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Predigt: Wer führt mich in Versuchung? (Jakobus 1,12-18) 9. März 2014, Invokavit

versuchungIm Jakobusbrief (Jak 1,12-18) geht es um die Frage, wie wir Menschen mit Versuchungen umgehen, und inwieweit Gott derjenige ist, der uns da in Schwierigkeiten bringt.

 

Predigttext Jakobus 1, 12-18 :
12 Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.
13 Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand.
14 Sondern ein jeder, der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden gereizt und gelockt.


15 Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.
16 Irrt euch nicht, meine lieben Brüder.
17 Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis.
18 Er hat uns geboren nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, damit wir Erstlinge seiner Geschöpfe seien.

Liebe Gemeinde,

Versuchungen – sie gehören wohl zur Grundausstattung des Lebens. Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen, ob wir bestimmte Dinge tun oder lassen.

Die Attraktivität der Versuchung

Versuchung kann ja so ziemlich alles sein:
Ganz klischeehaft denken manche an die attraktive Bekanntschaft auf der Kur, die etwas mehr will, als nur gemeinsam Heilwasser schlürfen.
Manchen ist das Angebot, bestimmte Gelder an der Steuer vorbei auf irgendein Konto in einem Steuerparadies zu schleusen, eine Versuchung.
Da gibt es wie durch ein Wunder die Gelegenheit, einem Menschen, den ich gar nicht leiden kann, so richtig eins auszuwischen, ohne dass man nachvollziehen kann, dass ich dahinterstecke.
Oder man bietet mir einen ziemlich attraktiven Job an, traumhaft bezahlt … naja, ein paar Dinge gibts da schon, die nicht zu dem passen, was mir und meiner Familie wichtig sind. – Aber in drei Jahren wäre das Haus dann abbezahlt.

Versuchung ist schön und schlimm zugleich:
Ich sehe, was so alles an Attraktivem möglich wäre … aber zugleich merke ich, wie sich da eben auch Abgründe auftun, von denen ich oft nicht überblicken kann, wie tief sie sind. Ich bin zerrissen zwischen der Attraktivität dieses Wegs, und weiß ja oft mit erstaunlicher Sicherheit, dass das eigentlich keine gute Idee ist.

Oscar Wilde hat einmal geschrieben: „Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiß, ob sie wiederkommen.”

Jakobus, der Verfasser unseres Predigtextes ist da ganz anderer Auffassung:
Er warnt: Wenn du der Versuchung erliegst, bugsierst du dich geradewegs in die Katastrophe. Mit seinen Worten: Die Begierde führt zur Sünde, und die bringt den Tod.
Wer meint: Versuchungen sind der Zuckerguss auf dem Kuchen des Lebens, der vergisst, dass wir in dieser Hinsicht Diabetiker sind. Und dann muss man halt die Finger davon lassen.

Wer ist dran Schuld?

Jakobus versucht, das Phänomen der Versuchung zu erklären. Woher kommt das eigentlich? Hat Gott das erfunden, um uns ins Schleudern zu bringen, um uns zu testen, ob wir denn gut genug sind?

Seine Antwort ist: Nein. Weshalb soll Gott, der eigentlich das Gute für uns will, uns eine Falle stellen? Dann wäre Gott ganz schön hinterlistig . Wie soll ich einem Gott vertrauen, der mir sozusagen eine leckere, aber eben vergiftete Wurst vor die Nase hält, um meine Standhaftigkeit zu testen?

Jakobus sagt: Nicht Gott führt dich in solche Situationen. Die sind einfach so da. Es gibt eben anlehnungsbedürftige Menschen in Kurorten, Steuerparadiese, Gelegenheiten zur Niedertracht und halbseidene Jobangebote. Die sind auf unserer Welt genauso vorhanden, wie der Hundehaufen am Wegesrand. Alles ist nichts Gescheites.
Das Problem macht nicht Gott, sondern du: Es sind deine inneren Sehnsüchte, Wünsche und Begierden, die in dir den Konflikt erzeugen.
Du würdest nie auf die Idee kommen mitten in den Hundehaufen zu springen, denn du weißt, was für unangenehme Folgen das hat.
Du würdest nie auf die Idee kommen, etwas mit der Kurbekanntschaft anzufangen, denn du weißt, was für Folgen das für deine Partnerschaft und Familie haben kann … außer: Das, was du an inneren Bedürfnissen hast, hat dich am Wickel.

