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Symbolpredigt: Der richtige Empfang ist Einstellungssache (Symbolpredigt Radio) 18. Juni 2014

Symbolpredigtradio zum Radio. Anlässlich einer Radfahrer-Andacht in der Kirche in Brunn hat das Rundfunkmuseum uns einen schönen alten Radioenpfänger zu Verfügung gestellt.

Ein Radio steht hier vorne – aus dem Brunner  Rundfunkmuseum haben wir es uns einmal ausgeliehen. So ein richtig schöner alter repräsentativer Röhrenempfänger.
Das hat nicht nur damit zu tun, dass wir auf unser Museum stolz sind, sondern: Das Radio und unser Glaube haben es beide mit etwas zu tun, was für unser Auge unsichtbar ist.
Unsere Welt ist durchwoben mit elektronischen Signalen unzähliger Sender. Deutsche, englische, russische. Regionale aus Franken und Bayern, aber auch die Wellen ferner Sender, aus Monaco oder sonstwo kommen hier bei uns an.
Alles da – aber wir können es nicht sehen, nicht fühlen nicht hören! Was man braucht, ist ein Radioempfänger, den wir auf die richtige Frequenz einstellen. – Dann gibt es etwas zu hören.

Mit diesem alten Radio war das gar nicht so einfach, manchmal saß man ewig vom dem Kasten, bis man den gesuchten Sender gefunden hat und auch die Feineinstellung hinbekommen hat.
Erst dann konnte man das Programm anhören und genießen.
Ohne Radio, oder wenn dieses nicht passend eingestellt war, hörte man nichts – da war dann nur Rauschen – so als hätte es die Erfindung des Rundfunks nie gegeben.

EINSTELLUNGSSACHE

Nicht viel anders steht es um die Grundfrage des Glaubens: Gott ist für unser Auge nicht sichtbar und auch das, was er tut, lässt sich nicht einfach so erkennen oder nachweisen.  Wir brauchen dafür auch einen Empfänger und die richtige „Einstellung”.

Die „Antenne”, der Empfänger , das sind wir selbst, – dann, wenn wir uns darauf einstellen, dass Gottes Reich um uns ist.
„Glaube ist Einstellungssache” – dieser Satz wird manchmal verwendet, um zu sagen: Der eine glaubt, der andere nicht, das soll jeder halten, wie er mag.
Aber da steckt mehr dahinter: „Glaube ist Einstellungssache” – wenn ich mich innerlich darauf eingestellt habe, dass Gott da ist, dass er uns Menschen begegnen will, dass er uns etwas sagen will – dann kann ich auch diese Signale hören. Dann kann ich auch erleben, dass Glaube mehr ist, als eine Ideologie.
Ich kann auf Empfang gehen: So dass mir Gottes Wort etwas sagt, das ich von ihm Kraft, Mut, Trost empfange.
Das ist mehr als Einbildung – das ist das Wunder, dass wir aus einer Welt, die unsichtbar und nicht beweisbar ist, doch etwas für unser Leben empfangen.
Wer anders eingestellt ist, wer seine inneren Antennen nicht darauf einrichtet, dass es mehr gibt, als die Welt, die wir sehen, der wird sich schwer tun, davon jemals etwas mitzubekommen.

PROGRAMMFRAGE

Was gibts da zu hören – zu empfangen? Ich stelle fest: Beim Radio legt der Sender fest, was ich höre. Was wir empfangen, nicht wir selber bestimmen.  Der Sender, den ich eingestellt habe, hat nun einmal ein bestimmtes Programm. Bayern 5 hat Nachrichten, Bayern 1 mag traditionellere Musik, Antenne Bayern dudelt die Charts rauf und runter. Der Programmchef sitzt im Sender, nicht bei mir im Wohnzimmer.
Gottes Programm ist auch nicht nur Wunschkonzert. Wenn Gott mir durch mein Gewissen sagt, was bei mir nicht in Ordnung ist. Wenn ich höre, dass ich Liebe üben soll, auch wenn ich eigentlich lieber draufhauen würde. Dann ist Gottes Sendung eine andere als das, wonach mir gerade der Sinn steht.
Das gehört zum Glauben dazu, dass nicht ich der maßgebliche bin, sondern dass ich mich an dem orientiere, was ein Anderer – was Gott mir sagt.

So horchen wir und lauschen, auf die freundlichen Worte, die uns sagen, dass Gott uns liebt und für wertvoll erachtet. Und lassen uns auch sagen, dass Gott unserem Leben eine bestimmte Richtung weist.

