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Radionandachten auf Charivari 98,5 im Juni 2016

Montag: Der Ton macht die Musik

Guten Morgen!
Es war so gegen acht Uhr am Abend, als ich auf meiner Joggingrunde durch ein kleines Dorf lief. Da kam mir ein Bauer entgegen, Mitte sechzig, in Stallklamotten, vielleicht auf dem Heimweg vom Füttern – keine Ahnung. Und weil ich ja ein freundlicher Mensch bin, und trotz der Joggerei noch genügend Puste hatte rief ich „Guten Morgen!“ – Und er strahlte zurück: Jo, guten Morgen!
Eine Sekunde später fällt mir ein: Moment, wir haben acht Uhr Abends, und ich sage „guten Morgen“! Oh Mann, bin ich blöd … der muss sich ja total veralbert vorkommen.
Aber er hat ja auch „guten Morgen“ gesagt…. Offenbar fand er es ok.    Ja … vielleicht ist es manchmal gar nicht so wichtig, aus welchen Buchstaben meine Worte bestehen, sondern in welcher inneren Haltung sie gesprochen werden.
Ich denke, ich sollte nicht immer so genau darauf achten, mit welchen manchmal ungeschickten Worten einer etwas zusammenstoppselt. Jedes Wort des anderen auf die Goldwaage zu legen, bringt uns ja nur selten wirklich weiter. Darum will ich versuchen, häufiger meine inneren Fühler ausstrecken, um zu spüren, was jemand eigentlich ausdrücken will. Wer weiß, wie oft dann manches blöde Missverständnis gar nicht erst zustande kommt.Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Dienstag: Asozial?

Guten Morgen.
Kürzlich waren wir mit unseren Kindern in der Münchner Innenstatt unterwegs. Für eine unserer Töchter war es das erste Mal. Sie schaute sich das alles recht genau an: Die schicken Läden, das wilde Getümmel, die teuren Autos, die Bettler, die Schönen und Reichen …. Und irgendwann hat sie mich angestuppst: „Papa, kann es sein, dass es hier ganz schön viel Asoziale gibt?“
Ich schaue mich um. Was meint sie? Meint sie die Bettler, die in engen Abständen herumhocken? Oder ist sie irritiert dem den Style der alternativen Szene, die für uns fränkischen Landeier ungewohnt ist? Ich bin von dieser Frage ein bisschen peinlich berührt und hake nach: „Was meinst du mit Asoziale?“
„Na schau dich doch um“ sagt sie „lauter superteure Autos die die Umwelt verpesten, lauter Luxus in den Läden, den kein Mensch braucht, und kein Mensch achtet auf den anderen. Schau hin, da ist jeder nur für sich. Das ist doch asozial!“
Was soll ich da sagen?
Als ich so alt war, wie meine Tochter, nannte man auf dem Dorf eine alleinerziehende Mutter, die versucht hat, mit 4 Kindern über die Runden zu kommen, „asozial“.
An diesem Tag in München hat für mich die kommende Generation „asozial“ ganz neu definiert – das macht mir Hoffnung.

Mittwoch: Ärgern und ändern?

Guten Morgen.
Eigentlich wollte ich auf dem Smartphone einem Freund, der gerade einen Streit hat, schreiben: „Lass dich nicht ärgern!“. Aber weil das Ding ja angeblich mitdenkt, hat es mir sofort den Text korrigiert und plötzlich stand da: „Lass dich nicht ändern“ – und zack- war es schon abgeschickt.
Mist, jetzt muss ich es noch mal richtig schreiben….
Aber irgendwie ist da ja auch etwas Wahres dran: Lass dich nicht ändern – auch wenn ein Streit dich herausfordert. Lass dich nicht dazu hinreißen, dass du Dinge sagst oder tust, die gar nicht mehr zu dir passen. Lass es nicht dazu kommen, dass du dich in deiner Rage vergisst … dich und deine Nächstenliebe, dein Vertrauen in das Gute im Menschen.
Es wäre schade, wenn gerade die, die dich provozieren, es schaffen, dass du den Kontakt zu dir selber verlierst.
Jesus hat das zugespitzt formuliert: Liebe deine Feinde.  Ob ich das immer schaffe, das weiß ich nicht. Aber diese drei Worte erinnern mich daran, gerade beim Streiten kein andrer zu sein, als der Christ, der ich sonst bin.
Einen guten Tag wünsche ich ihnen.

