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Radioandachten auf Charivari 98,6 im Dezember 2014

Montag: Spielen wie im Paradies

Guten Morgen
kürzlich habe ich im Wartezimmer meiner Hausärztin einen Zwölfjährigen mit der dort herumstehenden Holzeisenbahn spielen sehen.
Holzeisenbahn mit zwölf? Ist das nicht ein bisschen komisch, ist er nicht ein bisschen zu alt dafür?
Einen Moment habe ich wirklich gestutzt. Aber dann ist mir eingefallen: Ich kenne doch auch erwachsene Männer um die 50, die spielen immer noch mit ihrer Eisenbahn. Klar, die ist elektrisch, oft schon computergesteuert , ist ein ziemlich teurer SpaßY. und doch spielen sie Eisenbahn; werden vertieft in dieses Spielzeug doch wieder zu kleinen Jungs, so wie der Kamerad mit der Holzeisenbahn.
Ich glaube, im Spielen ist uns Menschen ein bisschen was von dem geblieben, was uns einst als Paradies geschenkt war. Einfach da sein, ganz bei der Sache ‑ Ich spiele und ich bin einfach ich.
Das hat etwas von der Unberührtheit des Paradieses.
Keiner sagt mir, dass ich stark sein müsste und mich selbst optimieren, weil ich sonst im Wettbewerb um Jobs, Anerkennung und die schönsten Frauen nicht bestehen könne.

`Wie du bist, habe ich dich geschaffen,@ sagt mir mein Schöpfergott, `und so, wie ich dich geschaffen habe, ist es gut ‑ und jetzt geh auch mal raus zum Spielen ‑ auch wenn Mite vierzig und Pfarrer bist!
Stimmt, eigentlich hätte ich mit zu dem Jungen und seiner Eisenbahn setzen sollen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

 

Dienstag: Macht hoch die Tür

Guten Morgen,
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit ‑ das ist für mich das Lied, das den Advent zum Advent macht.
`Last Christmas@ ist für mich billiges Gschmarri dagegen – das wird auch nicht besser wenn ich fünf mal am Tag hören muss.
Macht hoch die Tür – das kommt nichts dagegen an!
Vielleicht liegts daran, dass ich schon als Kind wusste: Wenn das Lied gesungen wird, dann dauert es nicht mehr lang bis Weihnachten.
Nur das Ende des ersten Verses hat mich als kleinen Jungem immer etwas irritiert. Das singt man `Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat“.
Und ich habe damals mit 5 oder 6 Jahren beim Wort „Schöpfer“ immer an einen Suppenschöpfer gedacht ‑ an so seine Suppenkelle.
Ist Gott ein Suppenschöpfer? ‑ das war für mich schon eine komische Vorstellung. Klar, da ist was anderes gemeint. Eigentlich ist das gar nicht so verkehrt:
Der Suppenschöpfer, mit heißer Brühe, randvoll. Ein paar Nudeln hängen über den Rand. Das tut gut ‑ etwas Warmes braucht der Mensch. Nicht nur im eisigen Advent.

Gott zu vertrauen ‑ das hat auch was von einem Schöpfer voll Nudelsuppe. Es wärmt mich innerlich auf: Das Gefühl, dass da einer ist, der es gut mit mir meint, der mich beschützt, der zu mir hält ‑ auch wenn draußen ein ganz anderer kalter Wind bläst. Gott als mein Schöpfer – so oder so: Eine Vorstellung die mir irgendwie gefällt.
Einen schönen Tag wünsche ich ihnen.

Mittwoch Plätzchenbacken

Guten Morgen, backen Sie ihre Plätzchen noch selber?
Das ist ja mittlerweile echt unsinnig: Die gibt=s beim Discounter ja so günstig, da rentiert sich das ja gar nicht mehr.
Und die Sauerei in der Küche … alles pappt, dann fällt beim Ausstechen was runter, das hängt dann an den Schuhen. Und die Ausstecher, da hat man ja auch nur ein paar Förmchen … die Plätzchen im Laden sind da erheblich vielfältiger. Und die Zuckerstreusel, und was man sonst draufmacht: Da gibts ja immer nur so Riesenpackungen, die man in 10 Jahren nicht aufbraucht.
Vom Backen, den verbrannten und zerbrochenen Exemplaren will ich gar nicht reden.
Ich sags ihnen: In dem Jahr hat meine Frau entschieden: Wir packens wieder mit dem backen! Mit der ganzen Familie.
Da ganze Haus duftet danach, die Kinder machen mit und naschen Teig und Plätzchen. Ich komme auch vorbei und krieg ein Versucherle.
Das ist Advent!
Wir spüren: Es geht nicht um Konsum, um Effizienz oder Schnäppchenpreise. Es geht um eine besondere Zeit, wo man sich auf das und diejenigen besinnt, die einem wichtig sind.
Wenn Gott überlegt hätte, ob es sich rentiert, Jesus auf die Welt zu schicken, dann wäre Weihnachten vielleicht auch ausgefallen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

