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Radioandachten im Oktober 2017 auf Charivari 98,6

Montag: Was ist der Mensch wert?
Guten Morgen,
bei dem Champions-League-Spiel vergangene Woche war mal wieder die Rede von der irrsinnigen Summe von 222 Millionen Euro, die dafür gezahlt wurde, dass der Fußballer Neymar in Zukunft für den Verein Paris St. Germain die Tore schießt.
Mir hat da jemand gesagt: Ein Mensch ist niemals 220 Millionen Euro wert, eigentlich nicht mal 10 Millionen. Und in seiner Stimme könnte ich hören, wie ihn diese Form von Menschen-Handel anwiderte.
Aber wie viel ist denn ein Mensch wert? Wo sollen wir da anfangen zu rechnen?
Wieviel bringt seine Arbeitskraft ein?
Wie groß ist sein Wert als Werbeikone?
Wieviel Euro wären wir bereit als Lösegeld zu zahlen?
Was dürfte ein lebensrettendes Medikament kosten, damit es sich rentiert?
Und was zahlt die Versicherung den Angehörigen, wenn der Mensch bei einem Unfall ums Leben kommt?
Da merke ich, wie unsinnig und auch unwürdig es ist, ein Menschenleben in Euro bewerten zu wollen. Jeder Mensch – jedes Leben –ist ein Geschenk Gottes. Etwas, bei dem es wunderbar ist, wenn es da ist – und bei dem kein Geld der Welt über den Verlust hinwegtrösten kann.
Ja, jedes Leben ist ein unbezahlbarer Schatz – also passen sie auch gut darauf auf. Auch wenn sie kein Fußballstar sind.

Dienstag: Tag der deutschen Einheit

Guten Morgen, heute am Tag der deutschen Einheit.
Ich hatte zum Thema Ost-West noch nie derart gemischte Gefühle wie jetzt. Ist Sachsen mir jetzt fremder als vor dem Mauerfall?
Aber dann denke ich an meine Kindheit und Jugend. Ich bin buchstäblich am Grenzzaun großgeworden. Jeden Tag habe ich sie gesehen: Die Mauern, die Wachtürme, die Seile der Selbstschussanlagen. Und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn einen nachts die Explosion einer Mine im Todesstreifen aus dem Schlaf reißt – und du überlegst, ob da jetzt ein Reh oder ein Mensch zerrissen worden ist … mitten in Deutschland.
Nun gibt es – Gott sei Dank – kein Regime mehr, dass uns mit Gewalt auseinander hält. Jetzt sind es wir selber, die wieder unsichtbare Grenzen aufbauen – oder auch versuchen zu überwinden.
Helmut Kohl hat 1989 gesagt: „Ohne die Hilfe Gottes hätten wir es nicht geschafft”.
Und ich glaube, heute brauchen wir auch Gottes Hilfe, damit wir nicht wieder ein geteiltes Deutschland bekommen. Die Hilfe eines Gottes, der von Liebe, Barmherzigkeit und der Bereitschaft zu vergeben spricht.
Einen guten Tag der deutschen Einheit wünsche ich Ihnen

Mittwoch. Nimm mich in den Arm

Guten Morgen,
da sitze als Pfarrer mit einer Familie am Küchentisch. Der Vater ist gestorben, hoch in die Achzig. Zusammen schauen wir auf das Leben des Verstorbenen zurück. Ich höre von fröhlichen Urlaubsreisen, von mancher überstandenden Krise, von der großen Dankbarkeit, dass man so lange mit ihm zusammensein konnte – denn er war einer, der für seine Familie alles gemacht hat.
Aber eines, ja eines war schade, … da schauen mich Töchter und Söhne gleichermaßen an, er hat uns halt eigentlich nie in den Arm genommen und geknuddelt. Das war uns als Kinder gar nicht so bewusst, und je älter wir geworden sind, umso mehr spüren wir, dass uns das gefehlt hat. Schade, dass man das nun nicht mehr nachholen kann.
Ob wir heute da besser sind, als die Generationen vor uns? Im Beruf hängen wir uns rein. Den Großteil der Freizeit verbringen wir mit den Kindern; machen Ausflüge, Action und tralala. Aber gönne ich uns auch die Zeit, am Sonntagnachmittag gemeinsam auf dem Sofa zu kuscheln?
Einfach Nähe schenken. Das Gefühl, dass der Papa mehr ist, als ein Entertainer.
Einer, der Liebe schenkt, auch wenn sein Bart beim knuddeln kratzt.
Mit einem großes Herz, dem man alles anvertrauen kann.
Dessen Bauch ein bisschen ein Fels in der Brandung des Lebens ist.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Donnerstag: Mal ein anderer Charakter

