• Werbung

Predigt: Die mobile Minikrippe (Symbolpredigt) 25. Dezember 2016, Weihnachten

Ob es die kleinste Krippe des Welt ist? Zumindest die mit der sparsamsten Ausstattung! Und gerade diese Reduktion auf einen Strohhalm, drei Holzperlen und eine Spiegelscherbe bietet die Basis für diese Symbolpredigt.
Nachtrag (Nov. 2017): Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Menschen sich noch jetzt an die Symbole erinnern, und wissen, wo diese Schachtel bei ihnen daheim liegt.

Liebe Gemeinde,
“Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge”.(Lk 2,6-8)
Endlich kommt der Sohn Gottes auf die Erde, und dann gibt es nicht mal einen vernünftigen und würdigen Platz für ihn. In eine Futterkrippe wird er gelegt. Zwischen Ochs und Esel eingeklemmt erlebt er dort seine ersten Tage und Wochen seines menschlichen Daseins. Und wer ihn besuchte, wird sich gewundert haben, wie armselig und mickrig dieser Ort für den König der Könige ausgefallen ist.

Mickrig – gewöhnlich – eigentlich gar nicht passend für das, was hier an Wunderbarem geschehen ist. Diese Beschreibung trifft nicht nur auf den Stall von Bethlehem zu, sondern auch auf das, was Sie da in Händen halten: Diese gewöhnliche Streichholzschachtel, die Sie vorhin erhalten haben. Das ist nämlich gar keine Streichholzschachtel, sondern eine Weihnachtskrippe! Und die möchte ich mit Ihnen heute morgen zusammen anschauen und bedenken.

Siehe, du bist die kleinste….

Ich weiß nicht, ob es die kleinste Weihnachtskrippe der Welt ist. Aber bestimmt gehört sie zu den wirklich kleinen. Und “klein” ist bei der Geburt Jesu Programm. Derjenige, der Gott gleich ist, verlässt seine Größe, Herrlichkeit und Macht, um ein kleines unscheinbares Kind auf dieser Erde zu werden. Da ist es auch kein Zufall, dass er in kleinen Dorf Bethlehem zu Welt kommt. Schon im Propheten Micha kann ich lesen: Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. (Mi 5,1) Bethlehem, ein Kaff wie tausend andere im Land. Scheinbar austauschbar, es hätte auch woanders sein können – aber Gott wollte, dass es genau dort passiert.
So, wie es Millionen von identischen Streichholzschachteln, Milliarden von unspektakulären Menschen gibt – und doch hat Gott den einzelnen kleinen Unscheinbaren in Blick. Der große Gott hat ein Herz für das Kleine, das Unscheinbare. Kommt in meine kleine Welt – lässt sich darauf ein.

Die drei Perlen neben dem Stroh

Nun wollen wir einmal einen Blick in diese Mini-Krippe hinein werfen. Dabei bitte ich sie, diese einmal ganz vorsichtig zu öffnen. (Achten sie darauf, dass die offene Seite oben ist, damit nichts herausfällt).
Was gibt es da zu sehen? Drei Perlen, ein Strohhalm und ein winziger Spiegel. Mehr ist da nicht.

Immerhin: Das Stroh, das kommt mir bekannt vor, das gibt es in jeder Krippe. Das gehört da hin, eigentlich als Futter für die Tiere, das aber dann zum Polster für das Jesuskind wird. Stroh – eigentlich ein Abfallprodukt bei der Getreideernte – es bekommt an Weihnachten eine ganz besondere Würde. Es kommt dem Jesuskind ganz nahe. Und als Strohstern ist es ein wichtiges Symbol für Weihnachten geworden. Wieder einmal sehen wir die Bewegung Gottes: Das, was niemand als wertvoll erachtet; die Halme, von denen man meinte “die brauchen wir nicht” die bekommen bei Gott eine herausragende Rolle.

Die drei Perlen, die in der Schachtel herumkugeln stehen – sie ahnen es bereits – für die heilige Familie.

Weiß strahlt uns das Jesuskind entgehen. Weiß, wie die Farbe der Windeln, weiß, wie das Licht der Welt. Weiß ist die Farbe des Gottessohns. Weiß werden seine Leichtentücher am Karfreitag sein, weiß ist die Farbe der Auferstehung – weiß sind auch die Paramente am Weihnachtsfest.

