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Radioandachten auf Charivari 98,6 im August 2014

Montag: Neue Erde pflanzen
Dienstag: Josef aus Ägypten
Mittwoch: Verstanden
Donnerstag: Alle gleich?
Freitag: Ganz einfache Worte
Samstag: Wo gehobelt wird

Montag: Neue Erde pflanzen

Guten Morgen!
Der Mann, der gerade am Spielplatz im Park vorbeispaziert staunt nicht schlecht: Da sitzt ein Mädchen im Sandkasten und verbuddelt darin einen Globus. Zur Hälfte ist der schon im Sand verschwunden. Er bleibt stehen und fragt: Was machst du denn da? Warum gräbst du da einen Globus ein?
Die Kleine unterbricht ihre Arbeit, steht auf, und wischt sich die sandigen Hände an der Hose ab:  „Ganz einfach” antwortet sie, „ich pflanze eine neue Erde” Bis ich groß bin, werden wir wohl eine neue Erde brauchen, weil die Erde hier dann wohl schon kaputt sein wird. Kannst du mir helfen, sie ein bisschen zu gießen?”
Was würde ich an der Stelle dieses Mannes tun?
Soll ich ihr erklären, dass es keinen Reserve-Planeten geben wird? Dass sie mit dem leben muss, was unsere Generation übrig lässt?
Oder soll ich mit ihr anfangen zu gießen, und zu hoffen?
Hoffen und beten, dass wir uns ändern, damit wir diese Schöpfung erhalten können.
Mit ihr diesen Globus gießen. Dann würde mich dieser Sandkasten immer daran erinnern, dass ich mit allem, was ich tue oder lasse – eine riese Verantwortung habe. Für dieses Mädchen und für alle Kinder dieser Erde.
Einen guten Tag wünsche ich ihnen

Dienstag: Josef aus Ägypten

Guten Morgen.
Kennen sie Josef aus Ägypten? In der Bibel wird erzählt, dass er als Kind schon seltsame Träume hatte. Die liefen alle irgendwie darauf hinaus, dass seine Brüder und seine ganze Familie zu ihm aufschauen würden, er der Mittelpunkt wäre;dabei war er doch der Kleinste der Familie.
Aber dann kam alles anders: Er wurde von seinen Brüdern fast umgebracht, landete als Sklave in Ägypten, und als es endlich anfing, wieder aufwärts zu gehen, wurde er unschuldig ins Gefängnis geworfen. Zuletzt saß er mit Todeskandidaten im Gefängnis.
Aber der Traum war immer noch da – wie ein unsichtbares Seil in der Finsternis. An seinem Traum konnte er sich wieder hochziehen und Stück für Stück nach vorne tasten. So hat er sich nie aufgegeben, obwohl seine Lage aussichtslos schien.
Er brauchte nur einige wenige seltsame Zufälle, und Josef erlebte einen sagenhaften Aufstieg, in die höchsten Staatsämter von Ägypten. Alle schauten zu ihm auf – auch seine Eltern und Brüder.
Festhalten an seinen Hoffnungen und Träumen – auch in den dunkelsten und aussichtslosesten Stunden – das kann man von Josef lernen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Mittwoch: Verstanden?
Guten Morgen,
haben sie schon mal versucht, ihren Plastikmüll zu trennen? So wie die Leute im Wertstoffhof nach PP, PE, PS und so? Das ist irre! Am Boden meines Lieblingsjoghurts steht das PP weiß auf weiß geprägt, und nicht mal ein Millimeter hoch. Wer soll sowas erkennen?
Die Firma hat mir gesagt, die Markierung entspricht den gesetzlichen Vorgaben. Ist ja beruhigend – aber lesen kann ich sie dennoch nicht!
Ich habe mich darüber schon gewundert. Da schreiben die etwas drauf, damit man sagen kann: Ich habs ja draufgeschrieben – egal ob einer etwas damit anfangen kann. Leute schaut doch drauf, dass man euch auch versteht!
Aber ich muss aufpassen – manchmal machs ich ja auch nicht besser: Einfach den Mund aufmachen schimpfen, motzen, Hauptsache ich hab auch mal was gesagt. Muss ja keiner etwas anfangen können mit meinem G´schmarri!
Mülltrennung war eigentlich mein Thema. Beim Reden müsste ich auch öfter  schauen und sortieren: Was sag ich da eigentlich, und wozu ist das gut, was ich da sage?
Will ich bloß rumlabern, oder will ich auch verstanden werden?
Sortieren ist nicht einfach – aber es hilft vor allem meiner Umwelt.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Donnerstag: Alle gleich?

