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Predigt: Ein Loch ist im Eimer, oh Henry (1. Thessalonicher 5, 14-24 ) 1.September 2002

Der Predigttext für heute steht im ersten Brief des Paulus an die Thessalonicher, am Briefschluss, im 5. Kapitel:
14 Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann.
15 Seht zu, daß keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.
16 Seid allezeit fröhlich,
17 betet ohne Unterlaß,
18 seid a dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.
19  Den Geist dämpft nicht.
20 Prophetische Rede verachtet nicht.
21 Prüft aber alles, und das Gute behaltet.
22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.
23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
24 Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun

Liebe Gemeinde,
diese Liste hat es in sich. Ich fühle mich glatt an einen Quelle-Katalog erinnert. So bunt und vielfältig ist das, was das steht. Wie in einem dicken, dicken Katalog. Mindestens 13 Ermahnungen kann ich da lesen.
In Fachkreisen spricht man tatsächlich von einen Katalog: Diese Bibelstelle ist ein sogenannter Tugend-Katalog. Da liegt es gar nicht fern, damit umzugehen, wie mit einem richtigen Quelle-Katalog: Ich suche mir heraus, was mir gefällt, alles andere überblättere ich einfach so. Ich glaube aber nicht, dass das im Sinne des Apostels Paulus wäre. Er hat nämlich keinen Katalog zu aussuchen geschrieben, sondern ein Angebot, das es nur im Komplettpaket gibt. Alles, oder gar nix.

Paulus schreibt der Gemeinde in Thessalonich: „Bitte befolgt diese Ratschläge von mir“. – Und wenn wir so einen Text als Predigttext in Gollhofen hören, liegt es ja nahe, dass wir auch damit gemeint sein sollen.
Jeder Einzelne von uns, Sie und ich. Und dabei beschleicht mich das Gefühl, dass ich damit erstmal völlig überfordert bin: „Wie soll ich das alles schaffen?“.

In meiner Verzweiflung habe ich mir diese Verse ein bisschen länger angeschaut. Und ich möchte diesen Predigttext einmal in vier Teile zerschneiden. Und dabei soll mir das Beispiel eines Wasserbrunnens helfen. So ein Brunnen, mit einer Pumpe mit einem dicken Schwengel, und einem Eimer dazu.

DAS WASSER

Die ersten Verse, das sind die Mahnungen, die Paulus seinen Lesern mit gibt: Wir sollen den Unordentlichen helfen, dass sie ihr Leben auf die Reihe bekommen. Die Verzagten trösten und Schwache tragen. Außerdem sollen wir auch mit der größten Nervensäge geduldig sein und niemals für Böses Rache nehmen.

Ich stelle fest: Alle diese Ratschläge sind wunderbar, können uns im Leben wirklich helfen. Sie können eigentlich so etwas sein wie frisches Wasser, dass wir zum Leben brauchen.
Wie notwendig und richtig diese Ratschläge sind, merken wir, wenn sie nicht beherzigt werden:
– Wenn die Schwachen nicht unterstützt werden sondern von den starken unterdrückt und missbraucht werden.
– Wenn wir für Böses Rache nehmen und wenn wir damit eine Spirale anstoßen, die Spirale der Gewalt, durch die Menschen in ihr Unglück stürzen.

Diese Mahnungen des Apostels sind wie frisches Wasser – aber wo kriegen wir das bloß her?

DER EIMER

Kennen Sie das Lied vom Wasser holen?: „Hol Wasser oh Henry…“.
Die Rückfrage: „Womit denn Karl Otto….?“.
Die geniale Lösung: „Mit nem Eimer oh Henry“.
Wir benötigen also – im Bild gesprochen – einen Eimer, mit dessen Hilfe wir dieses Wasser zu den Menschen tragen können!
Aber Vorsicht: In diesen alten Schlager heißt es ja „Ein Loch ist dem Eimer Karl Otto“.

Also sollte dieser Eimer kein Loch haben. Und die nächsten Verse unseres Predigttextes könnten dieser Eimer sein. Mit Hilfe jener Ratschläge können wir gute Taten den Menschen weitergeben, ohne dass uns dabei das Wasser durch das Loch im Eimer fließt.

„Seid alle Zeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen“.
Dazu scheint uns der Apostel Paulus ermuntern zu wollen: seid fröhlich und dankbar: Wenn ihr euch darüber freut, was Gott euch alles an gutem schenkt, fällt es euch bestimmt nicht schwer, eurem Nächsten liebevoll weiterzuhelfen.
Und betet ohne Unterlass! Wer im Gebet die Nähe Gottes sucht, handelt oft besonnener, als jemand, der nur um sich selber kreist.

