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Predigt: Licht scheint in die Krippe (Zum einem Bild von Quint Buchholz), 1. Weihnachtstag, 25. Dez 2014

Quint Buchholz: Ich steh an deiner Krippe

Quint Buchholz: Ich steh an deiner Krippe

Quint Buchholz hat ein zauberhaftes Bild geschaffen, in dem ein kleiner Junge fasziniert vor einer Futterkrippe im Schnee steht, aus der ihm ein „überirdisches“ Licht entgegenstrahlt. Dieses Bild (hier auf der Homepage von Quint Buchholz) kann als Postkarte beim Gottesdienstinstitut bezogen werden. (Bitte beachten Sie dabei das Urheberrecht und drucken Sie die Datei von der Homepage des Künstler nicht ohne Erlaubnis aus)

Hin zur Krippe
Es ist der erster Weihnachtsfeiertag, die Eltern liegen noch im Bett, aber ihr kleiner Jakob ist schon unterwegs. Aus seinem Kinderzimmer im ersten Stock ist er rausgeschlichen, die Treppe hinunter ins Wohnzimmer, wo die Geschenke stehen, die er am Heiligen Abend ausgepackt hat. Die Holzeisenbahn, das Sandspielset für den Urlaub im Sommer und manches mehr.
Draußen ist es noch dunkel, aber als er durch die Terrassentüre in den Garten blickt, erkennt er da draußen ein Licht. Was ist das? Durch das Glas kann er es nicht richtig erkennen –  da steht etwas, mitten im verschneiten Garten. Er schlupft in seine Gummistiefel, die neben der Terrassentüre bereitstehen, nimmt sich die Jacke, die daneben am Boden liegt. Mit etwas Mühe kann er die Türe zum Garten öffnen, und stapft geradewegs hin, zu dem, was da steht. Zu dieser Krippe, die ein geheimnisvolles Licht verbreitet.
Dort steht er dann, und kann sich gar nicht sattsehen. Fest hält er seinen Teddybären im Arm. Hoch über ihm leuchtet hell der Stern.

Liebe Gemeinde, so könnte es entstanden sein dieses Bild, das Sie in den Händen halten. Quint Buchholz hat es gemalt.

Anziehungskraft

„Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.” (Lk 2,16) so beschreibt der Evangelist Lukas, wie einst die Hirten zu Krippe gekommen sind. Und dann auch ganz fasziniert warem, von dem, was da geschehen ist.
Die Krippe von Bethlehem, das ist ein Ort mit immenser Ausstrahlung und Anziehungskraft. Die Hirten damals, der kleine Jakob auf dem Bild, ja wohl auch wir selbst: Wenn wir daheim eine Krippe aufstellen, können uns dem Zauber der Krippe kaum entziehen. Eben weil da etwas besonderes, etwas einmaliges geschehen ist.

So will ich heute mit Ihnen und diesem kleinen Jungen der Besonderheit der Krippe nachspüren.

In der Krippe berühren sich zwei Welten

Was mich an diesem Bild besonders fasziniert: Dieses „überirdische” Licht. Man weiß nicht genau, ob es aus der Krippe herausstrahlt, oder ob es von oben herab in diese Krippe hineinfällt. Es ist jedenfalls anders als das, was wir so kennen. Noch dazu hoch oben der Stern, eigentlich Millionen von Kilometern entfernt, aber doch irgendwie ganz nah, so, als wäre er allein nur wegen dieser Krippe und diesem Jungen hier.

Da berühren sich Welten. Wenn da keine Krippe wäre, könnte man das Bild glatt „Begegnung mit den Außerirdischen” bezeichnen, und  könnte als Umschlag für ein Buch passen, das davon handelt dass ein kleiner vierjähriger Junge Kontakt mit Außerirdischen hat, die mit ihren Ufo in seinem Garten landen.   – Und damit würden man ja gar nicht so falsch liegen:
Die Krippe ist der Ort, an dem sich unsere Welt und diese ganz andere Welt Gottes berühren. In der Krippe kommt der Sohn Gottes herüber zu uns, hinein in unsere Welt. Da kommen beide Welten einmal zusammen.

Viel häufiger erleben wir diese beiden Welten ja voneinander getrennt. Gottes Welt, sein Reich, das, wofür Gott steht, und unsere Welt, unser Alltag, unsere Lebensverhältnisse stehen ja oft im krassen Widerspruch.
– Gottes Botschaft des Friedens und der Zustand unserer Welt, die in diesem Monaten in besonderer Weise wieder zu den Waffen greift.
– Die Liebe, für die Gott steht, und unser alltäglicher Umgang miteinander mit dem Repertoire an Möglichkeiten von gepflegten Ignorieren des anderen bis zum systematischen Mobbing.
– Die Hoffnung, dass Gott es gut mit uns meint, und unser Erleben, dass Schlimmes einfach passiert, ohne dass wir Menschen etwas dafür oder dagegen tun können.
Zwei Welten im Widerspruch – Gottes Welt, unsere Welt – wer soll das denn jemals zusammenbekommen?

Wer, wenn nicht derjenige, der in beiden Welten daheim ist: Das Kind in der Krippe, Jesus Christus.
Er hat uns die Augen dafür geöffnet, dass Gottes Welt mitten unter uns ist – auch wenn vieles geschieht, was nicht unseren Hoffnungen entspricht.
Von ihm können wir lernen: Sein Reich ist dort, wo Menschen sich von Gott in Bewegung setzen lassen, wo sein Geist in uns am Wirken ist.

