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Predigt: Viel mehr als zehn Regeln (1. Thessalonicher 4, 1-8) 9. Oktober 2016

falschzeugnisredenDer sprachlich etwas sperrige mahnende Paulus-Text bekommt mit den 10-Gebote-Bildern der Konfirmanden einen interessanten Partner zur Seite. Zwei Tage vor dem Gottesdienst hat jeder Konfi ein Gebot, das ihm wichtig war, künstlerisch umgesetzt. Diese Werke hängen während des Gottesdienstes in der Kirche.

Weiter, liebe Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus – da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut -, dass ihr darin immer vollkommener werdet. Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über das alles, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.
(1. Thess 4, 1-8)

Liebe Gemeinde,
das ist ein Predigttext, bei dem so mancher sagen könnte: Der ist noch aus der guten alten Zeit, wo der Pfarrer am Sonntag seiner Gemeinde nach allen Regeln der Kunst die Hölle heiß macht, und sie drauf stößt, was da möglichweise alles im Leben falsch läuft. Und dabei lässt er nichts aus, was der Predigttext so alles an Themen streift – denn da gäbe es ja einiges:
Wo Paulus von Unzucht redet, da schaut er die Männer streng an, und erinnert, dass da was von “jeder seine Frau” steht. Die Konfis schockt er mit einem kurzen Exkurs über Internet-Pornovideos. Und allen wird ganz komisch, wenn er ganz grundsätzlich über die Ehrlichkeit in Gelddingen redet.

Und am Ende wissen wir alle, wie schlecht wir sind – aber vor allem hat´s der Pfarrer dem Nachbarn ordentlich gegeben, den von dem weiß ja jeder, dass er schon seit Jahren … und überhaupt …
Ach …. wenn ich es mir genau überlege, dann bin ich ja eigentlich gar nicht so schlimm, wie die andern! Dann passt mein Leben ja irgendwie doch. So geht man heim und noch bevor der Braten und die Klöße auf dem Tisch stehen, ist das alles schon fast vergessen. Wenn dann die Tante beim Essen fragt, worums in der Kirche ging, kann man sagen “nix Besonderes, das Übliche halt”.

Aber eigentlich ist das alles andere als üblich. Wir sind es heute nicht gewohnt, das jemand so genau nachfragt, wie es denn bei uns ausschaut – im Schlafzimmer, in den Geschäftsbüchern und Kontoauszügen. Denn eigentlich sagen wir da: Das ist Privatsphäre, das geht keinen etwas an!

Gott kennt keine Privatsphäre

Liebe Gemeinde, liebe Konfis,
kann es sein, dass die Privatsphäre eine recht moderne Erfindung ist, für die sich Gott überhaupt nicht interessiert?
Er sagt: “Mensch, ich habe dich gemacht, ich kenne dich, deinen köperlichen und seelischen Bauplan bin ins letzte Eck! Für mich ist nichts privat. Und ich als dein Gott möchte, dass du in deinem Leben keinen Schaden nimmst und die anderen Menschen auch nicht. Darum habe ich da einige gute Regeln für euch.”

zehngeboteDie 10 Gebote – Bilder unserer Konfis

Mit den berühmtesten dieser Regeln, nämlich den 10 Geboten, haben sich am Freitag unsere Konfirmanden auseinander gesetzt. Und jede und jeder von ihnen hat auf einem Plakat ein Gebot künstlerisch umgesetzt. Da wurde auch sichtbar, welche Gebote für sie besonders wichtig sind.
Du sollt nicht Töten, hängt besonders oft hier. Es ist ja wirklich das Gebot, bei dem ein Verstoß besonders verheerende Folgen für uns Menschen hat. Dicht gefolgt von “du sollst nicht ehebrechen” – denn auch da müssen wir erleben, dass dadurch oft sehr viel im Leben einer Familie und vor allem im Leben der Kinder zerstört wird. Du sollst Vater und Mutter ehren, das haben wir auch einige Male. Eltern mag das überraschen, schließlich ist dass Leben mit dem Nachwuchs nicht immer konfliktfrei. Aber offenbar wissen unsere jungen Leute durchaus, was sie an ihren Eltern lieben.