Guten Morgen!
Eine Million Sonneblumen. So ein riesiges Sonneblumenfeld ist einfach ein großartiger Anblick! Aber dann fällt mir beim Spaziergang am Rand des Feldes etwas auf: Diese Sonnenblumen sind irgendwie alle exakt gleich hoch. Ein Meter siebzig schätze ich mal. Als würdeeine große Glasplatte in dieser Höhe sie alle am Wachsen hindern. Fast unheimlich, diese Gleichförmigkeit. Eine Million gleicher Sonneblumen-Soldaten.
Und dann bleibe ich stehen und sehen es mit genauer an: Da hinten, da schaut eine heraus die ist ein bisschen größer … und da ist noch eine und noch eine und noch eine, die ragt locker 30 cm unter den anderen empor.
Ich war da richtig froh über diese „Ausreißer”.
So ein absolut gleiches Sonnenblumenfeld würde mir Angst machen. Wo ist da die Vielfalt?
Ich denke, wir brauchen die, die anders sind, als alle anderen.
Wir brauchen die dicken – oder auch die ganz dünnen.
Wir brauchen wir brauchen die unfassabaren Genies,
udn wir brauchen Menschen mit Behinderung unter uns.
Erst diese Vielfalt bewahrt uns vor der beängstigenden Monotonie der „Normalität”.
Wie gut dass manche anders sind.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Freitag: Ganz einfache Worte

Guten Morgen,
eine alte Erzählung berichtet von einem Großvater, der beobachtet hatte, wie seine Enkelin mit gefalteten Händen auf der Bank vor dem Haus saß und das Alphabet aufsagte. Das klang irgendwie wie ein Gebet, war aber das ganz normale ABC.
Als sie fertig war fragte er, was sie da mache. Ihre Antwort: „Opa, ich bete. Aber meine Gedanken sind so viele, und so durcheinander – ich weiß gar nicht, wie ich es formulieren soll. Da habe ich gedacht: Da spreche ich am besten alle Buchstaben des Alphabets und Gott wird sie für mich schon richtig zusammensetzten, weil er weiß was in meinem Herzen ist.“
Irgendwie hat sie Recht. Schon Jesus hat gesagt: Ihr müsst beim Beten nicht viele Worte machen und hoffen, dass euch Gott deshalb erhört. Euer Vater im Himmel weiß, was ihr braucht, noch bevor ihr ihn darum bittet.
Beten mit dem Herzen – sagen, was einem wirklich berührt oder bedrückt- dazu braucht man keine schönen Formulierungen. Was man braucht, ist ein bisschen Ruhe, und den Mut, ehrlich vor sich selber zu sein – dann kommt man, wie das Mädchen, schon mit sehr wenig Worten aus.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

Samstag: Wo gehobelt wird, fallen Späne

Guten Morgen.
Wo gehobelt wird, fallen Späne. Ein alter Spruch zu einer noch älteren Praxis – Wenn zum Beispiel in der Schule ohne großes Federlesen der nächstbeste Verdächtige dafür bestraft wurde, weil zum Beispiel nach der Pause eine Lehrerkarikatur an die Tafel gemalt war.
Müller, vorkommen, gibts du es zu? Nein? Egal, ich bin mir sicher, du warst es, und Patsch, knallt der Zeigestock auf die Finger des Delinquenten. Wo gehobelt wird, fallen Späne, da erwischt es halt auch mal einen Unschuldigen.
Es gibt Leute, die besuche ich als Pfarrer zum 75. oder 80. Geburtstag … und irgendwann erzählen sie mir so eine Geschichte. Wo es sie unschuldig erwischt hat … und auch nach über einem halben Jahrhundert spürt man noch, wie sie das damals verletzt hat. Sie wissen nicht mehr viel über die Schulzeit, aber das hat sich tief in die Erinnerung eingebrannt.
Wo gehobelt wird, fallen Späne – ob der Lehrer damals geglaubt hätte, dass diese Schläge das einzige sein werden, an das sich dieser Schüler noch nach Jahrzehnten erinnern wird?
Ich glaube: Wenn ich nicht ausschließen kann, dass ich einen Unschuldigen
erwische, sollte ich das Hobeln lieber bleiben lassen.
Einen guten Tag wünsche ich Ihnen.

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