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Predigt: Die Weihnachtspyramide, Heiliger Abend, 24. Dezember 2014

pyramide1Symbolpredigt in der Christmette mit einer Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge. Tipp: Um den Gottesdienstbesuchern den „Blick“ auf die Pyramide zu erleichtern, ist es sinnvoll, die entspr. Elemente der Pyramide auf dem Liedblatt mit abzubilden.

Liebe Gemeinde,
eine Weihnachtspyramide haben wir heute hier stehen. Bei uns in Franken gehört so etwas eher nicht zur normalen Ausstattung unserer weihnachtlichen Kirchen, in anderen Regionen, zum Beispiel im Erzgebirge sieht man sie öfter auch in der Kirche stehen.
Wie unser Weihnachtsbaum ist auch die Weihnachtspyramide nichts ur-christliches. Aber wenn ich sie mir so anschaue, wie sie so dasteht, wie sich ihr Innenleben im Kerzenschein dreht, da merke ich:
Sie kann mir einiges erzählen, in ihr entdecke ich manche holzgewordene Botschaft. Also schaue ich mir sie doch ein bisschen genauer an.

Diese hier hat vier Stockwerke – ganz oben stehen drei Engel, feierlich blasen sie ihre Trompete.  Direkt darunter ziehen vier Wächter mit Helm, Schild und Helebarde ihre Kreise. Ein Stockwerk tiefer finde ich die Szene mit den Hirten und dem Engel: Mittig auf einem Sockel steht der Engel, der die Geburt Jesu verkündet, und um ihn herum laufen zwei Hirten mit ihren Schafen und Lämmern. Und ganz unten begegnet uns die Heilige Familie mitsamt ihrem Esel. Und auf der sich drehenden Scheibe außenherum sind die Weisen aus dem Morgenland unterwegs. Die drei Besucher halten Gefäße mit ihren Geschenken in den Händen, ihnen folgt ein Diener, der das Kamel führt.

Oben und Unten in der Weihnachtspyramide

Eigentlich ist das ganze einer Weihnachtskrippe nicht unähnlich – die Hauptpersonen sind die gleichen, aber eben auf verschieden Ebenen einsortiert. Da gibt es ein oben und ein unten. Und das vielleicht nicht ohne Grund!
Ganz oben, die Engel, die himmlische Welt – das leuchtet mir ein.
Dann kommen die Wächter, die weltliche Herrschaft, es könnte auch ein Kaiser daneben stehen. Das ist unser „oben”, die Mächtigen. Und dann geht es weiter hinunter zu den unteren Chargen: Die Hirten und zuletzt die Familie im Stall mit ein paar fremdländischen Herren.

Oben und Unten. Auch wenn es mir nicht gefällt: Ich erlebe es immer wieder, dass unsere Welt wie so eine Weihnachtspyramide Stufen hat, oben und unten, in viele Ebenen unterteilt. Und immer wieder pflegen wir diese Stufen.
Schon in der Grundschule hoffen Eltern, dass ihr Kind es aufs Gymnasium schafft, erwarten davon den Zugang zu den Berufen, auf den höheren Ebenen unserer Gesellschaft. Wir wissen genau, wo wir die Ärztin, den Handwerker und die Supermarktkassiererin einsortieren. Wir reden von beruflichen oder gesellschaftlichen Aufstieg, bewundern es, wenn es einer schafft – wohl auch, weil wir wissen, wie undurchlässig und auch unbarmherzig dieses System oft  ist.
Oben und unten – das ist unsere Welt. – Und wo finden wir den neugeborenen Herrn der Welt? Ganz unten! Nicht in der luftigen sonnendurchfluteten Beletage, oben bei den Reichen, Schönen, Mächtigen. Ganz unten, in Kellerloch, wo man sich ein bisschen herunterbeugen muss, um ihn zu entdecken.
Menschwerdung Gottes durchbricht unser „oben” und „unten”. Das Kind in der Krippe tut seinen ersten Schrei im einem dreckigen Futtertrog, wird die ersten Lebensmonate als Flüchtling in Ägypten unterkommen (auch wenn es momentan bestimmte Leute ärgert, wenn die daran erinnert werden, dass auch unser Heiland einmal auf Asyl angewiesen war), und er wird später seine Zuhörer verwirren mit Worten die unsere Pyramidenwelt auf den Kopf stellen:
„Die ersten werden die letzten sein, und die letzten die ersten”, sagt Jesus, als es um die Frage der Entlohnung der Arbeiter im Weinberg geht.
„Der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener” ist seine Antwort, als sich die Jünger um ihre Rangfolge streiten.

Damit stellt Jesus unsere wohlgeordnete Welt in Frage. Unser menschliches „oben und unten” ist nicht seines und er gibt seinen Jüngern die Aufgabe, das zu durchbrechen – mit ihrem Denken und Tun.