Guten Morgen
„Hi, du, ich hab mir grade einen neuen Charakter freigeschaltet“. Diesen seltsamen Satz habe ich zufällig in der U-Bahn gehört. Es ging um ein Online-Spiel, und der junge Mann hatte genügend Punkte erreicht, um eine neue Spielfigur nutzen. Nun war er nicht mehr als Bauer unterwegs, sondern als Ritter mit neuen Fähigkeiten im Kampf und einer kleinen Burg.
Sich schnell mal einen anderen Charakter freischalten – wenn das im echten Leben auch so einfach wäre. Die eigenen Schwächen, die Eigenheiten, die mir am mir selber nicht gefallen, gegen ein anderes Ego einzutauschen. So eine Art Upgrade für das eigene Dasein. Das wäre ziemlich cool.
Aber würde ich das wirklich wollen? Also … ich stecke ja schon länger in meiner Haut – ich bin mit mir selbst über die Jahre ziemlich vertraut und im großen und ganzen nicht unzufrieden. Gott hat sich anscheinend schon etwas dabei gedacht, dass ich so bin, wie ich bin.
Nein, ich würde keinen ganz anderen Alexander freischalten wollen – ich würde lieber mit dem, was ich bin, mein Leben gestalten – innerlich beweglich bleiben und dabei mein Leben und meine Umwelt immer wieder ein bisschen verändern.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Freitag der 6. Oktober 539 v.Chr.

Guten Morgen
Es war wie heute ein 6. Oktober als im Jahr 539 vor Christus ein Weltreich von der Landkarte verschwand.
Das Neubabylonische Reich hatte knapp 100 Jahre lang zwischen Zypern und dem Persischen Golf alles besiegt und unterworfen, was da zuvor als Staat oder Königreich existierte. Ihr König Nebukadnezar war es auch, der einst die Stadt Jerusalem dem Erdboden gleichmachte und tausende von Israeliten in die eigene Hauptstadt verschleppte.
Die babylonische Supermacht war offenbar nicht zu stoppen.
Bis die ersten inneren Zerfallserscheinungen auftauchten: Die Mächtigen kamen sich gegenseitig ins Gehege, viele kochten ihr eigenes Süppchen … am Ende war Babylon ein Schattens einer selbst, und an diesem 6. Oktober nahm der persische König Kyros die Stadt praktisch kampflos ein.
Auch die Bibel erzählt davon – denn nun war Israel wieder frei und man konnte Jerusalem nach 50 Jahren wieder aufbauen. Damit hatte kaum einer mehr gerechnet. So ist für mich der 6. Oktober so ein Gedenktag daran, dass die Herrschaft der scheinbar absolut Über-Mächtigen auch irgendwann ein Ende haben kann.

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Samstag: Trau Dich!

Guten Morgen,
ein paar Stunden sind es noch, dann sagen sich in unserer kleinen Dorfkirche Uwe und Carina das Ja-Wort fürs Leben. Das ist dann die zwölfte Trauung, die ich in diesem Jahr halten darf. Ich kenne Jahre, da hatte ich grade mal ein oder zwei Paare vor dem Altar stehen.
Offenbar ist heiraten wieder im Trend.
Noch etwas anderes ist im Kommen: Immer mehr Paare haben auch den Mut, sich in der Kirche ihr Ja-Wort als gegenseitiges Trauversprechen zu geben. Mit eigenen Worten formulieren sie, was ihnen für die gemeinsame Zukunft wichtig ist. Da geht es um mehr als Brautkleid und Bling-Bling. Diese selbstformulierten Versprechen finde ich sehr berührend – vielleicht aus deshalb, weil sie mich anregen, zu überlegen, was mir selber in meiner Ehe wichtig ist.
Eine Braut hat in diesem Sommer zum Beispiel folgende Worte gefunden: Ich will dir ein Leben lang Geborgenheit und Liebe zu schenken, für dich und unsere Familie eine verlässliche und treue Gefährtin zu sein, dich achten und auf dich Acht geben, dir aber auch Kraft und Trost in schwierigen Zeiten zu spenden.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

 

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