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Predigt: Im klapprigen Omnibus unterwegs zum Ziel (Römer 8, 18-23) 13. November 2016

Foto: A.Dreher /pixelio.de

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Predigt mit dem Motiv eines alten, verrosteten klapprigen Omnibusses Namens Erde, in dem wir durch die Zeit unterwegs sind.

Liebe Gemeinde,
manchmal kommt mir unsere Welt vor wie ein alter klappriger Omnibus, bei dem man sich mit bangem Herzen fragt, ob die alte Kiste denn nochmal durch den TÜV kommt.
Denn da ist ja einiges im Argen! Es fängt ja schon bei der Steuerung an: Wie soll man das Gefährt denn noch lenken, wenn immer öfter seltsame Gestalten in den Regierungen auf diesem Planeten die Führungsrolle übernehmen?
Wenn ich den Motor denke: Das Abgasmanagement funktioniert schon länger nicht mehr … und der Verbrauch – was wir an Rohstoffen verpulvern …. ob wir da überhaupt noch mal die Möglichkeit haben, das Verbrauchte aufzutanken?
Vom Innenraum ganz zu schweigen: Ein einziges Durcheinander! Jeder hätte gerne einen schönen Platz, aber die besten sind schon längst belegt und werden immer aufwendiger herausgeputzt, unterwegs wird Prosecco geschlürft. Gleichzeitig hocken andere mit den einzigen Klamotten, die sie besitzen auf dem feuchten dreckigen Boden.
Die Klimaanlage wird vom Internet gesteuert und verpestet die Luft mit Hass und Hetze, mit Neid und Arroganz.
Wir alle sitzen drin – aussteigen geht nicht.
Alles ächzt und stöhnt und ich weiß nicht, ob es die morschen Bauteile sind, oder die Menschen, die ängstlich durch die Scheiben starren. Was soll das noch werden?
Römer 8, 18-23
Paulus schreibt:
18 Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.
19 Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden.
20 Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat –, doch auf Hoffnung;
21 denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.
22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.
23 Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes.

Einer liebt unsere alte Erde

Paulus ist einer, der sitzt mitten drin, in diesem maroden und klapprigen Stück Welt. Auch zu seiner Zeit war sie nicht wirklich besser in Schuss, nur die Probleme waren andere. Und er fängt an, davon zu reden, dass es einmal nicht mehr klappern wird, nicht mehr rosten. Denn er weiß von einem, der aus unerfindlichen Gründen diesen Oldtimer von Erde ins Herz geschlossen hat. Der hat ihn gekauft!

Jeder hat gesagt: Lass es! Das wird nix mehr – schmeiss die Kiste auf den Schrott! Und die Typen da drin auch gleich mit, denn die sind ja auch nicht besser, schließlich sind das die, die alles so heruntergewirtschaftet haben.

Aber wie das bei Liebhabern halt so ist: Die lassen sich nicht davon abbringen, koste es, was es wolle! In seinem Fall hat es ihm sogar sein Leben gekostet – als Mensch ist er einst da mal mit eingestiegen, um das Lenkrad herumzureißen.
Das haben sie ihm übelgenommen und ihn rausgeschmissen – in voller Fahrt –
dann hing er tot an einem Holzkreuz.
Sie ahnten ja nicht, dass er nicht nur einer von ihnen war – und dass er stärker war, als der eigene Tod. Die meisten hatten auch übersehen, dass sein Einsatz das Fahrzeug auf einen ganz anderen Kurs gebracht hatte. Dorthin, wo er es einmal in Empfang nehmen wird – keiner weiß, wann.

Und davon spricht Paulus: Schaut euch um in dieser Welt und seht nicht nur den Rost und den Dreck. Entdeckt das wunderschöne Fahrzeug, das es ja irgendwie immer noch ist; und das es wieder werden soll.

Hört nicht nur das Knarzen, das Ächzen und Stöhnen … wobei …klingt das nicht wie eine Frau, die in den Wehen liegt? Ist sie nicht das beste Beispiel für den Zustand unseres Fahrzeugs, fragt Paulus: Wenn eine Frau in den Wehen liegt klingt das nicht schön, es macht auch keinen Spaß, es tut weh und doch wird sie wenig später sagen: Ich bin die glücklichste Frau auf der Welt und habe gerade das größte Wunder erlebt, was es gibt.

