familien. Genauso hat es einst St. Nikolaus gemacht: Denen geben, die es brauchen, und dabei auch nicht geizig zu sein.
Dieser Holländer, gehörte früher zu einer Bande, mit Drogen gehandelt und Banken überfallen hat. – Naja, vielleicht weiß er deshalb so genau, wie wichtig Hilfe ist, wenn man ganz unten ist.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen
Samstag: Wenn der Prädikant predigt

Guten Morgen,
na, wer hält bei Ihnen am Sonntag den Gottesdienst? Der Pfarrer oder ein Prädikant? Bei uns in der evangelischen Kirche haben wir ja auch Männer und Freuan, die keine Pfarrer sind, und dennoch Gottesdienste gestalten und predigen: Lektoren und Prädikanten.
Die haben ganz normale Berufe und haben sich in speziellen Kursen weitergebildet, so dass sie in der Lage sind, einen Gottesdienst zu halten.
Ich kenne einen predigenden Bürgermeister und einen predigenden Maurer. Beide haben den Vornamen Werner, aber sonst sind die total unterschiedlich. Jeder hat seine Stärken, seine spezielle Ausdrucksweise, seine eigene Sprache, und damit auch seine Fans.
Der 30 jährige Schreiner predigt nun mal ganz anders, als der 60-jährige Studienrat. So vielfältig unsere Lektoren und Präikanten sind, ich glaube, so vielfältig können wir Pfarrerinnen und Pfarrer gar nicht sein.
Also: Wenn morgen am Sonntag bei Ihnen Prädikant XY predigt, dann sagen sie nicht „ist ja bloß ein Hilfspfarrer”, sondern gehen sie mal hin, und schauen sie mal, ob der vielleicht genau ihre Sprache spricht

Einen schönen Tag wünsche ich Ihnen.

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