In Blau sehen wir Maria. Die traditionelle Farbe der Mutter Jesu. Die Farbe des Himmels über uns – und auch die Farbe des Meeres. Wer an der Küste über das scheinbar endlose Meer blickt, kann sehen, wie sich am Horizont Himmel und Meer im gemeinsamen Blau treffen. In Maria treffen sich Himmel und Erde: Gott wird Mensch.
Blau ist auch die Farbe der Treue und des Gottvertrauens. Diese Frau lässt sich auf den Weg Gottes ein. Als der Engel ihr ankündigt, dass sie schwanger werden wird, antwortet sie: “Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.” (Lk 1,38) Da ahnte sie wohl noch nicht, was alles auf sie zukommen würde – aber sie ist ihren Weg im Vertrauen auf Gottes Begleitung gegangen. Eine Erfahrung, wir auch immer wieder machen: Wir beginnen Wege, versuchen etwas Neues, lassen uns auf Menschen und Projekte ein –  und können noch nicht wissen, was einmal daraus wird; welche Hindernisse, Glückmomente und welche Enttäuschung uns auf diesem Weg erwarten wird. Und doch gehen wir den Weg – mit Gottvertrauen, mit der Hoffnung, das Gott uns dabei nicht alleine lässt.

Die dritte Perle, die hat keine Farbe, sie ist, wie sie ist: Nämlich aus Holz. Holz, das ist das Material, mit dem Josef als Zimmermann zu tun hatte. Josef bleibt farblos, taucht in der Bibel kaum auf. Er muss sich damit abfinden, dass dieses Kind irgendwie nicht wirklich seines ist – und doch versorgt er seine Familie und macht sich auch Sorgen. Zusammen mit Maria irrt er verzweifelt durch Jerusalem, als ihnen der zwölfjährige Jesus verloren gegangen ist. Und ihm fällt ein Stein vom Herzen, als sie ihn im Tempel wohlbehalten wiederfinden. Aber letztlich bleibt Josef im Hintergrund.
So, wie die vielen Menschen nach ihm, die nicht im Vordergrund stehen wollen, und sich doch in den Dienst für das Reich Gottes stellen. Einfach da sind, wo sie gebraucht werden. Das ist so ein Josef-Leben: Verlässlich helfen, mit allerlei Schwierigkeiten kämpfen, das Rampenlicht meiden, froh sein, wenn man am Ende sieht, dass etwas gut geworden ist und sich die Mühe gelohnt hat.
Manchmal fragt man sich ja auch: Warum mühst du dich da für andere ab? Es gibt ja auch Leute, die machen es sich leicht und halten sich aus allem raus. Dank bekommst du sowieso eher selten, stattdessen hast du mit Menschen zu kämpfen, die wieder mal alles besser wissen. Warum bloß?
Und dann schau ich mir den hölzernen Josef an, und denke: Ja, Josef, mein Bruder im Geiste, wie gut dass es viele gibt, die aus dem gleichen Holz geschnitzt sind, da hat sich Gott offenbar wirklich etwas dabei gedacht.

Der Spiegel an der Krippe

Da liegt noch etwas in der Mini-Krippe: Dieser kleine Spiegel. Wenn Sie die Schachtel passend drehen und reinschauen, können Sie sich selbst in dieser Krippe wiederfinden. Wir alle sind ja auch ein Teil von dieser Jesus-Geschichte. Die Hirten, die Weisen aus dem Morgenland – das sind ja letztlich wir. Die Menschen, für die dieses Kind in die Welt gekommen ist.
Vielleicht schauen Sie noch mal rein, ob Sie sich finden? Und da hilft der Spiegel nicht wirklich. Denn die Frage ist ja eher, ob ich mit meinem Herzen zur Krippe komme. Ob ich mit diesem Jesus etwas zu tun haben will!
In den biblischen Erzählungen ist die Rede von den Hirten, die zur Krippe kamen und verändert wieder gegangen sind. “Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten” – da hatte sich etwas getan, da kam neuer Lebensmut, Dankbarkeit und ein veränderter Blick aufs eigene Leben. Trotz aller Bedrohungen und Schwierigkeiten, denen sie als Hirten ausgesetzt waren: Die sahen ihre Welt in einem neuen veränderten Licht.

