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Radioandachten im April 2016 auf Charivari 98,6: „Andere Länder, andere Sitten“

Montag: Niederlande – Herzlichen Glückwunsch

Guten Morgen,
manche Völker haben schon komische Sitten: Die Niederländer zum Beispiel. Wenn du da auf einen Geburtstag gehst, dann gratulierst du da nicht nur dem Geburtstagskind zum – sagen wir 40. – Geburtstag, sondern auch den Gästen:
Herzlichen Glückwunsch zu deinem Ehemann, zu deinem Bruder, zu deinem wunderbaren Schwager, der heute 40 Jahre alt wird.
Ich finde das nicht nur lustig, sondern das drückt ja auch etwas ganz Spannendes aus: Wenn man meiner Schwester dazu gratuliert, dass ich als ihr Bruder geboren bin, dann heißt das ja, dass ich ein ganz besonderes Geschenk für sie bin. Sie kann sich glücklich schätzen, mich als Bruder zu haben.
Hmmmm, ich weiß nicht, ob sie immer nur stolz auch mich sein kann. Aber mir selber tut es gut, wenn man mir sagt: “Du bist ein Geschenk für deine Mitmenschen!”
Und es motiviert auch ein bisschen in meinem Handeln, wenn ich daran denke: Ich bin nicht nur für mich selber geboren worden, sondern auch für die anderen Menschen um mich herum.Einen schönen Tag wünsche ich ihnen.

Dienstag: Japan – Ganz tief verneigen

Guten Morgen,
ich habe gehört, dass man in Japan, bei einem Besuch genau darauf auchten muss, wie weit sich der Gastgeber vor einem verbeugt. Denn es gehört zum guten Ton, dass der Gast sich ein bisschen tiefer zurückverbeugt. Alles andere würde man als arogant und demütigend empfinden.
Da ist mir eingefallen, dass schon der Apostel Paulus gesagt hat: “Ein jeder achte den anderen höher als dich selbst.” Das ist eine schöne Grundhaltung für das menschliche Miteinander.
Die könnte man noch ausbauen:
Erachte dein Gegenüber auch schlauer als dich selbst und glaube nicht, dass du immer alles besser wüsstest.
Erachte den Anderen verletzlicher als dich selbst und gehe mit deinen Worten entsprechend vorsichtig um, damit du ihm nicht weh tust.
Wenn ich allein diese drei Kleinigkeiten im Hinterkopf behalten würde: Den anderen höher, schlauer und verletzlicher als mich selbst einzuschätzen, ich glaube, da müsste oft genug das, was ich tagtäglich rede und schreibe, ganz anders aussehen ….
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Mittwoch: Tansania – Hodi und Karibuni

Guten Morgen,
in Ostafrika, wo in manchen Gebieten die einzelnen Häuser eines Dorfes sehr verstreut liegen, gibt es eine interessante Tradition: Wenn man jemanden besucht, ruft man schon etliche Meter vor dem Haus laut “hodi!”. Das heißt nichts anderes als “klingeling”.
Denn es gibt da in der Regel keine Türklingel. Ich rufe schon von weitem “hodi” – so weiß der andere, dass jemand kommt, und ist nicht erschreckt, weil ich plötzlich im Hauseingang auftauche
Was auch wichtig ist: Ich gehe erst ins Haus, wenn der andere mit “karibuni” antwortet. Dann weiß ich: Es passt dem Anderen, ich bin willkommen.
Eine schöne, rücksichtsvolle Tradition.
Das gefällt mir besser, als wenn Menschen aus Gewohntheit schon anfangen an der Türe Sturm zu klingeln, wenn man nicht berets nach 15 Sekunden geöffnet hat.
Auch schöner, als wenn Leute abends um 10 auf meinem Handy anrufen, ohne nachzufragen, ob sie nicht vielleicht gerade stören könnten.
“Hodi” – das ist das afrikanische Zauberwort: Vorsichtig nachfragen, ob es denn gerade passt dass ich vorbeischaue. So ein bisschen “Hodi” – statt selbstbewusst in das leben des Anderen hineinzugrätschen – Hodi – das würde uns wirklich gut tun.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Donnerstag: Spanien – Hatschi …. Jesus

Guten Morgen,
wenn jemand in Spanien niest, sagen die anderen Menschen nicht “Gesundheit”, sondern “Jesús”. Warum sie den Namen von Jesus rufen, dazu gibt es verschiedene Theorien. Aber unterm Strich geht es natürlich darum, dass man dem Verschnupften wünscht, dass Gott ihn wieder gesund werden lässt.
Gott zu bitten, dass jemand gesund wird – das ist ja nicht mehr so angesagt. Weil wir es ja gewohnt sind, dass die Medizin so ziemlich alles wieder hinbiegen kann. Erst wenn auch die Ärze hilflos mit den Schultern zucken, heißt es: Da hilft nur noch beten – eben dann, wenn gefühlt alles zu spät ist.
Da könnten wir uns von den Spaniern mit ihrem Jesús-Ruf beim Niesen etwas abschauen: Ganz alltäglich auch Gott um Gesundheit zu bitten. Für mich gehört das zum normalen Leben dazu. Ich bitte die Verkäuferin um fünf Semmeln, in erzähle einer Freundin vom Ärger in der Arbeit, und ich rede mit Gott …. auch von den Sorgen um meine Gesundheit.
Wenn ihnen ein Spanier beim Niesen einmal plötzlich ganz fromm vorkommt und Jesús ruft: Der ist kein Mönch, der ist ganz normal.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

Freitag: Schweden – Schuhe ausziehen

Guten Morgen,
in Schweden ist es ganz normal, dass man im Haus keine Schuhe trägt. Wenn ich als Gast oder auch als Handwerker jemanden besuche, ziehe ich meine Schuhe aus, und schleiche auf Socken durch die Wohnung.
Ich weiß gar nicht, ob es da nur um Sauberkeit geht. Vielleicht hat das auch etwas mit dem Respekt vor der Wohnung des Anderen zu tun. Und ehrlich gesagt: Es fühlt sich für mich als Gast auch wirklich ganz anders an, wenn ich ohne Schuhe auf dem Sofa sitze: Da fühle ich mich viel gegenwärtiger und heimischer, als wenn ich noch meine Wanderschuhe anhabe.
Ob man deshalb in Moscheen die Schuhe auszieht? Um sich mit dem Gotteshaus verbundener zu fühlen? Mir würde es einleuchten.
In unseren oft furchtbar kalten Kirchen kann ich mir nicht vorstellen, auf Socken herumzulaufen. Und doch will ich dran denken: Ein bisschen ist es, in der Kirche wie wenn ich zu Gott ins Wohnzimmer komme – um ihn zu begegen von ihm Neues zu hören und ihm meine Sorgen zu sagen. Auch wenn Gott überall ist: Die Kirche ist für mich dann doch seine Wohnung und was ganz besonderes.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen

 

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