Predigt: Jesus ist auferstanden! (Lukas 24, 36-45) 5. April 1999 – Ostermontag

Liebe Gemeinde

kennen Sie Kleopas? Er ist einer der beiden Männer, die von Jerusalem nach Jericho unterwegs waren. 3 Tage nach Jesu Tod am Kreuz. Ihm, und seinem Freund ist Jesus begegnet. Der Auferstandene! Und erst beim Abendessen haben sie ihn erkannt, daß er es ist: Jesus, der tot war, ist wieder unter ihnen. Und kaum hatten sie ihn erkannt, verschwand er vor ihren Augen.
„Jesus ist auferstanden!“ Mit dieser Nachricht kehrten sie noch am gleichen Abend nach Jerusalem zurück. Zu den übrigen Jüngern Jesu. Und die waren da schon in heller Aufregung. Kurz zuvor waren die Frauen von Jesu Grab zurückgekommen und hatten die gleiche Botschaft mitgebracht: „Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden!“. Jetzt saßen sie zusammen. Aufgeregt – aufgewühlt förmlich – und zugleich ratlos: Jesus soll von den Toten auferstanden sein. Wieder lebendig! Das ist ja wunderbar – aber glauben will es doch keiner so recht. Das ist einfach unvorstellbar. Was werden die gesagt haben, die nicht so wie Kleopas Jesus selbst begegnet sind?
– „Schön wärs, aber ich denke, bei dir ist der Wunsch Vater des Gedankens“ – ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen
– Kleopas, nimms mir nicht übel, aber ich glaube, du bist einfach zu sehr im Streß gewesen in den letzten Tagen. Da kann man schon mal Gespenster sehen.

Wer tot ist, ist tot. Nein – eigentlich kann es sich keiner von ihnen wirklich vorstellen, daß Jesus von den Toten auferstanden ist. Ihr Wunsch wäre es schon …
Darum sitzen sie jetzt alle zusammen, sind ratlos. Wagen es kaum, das für wahr zu halten, was Kleopas, was die Frauen zu berichten haben.

Was sich dann ereignete, erzählt uns der heutige Predigttext am Ende des Lukasevangeliums:
Als die Jünger aber noch von ihm redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Faßt mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, daß ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und Füße.
Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muß alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden.

Liebe Gemeinde, selbst als Jesus höchstpersönlich bei ihnen auftaucht, tun sie sich die Jünger schwer, es zu fassen. Zu begreifen, daß Jesus von den Toten auferstanden ist, daß er lebt. Es ist verrückt, oder zutiefst menschlich. Jesus steht vor ihnen, und sie können es nicht fassen. So etwas war ja auch noch nie da!
Und die erste Reaktion, von der hier berichtet ist: Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Jesus als Gespenst! Nicht der echte Jesus! Bloß ein Geist! Nicht das Original! Damit kämen die Jünger anscheinend eher zurecht: Jesus ist nicht wirklich auferstanden, sondern bloß sein Geist ist uns erschienen. So könnten sie sich die Auferstehung vielleicht doch irgendwie vorstellen.
Und wir tun uns heute offenbar damit auch leichter. Da sagen die einen:
– Jesus ist nicht wirklich auferstanden, sondern seine Botschaft ist halt unsterblich.
– Die Jünger hatten eine Vision, haben den Auferstandenen gesehen, der aber historisch gesehen schon im Grab liegen blieb.

So eine Auferstehung „light“ können sich viele von uns leichter vorstellen. Da könnten mehr Menschen im Glaubensbekenntnis problemlos mitsprechen: „am dritten Tage auferstanden von den Toten“. Aber: Jesus selbst macht den Jüngern und auch uns da einen dicken Strich durch die Rechnung: Er sagt: Was ist in euch gefahren, daß euch solche Gedanken kommen: Ich bin kein Gespenst, kein Geist. Ich bin es wirklich: Schaut mich an: Die Nägelmale an meinen Händen und Füßen. Faßt mich an! Ja, langt hin, damit ihr es „begreifen“ könnt. Ich bins. Ich bin der gleiche wie der, der mit euch zusammen Abendmahl gefeiert hat. Kein Anderer.
Die Jünger tun sich schwer: Sie freuen sich, daß Jesus lebt, unter ihnen ist, aber zugleich können sie es immer noch nicht fassen. „Zwick mich, damit ich weiß, ich träume nicht bloß“. Es ist eben unfaßbar.
Die Auferstehung Jesu bleibt auch unfaßbar. Was damals geschah widerspricht dem, was wir tagtäglich erfahren. Der Tod ist das Ende eines Menschenlebens. Da steht keiner mehr auf!

