• Werbung

Spielszenen als Predigt: Wasser zum Leben (Johannes 4, 4-14 ) 29. Juni 2014

wasser0Gottesdienst im Grünen: In der Lesung und drei Dialogen geht es um die Facetten der Bedeutung des „lebendigen Wassers“. Der Pfarrer begegnet einer Frau, die ihre Blumen gießt, einem Aquarienfreund und einem Landwirt.

Lesung: Jesus und die Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4, 4-14)

4 Sein Weg führte ihn auch durch Samarien,
5 unter anderem nach Sychar. Dieser Ort liegt in der Nähe des Feldes, das Jakob seinem Sohn Josef geschenkt hatte.
6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Müde von der langen Wanderung setzte sich Jesus an den Brunnen. Es war gerade Mittagszeit.
7 Da kam eine Samariterin aus der nahe gelegenen Stadt zum Brunnen, um Wasser zu holen. Jesus bat sie: „Gib mir etwas zu trinken!“
8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um etwas zu essen einzukaufen.
9 Die Frau war überrascht, denn normalerweise wollten die Juden nichts mit den Samaritern zu tun haben. Sie sagte: „Du bist doch ein Jude! Wieso bittest du mich um Wasser? Schließlich bin ich eine samaritische Frau!“
10 Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, was Gott dir geben will und wer dich hier um Wasser bittet, würdest du mich um das Wasser bitten, das du wirklich zum Leben brauchst. Und ich würde es dir geben.“
11 „Aber Herr“, meinte da die Frau, „du hast doch gar nichts, womit du Wasser schöpfen kannst, und der Brunnen ist tief! Wo willst du denn das Wasser für mich hernehmen?
12 Kannst du etwa mehr als Jakob, unser Stammvater, der diesen Brunnen gegraben hat? Er selbst, seine Kinder und sein Vieh haben schon daraus getrunken.“
13 Jesus erwiderte: „Wer dieses Wasser trinkt, wird bald wieder durstig sein.
14 Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder Durst bekommen. Dieses Wasser wird in ihm zu einer Quelle, die bis ins ewige Leben hinein fließt.“

Einleitung zu den Szenen

Gerade haben wir es gehört. Da sitzt Jesus neben einer Frau am Brunnenrand und spricht mir ihr übers Wasser. Darüber, wie wichtig Wasser für das Leben der Menschen ist. Schon damals hunderte von Jahren vor ihnen hatte Jakob diesen Brunnen gegraben, damit er, seine Familie und die Tiere überleben konnten.
Und dann bekommt das Gespräch eine seltsame Wendung: Jesus spricht immer noch von Wasser, von lebendigen Wasser – aber irgendwie merkt die Frau, dass er etwas ganz anderes meint.
Dass er mit Wasser etwas meint, was wir auch zum Leben brauchen, aber was mehr ist. Es muss etwas mit dem Glauben zu tun haben. Offenbar sind Glaube und Wasser einander sehr ähnlich. Vielleicht sollten wir da einmal genauer schauen – wie das heute ist, wenn Menschen sich übers Wasser unterhalten. Nicht am Jakobsbrunnen, sondern hier bei uns in unseren Dörfern.
Aber zuerst wollen wir mal unsere Kindergartenkinder aus Wilhelmsdorf hören.

 