Und dann schaue ich mir diese Pyramide an, und unsere Welt, in der momentan die Reichen immer Reicher, die Armen immer ärmer, und der Mittelstand unter Druck gesetzt wird. Stolz brauchen wir darauf nicht sein. Da haben wir Christen in 2000 Jahren diese Welt nicht umgekrempelt. Die dreht sich weiter, und spielt alten Machtspiele, das alte „oben und unten” wie bisher.  Das ist schon enttäuschend.

Aber dann denke ich daran, wie Jesus das Senfkorn gepriesen hat.
Den kleinen Anfang.
Den ersten Schritt.
Die mickrige Gruppe von zwei oder drei Leuten, die ein seinem Namen zusammen sind.

Reich Gottes ist für ihn schon in diesen kleinen Ansätzen da – ist schon mitten unter uns, auch da, wo wir es gerne größer, ansehnlicher und mit durchschlagender Wirkung hätten.
Eben auch da stellt Jesus unsere Vorstellungen auf den Kopf.  Das Kleine, Unscheinbare zählt für ihn.
Meine kleinen Ansätze, Dinge besser zu machen,
meine wackeligenVersuche, mein eigenes „oben-unten-Denken” auszuschalten,
meine Schrittchen, etwas zu verändern. –
Wenn wir das schaffen – immer wieder einen kleinen Schritt –  dann ist das das eigentlich große, das ist das Wirken des Reiches Gottes.

Lied

Bewegt vom sanften Hauch

Was wäre die Weihnachtspyramide ohne die brennenden Kerzen, die das Flügelrad in Bewegung setzen, so dass sich die Figuren gleichmäßig im Kreis drehen?
Es ist schon faszinierend: Ein paar Kerzchen reichen aus: Die erwärmte Luft steigt auf und entfaltet ihre Wirkung an den hölzernen Flügeln. Nur ein bisschen warme Luft – weiter nichts.
Wobei: Natürlich gibt es heute schon längst Pyramiden mit Stromkabel und Zeitschaltuhr – aber wozu? Das besondere ist doch diese Leichtigkeit! Wenn man die ersten Kerzen entzündet, bewegt sich zunächst nichts, erst mit der Zeit baut sich der zarte gleichmäßige Luftstrom auf und bringt das Ganze, die Wächter, die Hirten und die drei Weisen in Bewegung.

Im Buch des Propheten Sacharja findet sich eine Vision, in der der Prophet einen siebenarmigen Leuchter sieht. Und die Antwort was das zu bedeuten habe liefert ihm ungehend ein Engel: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.”

Nicht mit Heer oder Kraft … sondern durch Gottes Geist!
Nicht immer muss alles spektakulär angeleiert, mit Power und Masterplan ungesetzt werden. Manchmal verändern sich Dinge ganz allmählich, schleichend und doch unaufhaltsam. Gottes Geist, wirkt unsichtbar, verändert Menschen, verwandelt Herzen, dreht Perspektiven.

So still und leise wie die Kerzen diese Flügel in Bewegung versetzen. Nicht umsonst wird Gottes Geist an vielen Stellen mit einem Windhauch verglichen. Wir können nicht alles „machen” – können nicht alles übers Knie brechen, so wie wir das gerne hätten. Der Geist Gottes hat oft seine eigenen Wege: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.” hat Jesus gesagt.

Da frage ich mich – welcher Wind bei uns an den Feiertagen weht?

Der straffe Windzug einer minutiös geplanten Feierlichkeit. Alles ist geregelt, nichts sollte schiefgehen, nichts sollte ungeplant dazwischenkommen. Denn schließlich gibt es jede Menge an Erwartungen die erfüllt werden sollen und Besuche, die zu absolvieren sind.
Das ist schon eine steife Brise, der wir uns oft aussetzen.

Oder nehme ich mir die Freiheit eines sanften Lüftchens, das Spielraum und Freiheit lässt? Auch auf die Gefahr hin, dass gewisse Erwartungen eben nicht gänzlich erfüllt werden. – Dass nicht alles funktioniert – und mit dem Vorteil, dass auch ich nicht immer funktionieren muss.

Und dann schaue ich mir unsere Pyramide an:
Klar, ein bisschen Luftzug braucht es, sonst kommt nichts in Bewegung, das ist logisch. Aber es gibt eben auch Grenzen. Es geht nicht immer schneller, ich muss mich mit dem begnügen, was meine Kerzen hergeben. Wenn ich versuche hier wild herumzufächeln oder zu pusten – das wird nichts bringen.

Darum halte ich lieber ein bisschen inne. Schaue, was geht, und freue mich an dem, was entsteht. Bin dankbar für das, was ich da sehe:
Das Jesuskind im Zentrum,
die Menschen – seien sie oben oder unten – werden in Bewegung gesetzt,
bewegt vom einer unsichtbaren Kraft, die wir Menschen nicht steuern können.
Weil das Reich Gottes still und unaufhaltsam über die Erde geht.

Amen

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