Natürlich kann ich mich auch darüber beklagen, dass Gott mich so gemacht hat, dass ich mich von allerlei Bedürfnissen und Begierden so in Schwierigkeiten bringen lasse. – Aber was soll die Alternative sein? Von Gott präzise vorprogrammierte Roboter, die immer auf dem rechten Weg gehen und genau das tun, was Gott sagt? Dann wären wir aber nicht die, die wir sind. Wir sind geschaffen als Ebenbilder Gottes, mit Freiheit des Willens, dazu gerufen, als Kinder Gottes zu leben.
Kinder Gottes, die in ein selbstständiges Leben hineinwachsen, die Verantwortung erlernen und übernehmen. Kinder Gottes, nicht einheitlich -uniform, sondern jeder ganz individuell. Kinder, die Fehler machen, die auf ihre Nase fallen und wieder aufstehen. Kinder, die ihren Eltern davonlaufen, und dann doch wieder zurückkehren.  – Er hat uns geboren nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, damit wir Erstlinge seiner Geschöpfe seien.

Leben mit der Versuchung

Liebe Gemeinde, Gott hat uns geschaffen, als Menschen, die gegen Versuchung nicht immun sind. Und er hat uns in eine Welt gestellt, die auch vieles beinhaltet, was nicht seinen Wünschen entspricht, auch mit dem Nebeneffekt, dass wir in Versuchung geraten, das zu tun, von dem wir eigentlich wissen, dass es nicht gut ist.
Und doch sträubt sich Jakobus in unserem Predigttext gegen die Vorstellung, dass Gott etwas damit zu tun hat. Auch um den Preis, dass ich dann biblische Texte ausblenden müsste, in denen durchaus davon die Rede ist, dass Gott Menschen in Gewissensnöte gebracht hat; ich denke an Abraham, als er seinen  Sohn Isaak opfern sollte, oder an Hiob.

Jakobus, der Verfasser unseres Predigttextes, will vor allem eines geklärt sehen: Dass Versuchung keine Inszenierung Gottes ist, bei der ich sagen könnte: Wenn Gott mich schon vor de Wahl stellt, kann ich doch auch mal den anderen Weg probieren. Für Jakobus gibt es nur schwarz und weiß. Nur den richtigen und den falschen Weg. Keine Grautöne!

Natürlich: Oft genug im Leben müssen wir zwischen verschiedenen Wegen oder Wahlmöglichkeiten entscheiden. Und man kann nicht wissen, welcher Weg der bessere ist, selbst wenn man lange drüber nachdenkt. Da muss ich dann eben eine Entscheidung treffen, und vertrauen, dass sie gut war, und Gott mir auf dem Weg hilft. Das ist Alltag. Manchmal schwieriger, manchmal einfacher zu bewältigen. Das kostet oft Kraft und Nerven – aber da droht nicht gleich der Untergang.

Worum es bei Jakobus geht, das sind die Grundsatzentscheidungen, bei denen eigentlich klar ist, was schwarz und weiß ist. Wo mir allerlei Bedürfnisse versuchen den klaren Blick zu vernebeln und eine eigentlich klare und eindeutige Entscheidung fraglich erscheinen zu lassen.
Hier – sagt Jakobus – hast du die Aufgabe, zu zeigen, wer und was du bist! Hier kannst du erweisen, dass du als Christ bestimmte Grundsätze und Überzeugungen hast. Dass du da, wo andere sagen „das macht doch jeder”, eben nicht mitspielst. Dass du am Abend in den Spiegel blicken kannst, und dir sagen kannst „Ja, ich bin nicht perfekt, ich mache immer wieder Fehler und treffe falsche Entscheidungen. Aber ich gebe mich nicht so einfach geschlagen.”
Jakobus schreibt: Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.

Amen

Bildhinweis: Das Bild zeigt die Geocoin “Lord´s Prayer Geocoin” (Edition Magdalene´s Dream) des amerikanischen Designers Gregson Vaux.

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