 

Donnerstag: Die Lebkuchen‑Affäre

Guten Morgen
Stellen Sie sich vor, jetzt hat der Fregger seine Klassenlehrerein auch noch mit Lekbuchen bestochen! Die Mutter eines Mitschülers ist beim Erzählen kaum zu bremsen. Schon seit der ersten Schulwoche ist der Kerl rotzfrech, macht seine Hausaufgaben nicht und schreibt bloß Vierer, Fünfer und Sechser!
Und jetzt schenkt er der Lehrerin eine mordsmäßig große Tüte mit Lebkuchen. `Hab ich selber gebacken hat er auch noch gesagt. Wer weiß obs stimmt ‑ Jetzt hofft er wohl, dass sie ein Auge zudrückt! ‑ Also ich hätte ihm die Tüte auf dem Kopf gehaun.

Ich sags ihnen: Sowas ist mir als Schulpfarrer wirklich mal passiert. Und ich habe die Lebkuchen ohne mit der Wimper zu zucken genommen: Egal ob das wie Bestechung aussieht oder nicht: Ich habe gemerkt, zum ersten mal ist der kleine Kerl richtig stolz auf das, was er geleistet hat: Selber mit der Mama Lebkuchen gebacken und jetzt in der Schule verteilt!
Auch wenn er in der Schule Probleme hatte und machte: An diesem Tag konnte er zeigen: Ich gebe mir Mühe, ich will ja einer von den Guten sein ‑ auch wenns manchmal anders aussieht.
Den Problemkindern eine Chance geben: Das ist nicht nur eine Aufgabe der Lehrer und Lehrerinnen ‑ auch Sie, die anderen Eltern sollten Sich freuen, wenn sich bei den schwierigen Kandidaten mal etwas zum guten wendet.
Einen fröhlichen Tag wünsche ich Ihnen

 

Freitag: Halbzeit auf dem Weg nach Weihnachten

Guten Morgen,
jaaaa es ist der 12. Dezember !
Halbzeit!
Genau: Heute haben wir mit der Nummer 12 die erste Hälfte der Türchen im Adventskalender geöffnet.
Als Kind war das für mich immer eine wichtiger Meilenstein: Die Hälfte des Wegs bis zum Heiligen Abend ist geschafft!
Es wird immer spannender, immer weihnachtlicher!
Und was heißt das für uns als Erwachsene?
Manche krempeln jetzt die Ärmel zum Endspurt hoch: Noch noch 12 Tage, zwei Wochenden zum Einkaufen, zum Backen und Vorbereiten. Jetzt aber los!
Aber ob es dadurch in der zweiten Halbzeit weihnachtlicher wird? Oder wird doch alles nur stressiger ‑ und ich werde immer aufgescheuchter und fahriger?
Was zählt, wäre jetzt nicht Endspurt, sondern einen Gang langsamer machen, abends nicht auf Amazon rumsuchen, sondern eine Kerze anzünden. Nicht über der Planung für die ausgefeilteste Weihnachtsfeier brüten, sondern mal dasitzen und nichts machen müssen.
Dann haben wir Advent.
Dann können wir spüren: Weihnachten kommt von ganz alleine ‑ jeden Tag ein bisschen näher ‑ und wir müssen eigentlich gar nichts dafür tun!
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Samstag: Zurück zur Quelle

Guten Morgen,
willkommen zum dritten Adventswochenende.
Wir feiern morgen den dritten Advent. Manche gehen da ja auch in die Kirche. Vieleicht gehören Sie grade nicht zu denen, die besonders oft da hingehen Y ich weiß, man kann seinen Glauben ja auch im Alltag leben ‑ ohne Gottesdienste.
Und das ist auch nicht falsch.
Aber doch ist da ein Unterschied – ob ich Glaube und Gott im Alltag oder im Gottesdienst erlebe.
Vielleicht ist es so, wie bei Menschen, die an einem Flüsschen ihren Alltag leben. Sie holen sich aus diesem Fluss Wasser zum Trinken, fangen Fische, waschen ihr Gesicht.
Aber manchmal gehen einige von ihnen am besonderen Tagen den Weg stromaufwärts bis an die Quelle des Flusses. Dort fließt dann zwar das gleiche Wasser, aber sie erleben noch etwas ganz anderes: Die Stille oben am Berg, der weite Blick über das ganze Tal, das geheimnisvolle Gluckern der Quelle. Sie spüren: hier kommt also alles her, was unser Leben ermöglichtY und wenn sie wieder herunterkommen, merkt man, dass sie heute wohl etwas Besonderes erlebt haben.
Vielleicht haben sie einen Anderen Blick auf die Dinge oder fühlen sich durch das frische Wasser dort oben besonders gestärkt oder sie zucken mit den Schultern: Wir können es euch auch nicht erklären, geht doch selber einmal hoch an die Quelle und schaut, ob´s euch auch so gut tut.

Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen.

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