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Früchte-Predigt an Erntedank: Wenn die Gaben am Altar zu erzählen beginnen (Symbolpredigt) 2. Oktober 2016

In20151005_105737 dieser Predigt werden Kartoffel, Zucchini, Weinrebe und Zierkürbis zu den Protagonisten. Sie lassen mich  von ihren unentdeckten Stärken und der mühsamen Integration von Fremden erzählen. Die Weinrebe erinnert an Jesu Wort vom Weinstock und Rebe und hält das Motto“weniger ist mehr“ hoch. Schließlich überrascht der Zierkürbis mit seiner gechillten Ansicht vom Leben: Ich bin „einfach so“ da. Weil Gott es gefallen hat, dass ich bin.

Liebe Gemeinde, liebe Präparanden und Konfirmanden,
das Schöne am Erntedankfest ist, dass ich da als Pfarrer beim Predigen nicht alleine hier vorne bin. Denn ich bin umgeben von vielen Kollegen – die auch von der Güte und Liebe Gottes erzählen! Ja, die Äpfel, Birnen und Sonnenblumen – sie alle sind ja Teil unserer Schöpfung, die von Gottes Fürsorge für uns berichten. Jede einzelne Erntedankgabe hat da etwas anderes zu erzählen.
Da wäre es eigentlich einmal spannend, genau hinzuhören, was die zu sagen haben. Ich gebe zu, dass wir als Pfarrer das viel zu selten tun, weil wir ja selbst so gerne reden … also habe ich mich gestern mal mit den Erntedankgaben zusammengesetzt und wir kamen ins Gespräch – und davon will ich heute morgen erzählen:

Die Kartoffel – auf dem zweiten Blick erkennst du ihre Schönheit

Ich beginne mit der Kartoffel. Der war es irgendwie ziemlich wichtig, ein bisschen ihren Frust loszuwerden. Denn sie spürt genau: Für viele von uns gehört sie zu den die unattraktivsten Pflanzen auf Gottes Erdboden. Braun, dick und rund, mit allerlei unförmigen Dellen. Schon wenn die kleinen Kinder eine Kartoffel erwischen und reinbeißen, spucken sie sie gleich wieder aus: Hart ist sie, und ihr Fruchtfleisch schmeckt ekelig mehlig. Und auch später werden die Gesichter bei vielen Kindern mächtig lang, wenn die Mama sagt. “Heute gibts Kartoffeln”.

Da kann man sich fragen: Was hat sich Gott gedacht, als er geplant hat, dass auch die Kartoffeln in unserer Erde wachsen sollen? Wollte er uns ärgern?
Und denken wir an die Kartoffel! Das ist schon eine Belastung, nicht so wirklich geliebt zu werden. Immer als zweite Wahl angesehen zu werden … viele von uns wissen, wie es sich so anfühlt, wenn andere als besser, attraktiver, interessanter angesehen werden. Das tut weh!
Was hat sich Gott dabei bloß gedacht – hatte er da keinen Plan?
Aber vielleicht waren ja die Fritteuse, die Bratpfanne und die Kartoffelpresse auch schon auf seinem Plan?

Hey, Kartoffel, die langweilige Pellkartoffel ist ja nur eine Seite von Dir!
Welcher Jugendliche wird bei einer Portion Pommes nicht schwach?
Wie kann man daheim ein Fußballspiel anschauen ohne eine Packung Kartoffelchips?
Was würden wir am Sonntag in Franken ohne Kartoffelklöße machen?
Und was wäre die Welt ohne Baggers ….

Ob Gott das wirklich so geplant hat? Oder verdanken wir es unserer menschlichen Phantasie und unserem Einfallsreichtum? Ich weiß es nicht – Aber ich bin der Überzeugung, dass wir auch unser kreatives Talent vom Schöpfer bekommen haben. – Was übrigens auch ein Thema für Erntedank sein könnte.

Ja, liebe Kartoffel, du gehörst zu denen, deren Schönheit und inneren Werte man erst auf den zweiten, vielleicht sogar auf den dritten Blick erkennt. Aber wer genau hinschaut, wird dich immer lieben und schätzen. Weil er erkannt hat wo deine geheimen Stärken sind.

Die Zucchini – die Gastarbeiterin in unserem Garten

Ach hier habe ich jemanden: (Pfr. hält Zucchini hoch) Nach wie heißt diese Frucht? …. und, wie schreibt man ihren Namen?
Ja: Die Zucchini kennen wir alle – doch wissen viele nicht, wie man sie richtig schreibt. Das hat seinen Grund in ihrer italienischen Herkunft. So beim Gespräch mit ihr habe ich ein bisschen einen Akzent herausgehört: Buongiorno zucchini!

So lange gibt es sie a noch nicht in unseren Gärten. Erst allmählich kam sie nach Deutschland, so wie unsere italienischen Gastarbeiter, die Pizzabäcker und die Eisdielen.
Vor 40 Jahren war die Zucchini ein exotisches Gemüse.
Mario, den Sohn des Chefs der kleinen Pizzeria nannten wir Spaghettifresser, und der hatte es in der Grundschule mit seinen schwarzen Haaren nicht immer leicht.
Heute lieben wir unsere Zucchinis, züchten sie richtig fränkisch, nämlich g´scheit groß! Und sie landet im Kuchen, im Eintopf, eigentlich fast überall. Fremd ist sie uns schon lange nicht mehr
Und Mario, unser Spaghettifresser aus der Grundschule, arbeitet in der Sparkasse als Berater für Kleinunternehmer. – Und er isst auf der fränkischen Kerwa am liebsten ein Schäuferla.
Integration – von Gemüse und von Menschen braucht seine Zeit – aber Mario und die Zucchini zeigen mir, dass das ganz wunderbar gelingen kann – wenn wir Geduld haben.