Die Weisen aus dem Morgenland “gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe” Sie beteten ihn an – anerkennen, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Dessen Worte mehr sind, als Ratschläge eines weisen Mannes. Herr der Welt, Friedefürst, Heiland. Der herrscht – aber ganz anders als die, die sonst die Macht in Händen halten.

Uns was mache ich nun mit der Mini-Krippe?

Liebe Gemeinde,
soweit meine Gedanken zu dieser Mini-Krippe. Die können Sie heute mit heimnehmen.
Und dann?
Wo legt man die jetzt hin? Haben sie auch so eine Schublade für so Zeug, wo man nicht so recht weiß, wohin?  – Und da soll sie bitte nicht hinein! Sondern lassen Sie die Krippe dort, wo sie Sie jetzt auf dem Heimweg sowieso hintun würden: In der Manteltasche, im Handtäschchen, in Handschuhfach des Autos … genau da! Denn daheim haben Sie ja sicher schon längst ein Krippe; da brauchen sie keine zwei. Aber für unterwegs, da ist so eine mobile Mini-Krippe gar keine schlechte Idee.

Ich will es ihnen erklären: Unsere Krippe daheim ist ja mehr, als nur ein weihnachtliches Schmuckstück. Es macht ja ihr Haus in gewisser Hinsicht zum erweiterten Stall von Bethlehem: Denn in der Krippe daheim liegt dieses Jesuskind. Jesus wird in Ihr Wilhelmsdorfer/ Brunner/ Hohholzer / Emskirchener Wohnzimmer hineingeboren. Jesus ist für jeden von uns da – er wird Mensch für dich und bei dir. Er ist dein täglicher Jesus für deinen täglichen Alltag.
Unser Glaube ist nicht nur in der Kirche oder in frommen Wohnzimmer daheim, sondern auch in der Schule, auf der Arbeit, beim Autofahren, Spazierengehen und Straßenkehren. Wir haben einen Gott, der mitgeht! Und dafür soll diese Mini-Krippe eine Erinnerung sein. Dieser Jesus ist nicht in eine fromme Nische unseres Leben hineingeboren, sondern in den Alltag.

Darum sollten Sie Ihre Mini-Krippe nicht zusammen mit der Weihnachtsdeko im Januar auf dem Dachboden verstauen. Am besten tun Sie sie da hin, wo sie hie und da auch mal stört. Denn das gehört ja auch immer zu diesem Jesus meines Lebens: Dass er seinen eigenen Kopf und seine eigene Botschaft hat. Er bringt sich immer wieder selbst in Spiel. Vielleicht gerade da, wo wir unsere Spielchen gerne ohne ihn spielen würden. Wo wir sagen, dass man die Werte unseres christlichen Glaubens nicht überall beherzigen muss…. da klappert es in meiner Streichholzschachtel und er sagt: Hey mein Lieber, ich liege zwar in deiner Tasche – aber glaub ja nicht, dass du mich so einfach in die Tasche stecken kannst.

Ja, der Herr der Welt, dessen Geburt wir heute feiern, ist mehr als nur ein süßes Baby in einem Stall.
Amen

 

Die mobile Mini-Krippe gibt es so nicht zu kaufen, sie lässt sich aber einfach und kostengünstig selbst basteln. Die Einzelteile lassen sich im Bastelhandel oder online einfach besorgen. Die Schachteln habe ich blanko gelassen, die Perlen und das Stroh einfach eingelegt (sonst klappert es nicht!, sie Ende der Predigt). Lediglich den Spiegel habe ich festgeklebt, denn sonst könnte er beim ersten Öffnen falsch herum da liegen – und das wäre schade.
Die Gesamtosten für 100 Schachteln belaufen sich auf etwa 44 Euro.

Streichholzschachteln:    http://amzn.to/2i20w1n
Weiße Perlen:    http://amzn.to/2ik1ozh
Blaue Perlen:    http://amzn.to/2hymu8Z
Holzfarbene Perlen:    http://amzn.to/2hyniuy
Spiegel-Stücke:    http://amzn.to/2hyq2It
Stroh:    http://amzn.to/2i1ZMcI

 

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Ein Kommentar

  1. Sehr coole Aktion!
    Herzlichen Dank! Ich nehme sie als Grundidee für die Christvesper auf. Schöne Adventstage und Grüße aus dem Norden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.