Leben, das unserem Glauben entspricht

Diese Gebote sind aber nur der Anfang. Weil Gott keine Privatsphäre kennt, interessiert ihn mein ganzes Leben – also nicht nur die Einhaltung von 10 Regeln.

Was Paulus in unserem Predigttext sagt, kann man eigentlich mit einem Satz auf den Punkt bringen: Denkt daran, euer Leben so zu führen, dass es eurem christlichen Glauben entspricht. – Fertig. So einfach ist das.

Oder besser gesagt: Der Satz ist einfach, aber das Vorhaben wird richtig anstrengend. Mein Leben in allen Bereichen so führen wie wie es dem Glauben entspricht. Sich selbst zu fragen: “Was würde Jesus an deiner Stelle tun?” Dann ist das eine echte Herausforderung, weil ich dann nichts ausklammern oder wegwischen kann:
Alles muss auf den Prüfstand und muss sich die Frage gefallen lassen: Ist das, was du da tust im Einklang mit dem christlichen Glauben?
– Entspricht dein Liebesleben der Botschaft der Nächstenliebe, die zuallererst die Bedürfnisse des Anderen im Blick hat?

– Wenn du auf deinen Kontoauszug schaust, fühlst du den reichen Kornbauern des Gleichnisses Jesu in dir, der sich selbstzufrieden zurücklehnt und sagt, jawoll ich habe ausgesorgt, mein Geld ist mein Glück?

– Wenn du in deinen Terminkalender schaust, müsstest du Gottes Einladung auch ablehnen, wie im Gleichnis vom großen Abendmahl, wo einer der Gäste sagt: Bedaure ich kann nicht kommen, ich habe dies und jenes gekauft, das muss ich jetzt erstmal besehen, ich kann leider nicht kommen, bitte entschuldige mich.

– Wenn du deinen Streit mit Nachbarn, Geschwistern und Kollegen betrachtest, musst du dann beim Vaterunser die Luft anhalten, wenn es heißt „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern”, weil du denen nicht so einfach vergeben willst, aber doch gerne Gottes Vergebung in Anspruch nehmen würdest?

Über-Forderung und Vergebung

Liebe Gemeinde,
diese Liste könnte man jetzt locker um ein paar Dutzend Punkte erweitern. Einen Lebensbereich nach dem anderen dahingehend abklopfen, ob wir hier dem Glauben, Jesu Liebesgebot und den Geboten Gottes entsprechend handeln.
Und irgendwo hat da wohl jeder seinen wunden Punkt, wo er schon länger mit sich und seinem Gott am Kämpfen ist.

Er ist klar: Was Paulus im Predigttext da von uns fordert ist eine Über-Forderung. Das werden wir nie perfekt hinbekommen, und auch Paulus gibt an anderer Stelle offen zu, dass er auch immer wieder dran scheitert.

Ich würde jetzt ja zur Beruhigung daran erinnern, dass Gott uns ja auch unsere Schuld vergibt, wenn wir ihn darum, bitten. – Das könnte Paulus im Predigttext tun, weil es ja auch stimmt. Aber er weiß, wie gerne wir uns auf Gottes Vergebung ausruhen und zurückkehren zum Mittagstisch mit Braten und Klößen und sagen: “Paulus und Pfarrer haben ein bisschen geschimpft, aber sonst nichts Besonderes, das Übliche halt”. Genau darum macht Paulus es anders, und plötzlich klingt er wie ein Trainer, der seine Mannschaft motivieren will:

Ihm ist wichtig: Nicht aufgeben, weil man es nicht schafft; sondern:
Weiterversuchen, weil man es noch nicht geschafft hat. Schon in den ersten Zeilen spürt man das, wens er sagt: Liebe Mitchristen von Thessalonisch (oder von Wilhelmsdorf): Wir wollen euch dran erinnern: Gebt nicht auf, und versucht so zu leben, wie es dem Herrn Jesus entspricht. Wir wissen, ihr macht das schon gut, sehr gut sogar; aber bleibt dran, ihr werdet es sicher noch besser hinbekommen.

Schöner als Paulus kann man´s gar nicht formulieren, darum sage ich:
Amen

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