Donnerstag: Liebe braucht Mut!

Guten Morgen,
was ist das Gegenteil von Liebe? Manche sagen: Das ist der Hass. Andere meinen: Eigentlich ist die Gleichgültigkeit der größte Gegenpol zur Liebe.
In meiner Bibel habe ich eine Stelle gefunden, da schreibt Johannes, dass die Angst der größte Gegner der Liebe ist.
Manchmal hat man ja wirklich Angst davor zu seinen Gefühlen zu stehen. Drückt sie weg, weil sie so groß und manchmal auch übermächtig scheinen. Ganz groß ist auch die Angst vor den Folgen der Liebe: Will ich mich festlegen, auf diesen einen Menschen als Partner? Man weiß ja nie, wie er sich wirklich entwickelt.
Traue ich mich, andere Menschen liebevoll zu unterstützen, Zeit und Geld für Bedürftige zu investieren – oder schwebt da immer über mir die Angst ausgenutzt zu werden, irgendwann verspottet als dummer „Gutmensch“?
Liebe und Angst passen nicht zusammen lese ich in meiner Bibel. Da steht auch: Habe Mut andere zu lieben, denn schließlich hat Gott auch den Mut, dich zu lieben auch wenn er weiß, dass du auch nicht der allereinfachste Mensch bist.
Also: Haben Sie Mut zur Liebe!

Freitag: Lieblingshemd

Guten Morgen,
manchmal ist meine Frau gnadenlos ehrlich. Da komme ich mit einem meiner Lieblingshemden zum  Frühstück, und ernte schon ein genervtes Stirnrunzeln: Was hat sie denn? Das eines meiner Lieblingshemden. Seit fast 15 Jahren liebe ich das.Ich hab mich so daran gewöhnt, auch an die abgewetzten Ellenbogen, das damals modische Muster und die Tatsache, dass es eigentlich nicht mehr so gut passt, weil ich inzwischen abgenommen habe. Ja ….meine Frau hat Recht: Eigentlich gehört mein Lieblings-Hemd längst ausrangiert.
Bei meinen Lieblings-Meinungen, meinen Lieblings-Themen und meinen Lieblings-Vorurteilen ist das manchmal nicht viel anders. Die hege ich in meinen Kopf auch ganz schön lange; die sind mir vertraut, die sind halt meine. Da sind es oft meine Töchter, die dran rütteln: “Hey, papa, wie bist den du drauf?” Dann merke ich, dass ich meine Meinungen, Themen und Urteile viel zu selten selbstkritisch überprüfe. Nachsehe, ob sie noch passen: Zu mir, zu meinem Glauben, zu dieser Welt, die sich ja auch ändert.
Und so bleibt mein Inventar in Bewegung: Mein Hemdensortiment genauso wie meine Sicht auf diese Welt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Samstag: Taufe und Tattoo

Guten Morgen,
selbst wenn man sich überhaupt nicht für Fußball interessiert. Allein aus kunstgeschichtlicher Perspektive ist die Europameisterschaft einen genaueren Blick wert.
Unglaublich, was die Spieler da so alles auf die Haut tättowiert haben. Schönes, Kurises und Grausliges Und egal, wie schön oder schrecklich es ist: Das Tattoo werden die ihr Leben lang nicht mehr los.
Mode vergeht – Tattoo besteht. Da bestaune ich manchmal den Mut der Fußballer sich so Zeug lebenslang auf die Haut malen zu lassen.
Morgen am Sonntag geht es in vielen Kirchen um das Thema Taufe. Das ist auch sowas wie eine Tättowierung. Unsichtbar, aber bleibend; wer getauft ist, bleibt auch getauft. … lebenslang ein Mensch, den Gott liebt. Und das finde ich ganz schön mutig von diesem Gott:  Er sagt da „ja, ich habe dich lieb“ zu einem kleinen Baby, von dem keiner weiß, wie der sich mal entwickelt; was aus dem mal wird. Aber Gott bleibt dabei: Du gehört zu mir!
Da bin ich selber manchmal ganz schön froh, dass es diese Liebe Gottes gibt, auf die ich mich verlassen kann; egal was kommt.
Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen

 

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