Szene 1: Garten-Gießerin
G: Gartengießerin / P: Pfarrerwasser1
G    (kommt mit Gießkanne) Mensch, das ist ein Geschleppe. Das ist schon die zwölfte Gießkanne, die ich da mit mir herumschleppe. Aber was willst du machen? Bei dem trockenem Wetter geht dir ja sonst das ganze Zeug im Garten ein.
P    Hallo – was stellen sie denn an?
G    Nach was schauts denn aus?
P    Schaut nach Garten gießen aus.
G    Scharf beobachtet! Brauchen Sie für ihre Blümchen auf dem Altar auch a weng an Wasser?
P    Naja, könnte ja nicht schaden – bei dem Wetter ….
(Die Blumenvasen vom Altar bekommen einen Schluck Wasser aus der Kanne, währenddessen unterhalten sich beide weiter)
P    Sie haben mit der Wasserschlepperei schon eine gescheite Plagerei. Jeden Tag muss das Zeug gegossen werden – da reicht es ja nicht einmal für die ganze Woche. Immer wieder … Kann man sich das nicht leichter machen? Also zum Beispiel etwas im Garten haben, was halt kein, oder nicht so viel Wasser braucht.
G    Naja, dann wärs schon leichter: Disteln brauchen nicht viel Wasser, ein großer Kaktus, ein Magerrasen; oder am besgen gleich alles betonieren?
P    Naja, klingt auch nicht so toll….
G    Eben! Das ist doch das Schöne! Wenn es überall grünt und blüht, wenn etwas wächst, wenn man Erdbeeren ernten kann und Himbeeren zupfen.
P    Stimmt. – Das ist mit meinem Wasser auch so!!
G    Hä? Welches Wasser – ich sehr da grade nichts-
P    Ich meine das Wasser zum Leben – das unser Glaube ist. Wissen Sie: Ohne Glaube gehts auch im Leben. Das kann man sich schon sparen: Aber dann ist halt eher die Zeit der Disteln, und der Kakteen angebrochen. Aber wo Menschen das Wasser des Glaubens vergießen, da wächst was! Da kann das Leben anfangen zu blühen. Wenn die Kindergartenkinder erleben: Gott hat mich lieb Wenn Konfirmanden erkennen: Ich kann auch etwas, ich bin was wert.
Wenn wir Erwachsenen erleben: Ich werde gebraucht, mit meinen speziellen Fähigkeiten und Begabungen  – und trotz meiner Schwächen
Dann blüht etwas auf, dann wachsen Früchte.
G    Klingt gut – ist aber auch Arbeit – so wie das Gießkannenschleppen: Man ist da schon auch gefordert. Wenn man zum Beispiel in einem Chor mitmacht, beim der Jungschar, im Kindergottesdienst hilft, im Kindergarten sich als Mitarbeiterin oder Elternteil engagiert – ja, das ist anstrengend, aber toll.
P    Und dann blüht es und wächst es.
G    Na dann, wünsche ich ihnen noch fröhliches Gießen! Ade!     (Geht los) Ach, … Herr Pfarrer
P    Ja?
G    Ham sie jetzt noch ein Lied?
P    Ja, haben wir: laudato Si!

Szene 2: Aquarianer
A: Aquarianer / P: Pfarrer
wasser2A    (kommt mit einem Glas mit Fischen, stellt sie auf den Altar)
P    Hallo, was machen Sie denn da?
A    Ja, ich bring da ein bisschen was von meinem Aquarium mit.
P    Warum denn das?
A    Das Thema ist doch: Wasser zum Leben. Und DAS hier ist Wasser zum Leben. Denn meine Fische brauchen das Wasser zum Leben. Ohne Wasser wären sie nullkommanichts tot.
P    Und die kann man da jetzt so hier stehen lassen? Das geht?
A    Nicht lange. Wenn die hier immer im gleichen Wasser schwimmen müssten, würde das nicht lange gut gehen. Darum hat das Aquarium eine Umwälzpumpe, und immer wieder muss man auch einen Teil des Wassers austauschen.
P    Das heißt: Im Wasser ist alles drin, was die Fische brauchen, aber es muss Bewegung drin sein, und Austausch.
A    Genau – sonst ist das Wasser tot – die Nitratwerte steigen – Algen wuchern – aus die Maus!
P    Ich überlege, ob das mit dem Wasser des Glaubens auch so ähnlich sein könne. Da ist es ja auch schwierig, wenn da nie eine Veränderung ist, wenn immer alles gleich ist.
A    Das haben wir doch: Heute sind wir mal draußen, Wilhelmsdorfer und Brunner sind buntgemischt, Alt und Jung – so wie die Umwälzpumpe im Aquarium. Da kommt Leben ist Glaubenswasser.
P    Stimmt. Und genau so etwas brauchen wir immer wieder. Den Austausch miteinander.
Dass man merkt: Man ist nicht allein.
Und dass man merkt: Man ist nicht der einzige, der recht hat – manchmal macht so ein fehlender Austausch auch ein bisschen engstirnig. Dass man denkt, man wäre der Einzige, der weiß, was richtig und was falsch ist.
A    Pfarrer: Du hast noch was vergessen: Der Fisch im Wasser ist auch ein ganz altes christliches Symbol.
P.    Stimmt. Da wäre es ja passend, wenn wir jetzt bei „Laudato si” den Vers mit den Fischen singen würde.

