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Predigt: Ich werde auferstehen (zu einem Bild von Heribert A. Huneke, Ewigkeitssonntag, 23. November 2014

ewigkeitssonntag2014Das Gemälde „´ich werde auferstehen´ oder ´… komm heraus´“ von Heribert A. Huneke lenkt den Blick auf das Licht Gottes, das die Trennung von Tod und Leben überwindet.
Das Bild kann als Karte vom Gottesdienstinstitut bezogen werden. Dort finden Sie auch eine Datei mit dem Bild. (Auf eine Veröffentlichung des Bildes in „verwendbarer“ Darstellung verzichte ich hier aus Gründen des Urheberrechts).

Liebe Gemeinde,

ein Bild möchte ich heute morgen mit Ihnen betrachten. Das Gemälde ist vom Künstler Herbert A. Huneke. Eigentlich sind es zwei Bilder in einem – ein großes quadratisches oben und ein deutlich kleineres rechteckiges unten. Beide umgeben von tiefem Schwarz.

Im oberen Bild sehe ich eine Sonne – das Licht. Wobei diese Sonne schon recht gedämpft wirkt. Wie durch einen Schleier. Es erinnert mich an einen herbstlichen Morgen: Alles ist noch nebelig, die Sonne ist schon aufgegangen – aber man sieht sie nur als matte Scheibe durch den Dunst hindurch. Man erkennt die Schlieren des Nebels, das Weiß ist eher gelblich. Mir ist klar, es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Sonne durch den Nebel gekämpft hat. Darum herrscht vorerst eher diese halbdüstere Morgenstimmung.
Um diese Sonne herum erkenne ich zwei Farbtöne: Nach oben hin erscheint es blau – tiefblau – so, wie der frühe Morgenhimmel vor Sonnenaufgang, man ahnt die Weite des Weltraums. Nach unten und zur Seite dominieren eher die natürlichen Erdtöne.

Das untere rechteckige Bild hat auch ein helles Zentrum und ist von dunklen Farbtönen umgeben, aber doch ist es ganz ganz anders. Nicht die Sonne ist in der Mitte, sondern diese sehr eigenartige Form, ja, es hat nicht zufällig die Form einer Mumie. Sie soll an einen Menschen erinnern.
Unten liegt er, wie eine Mumie in ihrem Sarkophag in der Tiefe des Pharaonengrabs. Unten … unter der Erde beigesetzt, wie wir es mit unseren Verstorbenen tun.

Oben und unten. Oben ist das Licht, wohl auch das Leben. Und unten, da ist der Tod. Zwei getrennte Bereiche – Leben und Tod – sie schließen sich aus, entweder man gehört zu den Lebenden oder zu den Toten. Darum auch zwei getrennte Bilder.
So ist auch unsere alltägliche Erfahrung: Wenn jemand stirbt, wird er aus unserer Welt, aus unserem Leben, aus unserem Miteinander weggerissen. Er ist dann nicht mehr hier bei uns. Eben woanders.
So mancher würde sich wünschen, dass diese beiden Bereiche dichter beieinander wären, sozusagen in direkter Nachbarschaft. Damit man noch Kontakt halten könnte, dass man fragen könnte, „wie gehts dir” und erzählen könnte, wie es einem selber ergeht, welchen Kummer man hat, wie sehr man den Verstorbenen vermisst. Und so mancher findet ja tatsächlich seine Wege, diese Trennung zumindest von der eigenen Seite her zu überwinden, spricht am Grab mit dem Verstorbenen, oder daheim, wenn kein anderer dabei ist.
Diese Trennung tut weh – sie ist ja für viele, die einen Menschen verloren haben, der zentrale Grund der Schmerzes.

Zurück zum unserem Kunstwerk: Die Trennung der beiden Bilder ist zwar eindeutig – aber doch hat man den Eindruck, dass sich das Licht aus dem oberen Bild mit dieser Trennung nicht abfindet. Denn der helle, ockergelbe Streifen, der sich von der Sonne aus nach unten zieht, der überspringt die trennende schwarze Lücke zwischen den Bildern und setzt sich auf dem unteren Gemälde fort. Der Schein der Sonne dringt bis in die Grabkammer hinein. Das Licht knabbert förmlich an der Dunkelheit da unten. Das Licht bringt Veränderung, das Licht lässt das untere Dunkel nicht einfach weiter abgeschieden und dunkel sein.

Schauen sie dich den an, der da liegt. Nach unten hin, unter ihm ist es weiterhin düster, kalt, dunkelbraun, aber noch oben hin, zum Licht, da zieht sich von diesem Liegenden ein heller Schein nach oben. So, als würde er sich allmählich zum Licht hin bewegen, hochschweben, sich zum Licht hin auflösen. Das Licht zieht ihn zu sich, er ist auf dem Weg zum Licht.

Liebe Gemeinde hier in Wilhelmsdorf / Brunn,
vorhin haben wir gesungen:
Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnen Lichte,
schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.

Gottes Licht, das in die Dunkelheit hinein scheint und nach und nach die Nacht vertreibt. Das ist nichts, was auf Knopfdruck geht, das ist kein Licht, das schnell alles überstrahlt, das den Tod und die Traurigkeit einfach „wegleuchten” könnte.
Es ist ein Ringen von Dunkel und Hell. So, wie die Sonne, die am Morgen mit dem Hochnebel kämpft. Das zieht sich manchmal über Stunden hin – manch einer fragt mach sich, ob die Sonne heute überhaupt noch richtig zu sehen sein wird, oder ob für den Rest des Tage so trist und grau bleiben wird.