Heute kämpfen wir wieder um Integration. Müssen damit umgehen, dass Ibrahim und Osman uns viel viel fremder erscheinen …. und da habe ich auch keine einfache Lösung. Aber ich habe diese Zucchini, die mir ein bisschen Hoffnung macht und saget: “Hey, du mein deutscher Freund. Deine Oma hätte nie gedacht, dass man uns Zucchinis essen kann. Aber deine Frau macht den besten fränkischen Zucchinikuchen” – also stell dich nicht so an. Sonst sage ich dir, dass deine Kartoffel, von der du so schwärmst, auch ein Flüchtling aus Mittelamerika ist.

Die Weinrebe – Sich von Überflüssigem trennen

Hmm, Weintrauben! Bei uns in Franken kommt die Weinlese so gerade in Schwung. Das ist immer etwas ganz Besonderes, wenn dann auch der erste Federweiße getrunken wird.
Wer öfter mal Richtung Ipsheim fährt und durch die Weinberge geht, kann da beobachten, wie sich die Pflanzen entwickeln. Das ist schon ein Ding.
Da ist im Frühling ja fast nichts dran: Ein armdicker knorriger Weinstock, aus dem dann ein bis zwei Ästchen herauswachsen. Da ist ja eigentlich nicht viel dran: Ein paar Blätter, wenige Äste -… und jetzt im Herbst so prächtige, volle Weinreben. In den Monaten zuvor ist der Winzer immer wieder durch den Weinberg gegangen und hat alles Überflüssige weggeschnitten. Er weiß, das die vielen Blätter und Ästchen drumherum, die da immer wieder austreiben, zwar schön aussehen, aber die Trauben eher schwächt, als ihnen etwas bringt.
Da kann ich schon verstehen, dass Jesus einmal die Menschen mit Weinreben verglichen hat. Er sagte: Es ist ganz wenig, was ihr zum guten Leben braucht. Und vieles von dem, womit ihr euer Leben schmückt, ist eigentlich nur kraftraubender Ballast. Weniger ist mehr.
Mit dem vielen wird man nicht unbedingt glücklicher. Darum hat er auch die mahnende Geschichte vom reichen Kornbauern erzählt, die wir vorhin gehört haben. Das eigene Leben mit allem Möglichen vollzustopfen und dann zu meinen, nun hätte man alles, was man braucht – das ist ein Irrtum.

Jesus hat auch gesagt: Ich bin der Weinstock – und ihr seid die Reben. Ich gebe euch die Kraft zum Leben.
Das, was ihr wirklich braucht, bekommt ihr bei mir. Auf viele andere Dinge könnt ihr eigentlich gut verzichten. Durch manchen Verzicht werdet mehr gewinnen als verlieren. Hauptsache, ihr haltet euch zu mir.

Die Konzentration aus Wesentliche – auf denjenigen, der mir Kraft zum Leben gibt. Das klingt gut!
Aber natürlich weiß ich auch: Sich vom Überflüssigen zu trennen, fällt uns Menschen immer wieder unglaublich schwer.

Der Zierkürbis – einfach das Dasein genießen

Liebe Gemeinde,
zum Schluss muss ich noch eine Frucht holen, mit der ich ein bisschen länger gestritten haben. Weil da zunächst mal die Frage im Raum stand, ob der Kandidat hier zu Erntedank überhaupt in die Kirche gehört:
Es ist der Zierkürbis
Was will der da? Den kann man ja nicht essen! Also soll an dafür seinen Herrgott danken?
Überhaupt: Wozu soll ich in meinen Garten Früchte anbauen, die man nicht essen kann? Die ganze Arbeit bloß für ein paar bunte Kürbisschen, die man als hübsche Dekoration ins Zimmer stellt? Einfach so?

Aber dann habe ich gemerkt. Der Zierkürbis ist ein total gechillter Typ! Der ist einfach da, macht sich keinen Stress: Er muss nicht schauen, dass er möglichst lecker ist. Der macht sich nicht verrückt, weil in ihm viel zu viele Kerne wachsen oder zu wenig Vitamine. Dem ist egal, ob jemand Hunger aus Kürbissuppe hat, oder nicht. Er ist einfach so da!

Aber ist das nicht manchmal gerade das Schöne im Leben? Das „Einfach so?“
Einfach so im Garten sitzen und nichts tun müssen – nicht gleich wieder aufspringen, weil ich ein Unkraut sehe, das ich ausreißen muss.
Einfach so seiner Frau Blumen mitbringen – ganz ohne Hochzeits- oder Valentinstag.
Einfach so in einer Kirche sitzen, die Ruhe und die besondere Stimmung auf sich wirken lassen.
Einfach so, Zierkürbisse anbauen, weil sie halt schön sind.

Und wenn ich mir überlege, warum Gott diese Welt geschaffen hat – dann ahne ich, das er sagen würde:
“Einfach so – ich wollte einfach, dass es euch gibt – auch wenn ich als Gott von euch keinen praktischen Nutzen erwarten kann.”

“Einfach so” – liebe Gemeinde – wir feiern heute am Erntedanktag nicht nur die Freunde über eine gute Ernte, wir feiern, dass wir einen Gott haben:
Einen, der uns “einfach so” ins Leben gerufen hat, weil er gut fand, dass wir auf dieser Welt sind.
Einen, der einfach so Wachstum und gedeihen schenkt – auch wenn er es auch anders machen könnte.
Der uns einfach so – unglaublich lieb hat. – Und dafür kann man nie oft genug “Danke” sagen.
Amen

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