Szene 3: Landwirt
L: Landwirt / P: Pfarrer
wasser3L    (mit einigen Ähren in der Hand, schaut skeptisch zum Himmel)
P    Na, sie genießen auch das schöne Wetter?
L    „Genießen” ist das falsche Wort. Wir könnten ein bisschen mehr Regen gebrauchen. Es ist momentan einfach zu trocken.
P    Hmm … vorhin hab ich jemanden getroffen, der hat mit seiner Gießkanne seine Blumen gegossen. Also das hat prima geklappt.
L    Ja, bei so einem bisschen Blumenbeet ist das ja kein Problem. Aber Felder mit ein paar Hektar, da kannst du nicht gießen. Da bist du auf Regen angewiesen.
P    Ja, da hilft auch die ganze Technik in der Landwirtschaft nichts – wenn es nicht regnet, bleibts trocken. Da ist man dem Wetter ausgeliefert.
L    Da ist ja nicht nur bei uns in Brunn und Wilhelmsdorf so. Es gibt Länder, da regnet es regelmäßig viel zu wenig. Da merkt man erst, wie über-lebenswichtig das Wasser ist. Ohne Wasser wächst einfach nichts.
P    Schon komisch: Zu anderen Zeiten regnet es fast ohne Unterbrechung.
L    Ja, so ist es, und damit muss man umgehen – das muss man einfach akzeptieren, dass WIR das Wetter nicht machen können.
P    Wir sind ja heute Vormittag am überlegen, wie das mit dem Glauben als Wasser der Lebens ist. Das heißt ja: Manchmal haben wir mehr als genug, und manchmal ist es richtig knapp.
L    Manchmal fällt es einem total leicht, an Gott zu glauben, da erscheint alles ganz logisch und sinnvoll. Da regnet es förmlich Glauben vom Himmel.
Und zu anderen Zeiten hat man die Krise, man hat offene Fragen, zweifelt an sich selber und an auch Gott. Da wundert man sich manchmal über sich selber – dass man mal so drauf ist, und manchmal ganz anders
P    Aber vielleicht können Sie ja gar nicht so sehr viel dafür: Der Regen kommt – der Regen geht. Mal ist es trocken, und mal blüht alles. In der Bibel sagte Jesus: Der Geist weht, wo er will.
L    Er hat auch gesagt: Gott  lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
P    Wenn wir das auf das Wasser des Lebens beziehen, können wir also sagen: Eigentlich können wir gar nichts dafür oder dagegen tun – wir sind diejenigen, die von Gott beschenkt werden. Damit in uns Glauben lebendig ist, wächst und gedeiht, das können wir nicht „machen”, das passiert einfach – das schenkt uns Gott.
L    Naja, ein bisschen was kann man schon machen: Manche Leute beten dafür, das es regnet. Warum soll man Gott nicht bitten, dass es einem mit dem Glauben leichter fällt.
G     (Kommt dazu): Und man kann natürlich auch seinen Glauben hegen und pflegen! Damit man ihn nicht einfach so ungenutzt herumliegen lässt. Zeit verwenden für die Glaubens-Beete seines Lebens, damit da auch etwas blüht und wächst. Dass es Früchte gibt und es blüht.
A    (kommt auch dazu) Und vergesst nicht: Vom Wasser des Lebens können ganz viele leben. Und es ist schön, wenn sie sich immer wieder begegnen und Gedanken austauschen, sich gegenseitig weiterhelfen. Dann bleibt das Wasser des Lebens, dann bleibt der Glaube in Bewegung.

Alle     AMEN

wasser4

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.