Auch wenn die Sonne eigentlich ein gigantischer viele tausend Grad heißer Feuerball ist: Hier auf der Erde haben wir hier manchmal den Eindruck, dass eine ziemlich schwache und kraftlose Sonne nur mit Mühe die trübe Morgenstimmung aufhellen kann.

Nicht anders ist unser Empfinden als Trauernde. Das Dunkel ist oft übermächtig. Viel stärker als das Schöne und Helle um uns herum. Wir ahnen, dass das Licht, das Leben, Gottes Liebe größer ist. Aber hier bei mir sieht es eben anders aus, da scheinen die Kraftverhältnisse andere zu sein. Dann bleibt es eben lange trübe. Bei den einen dauert es länger, bei anderen geht es schneller, bis das Licht durchbricht. Und da hilft es gar nichts, wenn andere sagen: „Komm, es ist doch jetzt schon soundsolange her … du kannst doch nicht ewig Trübsal blasen …” Trauer ist ein Prozess, in dem das Licht bei jedem Menschen unterschiedlich lange braucht, bis er dessen Kraft und Wärme wieder richtig spüren kann.

Wir haben noch einen weiteren Vers gesungen;
Ach du Aufgang aus der Höh, gib, dass auch am Jüngsten Tage unser Leib verklärt ersteh und, entfernt von aller Plage, sich auf jener Freudenbahn freuen kann.

Nicht nur wir als die Lebenden sind in und nach der Zeit der Trauer wieder auf dem Weg zum Licht. Auch unsere Verstorbenen sind unterwegs. Das Lied greift die Hoffnung auf, dass Gott uns Christen nicht dem Tod überlässt, sondern wir, mit einem neuen Leib zu Gott zurückkehren – zurück ins Licht.

Wie das einmal geschehen wird, das ist wohl jenseits unseres menschlichen Verstehens. Jeder findet dafür andere Worte oder Bilder.
Vorhin in der Lesung haben wir gehört, dass Paulus von einem „geistlichen” Leib spricht, aber zugleich darüber schweigt, was man sich darunter vorzustellen hat.
Jesus hat einmal in der Diskussion mit einer Gruppe Sadduzäer bei der Frage nach dem neuen Leben nach dem Tod davor gewarnt, zu glauben, dass das Leben nach der Auferstehung einfach eine Fortsetzung unserer irdischen Lebensumstände wäre. Es wird anders sein.
Das Gemälde hier lässt es offen, was sich da genau tut, wenn das Licht von oben diesen Liegenden trifft. Auf jeden Fall kommt hier viel in Bewegung, der Liegende wird selbst Licht, und mein Eindruck ist, dass er nicht auf seinem Platz in diesem unteren Bild bleiben wird, sondern nach oben hin wechselt.

Das Bild, das sie sehen, hat der Künstler unter den Eindruck des Besuchs einer historischen unterirdischen Grabanlage begonnen. Es war eine etwas andere Führung, als man gewöhnlicherweise erlebt. Ich möchte ihnen sein Erlebnis, wiedergeben – eine Erfahrung, die wohl nicht nur für ihn ein sehr sprechendes Bild für das ist, was wir Auferstehung nennen:

Wir waren auf einer Reise in der französischen Bretangne, man hatte uns geraten, mit dem Boot zur kleinen Insel Gravinis überzusetzen und das dortige sogenannte Königsgrab zu besuchen. Von der Anlegestelle waren es nur wenige Schritte bis zu dem Grabhügel. Eine junge Frau betreute den Eingang. Wir waren bei der Führung zu dritt. Sie begleitete uns den etwa 15 Meter langen Gang bis er sich zu einer geräumigen Grabkammer weitete. Es war eine beeindruckende Atmosphäre. Im Schein der Taschenlampe bewunderten wir die mit Symbolen verzierten Steine. Keiner von uns spricht. Dann schaltet die Führerin ihre Taschenlampe aus, und schließt langsam die Tür, durch die wir gekommen waren. Nichts ist zu hören, nur ab und zu fällt ein Wassertropfen irgendwo von den Wänden. Wir hocken da in absoluter Dunkelheit.
In mir meldet sich ein Gefühl unbeschreiblichen  Geborgenseins, das mich aufnimmt, umfasst, umschließt. Nichts ist bedrückend. Ich bin entspannt, weiß mich geborgen, wie ein Baby im Bauch seiner Mutter. Versunken horche ich mich hinein – da wird unerwartet, ohne vorherigen Hinweis die Türe in einem Zug weit geöffnet. Mir schlägt gleißendendes Sonnenlicht in die Augen – und ohne dass jemand dazu etwas sagt, zieht es mich in Richtung des Lichts, das mich blendet. Als wenn das Licht mich aus dem Grab herausrufen würde. Und sofort setzte ich mich in Bewegung – diesem Licht entgegen.

Amen

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Ein Kommentar

  1. Eine ‚personale Erzählsituation’eventuell auch Mitteilung vom Hören und Sagen,ggf. verschriftlicht, ohne Urtext, Urkunden, auch von Knallzeugen, kann bei manchen Menschen eine Unmittelbarkeit und Reflexe erzeugen, obwohl sprechende Bilder, Mensch = Licht, Überlichtgeschwindigkeit, mit unbeschreiblichen Gefühlen, weiß Kuckucksnest, nur Wirklichkeitsillusionen hervorbringen kann. Selbiges Diskutieren, Debattieren ist genau genommen ein Unding. Die Brauchbarkeit liegt bei denen die damit Berufsstandsicherung betreiben.

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