In der Krippe berühren sich beide Welten. Gottes Welt und unsere Welt. Wir können sie seitdem nicht mehr trennen. Immer wieder gibt es Punkte wo wir Gottes Welt unter uns am Wirken sehen. Als Christen gehören wir zu denen, die dafür eigentlich in besonderer Weise geeignet sind, das wahrzunehmen; denn wir wissen von der Welt Gottes. In Gottesdiensten reden und hören wir davon, in Gebeten sprechen wir von der einen Welt in die andere hinein. Im Abendmahl sagen wir : „Jesu Leib” und „Jesu Blut” – haben Dinge unserer Welt in Händen und erleben, dass Gottes Welt genau darin begegnet.
Und viele haben ein inneres Sensorium, erleben, wie Gott in ihrem Leben etwas tut. Wo sie sich als „von Gott beschützt” erfahren, den Eindruck haben, dass Gott etwas bestimmtes von ihnen will, spüren, dass er im Gewissen zu ihnen spricht.
Das sind Highlights im Leben.

Zugleich bleibt aber auch die Erfahrung: Beide Welten sind identisch. Oft ist man hin-und-her gerissen. Diese Spannung bleibt – und darum erinnern wir uns gerne an die Krippe, diesen Punkt, an dem eben beide Welten zusammenkommen.

Gott ist in der Krippe ganz anders

In der Krippe wird Gott Mensch. Was so einfach klingt – ist etwas Unglaubliches. „Gott” – da denke ich daran, dass er groß und mächtig ist, ewig, unsterblich. Aber in der Krippe sieht das ganz anders aus: Süß und goldig … naja … aber vor allem klein, wehrlos, auf andere angewiesen, den Menschen absolut ausgeliefert! Auf Gedeih und Verderb ist das Kind in der Krippe auf seine Familie angewiesen – möglicherweise auch auf Eltern, die mit dem kleinen Jesus-Baby überfordert sind.
Und auch als Erwachsener bleibt er in den Händen der Menschen, setzt sich dem aus, dass andere ihn missverstehen, ablehnen und Verrat an ihm üben – bis er letztlich auch dem Pontius Pilatus ausgeliefert war – und den Männern, die ihn ans Kreuz genagelt haben.

Unglaublich, dass derjenige, der diese Welt geschaffen hat, der diese Menschen kennt und sie in der Hand hat – das genau dieser allmächtige Gott sich diesen Menschen ausliefert.

Gott hat sich entschieden, anders zu sein! Und damit bringt er uns Menschen in eine komische Situation. Weil derjenige, der der Mächtigste ist, die Rollen tauscht. Gott im Baby.
Und nicht nur da! „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan” hat Jesus gesagt (Mt 25,40) – Da spüren wir es wieder, das Ineinander von zwei Welten. Merken, dass es nichts gibt, wo nicht auch Gott uns entgegen kommt.

Auch das ist eine Folge von „Gott in der Welt”: Es gibt keinen Bereich, wo ich sagen könnte, dass er nichts mit Gott zu tun hat. Beruf, Privatleben, Liebesleben, Politik, Finanzen … das alles kann ich nicht auf die Seite schieben und so tun, als könnte ich das alles unabhängig von meinem Glauben, abgelöst von meinem Gott behandeln.
Eben weil Gott anders ist, nicht begrenzt auf einen isolierten Bereich von Religiosität. Wenn … dann ist er überall. Redet überall hinein im mein Leben, mischt mit – was aber auch bedeutet, dass ich in jedem Bereich mit seiner Nähe rechnen darf.

Was bleibt?

Liebe Gemeinde,
da fällt mir ein: Der kleine Jakob steht ja noch immer an der Krippe draußen im Garten. Mit seinen roten Gummistiefeln müsste es langsam etwas kalt an den Füßen werden.
Im Gedanken hole ich ihn mir wieder herein in die warme Wohnung. Und ich frage ihn, was er da gesehen hat. Was ist denn da drin, in dieser Krippe? Wenn der Maler es nicht verrät, kann mir vielleicht der kleine Junge weiterhelfen.

Aber er schaut mit verständnislos an. „Na, warum weißt du als Erwachsener das nicht? Natürlich ist da kein Jesuskind drin. Der ist doch schon viel zu alt. Der war doch nur damals ein Baby.
Aber” … und er senkt die Stimme, als wenn er mir ein Geheimnis anvertrauen möchte … „aber sein Licht, das scheint immer noch in die Krippe. Das Licht, das von Gott kommt, meine ich. Weißt du: Ich denke, damals als Jesus gekommen ist, hat Gott die Tür zum Himmel aufgemacht, damit der Jesus herunterkommen kann. Und dann hat er sie einfach nicht mehr richtig zugemacht. So dass sie noch einen Spalt offenbleibt. Ich kenne das von meinen Eltern, die die Tür von Kinderzimmer auch abend ein bisschen offen stehen lassen, damit es bei mir nicht so dunkel ist.
Und so ist es auch mit der Tür zum Himmel. Darum scheint das Licht von Gott bis heute runter auf die Welt.
Heute früh hat es in meinen Garten reingescheint – und morgen ja vielleicht in deinen Garten.”

Amen

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