Auf die Welt kommt noch etwas zu!
Ein Gott, der sie nicht aufgibt, der sie mit viel Liebe wieder zu dem machen wird, was sie eigentlich schon immer war und als was sie eigentlich gedacht war.

Vielleicht wird Gott unsere Welt so überarbeiten, wie einen alten rostigen Omnibus, wenn er die vergammelten Streben und Bleche abschleift, bis das glänzende Metall zu Vorschein kommt – strahlend, als hätte es nie schöner geglänzt. Stück für Stück wird das sichtbar, was einst und schon immer da war: Ein einzigartiges Handwerkstück Gottes von dem auf der ersten Seite der Bibel geschrieben steht: “Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.”

Und wir?

Paulus schaut seine Mitfahrer an und blickt in Augen, die alle eine Frage haben: Und was wird aus uns? Denn da ist die Ahnung, dass wir selber Teil dieses Omnibusses sind. Auch nicht perfekt, auch in die Jahre gekommen. Gealtert. Mit Dellen, mit dem einen oder anderen Knacks. Ja und da ist das dumpfe Gefühl, dass auch manches Grundsätzliche nicht mehr so ist, wie es wohl mal gedacht war. Verformt, verbogen, … so dass Worte, in denen Jesus von Gericht nach unserem Taten spricht, uns bedrohlich erscheinen …. heute ist nicht der Tag, so etwas schönzureden.
“Auch wir werden verwandelt werden” sagt Paulus. Auch wir werden erfahren, was dieser Bus erlebt: Eine Erneuerung – ein wieder so werden, wie wir eigentlich gedacht waren. Damals, als Gott damit begonnen hatte “… und schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau”

Paulus hat wieder Platz genommen. Die Arme verschränkt, die Beine über Kreuz. Er hat alles gesagt. Jetzt muss er nur noch warten, bis es soweit ist.
Aber wann?

Warten …. mit Geist!

Liebe Gemeinde,
vielleicht hätte Paulus noch ein bisschen mehr gesagt, wenn er geahnt hätte, das wir da noch locker 2000 Jahre mit der alten Erde unterwegs sein werden.
Oder würde er meinen: Ich habe doch alles gesagt – erinnert ihr euch nicht, dass ich davon geschrieben habe, dass ihr den Geist Gottes in euch habt. Diese Kraft in euch selbst; die euch immer wieder daran erinnert, woher ihr kommt, und wohin ihr unterwegs seid?

Ihr spürt sie, wo Menschen in Liebe aufeinander zugehen, und sich gegenseitig trotz ihrer Schwächen annehmen, einander treu sind; wo sie Hass uns hetze überwinden Da ist dieser Geist Gottes am wirken.
Wo Menschen die Natur, die Tierwelt schätzen und schützen. Weil sie wissen, diese gehören mit zu unserem Omnibus Erde, der zu Gott hin unterwegs ist. Auch die Schöpfung wartet – wie wir alle – auf diese Erlösung vom Elend. Da weht der Geist Gottes.
Wo ein verzweifelter, einsamer oder gescheiterter Mensch sich selbst nicht aufgibt, weil er spürt: Ich bin trotz allem unendlich wertvoll. Da ist jemand geborgen in Gottes Geist, der ihn erinnert, dass Gott auch ihn persönlich geschaffen hat.
Und natürlich, wo Christen sich treffen, sie gemeinsam Gott, den Schöpfer loben. Wo sie Abendmahl feiern als Zeichen der Gemeinschaft, die sie einmal mit Gott haben werden. Da spüren sie den Geist des lebendigen Gottes.

Liebe Gemeinde,
wir sind unterwegs. Wir haben eine Erde, von der wir das Gefühl gewinnen, dass sie so klapprig, marode und korrupt ist, dass sie bald von alleine auseinanderfällt.
Aber als Christen haben wir zwei Hoffnungen:
Zum einen, dass Gott diese Erde so liebt, dass er sie zu einem guten Ende führen wird, das besser sein wird, als ihr Anfang.
Zum anderen, dass wir nicht tatenlos zusehen müssen sondern diese Fahrt mit Gottes Geist und Kraft gut gestalten können.
Amen

Foto: A.Dreher /pixelio.de

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2 Kommentare

  1. Christine Stradtner

    Schön, das für mich immer weibliche Bild der Mutter E
    Erde mit einem Auto zu vergleichen. Verfremdung lässt neu hinhören

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