Empfangsstörungen

So lange es Radios gibt, wird man sich auch über schlechten Empfang ärgern. Das gehört irgendwie dazu. Es rauscht, man dreht am Empfänger, fummelt an der Antenne – aber es wird eher schlechter als besser. Keine Ahnung, weshalb das gerade heute nicht geht … gestern war noch alles in bester Ordnung.
Empfangsstörungen können einem das Radiohören manchmal gescheit verleiden – dass man eher ausschaltet, als sich das Gekratze anzuhören.

Himmlische Empfangsstörungen gibts ja auch. Wenn man seinen Gott einmal nicht versteht, wenn Dinge geschehen, die einem sinnlos erscheinen und man sich fragt, warum er das denn zulässt. Solche Situationen verwirren. Weil die Klarheit, die man vorher in Fragen des Glaubens hatte, plötzlich weg ist. „Lieber Gott”, das klingt dann nicht mehr so klar und schön, wie vorher.

Liegt es an mir, dass da etwas unklar und rätselhaft erscheint? Habe ich vielleicht bei meinen Einstellungen etwas verdreht – so dass der Draht zu Gott nicht mehr passt? Habe ich eine falsche Vorstellung von Gott?
Oder liegt es doch daran, dass der Sender (Gott) und ich als Empfänger eben doch sehr unterschiedlich sind? Dass seine Weisheit und meine Logik nicht das Gleiche sind?
Das lässt sich oft gar nicht so genau erklären.  Wir müssen damit leben: Manchmal erscheint alles in klaren Tönen, und ein Andermal ist es ein mühsames Ringen, seinen Gott zu verstehen.

Plätschern oder Lauschen
Ein letzter Gedanke: Wie nutzen wir eigentlich unser Radio?  Meistens dudelt es ja so im Hintergrund. In der Küche, im Auto auf der Arbeit liefert es eine selbstverständliche Hintergrundmusik des Alltags. Ohne Radio wäre es uns manchmal zu öde  – also schalten wir die Kiste ein, ohne genau darauf zu achten, was da gerade erzählt wird.
Und manchmal schaltet man sehr bewusst ein. Zum Beispiel zur Nachrichtenzeit, um mitzubekommen, was gerade los ist, weil man über die Ergebnisse der WM-Spiele oder über den Stand der Rettung des Höhlenforschers informiert werden will. Und da hört man schon genauer hin – da ist es auch störend, wenn in dem Moment jemand ins Zimmer kommt und zu reden anfängt.

Radiohören ist ein Wechsel zwischen so einer Grundbegleitung des Lebens und Momenten, wo man sehr bewusst die Lauscher aufsperrt, um etwas mitzubekommen.

Kann man da auch einen Bogen zum Glauben schlagen? Glaube als Hintergrundgedudel? – Das natürlich nicht.
Aber Glaube ist das, was mein Leben begleitet, durchzieht, die Melodie meines Tages bestimmt. Ich bin ja nicht nur am Sonntag Christ, sondern die ganze Woche. Dessen bin ich mir bewusst, aber nicht im jedem Moment dreht sich meine ganze Aufmerksamkeit um mein Christ-Sein.

Aber manchmal gibt es Situationen, da wird mir das in besonderer Weise bewusst. Wo ich mich als Mensch herausgefordert fühle, wo ich Entscheidungen treffen muss und dabei als Christ anders denke und entscheide als jemand, für den der Glaube keine Bedeutung hat.
Auch: Wenn ich froh und dankbar etwas besonderes erlebe und mir bewusst mache: Das ist ein Geschenk Gottes
Das sind die Momente: Da ist Glaube nicht nur Grundmelodie meines Lebens, sondern setzt Akzente, weist Richtungen, deutet mein Leben.

Liebe Radler-Gemeinde,
Ich hoffe, ich habe jetzt genug Werbung gemacht, fürs Radio.
Fürs Einschalten – dass wir uns bewusst darauf einstellen, dass Gottes Reich uns umgibt.
Für den Mut, seinem Sender treu zu bleiben, auch wenn nicht alles nur bequem ist, was wir da hören.
Für die Ausdauer – nicht aufzugeben, wenn ich diesen Gott nicht verstehe.
Und fürs eingeschaltet lassen für die ganze Woche. Manchmal ganz bewusst – und ganz oft als prägende Grundmelodie des Lebens.
Amen

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Ein Kommentar

  1. Interessanter Monolog!

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