Merken sie, was für eine Wahrheit in diesen Zeilen steckt? Ein fröhlicher Geber, ein fröhlicher Helfer, ein fröhlicher Ermahner – die können etwas ausrichten. Sie können das frische Wasser ihrer Hilfe gut weiter tragen.
Aber ein missmutiger Spender, oder jemand der mir nur mit Zähneknirschen bei einer Arbeit hilft, der hat im Bild gesprochen ein Loch im Eimer. Da geht dann nur wenig vorwärts.

DIE PUMPE
Das Wasser im Eimer bekommen wir von der Pumpe. Besser gesagt: die schwere gusseiserne Pumpe hilft uns, das Wasser herauf zu pumpen aus dem tiefen Brunnen. Ich glaube, die nächsten Verse des Apostels sind so etwas wie die Pumpentechnik. Sie geben Auskunft darüber, was wir eigentlich grundsätzlich beachten sollten, sozusagen als christliches Handwerk:

“ Den Geist dämpft nicht, prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt“.

Liebe Gemeinde,
auf dem ersten Blick erscheint es so, als wären das auch wieder Ratschläge wie die ersten auch. Aber haben sie gemerkt, wem diese Ratschläge eigentlich zugute kommen? Nicht den Andern, sondern vielmehr ihnen selber!

– Prüft alles und behaltet das Gute: dieser Satz warnt mich davor, auf den falschen Zug aufzuspringen und eine bittere Enttäuschung erleben.
– Prophetische Rede verachtet nicht: Da sehe ich eine alte Frau, die anderen davon erzählt, wie der Glaube ihr durch die Jahre geholfen hat. Wer diese Glaubenserfahrungen der Alten ernst nimmt, und nicht nur belächelt, der kann einen Schatz dabei gewinnen.
– Und wer sich von vornherein dem Bösen Handeln verschließt, kommt auch dann nicht auf die schiefe Bahn, wenn das falsche Handeln eines Tages ganz verführerisch, attraktiv und harmlos daherkommt.

Das sind Sie, die Ratschläge des christlichen Handwerks, die Pumpentechnik für das frische Wasser, dass unser Leben so wertvoll macht.

DAS GRUNDWASSER

Wenn sie das Bild von Wasser, Eimer und Pumpe weiterdenken, wissen Sie, woher denn das Wasser eigentlich kommt: Es ist das Grundwasser am Boden des Brunnens. Es ist überall vorhanden, aber nur dort, wo ein Brunnen und eine Pumpe sind, können wir auch etwas davon bekommen.

Die letzten Zeilen unseres Predigttextes sprechen von diesem Grundwasser:
„Der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun“

Das Grundwasser ist die Liebe und Fürsorge unseres Gottes. Eine Fürsorge, die sogar über unser Leben hinausgeht. Gott meint es gut mit uns.
Und im Glauben nehmen wir diese Liebe Gottes zu uns an. Erst als Menschen, die Gott vertrauen, haben wir einen Brunnen gebohrt, der bis zu diesem Grundwasser der Liebe Gottes reicht.

Ohne diese Liebe Gottes zu uns, wäre kein Wasser da, dann würden alle Pumpentechnik des christlichen Handwerks nicht helfen, und unser Eimer der Fröhlichkeit würde leer bleiben, und bei denen, denen wir vielleicht helfen wollen, käme nichts an, jedenfalls nicht auf Dauer -es fehlt uns ja Verbindung zum Grundwasser.

ZUSAMMENFASSUNG

Liebe Gemeinde,

ganz am Anfang erschienen uns die Worte aus dem Brief an die Thessalonicher wie ein bedrohlicher Katalog von christlichen Vorschriften.
Aber wir haben entdeckt: Es ist viel eher eine Anleitung, wie wir als Christen hilfreich tätig sein können:
Zuallererst können wir uns auf das Grundwasser der Liebe Gottes zu uns verlassen,
dann sollten wir das Räderwerk unseres persönlichen Glaubens achten und pflegen.
So sind wir dann fähig, im Eimer der Fröhlichkeit und Dankbarkeit,
zu den Schwachen die Stärke zu tragen,
zu den Verzweifelten den Trost
die Versöhnung den Übertätern
und vieles mehr.

AMEN

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Ein Kommentar

  1. Gute Predigt zu 1. Thess 5 – wollte mich für die Idee mit dem Brunnen bedanken. Ich habe sie für meine Predigt morgen übernommen.
    Vielen Dank und Gottes Segen zum Dienst.

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