Und wir haben auch keine Beweise dafür, daß Jesus auferstanden ist. – Nagut, welche Beweise soll jemand hinterlassen, der von den Toten aufersteht? Da bleibt ja logischerweise nicht mal eine Leiche übrig!
Und selbst wenn wir irgenwo einen Beweis herbekämen, bringt der uns wohl auch nichts. Denn „Auferstehung“ bleibt eben unvorstellbar. Die Jünger sind das beste Beispiel: Das steht Jesus leibhaftig vor ihnen, läßt sich von ihnen berühren, ißt sogar ein Stück Fisch, damit sie glauben: er ist es wirklich. Und sie stehen immer noch da und packen es nicht. Zunächst die gemeinsame Zeit mit Jesus, dann die Ereignisse in Jersualem – Gefangennahme – Kreuzigung – Jesu Tod – sie haben ihn beerdigt.Und jetzt ist er wieder hier, lebendig! Nein, die Auferstehung Jesu kriegen die Jünger nicht so ohne weiteres in den Griff.
Die Begegnung der Jünger mit Jesus nimmt aber doch noch eine Wendung: Er erinnert sie an seine Worte, die er lange vor seinem Tod gesprochen hatte: Da hatte er bereits angekündigt: Es muß so kommen, daß ich leiden muß, sterben muß und auferstehen werde. Bereits in den Schriften der Propheten war das vorhergesagt: Es ist Gottes Plan: Er will einen Messias senden, der dieses Schicksal erleiden muß.
Und von daher bekommt die Auferstehung einen ganz neuen Glanz: Hier ist nicht irgendwer gestorben und zufällig wieder lebendig geworden. Nein. Was an Karfreitag und Ostern geschah, war Gottes Plan mit Jesus. Er hat ihn mit der Botschaft der Liebe zu uns Menschen geschickt. Mit einer Botschaft, die ihn an Kreuz führte. Und Gott selbst hat ihn aus dem Tod befreit – und damit dem Tod die Macht genommen.
Gottes eigene Tat war es. Vielleicht hilft das Ihnen auch, die Auferstehung etwas besser zu verstehen. Mir fällt es so leichter, die Auferstehung Jesu zu begreifen: Als Tat, als Wunder Gottes, das eben nicht unseren Naturgesetzen gehorchen muß.
Wenn ich mit einem Gott rechne, der diese Welt in der Hand hat; wenn ich ihm überhaupt etwas zutraue, dann muß ich Jesu Auferstehung nicht anzweifeln – Auch wenn ich sie letztlich nicht erklären kann.

Wirklich spannend wird Jesu Auferstehung, wenn ich frage: Was mache ich damit? Was habe ich davon? Wir können hier auf Kanzeln, an Redepulten und Professoren-Kathedern lange und breit hin- und her-diskutieren, ob Jesus auferstanden ist oder nicht. Aber betrifft das mich?
JA, das betrifft mich! Es kann mir herzlich es egal sein, ob Jesus grüne oder braune Sandalen anhatte. Ob er einen Bart hatte, oder sich rasierte. Das ändert für mich nichts. Aber ob Jesus von Gott aus der Tod auferweckt wurde, daran hängt für mich viel – vielleicht auch alles.
Denn für alle Menschen ist der Tod die Grenze. An ihr ist Schluß. Wenn jemand diese Grenze überschreitet, ist alle Hoffnung dahin. Ein Kranker hat Hoffnung auf Genesung. Ein Armer hat Hoffnung, daß es ihm irgendwann besser geht. Aber wer tot ist, der ist verloren. Das ist die Erfahrung, die wir Menschen immer wieder machen, wenn wir vor einem Grab stehen. An der Grenze des Todes gibt es kein zurück mehr, da verschwindet die Hoffnung, da wird es dunkel. Am Tor zum Totenreich kann man nur vergeblich rütteln.
Bis Karfreitag. Da überschritt einer diese Grenze, der da nicht hingehörte: Jesus Christus – und ihn brachte Gott ins Leben zurück.
Zum allerersten Mal passierte das, was zuvor unmöglich erschien: Gott durchbrach die Grenze des Todes. Es wurde offenbar: Der Tod ist kein Bereich, der Gottes Macht entzogen ist. Auch im Tod gibt es noch Hoffnung. Das bedeutet die Auferstehung Jesu! Der Tod als endgültige Macht hat ausgespielt. „Er hat zerstört der Höllen Pfort, die Seinen all herausgeführt und uns erlöst vom ewgen Tod“ so klingt es in einem Osterlied.

Der Tod ist nicht mehr der Ort der absoluten Hoffnungslosigkeit. Er ist immer noch schrecklich. Der Tod ist immer noch der Feind des Lebens. Aber: Der Tod wurde zum Ort, an dem noch Hoffnung ist. Weil wir gewiß sein können: Auch im Tod sind wir in Gottes Hand. Und Gott läßt uns nicht los. Im Leben nicht, und im Sterben auch nicht.
Vieleicht waren die Jünger Jesu auch deshalb so verwirrt , als sie Jesus sahen: Sie ahnten, was Jesu Auferstehung bedeutet – für ihr Leben und für ihr Sterben. Den Ort der absoluten Gottesferne gab es plötzlich nicht mehr. Das mußten sie ja auch erst einmal realisieren. Von nun an wußten sie sich von Gottes Gegenwart umfangen: Gott ist mit uns.
Und das hat die Jünger verändert. Aus der verängstigten Schar von Karfreitag wurden Frauen und Männer, die offen von Jesus erzählten. Davon weitersagten, daß die Auferstehung Jesu „Hoffnung“ bedeutet.

Von da an war den Jüngern – auch unserem Kleopas – klar:
Gott geht mit mir einen Weg; seit meiner Geburt.
Und dieser Gott der mit mir und für mich ist, auf den kann ich meine Hoffnung setzen. Immer dann, wenn es dunkel wird, dann weiß ich: Es gibt ihn, den Gott der mit mir geht – durch dick und dünn. Ich habe hoffnung, daß er mir aufhilft, wo ich im Leben scheitere, wo ich hinfalle.
Und dieser Gott verläßt mich auch im Sterben nicht. Er läßt auch dort meine Hand nicht los: Er bleibt da. Er bringt mich, so wie Jesus, zu einem neuen Leben.
Das ist sie, die Hoffnung, die Ostern ausmacht.
Amen

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