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Der fränkische Erntedank-Krieg

Die Pfarrer der Dekanats Neustadt-Aisch haben sich entschieden, Erntedank 2012 am 30. September zu feiern;  nach traditioneller Berechnung am  ersten Sonntag nach dem Michaelistag (29. September). Aber da hatten sie die Rechnung ohne die kirchlichen Paragrafenfuchser gemacht …

Hier die Chronik der Ereignisse….(wie sie hoffentlich niemals kommen werden)

Tag 1: Pfarrer Dr. N., der Verfasser des bayerischen Pfarrerklenders, nimmt offiziell Stellung: „Im Perikopenbuch, 6. Auflage 2001, S. 545 ist die Regel für das Erntedankfest angegeben: „Wenn der Michaelistag nicht am 29. September begangen werden kann, wird er am vorausgehenden Sonntag gefeiert oder am 30. September, sofern dies ein Sonntag ist.“ – Erntedank ist demnach eine Woche später, nämlich am 7. Oktober. Punkt. Ihr in Neustadt liegt schlichtweg falsch!

Tag 2: Das Dekanat Neustadt lässt sich davon nicht beeindrucken: In einem Rundbrief werden die Kommunen und Vereine informiert: Im nächsten Jahre feiern wir Erntedank am 30. September.  Ausrufezeichen.

Tag 3: Der Dekan wird beim  Regionalbischof vorgeladen: Ihm wird seine Ordinationsorukunde und seine einst unterzeichnete Erklärung zu Schrift und Bekenntnis vorgelegt, ebenso der von ihm verfasste Brief an die Vereine. Man fragt ihn, ob er denn diesen Brief angesichts der erdrückenden liturgischen Beweise des Perikopenbuchs widerrufen wolle. Er erbittet drei Tage  Bedenkzeit.

Tag 4: Die unbeugsamen Pfarrer des Dekanats erhalten je ein Exemplar des aktuellen Perikopenbuchs per Einschreiben mit Rückschein. Dazu der Auftrag des Landeskirchenamts, die Seite 545 auswenig zu lernen. Auf Dienstpflicht, versteht sich.  Kostenpunkt der Aktion: 789 Euro.

Tag 5: Ein Pfarrer des Dekanats hat Kontakt mit der Internet-Organisation der „Anonymous“ aufgenommen: In einer konzertierten Aktion werden über Nacht alle Online-Kalender der Evangelischen Kirchen Deutschlands gehackt. Nun steht der 30. September als Erntedanktermin auf allen kirchlichen Homepages.

Tag 6: Der bayerische Landesbischof landet mit einem Hubschrauber im Garten des Neustädter Dekans. Das geplante Krisengespräch hinter verschlossenen Türen eskaliert. Draußen stürmen die Schüler des angrenzenden Schulzentrums den Garten und den Hubschrauber. Die herbeigerufene Polizei kann die schaulustigen Menschenmassen nur noch mit Tränengas auseinendertreiben.

Tag 7: Die Evangelische Fakultäten von Erlangen und die Augustana-Hochschule Neuendettetelsau verfassen eine öffentliche Stellungnahme, in der sie sich auf die Seite der Neustädter stellen. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht ein Interview mit einem Münchener Theologieprofessor, der mit scharfen Worten das mangelnde intellekte Niveau der fränkischen Pfarrer und ihrer Ausbildungsstätten geißelt. Das Beharren auf dem 30. September sei Ausdruck eines kirchlichen Wohlfühlmilieus, das vergesse, worum es in der Theologie überhaupt gehe: Präzision und intellektuelle Redlichkeit.

Tag 8: In einer aktuellen Stunde des bayerischen Landtags stellt die Fraktion der Grünen eine Anfrage:  Mit der grundsätzlichen Festlegung des Erntedankfestes auf den ersten Sonntag im Oktober greife die Evangelische Kirche eine Praxis auf, die Adolf Hiltler 1933 deutschlandweit verfügt hatte. Die Grünen empfehlen darum, die Evangelische Kirche in Bayern vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen.

Tag 9: Angesichts der angekündigten Absetzung des Neudtädter Dekans aufgrund der Weigerung, den Termin zu ändern, bilden Mitglieder des Forums „Aufbruch Gemeinde“ vor dem Dekanatsgebäude menschliche Schutzschilde. Sie fordern den kollektiven Austritt der fränkischen Gemeinden aus der bayerischen Kirche und die Neubildung einer basisdemokratisch legitimierten Fränkischen Kirche.

Tag 10: Der Dalai Lama besucht den unter Hausarrest stehenden Dekan. Er ruft zu Liebe, Frieden und Versöhnung auf, bietet an, zu vermitteln. Als er das Haus verlässt wird er vom Blitzlichtgewitter der 270 anwesenden Journalisten geblendet, stolpert, stürzt, und bricht sich beide Arme. Lächeln winkt er mit den Füßen den Demonstranten zu, als man ihn in den Krankenwagen befördert.

Tag 11: Karl Theodor von und zu Guttenberg erzählt davon, dass ihm der Erzengel Michael erschienen sei. Der hätte ihm ein Papier mit den himmlischen Anweisungen zur Feier des Miachelistages und des Erntedanktages vorgelegt. Er, Guttenberg, hätte es zwar gelesen, aber habe sich nicht getraut es abzuschreiben, weil er mit der Abschreiberei in letzter Zeit soviel Ärger bekommen habe. Ja, und jetzt könnte er sich nicht mehr genau erinnern. Aber auf jeden Fall sei dort der 30. September genannt worden.

Tag 12: Der Landeskirchenrat hat nach sorgfältiger Beratung in seiner Vollsitzung Folgendes beschlossen: Der Termin bleibt auf dem 7. Oktober. Schon allein die versuchte Einflussnahme durch himmlische Instanzen verbiete es, diesen Bestrebungen nachzugeben. Als kirchenleitendes Gremium verbitte man sich Einmischungen von unten – und von oben sowieso.

Darum: Gesamtbayerisch wird man den 7. Oktober feiern 2012 …. nur nicht bei uns!

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